Aktive Gestaltung von mündlichen Prüfungen - Empfehlungen für Studierende
Machen Sie aus der Prüfung ein Fachgespräch!
Machen Sie mit Ihrer Darstellung ein Angebot an den Prüfer, indem Sie Ihm einen wohl vorbereiteten Faden zuspielen. Führen Sie dazu in Ihre eigenen Gedanken und Fragestellungen ein. Werfen Sie selbst Fragen auf, und nutzen Sie die Fragen des Prüfers dazu, Ihr eigenes Wissen anzubringen. Beschränken Sie sich nicht auf Kurzantworten. Damit spielen Sie dem Prüfer die dominierende Rolle zu.
Gestalten Sie den Einstieg!
Überlegen Sie sich einen gelungenen Einstieg in Ihr Prüfungsthema. Nutzen Sie Ihre Einführung dazu, bei Ihrem Gesprächspartner Interesse und Aufmerksamkeit zu wecken, vielleicht sogar Neugier. Geben Sie ihm z. B. eine klare Linie an die Hand, indem Sie in den Aufbau Ihres Themas einführen. Zeigen Sie auf, dass Sie eine bestimmte Argumentation entwickeln wollen. Das hilft Ihnen über die mögliche anfängliche Aufregung hinweg.
Formulieren Sie präzise!
Ihre Ausführungen sollten präzise sein, d.h. korrekt und logisch aufeinander aufbauend. Vermeiden Sie eine sprunghafte, assoziative Darstellung. Umreißen Sie den Zusammenhang, in dem Ihre These steht, und entwickeln Sie eine klare Disposition für Ihre Darstellung. Halten Sie sich selbst an Ihre Argumentationslinien, indem Sie wieder darauf zurückkommen -z. B. auch dann, wenn unerwartete Fragen Sie auf ein Nebengleis geführt haben. Formulieren Sie so klar wie möglich und so ausführlich wie nötig. Vermeiden Sie zugleich zu große Weitschweifigkeit.
Halten Sie Ihre Argumentationslinien ein!
Manche Prüfungsgespräche entwickeln eine eigene Dynamik, die nicht immer zugunsten Ihrer Vorbereitung ausfällt. Wenn Sie jedoch darüber frustriert sind, dass Sie mit Ihren Gedankengängen nicht zum Zuge gekommen sind, dann sollten Sie es zumindest probieren, einen Bezug zu Ihren vorbereiteten Argumentationslinien herzustellen und diese anzubieten. Aber es kommt darauf an, ob sich auch tatsächlich ein sinnvoller Zusammenhang herstellen lässt.
Wählen Sie die adäquate Sprache!
Formulieren Sie nicht zu salopp. Die normale Umgangssprache ist in einer Prüfung fehl am Platze. Es wird von Ihnen auch erwartet, dass Sie sich in ganzen Sätzen ausdrücken und die Fachsprache anwenden. Das muss nicht auf druckreife Formulierungen und eine gestelzte Wortwahl hinauslaufen. Aber Sie sollten Fachtermini anwenden können, einen Sachverhalt in den Begriffen einer Theorie erklären können und manchmal auch wichtige Aussagen im Originaltext wiedergeben können. Insgesamt gesehen ist eine variable Redeweise durchaus erwünscht: Sachlich präzise Ausführungen können Sie durch anschaulich geschilderte Beispiele ergänzen.
Bieten Sie unterschiedliche Auffassungen und Interpretationen an!
Viele wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich aus verschiedenen Blickwinkeln und aufgrund verschiedener Theorieansätze recht unterschiedlich interpretieren. Deshalb hüten Sie sich davor, so etwas wie bewiesene Tatsachen oder Wahrheiten herausstellen zu wollen. Machen Sie stattdessen deutlich, dass Sie mit von Hypothesen geleitetem Denken und mit vielfältigen Aspekten an die Erklärung von Phänomenen herangehen können. Versuchen Sie, mit Ihrer Interpretation ein Angebot zu machen und den Prüfer in eine Diskussion zu verwickeln. Zeigen Sie, dass Sie Fragen auch problematisieren können.
Vorsicht bei Meinungsäußerungen und Kritik!
In der Prüfung geht es nicht in erster Linie um Meinungen und Beurteilungen, sondern Erkenntnisse und Theorien stehen im Vordergrund. Es wird jedoch auch nicht erwartet dass Sie mit Ihrem Urteil hinter dem Berg halten und auf eine eigene Stellungnahme verzichten. Sie sollten allerdings Ihre Meinung nicht vorschnell und in apodiktischer Form anbringen. Schließlich besteht Ihre Aufgabe in der Prüfung ja auch darin, dass Sie Auffassungen und Meinungen diskutieren, d.h. Meinungen in Frage stellen und das Für und Wider kritisch abwägen. Es wird durchaus positiv bewertet, wenn Sie Beurteilungen abgeben, die Sie argumentativ begründen, indem Sie dazu wissenschaftliche Erklärungsansätze und Ergebnisse heranziehen. Stellen Sie sich aber lieber zuerst auf den Boden der Wissenschaft, bevor Sie eine lediglich persönliche Meinung abgeben.
Antworten Sie mit Überlegung - Nehmen Sie sich die notwendige Zeit dafür!
Es ist nicht ratsam, .wie aus der Pistole geschossen" zu antworten. Klüger ist es, erst zu denken und dann zu reden. Legen Sie sich zuerst blitzschnell eine Kurzgliederung zu Ihrer Antwort zurecht und zeigen Sie, dass Sie die Frage in einen Zusammenhang stellen können. Es macht einen günstigen Eindruck, wenn Sie Ihre Antwort mit einer Gliederung wie der folgenden beginnen: „Diese Frage berührt drei Aspekte, nämlich A, B und C. Ich werde zunächst auf die Dimension A eingehen."
Erfassen Sie den Kern einer Frage!
Sie sollten, bevor Sie antworten, für sich genau klären, worauf die Frage abzielt Wenn Sie dabei ganz unsicher sind, versuchen Sie, sich zu vergewissem, ob Sie sie auch richtig verstanden haben. So können Sie z. B. die Frage wiederholen, indem Sie sagen: "Sie meinen mit dieser Frage...?" Sie könnten die Frage dabei auch einzuordnen versuchen, indem Sie z. B. anführen: „Das ist die Frage nach dem methodischen Vorgehen oder nach dem theoretischen Hintergrund oder nach der praktischen Anwendung." Mit einer solchen Wendung verschaffen Sie sich eine Rückversicherung und gleichzeitig einen Moment Pause, in dem Sie Luft holen und sortieren können, bevor Sie zu antworten beginnen.
