Film im Sprachlerntandem

Die Arbeit mit Filmen im Sprachlerntandem wird für beide Tandempartner(innen) zu einem sehr persönlichen, emotionalen Erlebnis: zum Einsatz werden in vielen Fällen Lieblingsfilme ausgewählt, die Vor-/Nachbesprechung der Filme findet in einem Gespräch unter vier Augen statt und ist oft mit vertraulichen Momenten (Erinnerungen, individuelle Ereignisse, Beispiele aus dem privaten Leben) verbunden.

Der Filmeinsatz im Sprachlerntandem ist hochmotivierend: Tandempartner(innen) können bei der Auswahl von Filmen auf gegenseitige Interessen und Wünsche eingehen. Es besteht kein Druck, mit Filmen unmittelbar in Tandemsitzungen zu arbeiten (vgl. z.B. gemeinsamer Kinobesuch vor/nach der Sitzung, individuelle Filmschau zu Hause usw.). Dies schafft eine lockere Situation des Sprachenlernens mit Filmen in der Freizeit, das nach Wunsch durch didaktische Übungen in den einzelnen Tandemsitzungen ergänzt werden kann.

Mögliche Kriterien für die Filmauswahl im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts und im Rahmen des Sprachlerntandems sind kontrastiv in folgender Tabelle dargestellt.

Kriterien der Filmauswahl
für den Fremdsprachenunterricht

Kriterien der Filmauswahl
für das Sprachlerntandem

Authentizität der Filme

Zielgruppe

Altersstufe

Sprachniveau

Motivation und ansprechende Thematik

bei einer größeren Teilnehmerzahl nicht immer möglich

nicht problematisch, da es um Interessen und Wünsche einer/zweier Person/-en geht

Vorkenntnisse (z.B. Filmarbeit, Film- und Medienkompetenz usw.)

unterschiedliche Vorkenntnisse;  
Binnendifferenzierung nötig

leicht zu ermitteln und auf die vorhandenen Kenntnisse zurückzugreifen

kulturelle / politische / religiöse Sensibilität in Bezug auf Lernende

eine kulturelle Diversität in einer größeren Lerngruppe erschwert die Filmauswahl

individuelle Lernerorientierung ist nicht problematisch

Thematik

Wichtigkeit / Aktualität des Filmthemas und Bezug zum L2-Land

Thematisierung der Lieblingsfilme aus der L1-Kultur kaum möglich.

Thematisierung der Lieblingsfilme aus der L2-Kultur evtl. im Rahmen einzelner Stunden bzw. Projekte möglich.

Kombination mit Humor, Unterhaltung und einer angenehmen Freizeitaktivität.

Wichtigkeit und Aktualität des Filmthemas für sowie Bezug zu Tandemlernenden (vgl. Lieblingsfilme aus der L1- und L2-Kultur).

geschichtliche und politische Konstellationen

in mehrsprachigen Lerngruppen stehen geschichtliche und politische Ereignisse der L2-Kultur im Vordergrund; kein Bezug zu L1-Kultur

geschichtliche und politische Konstellationen zwischen zwei jeweiligen L1- und L2-Kulturen des Sprachlerntandems; direkter Bezug zu Lernenden

offenes Konzept der Interkulturalität & interkulturelle Filme

L2-Kultur wird im Fremdsprachen­unterricht präsentiert; die Reflexion über kulturelle Diversitäten in L1- und L2-Kultur ist vor allem in mehrsprachigen Lerngruppen den Lernenden selbst überlassen; Culture-Clash-Filme sprechen in mehrsprachigen Gruppen nicht alle Lernenden an.

die Interkulturalität muss gemeinsam von beiden Tandemlernenden ausgehandelt werden,
intensive aktive bewusste Reflexion über zwei Kulturen; Culture-Clash-Filme sprechen beide Tandemlernenden an; direkter Bezug zu Lernenden

u.a. kulturspezifische Filmgenres und -gattungen

Bezug zu L2-Kultur

Filmgenres und -gattungen aus der L1- und L2-Kultur des Sprachlerntandems

u.a. gemeinsamer Filmfond aus der L1- und L2-Kultur

bei mehrsprachigen Lerngruppen evtl. als Projekt- oder selbständige Arbeit möglich

direkte Betroffenheit der beiden Tandem­lernenden, kooperative Suche nach einem gemeinsamen Filmfond im Sinne des entdeckenden Lernens

evtl. Vorhandensein einer literarischen Filmvorlage

Arbeit mit literarischen Vorlagen in L2 möglich

evtl. Vorhandensein der literarischen Filmvorlagen in beiden Sprachen des Tandems: Arbeit mit literarischen Vorlagen in L1 und L2 möglich

evtl. gute Kritikbewertungen und Auszeichnungen

Kritikbewertungen in mehrsprachigen Lerngruppen in L2-Sprache und in erster Linie aus der L2-Kultur

spannend ist Vergleich der authentischen Filmkritiken aus der L1- und L2-Kultur

evtl. Vorhandensein von parallelen Verfilmungen
in unterschiedlichen Kulturen

für den Unterricht in mehrsprachigen Lerngruppen kaum relevant

ausschlaggebend für Filmvergleiche
(Interpretation, kulturelle Unterschiede, Filmsprache usw.)

evtl. Vorhandensein von professionellen Übersetzungen
in anderen Sprachen

für den Unterricht in mehrsprachigen Lerngruppen nicht relevant

ausschlaggebend für Filmvergleiche (Sprachanalyse und -vergleich)

evtl. filmästhetische Kriterien, Film aus Kunstwerk

Fremdsprachenlehrende können aufgrund ihrer Qualifikationen eine filmästhetische Auswahl leichter treffen als Tandemlernende

Arbeit mit Film als einem Gesamtkunstwerk und die Auswahl von Filmen anhand filmästhetischer Kriterien fällt Tandemlernenden nicht immer leicht


Neben den angeführten Argumenten und Überlegungen für den Filmeinsatz im Sprachlerntandem gibt es auch problematische Stellen. Vor allem ist die Vermittlung der Filmkompetenz zu nennen. Nicht alle Tandempaare sehen sich in der Lage, Filme zu interpretieren und haben eine gewisse
Unsicherheit bei der methodisch-didaktischen Filmarbeit. In folgender Tabelle wird eine Übersicht der zusätzlichen mehrsprachigen Methoden dargestellt, die in einem Sprachlerntandem, neben den Verfahren zum Filmeinsatz im traditionellen Fremdsprachenunterricht, eingesetzt werden können. Die Entwicklung der fremdsprachlichen Handlungskompetenz ist als übergeordnete Zielsetzung bei allen Methoden zu verstehen.

Mehrsprachige  Verfahren
zum Filmeinsatz
im Sprachlerntandem

 

Vorgang

 

Zielsetzungen

Arbeit mit einem Film
in L1 und L2

Sprachkontraste: sprachkontrastive Arbeit an Filmszenen bzw. an einzelnen Film-Aussagen in L1 und L2

Förderung der Sprachaufmerksamkeit

 

Arbeit mit parallelen authentischen Verfilmungen
aus der L1- und L2-Kultur

Sprachkontraste & Bildkontraste:

- sprachkontrastive Filmarbeit allgemein;

- in erster Linie jedoch bildkontrastive Arbeit an visuellen (evtl. kultur­spezifischen) Darstellungs­formen im Film der L1- und L2-Kultur

Entwicklung der Wahrnehmungs­kompetenz:

- Schulung der visuellen Aufmerksamkeit,
Bildbewusst­sein;

- Entwicklung der Reflexions­fähigkeit über kulturspezifische filmische Interpretation und Darbietung eines Themas;

- Förderung der Sprachaufmerksamkeit.

Arbeit mit unterschiedlichen authentischen Filmen dergleichen Thematik
aus der L1- und L2-Kultur

Themenfilmkontraste:

- das Kontrastieren von unterschiedlichen Filmen der L1- und L2-Kultur aus der Perspektive der Darbietung eines bestimmten Themas, eines bestimmten Ereignisses oder kultureller Werte in Filmen der jeweiligen Kultur

Entfaltung der interkulturellen Kompetenz:

- ggf. Sensibilisierung auf kulturelle Unterschiede in der inhaltlichen sowie in der visuellen Darstellung eines bestimmtes Themas in zwei Filmen;

- bei fehlenden Filmentsprechungen der­gleichen Thematik in einer der Kulturen: Reflexion über die Gründe der fehlenden Themenfilmäquivalenz.

Arbeit mit authentischen Kultfilmen der L1- und L2-Kultur

Kultfilm-Kontraste:

- Vergleich von Kultfilmen, die in der jeweiligen Kultur z.B. zu gleichen Anlässen ausgestrahlt werden

Förderung der interkulturellen Kompetenz:

- Reflexion über Kulturparallelen und -unterschiede in der L1- und L2-Kultur

Kreative produktionsorientierte Arbeit

Nutzung der Spielfilme als Anlass für die Beschäftigung mit anderen Medienformaten

- Entwicklung der produktiven Medienkompetenz;

- Förderung der kommunika­tiven Handlungs­kompetenz in der L2 bzw. in beiden Sprachen des Sprachlerntandems.

 


Literatur:

Dieser Text stellt einen Auszug aus folgendem Beitrag dar: