1. Sprache

Der Einsatz authentischer deutschsprachiger Filme im DaF-Unterricht zur För­derung fremd­sprachlicher und (inter-)kultureller Kompetenzen bringt einerseits ein enormes Lehr-/Lern­potenzial mit sich, andererseits stellt er die Fremd­spra­chen­lernenden und -lehrenden vor Herausforderungen. Sprachliche Inhalte spielen bei der Arbeit mit Filmen eine zentrale Rolle. Handelt es sich nicht gerade um einen Stummfilm, mit welchem im DaF-Unterricht gearbeitet wird, so ist die Sprache der Protagonisten zumeist Gegenstand der Arbeit am Film. Warum können DaF-Lernende mit der Sprache der Protagonisten bzw. mit der Sprache des Erzählers überfordert sein?

  • Mündlichkeit / gesprochene Sprache:
    Wie jede mündliche sprachliche Äußerung sind Äußerungen der Protaginisten in einem Film flüchtig, fehlerhaft, unvollständig, spontan usw. Für das Verständnis der sprachlichen Äußerung sind u.a. parasprachliche und paraverbale Mittel bedeutend.
  • Sprachtempo:
    Die Fremdsprache Deutsch tritt den DaF-Lernenden im typisch nativen Sprechtempo entgegen.
  • "Polyphonie":
    Oft hören Zuschauer mehrere Protagonisten gleichzeitig. Extrem ausgeprägt ist eine solche sprachliche "Polyphonie" z.B. bei Streitszenen usw. Außerdem können Zuschauer mit mehreren auditiven Quellen gleichzeitig konfrontiert werden, wenn sie z.B. einen Protagonisten sprechen hören und im Hintergrund eine Melodie oder andere Geräusche hören.
  • Lautstärke:
    Die Lautstärke bleibt nicht immer konstant und kann im Rahmen einer Szene von "sehr leise" bis "sehr laut" variieren.
  • Sprachvarietäten:
    Filme spielen in den unterschiedlichsten Milieus und weisen daher eine Bandbreite an Varietäten der deutschen Sprache auf:
    - Dialekte (lokale bzw. regionale Sprachvarietäten; auch Regiolekte)
    - Soziolekte (sprachliche Varietäten, die in bestimmten Gruppen verwendet werden; z.B: HipHop-Jargon, Juristendeutsch)
    - Situolekte (Vielfalt sprachlicher Varietäten, die speziell von den jeweiligen situativen Faktoren abhängt; Wer spricht mit wem über was in welchem Umfeld?)
    - Idiolekte (individuelle Sprachvarietäten einzelner Personen; charakteristisches Sprachverhalten bezüglich Worschatz, Aussprache und Ausdrucksweise)
    - Sexlekte (geschlechtsspezifische Sprache bzw. Ausdrucksweise)
    - Alterssprachen (z.B. Jugendsprache)
    - Funktiolekte (sprachliche Varietät bezogen auf ihre Funktion bzw. ihren kommunikativen Zweck in Abhängigkeit des jeweiligen Umfelds)
    - Mediolekte (Schreibsprache, Sprechsprache)
    - Standardsprache vs. Umgangssprache vs. Fachsprache
  • Auslassungen:
    Dialoge werden darüber hinaus oft durch Aus­lassungen oder Andeutungen geprägt und werden nicht vollständig präsentiert.
  • Text-Bild-Kongruenz:
    Nicht immer stimmen die Textpassagen mit den präsentierten Bildreihen überein. Die Visualisierung des Geschehens weist ebenso Lücken im Hand­lungsverlauf auf.
  • Encodieren:
    Manchmal ist das direkte Verstehen der sprachlichen Elemente nicht ausreichend. Die sprachliche Reihe muss encodiert werden, u.z. im Kontext weiterer filmanalytischer Elemente.

 


Literatur: