I. Kamera

Kamera: Kameraperspektive, Kamerabewegung, Kameraeinstellung

-/- Informationen werden demnächst ergänzt -/-

Ia. Kameraperspektive

Unter Kameraperspektive versteht man die Sicht/den Blick der Kamera: aus welchem Betrachtungswinkel wird ein Objekt aufgenommen.

Dabei wird zwischen folgenden Kameraperspektiven unterschieden:

  •   (die) Draufsicht (Vogelperspektive)
  •   (die) Normalsicht
  •   (die) Untersicht (Froschperspektive)

Als Draufsicht (Vogelperspektive) wird die Aufnahme von Gegenständen und Personen von oben aus bezeichnet. Solche Aufnahmen lassen Personen und Objekte kleiner, hilfloser, einsamer oder machtloser erscheinen. Metaphorisch wird diese Perspektive „Vogelperspektive“ genannt: also die Sicht eines fliegenden Vogels.

Die Normalsicht ist eine Auge-in-Auge Perspektive. Hiermit wird eine Perspektive auf der menschlichen „Augenhöhe“ abgebildet.

Als Untersicht (Froschperspektive) wird die Aufnahme von Gegenständen und Personen von unten aus bezeichnet. Die Personen wirken dann wie Helden, Idole, Stars oder mächtige Menschen. Dies kann eine bedrohliche Wirkung haben. Metaphorisch wird diese Perspektive „Froschperspektive“ genannt: also die Sicht von der Position eines Frosches.

 

Normalperspektive: Beispiel

„Sophie Scholl. Die letzten Tage“

Regisseur: Marc Rothemund

Produktionsland und -jahr: DE, 2005

Standbild: Verhören von S. Scholl; 00:21:25-00:21:28 (vgl. TRAILER)

Kommentar: Sophie Scholl wird im Münchener Wittelsbacher Palais (Gestapo Gefängnis) von dem Gestapo-Ermittler Robert Mohr verhört. Die beiden Personen sitzen sich am Tisch gegenüber. Die Kamera bleibt auf Normalperspektive.

 

Untersicht / Froschperspektive: Beispiel

„Good bye Lenin“

Regisseur: Wolfgang Becker

Produktionsland und -jahr: De, 2003 

Filmszene: Transport eines Lenin-Denkmals mithilfe eines Hubschraubers; 01:19:32-01:20:12 (vgl. STANDBILD)

Kommentar: Die Mutter verlässt zum ersten Mal das Haus und begreift ganz langsam, dass die DDR, so wie sie sie noch kannte nicht mehr existent ist. Als sie an einer größeren Straße in die Luft sieht, kommt plötzlich zwischen zwei Hochhäusern ein Helikopter auf sie zugeflogen. An diesem Helikopter hängt eine Lenin-Statue. Mittels Untersicht/Froschperspektive wird die Sicht der Mutter auf die Lenin-Statue dargestellt. Zum einen schaut sie zu Lenin, den sie wohl sehr verehrte, auf, zum anderen hängt dieser mit dem Kopf an einem Stahlseil und wird abtransportiert. 

Ib. Kamerabewegung

Bei der Kamerabewegung verlässt die Kamera ihren festen Standpunkt und macht entweder einen Schwenk, ein Zoom oder eine Fahrt. Der Aufnahme wird dadurch eine Dynamik bzw. eine andere Sicht verliehen.  

  • (die) Kamerafahrt
    (Veränderung des festen Standpunktes der Aufnahme durch die Kameraführung)
  • (der) Kameraschwenk
    (Veränderung der Aufnahmeachse der Kamera ohne Verlassung des festen Standpunktes der Aufnahme)
  • (das) Kamerazoom
    (Veränderung des Blickwinkels und des Bildausschnitts durch die Brennweitenverstellung ohne Verlassung des festen Standpunktes der Aufnahme)

 

 

 

Kameraschwenk: Beispiel

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“

Regisseur: Václav Vorlicek

Produktionsland und -jahr: DDR/CSSR, 1973

Filmszene: Tanzball, 01:02:50-01:03:35 (unter www.youtube.de als Vollversion zu finden)

Kommentar: Der Prinz und Aschenbrödel tanzen gemeinsam auf dem Hofball. Sie tanzen innig miteinander und durch den Kameraschwenk bekommt auch der Zuschauer das Gefühl schwebend zu tanzen.

Ic. Einstellungsgrößen

Die Einstellungsgröße reguliert, in welcher Größe Personen und Gegenstände im Bildausschnitt gezeigt werden und in welcher Distanz der Zuschauer diese wahrnimmt. Hier ist die Relation der Objektgröße zum Bildrahmen bedeutend. Dadurch werden die Objekte näher bzw. ferner vom Zuschauer wahrgenommen. Es wird reglementiert, wie viele und welche Informationen dem Zuschauer zugänglich gemacht werden. Im DaF-Unterricht sollte als Mindeststandard eine Unterscheidung zwischen der Panoramaeinstellung (Weite), der amerikanischen Einstellung und der Groß-/Detailleinstellung vermittelt werden.

  • Panorama / Weit
    Darstellung einer Landschaft oder einer Kulisse (falls die Personen oder Gegenstände abgebildet werden, so sind sie kaum erkennbar)
  • Amerikanisch
    Aufnahme einer Fugur bis unterhalb der Hüften, bis dorthin also, wo beim Westerfilm der Protagonist seinen Colt hat
  • Groß/Detail
    Bei der Aufnahme wird das Gesicht einer Person dargestellt bzw. auf das einzelne Detail fokusiert

 

 

 

Panoramaeinstellung: Beispiel 1

„Der Pianist“

Regisseur: Roman Polanski

Produktionsland und -jahr: UK/DE/PL, 2002 

Filmszene: Panoramablick auf zerstörte Häuser, 01:51:08-01:51:55 (vgl. TRAILER)

Kommentar: Diese Szene zeigt durch den Panoramablick die Zerstörung während des Zweites Weltkrieges. Die Szene verstärkt die Hilfslosigkeit der Menschen gegen den über alle und alles herrschenden, grenzlosen mächtigen Krieg.

 

Panoramaeinstellung: Beispiel 2

„Lola rennt“

Regisseur: Tom Tykwer

Produktionsland und -jahr: DE, 1998

Filmszene: Annäherung der Kamera von oben nach unten, Fokussierung auf einen konkreten kleinen Ort in einer großen Stadt (vgl. FILMTRAILER)

Kommentar: Zunächst ist die Stadt von oben zu sehen. Binnen einer Sekunde "zoomt" die Kamera näher heran, bis in eine Wohnung und in der Wohnung bis zu einem roten Telefon, das klingelt. Es entsteht eine rasante, aktionsgeladene Stimmung.