DaF lehren und lernen mit Filmen: DaF-Didaktik + Film-Didaktik?

Die DaF-Didaktik ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit den Lehr-/Lernprozessen sowie Prinzipien, Konzepten und Inhalten des DaF-Unterrichts beschäftigt und festlegt, welche Kompetenzen die Lernenden im Fach „Deutsch als Fremdsprache“ erwerben sollen.

Um diese Ziele zu erreichen, empfiehlt sich u.a. der Einsatz von Filmen im DaF-Unterricht – denn Filme bringen viel Lernpotenzial mit sich:

  • Landeskundliches Potenzial:
    Teletransport des fernen Auslands deutschsprachiger Länder ins nahe Klassenzimmer, Einblicke in verschiedene Zeitabschnitte deutschsprachiger Länder (vgl. Vergangenheit vs. Gegenwart und evtl. Zukunft), gleichzeitig eine gewisse Distanziertheit der Lehrenden und Lernenden von den Filmgeschehnissen (was insbesondere z.B. bei kritischen und heiklen historischen Informationen von großer Bedeutung ist)
  • Interkulturelles Potenzial:
    Förderung der interkulturellen Kompetenz und interkulturellen Handlungsfähigkeit (vor allem bei der Konfrontation mit Culture-Clash-Filmen oder filmischen Persiflage-Elementen), Perspektivenwechsel
  • Sprachliches Potenzial:
    Förderung von Sprachaufmerksamkeit und mehrsprachiger Arbeit (z.B. durch Sprachvergleiche bei ausgewählten Filmszenen in zwei/mehreren Sprachen)
  • Fremdsprachliches Potenzial in Deutsch als Fremdsprache:
    authentische audiovisuelle Texte mit diversen Sprachvarietäten, Unterstützung der sprachlichen Inhalte durch die visuelle Realisation; Förderung von Hör-/Sehverstehen, mögliche Verknüpfung aller vier Grundfertigkeiten bei der Filmarbeit und -interpretation
  • Emotionales Potenzial:
    Steigerung der Motivation der Lernenden, eine entspannte Kinosaal-Atmosphäre und eine gewisse Zuschauerrolle oder eine vertraute häusliche Atmosphäre (Filme sind heutzutage aus dem Alltag der Lernenden nicht mehr wegzudenken)
  • Methodisches Potenzial:
    unaufgeforderte (teilweise unbewusste) aktive Mitarbeit der Lernenden (bei einem spannenden Film kann man nicht einfach ruhig sitzen bleiben – man muss aus einem inneren Bedürfnis heraus mit anderen „Zuschauern“ diskutieren!), zahlreiche kreative Methoden und keine Monotonie bei der Arbeit, eine gewisse Freiheit der Lehrenden bei der Auswahl von Methoden beim Filmeinsatz, gemeinsames Lernen: Lehrende und Lernende lernen mit- und voneinander (!) (insbesondere bei internationalen Lerngruppen, deren Mitglieder in verschiedenen länderspezifischen Filmtraditionen sozialisiert wurden etc.), Förderung der sozialen Kompetenz durch Projekt- und Gruppenaufgaben
  • Mediales Potenzial:
    Förderung der Medienkompetenz der Lernenden (u.a. bewusster Umgang mit Medien), Nutzung der modernen technischen Möglichkeiten durch die Lehrenden (z.B. Arbeit mit DVD-Untertiteln oder schnelles Hin- und Herspringen zwischen ausgewählten Filmszenen)
  • Erziehungspotenzial:
    Förderung von kritischer eigener Urteilskraft, Hinterfragen von abgebildeten Inhalten: Sind sie wahr?
  • Bildungspotenzial:
    Horizonterweiterung (Filmkunst und Filmästhetik), Bild- und Filmkompetenz generell, Förderung von Kreativität (besonders ausgeprägt bei der produktiven Filmarbeit)
  • Interdisziplinäres Potenzial:
    einerseits werden interdisziplinäre Fähigkeiten bei der Sinnerschließung der Filmtexte verlangt (Vernetzung von separat dargestellten, jedoch ausschließlich in einer Kombination zu deutenden visuellen, auditiven und sprachlichen Inhalten sowie Projektion auf das vorhandene Weltbild und Interpretation), andererseits eine bestehende Möglichkeit, reale interdisziplinäre Filmprojekte durchzuführen (z.B. im Rahmen des DaF-Unterrichts in Kombination mit dem Unterricht in allen (!) anderen Fächern
  • u.v.m. ...

Die Filmarbeit ist jedoch nicht der exklusive „Bestandteil“ des DaF-Unterrichts. Filme als Lernmedien können ebenso in allen anderen Fächern eingesetzt werden (vgl. Film im Sportunterricht). Filme als Kunstwerke gehören darüber hinaus zum Gegenstand des Unterrichts "Kunst/Filmkunst". An dieser Stelle schlägt die DaF-Didaktik mit der Filmdidaktik übereinander und profitiert von ihr (vgl. Abb.).

Die Filmdidaktik als Teil der Mediendidaktik befasst sich mit Filmen als Lehr-/Lernmedien in einem bestimmten Fach. In diesem Fall ist der Filmeinsatz den didaktischen Zielen des Fach- bzw. Sprachunterrichts untergeordnet. Die Filmdidaktik im Lichte der Filmwissenschaft beschäftigt sich mit Filmen als Kunstwerken und Objekten der Filmkunst inkl. deren Analyse, Funktion, Wirkung, Interpretation sowie deren filmgeschichtlicher Aspekte.


Spezifische Zielkompetenzen bei der Filmarbeit im DaF-Unterricht:

⇒ Fertigkeit Hör-/Sehverstehen

⇒ Medienkompetenz / bewusster Umgang mit Medien

⇒ Bildkompetenz / visuelle Kompetenz / visual literacy

⇒ Lesen bewegter Bilder / Filmkompetenz / film literacy
als „Fähigkeit, bewegte Bilder zu lesen und bewusst mit dem Medium Film umzugehen“
(Nünning/Surkamp 2006: 245)

⇒ Filmästhetische Kompetenz

⇒ Interdisziplinäre Kompetenz

 


Literatur:

  • Nünning, Ansgar; Surkamp, Carola (2006): Englische Literatur unterrichten. Seelze-Velber: Klett/Kallmeyer.