Fachsprache

Fachsprache als Begriff dient „einerseits zur Unterscheidung zwischen fachsprachlicher und nicht-fachsprachlicher Varietät“ und bezeichnet andererseits "die sprachlichen Spezifika bzw. Mittel, die für die Bewältigung kommunikativer Aufgaben in einem bestimmten Fach benötigt werden" (Ohm 2010: 75).

Beim Strichmännchen-Beispiel oben wird dies deutlich: Das zweite Strichmännchen kann die Merkmale und Besonderheiten der Fachsprache Film, die das erste Strichmännchen verwendet, aus alltagssprachlicher Sicht (also „nicht-fachsprachlicher Varietät“ (Ohm 2010: 75)) nicht verstehen. Daraus kann man erkennen, dass man für eine adäquate Filminterpretation sowie zum Erreichen der didaktischen Ziele des DaF‑Film‑Unterrichts einen dafür sensibilisierten Umgang mit der Fachsprache Film braucht.

Zunächst werden daher anhand von Beispielen einige Merkmale und Besonderheiten der Fachsprache 'Film' auf verschiedenen Ebenen dargestellt: Wort- und Wortverbindungsebene, Satzebene sowie Textebene (vgl. Tab.).

Fachsprachliche Merkmale

Beispiele

Wortebene

und

Wortverbindungs­ebene

Fachwörter

die Kamera, das Drehbuch,
der Regisseur

Komposita

das Filmheft, das Filmplakat,
die Kameraeinstellung

Ableitungen

die Darstellung (darstellen)
schauspielern (Schauspieler)
die Aufnahme (aufnehmen)

Substantivierungen

das Filmen, das Spielen, das Darstellen

Fremdwörter

der Filmtrailer, das Genre, die Regie

Satzebene

Inhaltliche und sprachliche Dichte

Im Film „Goethe“ unter der Regie von Philipp Stölzl werden nicht alle wichtigen Ereignisse aus dem Leben des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe filmisch verarbeitet. Darüber hinaus werden andere bedeutende Gegebenheiten jener Zeit nur teilweise oder gar unkorrekt dargestellt.

Verwendung von Passivkonstruktionen

Diese Szene wurde speziell in Berlin aufgenommen.

Komplexe Nominalphrasen

- der im Jahr 2004 mit dem Oscar-Filmpreis ausgezeichnete Regisseur
- in der sehr aufwendig geschnittenen Szene am Ende des Films 

uneingeleitete Konditionalsätze

- Wird die Kamera gegen Ende des Films langsamer, so effektiver wird der Spannungseffekt.
- Assoziiert man mit einer bestimmten Filmmusik eine besondere Szene im Film, so kann man von erfolgreichem Zusammenspiel von Bild und Musik sprechen.

Textebene

Kohärenz

u.a. inhaltliche Einheit:

Im Film „Goethe“ unter der Regie von Philipp Stölzl werden nicht alle wichtigen Ereignisse aus dem Leben des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe filmisch verarbeitet. Darüber hinaus werden andere bedeutende Gegebenheiten jener Zeit nur teilweise oder gar unkorrekt dargestellt. Außerdem werden faktisch inkorrekte Ereignisse hinzugedichtet: All dies geschieht, um das äußerst verstrickte und intensive Leben Goethes dem Zuschauer als einfach verständliches Gesamtwerk erscheinen zu lassen.

Kohäsion (Auswahl)

 

- Substitution

Fatih Akin hat den bedeutenden Filmpreis „Goldener Bären“ gewonnen. Der Regisseur nahm den Preis für seinen Film „Gegen die Wand“ entgegen.

- Proformen

Der Schauspieler hat bei mehreren Filmen mitgespielt. Er ist sehr erfahren.

- Textdeixis /

Wissensdeixis

Im Film „Gegen die Wand“ wird die Geschichte einer jungen Frau mit türkischstämmigem Hintergrund erzählt. Die junge Frau sieht sich verschiedenen gesellschaftlichen und interkulturellen Problemen gegenüber.

- Situationsdeixis

Hier sehen wir die Froschperspektive.

- Ellipse

Die schweizerische Schauspielerin, die vor 20 Jahren einen Filmpreis gewonnen und letztes Jahr ebenfalls bei einem Film mitgespielt hat, ist in der Schweiz sehr berühmt.

- Explizite Textverknüpfung

Bei Aufgabe 1

 

 

 

Fremde fachsprache ´Film´und deren Vermittlung

Die Lernenden stehen bei der Auseinandersetzung mit fachsprachlichen Varietäten vor einem doppelten Problem: sie werden einerseits mit unbekannten Fachinhalten konfrontiert, die es zu erschießen gilt, andererseits werden fachsprachliche Redewendungen in einer fremden Sprache vermittelt. Es gibt verschiedene Ansätze zur Vermittlung von Fachsprachen an fremdsprachliche Lernende im institutionellen Kontext eines Unterrichts. Hier wird auf einen der möglichen methodisch-didaktischen Ansätze hingewiesen, der gleichermaßen auf die fachinhaltlichen und die fachsprachlichen Aspekte eingeht – Scaffolding. Scaffolding bedeutet wortwörtlich als Übersetzung aus dem Englischen Baugerüst.

„Mithilfe von Scaffolding sollen […] [DaF-]Schüler, […] darin unterstützt werden, sich neue Inhalte, Konzepte und Fähigkeiten [im DaF-Unterricht] zu erschließen […]. Lernende sollen also dazu gebracht werden, anspruchsvollere Aufgaben zu lösen als solche, die sie allein bewältigen könnten. […] Konkret bedeutet dies, dass […] Schüler mit [schwereren] sprachlichen und fachlichen Anforderungen konfrontiert werden […]. Scaffolding bedeutet dann, dass die Lücke, die zwischen dem, was ein/e Lerner/in bereits kann, und dem, was mit Unterstützung möglich ist, durch eine entsprechende Unterrichtsplanung und Unterrichtsinteraktion überbrückt wird.“ (Kniffka 2010: 1)

Man unterscheidet hierbei zwei Ebenen von Scaffolding: Makro- und Mikro-Scaffolding (s. Abb.).

(Quelle: Hahn/Schöler 2013: 589)

Vgl. auch im diesem Zusammenhang die Visualisierung der elementaren Zielsetzungen für die Vermittlung der fremden Fachsprache Film in folgender Abbildung.

Man bewegt sich also auf der Ebene der Konzeption der Äußerung von der konzeptionellen Mündlichkeit hin zur konzeptionellen Schriftlichkeit (s. zum Thema „konzeptionelle Mündlichkeit/Schriftlichkeit“ Koch/Oesterreicher 1994). Die Sprachvarietät löst sich dabei sukzessive von der allgemeinsprachlichen Varietät und die Äußerungen werden durch die fachsprachliche Varietät geprägt.


Literatur:

  • Koch, Peter; Oesterreicher, Wulf (1994): Schriftlichkeit und Sprache. In: Günther, Hartmut; Otto, Ludwig (Hrsg.): Schrift und Schriftlichkeit. Writing and Its Use. Ein interdisziplinäres Handbuch internationaler Forschung. An Interdisciplinary Handbook of International Research. Berlin und New York: 587-604. (=Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 10.1)
  • Ohm, Udo (2010): Fachsprache. In: Barkowski, Hans; Krumm, Hans-Jürgen (Hrsg.): Fachlexikon Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Tübingen/Basel: A. Francke Verlag, S. 75.