Praxisphasentag 2018 - Lerngelegenheiten schaffen

Das Praxiskolleg richtet in Kooperation mit der Fort- und Weiterbildung im Freiburg Advanced Center of Education (FACE) wieder eine umfassende Tagung zu den Praxisphasen im Lehramtsstudium aus. Hierbei werden Erkenntnisse aus der Forschung präsentiert und die Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis von den beteiligten Institutionen der Lehrerbildung diskutiert.

Hauptvorträge:

Prof. Dr. Julia Košinár, FH Nordwestschweiz, Pädagogische Hochschule, Institut Primarstufe: "Professionalisierung in der Lehrer(aus)bildung: typenbedingte Spannungsfelder und Verläufe"

Wie professionalisieren sich angehende Lehrpersonen? Welches Verständnis haben sie von der eigenen (professionellen) Entwicklung, wie nehmen sie Anforderungen, die sich ihnen in der Berufspraxis stellen, wahr und unter welchen Voraussetzungen bewältigen sie diese?

Dies sind für die Bildungsforschung und die Lehrerbildung drängende Fragen. In ihnen spiegelt sich der Anspruch wider, Ausbildungskonzeptionen so zu gestalten, dass Studierende und Referendar/innen in ihrem Entwicklungsprozess bestmöglich begleitet werden. Andererseits wird aber auch erkennbar, dass der Einfluss von Ausbildungsinstitutionen begrenzt ist und lediglich Impulse für die Entwicklung eines lehrberuflichen Habitus und die Ausbildung von Handlungskompetenzen gegeben werden können.

Wenngleich aktuell – nicht zuletzt durch die Qualitätsoffensive Lehrerbildung – neue Erkenntnisse und Ideen in die Lehrerbildungs-Konzeptionen einfließen, ist doch die Kernfrage danach, wie sich professionelle Entwicklung vollzieht bzw. warum sie gelingt oder nicht gelingt, noch nicht zufriedenstellend beantwortet.

In der Bildungsforschung kann es insbesondere über qualitative Studien mit fallbasierten und längsschnittlichen Verfahren gelingen, einen Einblick in diese „black box“ zu nehmen. Ausgehend von eigenen Studien, die sowohl im Referendariat und in der Berufseinstiegsphase als auch in der Schweizer einphasigen Lehrerbildung angesiedelt sind, wird zunächst der Theorierahmen gesetzt, um anschließend auf Basis anschaulicher Fallbeispiele Typologien im Ausbildungs- und Berufsphasenverlauf vorzustellen. Potenzielle (interpersonelle) Spannungsfelder werden ebenso thematisiert wie Transformationen von Handlungsdimensionen und Typen. Inwiefern solche Veränderungen Hinweis auf eine professionelle Entwicklung sind oder ob es sich „nur“ um kontextindizierte Veränderungen handelt, die sich zwischen Studium bzw. Referendariat und Berufseinstieg vollziehen, wird einer kritischen Überprüfung unterzogen.

Prof. Dr. Cornelia Gräsel, Bergische Universität Wuppertal, Institut für Bildungsforschung in der School of Education: "Praxisphasen im Lehramtsstudium als wichtige Lerngelegenheiten: neue empirische Befunde zum Praxissemester"

Ein Element der jüngsten Reformen von Lehramtsstudiengängen ist die Integration von Praxissemestern – längeren Schulpraktika, die von universitären Lehrveranstaltungen begleitet werden. Im ersten Abschnitt des Vortrages werden die Erwartungen und Ziele vorgestellt, die mit der Einführung dieser Praxissemester verbunden sind: Ein Hauptziel besteht darin, dass Studierende ihr bereits erworbenes fachwissenschaftliches, fachdidaktisches und bildungswissenschaftliches Wissen mit der Tätigkeit in Schulen verknüpfen. Dies soll auf eine Weise geschehen, dass sie den Wert wissenschaftlichen Wissens für die Praxis sehen und eine evidenzorientierte Grundhaltung entwickeln. Im zweiten Teil des Vortrags wird anhand erster empirischer Befunde dargestellt, welche Effekte Praxissemester für den Kompetenzerwerb der Studierenden haben und welche Merkmale von Praxissemestern sich als förderlich bzw. hinderlich für den Kompetenzerwerb erweisen. Der dritte Teil des Vortrages greift die Evidenzorientierung als Ziel des Praxissemesters noch einmal auf: Es wird analysiert, was „Evidenzorientierung“ für Studierende der Lehrämter bedeuten kann und wie Evidenzorientierung in Lehrveranstaltungen und insbesondere im Praxissemester unterstützt werden kann.

Workshops und meet-the-expert am Vormittag:

V1 Praxisphasen als Chance, die Bedeutung des Arbeitsbündnisses für Bildungsprozesse mittels Fallstudien zu erkennen - Svantje Schumann (Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz)

V2 Biographisches Theater zur Förderung der Selbstkompetenz in der Lehrerbildung - Anna Terstiege (Dipl. Regisseurin und Theaterpädagogin (But/DGfT)

V3 Theoriebasiert und praxistauglich? – Zur Unterrichtsplanung im Fach Deutsch im Praxissemester des Lehramtsstudiums - Dr. Andreas Krafft (Pädagogische Hochschule Freiburg)

V4 Individuelle Lernförderung im Team planen und gestalten - Franziska Rogge (Universität Potsdam)

V5 „… als ob ein Deutscher sowas hört.“ – Kulturelle Repräsentationen und kollektive Zugehörigkeiten in der unterrichtlichen Beschäftigung mit interkulturellen Lerngegenständen - Jonas Völker (Hochschule für Musik Freiburg)

V6 „Kooperation ‚auf Augenhöhe‘?“ – Konzepte, Erfahrungen und Perspektiven für die Zusammenarbeit von Studierenden und Lehrkräften - Constanze Bartsch & Kirsten Friker (WWU Münster)

V7 Brandschutzerziehung / -aufklärung: Ko-konstruktion eines außerschulischen Lernorts - Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

V8 „Wieviel Praxis braucht ein Praktikum?“ - das Orientierungspraktikum als Lerngelegenheit im Kontext einer kohärenten Theorie-Praxis-Verzahnung - Dipl. Päd Michael Thimm (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

V9 Expertenaustausch mit Prof. Dr. Julia Košinár - Prof. Dr. Julia Košinár (FH Nordwestschweiz, Pädagogische Hochschule)

Die Hauptvortragende steht für Diskussion, Vertiefung und Reflexion der Thematik zu Verfügung. In einer kleinen Gruppe können Fragen gestellt und diskutiert werden.

Workshops, Runde Tische und Meet-the-expert am Nachmittag:

N1 Ausgewählte Aspekte sprachsensiblen Unterrichts – sprachliche Anforderungen von Unterricht ins Bewusstsein rücken - Markus Willmann & Irene Bundschuh (Pädagogische Hochschule Freiburg)

N2 Das Patenschaftsprogramm SALAM – Spielen – Austauschen – Lernen – Achtsam – Miteinander: Lerngelegenheiten für Kinder und Studierende - Natascha Hofmann & Dr. Hildegard Wenzler-Cremer (Pädagogische Hochschule Freiburg)

N3 Medienpädagogisch relevante Befunde zur Smartphonenutzung von Kindern- und Jugendlichen - Dr. Karin Knop (Universität Koblenz-Landau)

N4 Die Rolle der Betreuung für das Zutrauen in die Fähigkeiten angehender Förderschullehrkräfte im Rahmen des Praxissemesters in Hessen - Dr. Sebastian Dippelhofer, Dr. Andrea Hopf, Katrin Knoll & Carl Eberhard Kraatz (Justus-Liebig-Universität Gießen)

N5 Hochschulpartnerschule werden? Warum und wie? - Dr. Martina von Gehlen, Susanne Mahler-Müller & Jessica Ohletz (Praxiskolleg FACE Freiburg)

N6 Bedarfe von Schulen zu Inklusion forschungsbasiert begleiten - Jun.-Prof. Dr. Andreas Köpfer & Jun.-Prof. Dr. Katja Scharenberg (Pädagogische Hochschule Freiburg)

N7 Das „Portfolio Praxisphasen“ in der Kölner LehrerInnenbildung – Erfahrungen zu einem phasenübergreifenden Konzept zur Entwicklung der Selbstreflexion und einer professionellen Haltung - Svenja Jaster (Universität zu Köln)


N8 Inhaltliche Aktualisierungen im SPS aufgrund der Durchführung im 3. Semester des Masterstudiengangs - Frau Heim & Harald Peter (SSDL Berufl. Schulen Freiburg)

Ausgehend von den derzeitigen Ausbildungsstandards für das SPS (Schulpraxissemester) besteht Anpassungsbedarf aufgrund der Veränderung der zukünftigen zeitlichen Lage des SPS. Die fachwissenschaftliche und fachdidaktische Basis sowie die erziehungswissenschaftliche Kompetenz, auf der im SPS aufgebaut werden kann, werden sich verändern.

Zielgruppe: Studierende und alle Betreuenden, die am SPS aktiv beteiligt sind.

N9 Runder Tisch des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (WHRS) - Patrick Beuchert & Amanda Kanstinger (SSDL WHRS Freiburg)

N10 Expertenaustausch mit Prof. Dr. Cornelia Gräsel (Bergische Universität Wuppertal)

Die Hauptvortragende steht für Diskussion, Vertiefung und Reflexion der Thematik zu Verfügung. In einer kleinen Gruppe können Fragen gestellt und diskutiert werden.

Zielgruppen:

Die Fachtagung richtet sich an Personen aus Wissenschaft und Praxis.
Angesprochen werden alle Personen, die in den Praxisphasen der Lehrerbildung tätig sind, hierzu zählen neben Ausbildungslehrkräften, Mentor*innen und Schulleitungen auch die Bereichsleiter*innen, Fachleiter*innen und Lehrbeauftragten der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung (alle Schularten), Dozierende und Forschende der Hochschulen und Zuständige der Staatlichen Schulämter (alle Schularten) und des Regierungspräsidiums. Des Weiteren werden sowohl Lehramtsstudierende als auch Referendar*innen für einen konstruktiven Austausch eingeladen.

Zeitplan:

08:00 - 9:00 UhrAnkommen & Anmeldung
09:15 - 10:30 UhrBegrüßung & Hauptvortrag 1
10:30 - 11:30 UhrPostersession 1 mit Kaffee
11:30 - 13:00 UhrWorkshops und Austauschforen 1
13:00 - 13:30 UhrPostersession 2
13:30 - 14:30 UhrMittagspause
14:30 - 16:00 UhrWorkshops und Austauschforen 2
16:00 - 16:15 UhrKaffee & Raumwechsel
16:15 - 17:30 UhrHauptvortrag 2 und Abschluss
Termin:Di, 09.10.2018,  9:15 bis 17:30 Uhr
Ort:Pädagogische Hochschule Freiburg
Schularten:alle
Teilnahmebeitrag:kostenfrei
Leitung:Ulrike Dreher (PH Freiburg), Dr. Martina von Gehlen (Universität Freiburg)
Kontakt:ulrike.dreher(atnospam)ph-freiburg.de
Veranstaltet von:

Praxiskolleg in Kooperation mit der Fort- und Weiterbildung im Freiburg Advanced Center of Education (FACE)

Freiburg Advanced Center of Education (FACE) - ein Kooperationsnetzwerk der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Pädagogischen Hochschule Freiburg www.face-freiburg.de

Das Projekt „Freiburger Lehramtskooperation in Forschung und Lehre [FL]2 – Kohärenz und Professionsorientierung” wird im Rahmen der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung” von Bund und Ländern aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.

Anmeldung:
LFB-online: Lehrgangsnummer 88194126. Zur Abrechnung von Reisekosten bitte vor der Veranstaltung ZUSÄTZLICH auf LFB-online anmelden.
Anmeldeschluss: 

Mi, 03.10.2018