COLLAGE MIT BILDERN DER VITRINE 

 AUTOR: TILL SONDERMANN
 OBJEKTE: WOLFGANG HOCHBRUCK

Eine Ausstellung ist nach Aleida Assmann eine Anordnung von historischen Texten, Bildern und Gegenständen im Raum (Assmann, Aleida: Geschichte im Gedächtnis. München: C.H. Beck, 2014², S. 151,). In der im Herbst 2016 gezeigten realen Ausstellung in einem Gebäude der Pädagogischen Hochschule Freiburg i. Br. waren neben Texttafeln und einigen Bildern auch Exponate aus der Zeit der Amerikanische Bürgerkrieges – zum Teil authentisch, zum Teil nachträglich angefertigt – zu sehen. Hinzu kamen verschiedene Ausgaben der beiden Bücher, die den deutschen Blick auf den Amerikanischen Bürgerkrieg am entscheidendsten geprägt haben: „Onkel Toms Hütte“ (1851) und „Vom Winde verweht“ (1936). Zudem wurde Plakate und eine Rolle des Filmes „Vom Winde verweht“ (1939) gezeigt.

Bücher und Filme sind nicht nur textliche bzw. sprachliche und bildliche Erinnerungsstücke, sondern auch gegenständliche. Bei vielen Besuchern/innen lösten diese Exponate „Erinnerungsanlassungsleistungen“ (Gottfried Korff) aus: „Dieses Buch habe ich in meiner Jugendzeit gelesen. An das Bild auf dem Einband erinnere ich mich.“

Alle Objekte sind von einem professionellen Fotografen aufgenommen und den Besucher/-innen der Online-Ausstellung bereitgestellt worden. Damit sind die Exponate der realen Ausstellung zu Bildern geworden. Ihre Inszenierung in der Online-Präsentation erfolgt nicht mehr durch eine geschickte Platzierung im Raum, sondern aus der Perspektive des Fotografen. Aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst, bilden Tafeln und Bilder zwar keine Einheit mehr, können sich aber wechselseitig ergänzen.

Die Objekte wurden uns freundlicherweise von Wolfgang Hochbruck, Universität Freiburg, für die reale Ausstellung zur Verfügung gestellt.

1. Onkel Toms Hütte

Harriet Beecher Stowe (1811 - 1896)

Überblick

Der von Harriet Beecher Stowe verfasste Roman „Onkel Toms Hütte“ (1851/1852) polarisierte die amerikanische Gesellschaft in den Antebellum-Jahren. Anschaulich und schonungslos stellte er Leben und Leiden der Sklaven dar. Über diesen fiktionalen Text soll Präsident Abraham Lincoln bei einem Treffen mit Harriet Beecher-Stowe gesagt haben: “So you’re the little women who wrote the book that started this great war” (1862).

Auch wenn der Roman sicherlich nicht den Amerikanischen Bürgerkrieg ausgelöst hat, steht doch fest, dass „Onkel Toms Hütte“ als Meilenstein der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts anzusehen ist.

Harriet Beecher Stowe

am 14. Juni 1811 in Litchfield/Connecticut geboren


1836 Heirat mit Calvin Ellis Stowe


 1841 erscheint ihr erster Roman The Canal-Boat


 1851 wird “Uncle Tom's Cabin” als Fortsetzungsroman in der Zeitung“National Era” veröffentlicht


 1852 erscheint “Uncle Tom's Cabin” als Buch


 25 weitere literarische Werke folgen


 am 1. Juli 1896 in Hartford/Connecticut gestorben

Inhalt des Romans

 „Onkel Toms Hütte“ spielt in den 1840er Jahren in Kentucky. Protagonist ist der Sklave Onkel Tom, der nach jahrelanger Arbeit für den Farmer Shelby aus wirtschaftlichen Erwägungen verkauft wird. Dies bedeutet für Tom die Trennung von seiner Frau und seinen Kindern, die auf Shelbys Farm zurückbleiben. Mit einem Sklavenhändler muss er in den Süden ziehen. Auf der Dampfschifffahrt den Mississippi hinunter trifft Tom seinen neuen Herrn St. Clare, einen sklavenfreundlichen Plantagenbesitzer, und dessen Tochter Eva. Zwar wird er von den St. Clares gut behandelt, doch als Eva stirbt, wird er erneut verkauft. Sein Besitzer ist nun der meist betrunkene, seine Sklaven brutal behandelnde Legree. Tom fordert diesen immer wieder heraus, weil er seinen Glauben und seine Menschlichkeit nicht aufgibt. Um diesen Glauben zu brechen, zwingt ihn Legree zu extrem harter Feldarbeit und peitscht ihn wiederholt aus. Tom wird immer schwächer. Als schließlich der Sohn seines früheren Herrn Shelby eine Möglichkeit findet, ihn zurückzukaufen, ist es zu spät: Tom erliegt seinen Überanstrengungen.

Grundmotive

Onkel Toms Hütte“ wird von drei großen Motiven durchdrungen:

  • Hauptmotiv ist das Unmoralische der Sklaverei. Dies wird z.B. verdeutlicht durch die plötzliche Trennung Toms und dessen Familie.
  • Daneben wird die True Womanhood wiederholt thematisiert. Stowe bringt damit zum Ausdruck, dass sie die Mutterschaft als Fundament der amerikanischen Gesellschaft betrachtet.
  • Stowes puritanisch religiöser Glauben artikuliert das dritte übergreifende Thema: Der Roman zeigt die Unvereinbarkeit von christlichem Glauben und Sklaverei auf.

Hintergründe

“Uncle Tom's Cabin” wurde in den 1850er Jahren in den USA geschrieben. Vorausgegangen waren dort jahrzehntelange Auseinandersetzungen sowohl um die nationalen Ideale Freiheit und Demokratie als auch um deren materiellen Komponenten Westexpansion und Sklaverei.

Harriet Beecher Stowe veröffentlichte ihren Roman, um gegen das 1850 ratifizierte Fugitive Slave Law zu protestieren. Dieses Gesetz verbot im Norden der USA nicht nur, den aus dem Süden entflohenen Sklaven zu helfen, sondern legalisierte überdies deren Jagd durch Kopfgeldjäger. Seither durften sowohl diese geflohenen Sklaven aus dem Norden in den Süden zurückverbracht als auch die dort gefangenen freien Schwarzen in den Süden der USA verschleppt werden.

Rezeptionsgeschichte

Verkaufszahlen:

  • 30.000 Exemplare in den USA im Erscheinungsjahr 1852 ausverkauft
  • 200.000 Exemplare in Großbritannien 1852 verkauft

Reaktionen:

Während das Buch im Norden der USA zu einer Sensibilisierung der Bevölkerung für die Sklavenfrage führte, wurde es in den Südstaaten verboten. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstand im Süden sogar eine “Anti-Tom”-Bewegung, die es sich zur Aufgabe machte, ein positives Bild der südlichen Kultur zu zeichnen. Bekanntestes Beispiel hierfür ist Margret Mitchells Roman “Gone with the Wind” (1936).

Verfilmungen:

Bereits mit dem Aufkommen des Films wurde der Roman “Uncle Tom's Cabin” adaptiert. Auf die erste Fassung folgten zehn weitere Stummfilme, schließlich mehrere Tonfilme und sogar Spin-Offs. Auch in Deutschland wurde der Klassiker 1965 verfilmt.

„Onkel Toms Hütte“ in Freiburg

Am 14. Juni 1879 konnte man in der „Freiburger Zeitung“ die Ankündigung lesen:

„Die Schwarzen kommen!“

(Freiburger Zeitung, 14.06.1879, Tagesausgabe, 3. Seite; vgl. www.az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=03&day=14&year=1879&month=06&project=3&anzahl=4)

Etwas verhaltener formulierte die „Breisgauer Zeitung“:

„Eine merkwürdige Invasion steht uns bevor.“

(Breisgauer Zeitung, 14.06.1879, o. S.; vgl. www.az.ub.uni-freiburg.de/show/fz.cgi?cmd=showpic&ausgabe=03&day=17&year=1879&month=06&project=3&anzahl=4)

 
Hintergrund dieser Zeilen bildete die Ankunft der sogenannten „Amerikanischen Negergesellschaft der Herren Jarret und Palmer“ in Freiburg. Sie bestand aus 50 Personen und sollte drei Aufführungen von Harriet Beecher Stowes „Onkel Toms Hütte“ im Stadttheater bestreiten. Sowohl in der „Freiburger Zeitung“ als auch in der „Breisgauer Zeitung“ wurden die ausstehenden Vorführungen noch genauer beworben: „Der originelle Gedanke, ein reiches Stück des glücklicherweise nunmehr verschwundenen amerikanischen Sclavenlebens durch veritable ehemalige Sclaven, Neger, Mulatten, Mestizen mit ihren Frauen, Töchtern und Söhnen in deutscher Sprache darstellen zu lassen, hat allerorten den lebhaftesten Anklang gefunden.“(ebd.)

Bereits im Mai 1879 hatte das Stadttheater beim Stadtrat die drei Vorstellungen beantragt: „So hoffen wir immerhin ein Geschäft zu machen, zugleich bieten wir aber auch dem hiesigen Publikum interessante Naturbilder, welche überall das Publikum in hohem Grade angegangen haben.“ Die Kosten pro Tag wurden mit 113 Mark angegeben.

Entsprechend den Ankündigungen wurde „Onkel Toms Hütte“ zwischen dem 14. und 17. Juni 1879 drei Mal in Freiburg aufgeführt. Nach den Zeitungsberichten waren alle Vorstellungen ausverkauft und das Publikum war

„sehr beifallslustig, es war eben etwas Neues, etwas Anderes, ganz Fremdartiges, was auf der deutschen Bühne zur Aufführung, zur Schaustellung kam; packend bis zum Nerv und doch den deutschen Kunstästhetiker keine Befriedigung gewährend. Es war eben ein Bild aus dem amerikanischen Leben, wie es vor Linkolns Zeiten sich tagtäglich fast unter dem Sternenbanner vollführte, heute aber, gesetzlich wenigstens, nicht mehr offenkundig vollbracht werden kann. Für unser deutsches Gemüth hat dieses dramatische Bild aber in so fern ein ungewöhnliches Interesse, weil unsere Phantasie durch das von der Harriet Beecher aus dem damaligen Zeiten geschöpfte und der Welt überlieferte Gemälde gefangen gehalten ist, dem Dramaturgen aber alle Ehre zu Theil werden läßt, denn es ist eben ein amerikanischer Stoff, dem er den Charakter mit glücklichem Erfolge erhalten hat. Wir sind der Meinung, mag die Jarrett-Palmer'sche Negergesellschaft hinkommen wohin sie will, mit ‚Onkel Toms Hütte‘ wird sie jederzeit gut aufgenommen werden.“

(Oberrheinischer Kurier, 18.06.1879, o. S.)

2. Vom Winde Verweht

Magret Mitchel (1900 - 1949)

Überblick:

Den Rahmen der Handlung von Margeret Mitchells berühmtem Roman “Gone with the Wind”  bildet der Amerikanische Bürgerkrieg, der zwischen den nach Unabhängigkeit strebenden Konföderierten und der um die Einheit der USA kämpfenden Union geführt worden ist.

Schauplatz der Handlung sind die ländlichen Plantagen des Staates Georgias und die Südstaatenmetropole Atlanta. Diese Gegend ist von 1864 an Opfer des von General Sherman geführten Hard War geworden, der Infrastruktur und Moral der Konföderierten zerstören sollte. Beschreibungen und Bewertungen dieses Feldzuges variieren stark und sind noch immer Gegenstand heftiger Diskussionen. Das in diesem Roman gezeichnete Bild ist von der Sicht der Südstaaten auf die Ereignisse geprägt. Die Darstellung, wie Unionssoldaten das Grauen und den Schrecken in eine angeblich ‚heile‘ Welt bringen, ist als romantisierend bzw. übertrieben zu bezeichnen.

Auch die darauffolgende Zeit der Reconstruction, in der die zerstörten Regionen wiederaufgebaut und die ehemaligen konföderierten Staaten in die Union reintegriert werden sollten, wird thematisiert. Wiederum spielen Personen aus dem Norden die Rolle der Bösen, welche die am Boden liegende Gesellschaft Georgias ausnutzen wollen.

Blendet man dieses stark verklärte Geschichtsbild aus, stehen im Mittelpunkt des Romans vier jungen Menschen, deren vom Plantagenbesitz geprägte Welt in sich zusammenbricht. Letztlich versucht jeder der Protagonisten auf seine Art, mit der neuen Realität zurechtzukommen.

Das 1936 erschienene Südstaaten-Epos ist bis heute einer der Bestseller der amerikanischen Literatur. 1939 kam der gleichnamige Film in die Kinos, der immer noch als einer der erfolgreichsten Hollywooddramen gilt. Doch gerade wegen seines Erfolges ist dieser Film nicht unkritisch zu betrachten.

Inhalt:

Scarlett O’Hara wächst in der Antebellum-Zeit des Amerikanischen Bürgerkrieges als Kind einer reichen Familie in Tara (Georgia) auf. Die zu Beginn der Handlung knapp 16-jährige Scarlett träumt von einem Leben mit Ashley Wilkes. Während eines großen Festes wird ihr jedoch eröffnet, dass dieser Melanie Hamilton heiraten wird. Doch nur der zweite Protagonist, der ihr zukünftiges Leben begleiten soll, Rhett Butler weiß von ihrer Zuneigung zu Ashley. Aus Verzweiflung nimmt Scarlett den Heiratsantrag von Charles Hamilton, Melanies Bruder an. Die Ehe währt nicht lange, da Charles in einer der ersten Schlachten des Amerikanische Bürgerkrieges getötet wird.

Scarlett zieht bald darauf zu Melanie nach Atlanta (Georgia), um u.a. auch Ashley wieder näher zu sein. Sie leidet sehr unter den gesellschaftlichen Einschränkungen, denen sie als Witwe ausgesetzt ist. Über diese Konventionen setzt sich Rhett Butler hinweg, der mittlerweile ein berühmter Blockadebrecher der Konföderierten ist.

Diese immer noch einigermaßen heile Welt bricht für Scarlett und die Bewohner Atlantas zusammen, als die Armee des Unionsgenerals William Sherman die Stadt angreift. In letzter Minute und nur durch die Hilfe von Rhett kann Scarlett mit Melanie fliehen. Als die beiden Frauen ausgehungert und am Ende ihrer Kraft Tara erreichen, müssen sie feststellen, dass Scarletts Mutter auf dem Totenbett liegt und ihr Vater extrem verwirrt ist.

Die Plantage Tara befindet sie sich in einem verwahrlosten Zustand, und Hunger bedroht ihre Bewohner. Scarlett versucht mit allen Mitteln, Tara zu retten, hofft aber immer noch auf die Liebe von Ashley. Nach dem Tod ihres Vaters und dem fortschreitenden Verfall des Anwesens geht Scarlett so weit, sich Rhett als Geliebte anzubieten – als Gegenleistung für dessen finanzielle Unterstützung. Rhett weist Scarlett zurück, die sich daraufhin entschließt, Frank Kennedy, den Verlobten ihrer Schwester zu heiraten. Auf diese Weise kann Scarlett die zur Erhaltung Taras dringend benötigten Gelder erlangen und selbst wieder – obgleich von Not und Elend zermürbt – das ursprünglich gewohnt luxuriöse Leben führen. Doch auch ihre Ehe mit dem viel älteren Frank dauert nicht lange, da dieser bald in einer Lynchaktion getötet wird.

Kurz nach Franks Beerdigung tritt wieder Rhett Butler in Scarletts Leben. Er macht ihr einen Heiratsantrag, den sie hauptsächlich aus materiellen Erwägungen annimmt. Eine verhältnismäßig ruhige und glückliche Zeit folgt für Scarlett und Rhett. Schließlich wird ihre Tochter Bonnie geboren. Scarlett aber interessiert sich weiterhin hauptsächlich für Ashley und sieht Bonnie eher als Belastung an. Hingegen wendet sich Rhett voll und ganz seiner Tochter zu, als er erkennt, dass Scarlett ihn niemals wirklich lieben wird. In der Beziehung von Scarlett und Rhett stellt Bonnies Tod infolge eines Unfalls ebenso eine Zäsur dar wie der Tod Melanies bei der Geburt ihres zweiten Kindes.

Doch als Scarlett endlich die Chance hat, Ashley für sich zu gewinnen, muss sie erkennen, dass sie ihn nur aus verletzter Eitelkeit angehimmelt hat. Zudem wird ihr klar, dass eigentlich Rhett der Mann ihres Lebens ist, den sie jedoch mittlerweile vergrault hat. Einsam wendet sie sich ihrem letzten Zufluchtsort zu: Tara.

Text und Bilder nach einer Filmbeilage zu „Gone with the Wind“


Der Film

Regie: Viktor Fleming, George Cukor, Sam Wood

Drehbuch: Sidney Howard, Ben Hecht

Produktion: David O. Selznick für Selznick International im Verleih der Metro-Goldwyn-Mayer

Erscheinungsjahr: 1939  

Auszeichnungen: 8 Oskars (1940)

Die Darsteller_Innen:

  • Vivien Leigh: Scarlett O’Hara
  • Clark Gable: Rhett Butler
  • Olivia de Havilland: Melanie Hamilton
  • Leslie Howard: Ashley Wilkes
  • Hattie McDaniel: Mammy
  • Carroll Nye: Frank Kennedy
  • Rand Brooks: Charles Hamilton
  • Und weitere

„,Vom Winde verweht‘ Schöne alte Sklavenwelt"

Aus: „Spiegel Online“, 15. Dezember 2014, 12:12 Uhr

Von Marc Pitzke, New York

Das Südstaatenepos „Vom Winde verweht“ gilt als erfolgreichster Film der Geschichte – und ist eines der rassistischsten Machwerke Hollywoods.

„Das Land der Gentlemen und Baumwolle, das man den Alten Süden nannte – hier, in dieser schönen Welt, verbeugte sich die Galanterie zum letzten Mal. Hier konnte man die letzten Ritter und edlen Damen sehen, Herren und Sklaven... Heute ist dieser fast vergessene Traum nur noch in Büchern zu finden. Eine ganze Zivilisation, vom Winde verweht...“

Mit diesen Worten, auf einen blutroten Himmel projiziert, beginnt „Vom Winde verweht“, das legendäre Südstaatenepos von 1939. Fast vier Stunden Schmacht und Schmach, Kitsch und Kummer, Krieg und Frieden: Der üppigste wie pannengeplagteste Streifen jener Jahre heimste zehn Oscars ein und gilt als amerikanisches Meisterwerk. Längst liegt der inflationsbereinigt erfolgreichste Film der Geschichte dauerhaft konserviert in der Kongressbibliothek.

Konserviert ist so aber auch die Schattenseite dieser Schwulstoper um die verwöhnte Plantagenerbin Scarlett O'Hara (Vivian Leigh). „Gone with the Wind“, so der Originaltitel, ist eines der rassistischsten Machwerke Hollywoods: Es romantisiert das wohl düsterste Kapitel der US-Geschichte – was jetzt, zum 75. Jahrestag der Premiere, relevanter ist denn je.

Die Parallelen sind beklemmend. Vielen Weißen fehlt das Bewusstsein, dass die USA überhaupt ein Problem haben: Damals akzeptierten sie den Rassismus nonchalant als Lebensart – heute leugnen sie, dass es ihn überhaupt gibt.

Das Leid nobler Sklavenhalter

Es war ein glücklicher Zufall, dass die Jubiläumsscreenings schon im September begannen und nicht erst jetzt, da Abertausende Protestler auf die Straße gehen und skandieren: „Black lives matter!“ Amerikas Rassismus lebt weiter fort – und wer wissen will, wie das passieren kann, der muss sich nur „Vom Winde verweht“ antun, jene Ode an die gute alte Sklavenzeit.

Schon besagter Vorspann: Er beklagt eine verflossene Südstaatenromantik, diese „schöne Welt“ der „Herren und Sklaven“. Ein Baumwollfeld, singende Pflücker: „Ich sein Vorarbeiter!“, ruft Big Sam, das Urklischee vom schwarzen Hünen, der zum Arbeiter oder Narr taugt oder, gegen Ende des Films, um Scarlett vor weißen Vergewaltigern zu retten.

„Vom Winde verweht“ beginnt 1861, mit dem Ausbruch des US-Bürgerkriegs, und endet mit dem Untergang der Konföderierten und ihres auf Peitschen, Blut und Ausbeutung gebauten Pseudo-Idylls. Motto: Früher war alles besser.

Doch dass der Krieg eben um die Befreiung der Sklaven gefochten wurde, das bleibt so gut wie unerwähnt: Vielmehr geht es um das Liebes- und Lebensleid nobler Südstaatler unter dem Beschuss barbarischer Yankees. Die Greuel der Sklaverei, fast eine Selbstverständlichkeit hier, sind nur Kulisse, die Schwarzen Komparsen.

„Unverzeihlich rassistisch“

„'Vom Winde verweht' ist eine Verklärung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, schrieb die Filmproduzentin Lamonia Brown schon zum 70. Jubiläum auf dem afroamerikanischen Blog „The Grio“. „Ein rassistischer Klassiker“, legte das Magazin „Esquire“ jetzt nach, ohne Ironie.

Es war weder der erste noch der letzte Hollywoodstreifen dieser Art. Doch „Vom Winde verweht“ bleibt eine unzerstörbare Legende. Dabei war die Buchvorlage von 1936 noch schlimmer - sie pries unverhohlen den Ku-Klux-Klan an. „Unverzeihlich rassistisch“, schrieb damals das „Time“-Magazin. Trotzdem gewann der 1037-Seiten-Schmöker von Margaret Mitchell, deren Großväter im Sezessionskrieg gekämpft hatten, den Pulitzerpreis und wurde ein Weltbestseller.

Seine Motive passten zur Stimmung jener Zeit: Er überhöht die konföderierte Seele, dämonisiert die Yankees und sieht die Kriegsniederlage nur als tragische Zerstörung des „Southern Way of Life“ mit seinen Plantagen und Krinolinen.

Die Schwarzen sind darin nur Karikaturen: Gutmütige Naivlinge wie Big Sam. Infantile Nervensägen wie die Sklavin Prissy. Rotunde weise Haushälterinnen wie Mammy, die immer einen kecken Spruch parat hat und selbst nach der „Emanzipation“ in Scarletts Diensten bleibt.

Mammy-Darstellerin Hattie McDaniel, eine Tochter ehemaliger Sklaven, musste sich dazu kräftig selbst persiflieren, sie war eine begabte Sängerin und Komödiantin. „Vom Winde verweht“ brachte ihr einen Oscar ein, den ersten überhaupt für eine schwarze Rolle - doch auch viel Kritik bei anderen Afroamerikanern. Ihre Replik: Besser eine Magd spielen als eine sein.

Getrennte Toiletten für schwarze Darsteller

Nicht nur das Drehbuch war rassistisch gefärbt, auch die turbulente Produktion selbst. Es gab getrennte Toiletten für Weiße und Schwarze. Auf Druck der Schwarzenorganisation NAACP* ließ Produzent David O. Selznick besonders problematische Dialoge ändern: Aus „Nigger“ wurde „Darkie“; nicht minder diskriminierend.

An der Premiere in Atlanta durfte Darstellerin McDaniel wegen der Segregationsgesetze nicht teilnehmen. Auch bei der Oscar-Gala musste sie an einem separaten Tisch sitzen. „Ich hoffe zutiefst, dass ich meiner Rasse stets zur Ehre gereichen werde“, sagte sie in ihrer kurzen Dankesrede.

Die Trophäe, die sie später der traditionell schwarzen Howard University schenkte, ist heute verschollen. Auf dem Campus geht die Legende, dass aufgebrachte Bürgerrechtler sie in den sechziger Jahren weggeworfen hätten.

www.spiegel.de/einestages/vom-winde-verweht-rassismus-im-hollywood-film-klassiker-a-1007841.html

 

3. Vitrine

SCHUTE, TYPISCHER FRAUENHUT (Replikat spätes 20. Jahrhundert)
UNIONSMÜTZE (Replikat spätes 20. Jahrhundert)
PACKUNG KONDOME (Frontseite, Replikat spätes 20. Jahrhundert)
PACKUNG KONDOME (Rückseite, Replikat spätes 20. Jahrhundert)
LITOGRAPHIE HARRIET BEECHER STOWE (keine Angabe, Deutsche Photograhische Gesellschaft in Berlin)
FOTOGRAFIE EINES DEUTSCHEN AUSWANDERES (vermutlich zwischen 1861 – 1865)
GEWEHRKUGELN (vermutlich zwischen 1861 – 1865)
LINKS: MUSKETENKUGEL, RECHTS: MINIÉ-GESCHOSSE (vermutlich zwischen 1861 – 1865)
GÜRTEL EINER UNIONSUNIFORM (Replikat spätes 20. Jahrhundert)
GÜRTEL MIT MUNITIONSTASCHE (Replikat spätes 20. Jahrhundert)
FELDFLASCHE (Replikat spätes 20. Jahrhundert)
HARD TACK: TYPISCHE SOLDATENVERPFLEGUNG (Replikat spätes 20. Jahrhundert)
BAYONETT (Nachbau spätes 20. Jahrhundert)
KIMME EINER ENFIELD RIFLE (Nachbau spätes 20. Jahrhundert)
LAUF MIT LADESTOCK (Nachbau spätes 20. Jahrhundert)
SCHAFT EINER ENFIELD RIFLE (Nachbau spätes 20. Jahrhundert)
MIT AUFGEPFLANZTEM BAYONETT (Nachbau spätes 20. Jahrhundert)
GRAVUR AUF DEM TRAGERIEMEN (Nachbau spätes 20. Jahrhundert)
Fotografien von Fionn Große (Hochzeitsfotograf-Grosse.de)

 

 

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