Laufende Promotionsprojekte


Konzepte von Zeugenschaft in Theaterstücken über den ‚NSU‘

Name: Anna Brod
Betreuer/innen: Prof. Dr. Anne Steiner, Prof. Dr. Michael Bachmann (Glasgow), Prof. Dr. Hans-Werner Kuhn
Laufzeit: seit April 2015

Kurzbeschreibung:
Im Mittelpunkt der Dissertation stehen aktuelle Theaterstücke, die den ‚NSU’, also die Terrorzelle um Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, sowie die Auswirkungen der Taten des ‚NSU’ und ihre Aufarbeitung (gesellschaftlich, juristisch, medial) thematisieren. Zunächst sollen eine Gesamtaufnahme der Stücke gemacht und thematisch-formale Subtypen ausdifferenziert werden.
In einem Zugang, der literatur- und theaterwissenschaftliche Methoden verbindet, indem sowohl die Theatertexte als auch Inszenierungen sowie Selbstaussagen der AutorInnen (z.B. in Programmheften oder Interviews) Gegenstand der Analyse werden, soll das Material daraufhin untersucht werden, wie TheaterautorInnen damit umgehen, dass sowohl die Täterperspektive (aufgrund des Selbstmords bzw. des Schweigens der TäterInnen) als auch die Opferperspektive (weil den Opfern die Opferperspektive nicht zugestanden wurde, sondern sie als TäterInnen verdächtigt wurden) als Leerstelle zu begreifen sind. Hier wird die These verfolgt, dass die TheaterautorInnen dazu verschiedene Konzepte von Zeugenschaft wählen bzw. neu konstituieren. Das Herausarbeiten dieser verschiedenen Konzepte steht im Zentrum der Arbeit. Neben Opfern und Tätern soll der Fokus auch auf die ZuschauerInnen gerichtet werden (und zwar im doppelten Wortsinn, also als ZuschauerInnen der Taten des ‚NSU’ sowie als TheaterzuschauerInnen). Ausgehend von dieser Perspektive sollen zuletzt didaktische Potentiale der konkreten Stücke sowie der Konzepte von Zeugenschaft allgemein (v.a. für den Deutschunterricht) herausgearbeitet werden, die den Bereichen ‚Politische Bildung’ sowie ‚Entwicklung von Medienkompetenz’ zuzuordnen sind.

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Wege des Metaphernverstehens – ein empirisches Forschungsprojekt zum didaktischen und hermeneutischen Problem der Deutung von Metaphern im Kontext des Deutschunterrichts

Name: Friedemann Holder
Betreuerinnen: Prof. Dr. Petra Gretsch & Prof. Dr. Gabriele Gien (Eichstätt)

Kurzbeschreibung:
Ziel des vorliegenden Projekts ist es, die Rezeption von Metaphern aus der Lernerperspektive systematisch zu beschreiben. Es soll nicht von einem idealen Schüler ausgegangen werden, der bereits in der Lage ist, gängige Interpretationsmuster mit Erwachsenen zu teilen. Vielmehr gilt dem tatsächlichen Rezeptionsverhalten von Schülerinnen und Schülern das Interesse der Arbeit. Durch empirische Erhebungen (GS, HS, RS, GYM, Klassen 4, 6, 8, 10, 12) sollen Verstehensdimensionen des Metaphernverstehens bei heranwachsenden Leserinnen und Lesern ermittelt werden. Anschließend soll versucht werden, die subjektiven Hermeneutiken mit den wissenschaftlichen Theorien engzuführen und sie im Sinne einer bricolage intellectuel zu einem didaktischen Modell zu verbinden.
Daneben sollen einige institutionelle Bedingungen dieser Verstehensleistungen analysiert werden. Normative Faktoren des Deutschunterrichts  (Lehrbücher, Lernaufgaben, Textaufgaben und Prüfungsaufgaben), aber auch die Sichtung von Metaphernkonzepten in benachbarten Fächern (Kunst, Religionslehre) stehen dabei im Vordergrund. Als Ergebnis wird ein Metaphernverstehensmodell angestrebt, das fächerübergreifend angelegt ist und das Spannungsfeld zwischen individueller Deutung und institutionell erwünschter Verstehensleistung abgebilden kann.

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Rassismuskritische universitäre (Deutsch-)Lehrer_innenausbildung unter besonderer Berücksichtigung der Chancen und Risiken theaterpädagogischer Methoden

Name: Nina Simon
Betreuer/innen: Prof. Dr. Anne Steiner, Prof. Dr. Paul Mecheril (Oldenburg)
Laufzeit: 01. Oktober 2014 bis 31. Januar 2018

Kurzbeschreibung:
Die im Mittelpunkt dieser empirischen Untersuchung stehende Beforschung von Bildungsprozessen soll einer Annäherung an mögliche Konsequenzen für theaterpädagogische Rassismuskritik in der universitären Lehrer_innen(aus)bildung dienen. Gefragt wird nach durch Selbsterfahrung (nicht) angeregte (Selbst-) Reflexions- und/oder Dekonstruktionsprozessen und damit einhergehend danach, ob und wie eine rassismuskritische Einstellung erworben werden kann, die auf eine kritische Reflexion des Fremdheitsdiskurses zielt. Im Zuge derer steht Lernen über die eigene Position und nicht Lernen über (vermeintlich) Andere_s im Vordergrund. Um herauszufinden, was in universitären Seminaren für Lehramtsstudierende, die Rassismuskritik und Theaterpädagogik miteinander kombinieren, passiert (und was daraus über „Chancen“ und „Risiken“ dieser Kombination gelernt werden kann), wurden und werden Seminare, im Rahmen derer mit theaterpädagogischen Methoden auf Grundlage verschiedener Materialen, wie literarischen Texten, Film- und Bildmaterial, gearbeitet wird, erprobt und anschließend kritisch reflektiert.

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Sprachbarrieren im Kreißsaal - Eine Analyse der sprachlichen Hürden und Kommunikationsstrategien von Hebammen und Migrantinnen

Name: Sonja Domes
Betreuerinnen: Prof. Dr. Gabriele Kniffka, Prof. Dr. Eva-Maria Bitzer
Bereich: Deutsch als Zweit- und Fremdsprache
Laufzeit: seit 11/2016


Kurzbeschreibung:
Im Zuge der Migrationsbewegungen nach Deutschland stellt die Versorgung ausländischer Frauen im Kontext Geburt für die Kliniken eine große Herausforderung dar. Für eine zufriedenstellende Betreuung im Kreißsaal ist eine gelingende Kommunikation zwischen Hebamme und betreuter schwangerer Frau notwendig, doch diese funktioniert aufgrund oftmals vorhandener Sprachbarrieren nur sehr eingeschränkt.

Im Rahmen dieses Forschungsprojekts wird die spezifische Kommunikation zwischen Hebammen und schwangeren Frauen, die über geringe oder keine Deutschkenntnisse verfügen, umfassend analysiert. Der Fokus liegt dabei auf der Erfassung der sprachlichen Hürden sowie der möglichen sprachlichen und nichtsprachlichen Strategien, die von beiden Gesprächspartnerinnen zu deren Bewältigung eingesetzt werden. Die Betrachtungen erstrecken sich über drei Teilstudien, wobei qualitative und quantitative Methoden zur Anwendung kommen. Eine gesprächsanalytische Auswertung authentischer Kommunikationssituationen im Kreißsaal und eine Interviewstudie mit Hebammen und Migrantinnen werden durch eine bundesweit angelegte Fragebogenerhebung mit Hebammen ergänzt.

Langfristiges Ziel der Untersuchung ist die Erarbeitung von Fortbildungsmaßnahmen für Hebammen und von sprachübergreifenden Materialien zur Kommunikationsunterstützung im Kreißsaal.