Stipendiatin der Stiftung der Deutschen Wirtschaft
Pädagogische Hochschule Freiburg

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Fiktionswahrnehmung als Grundlage literarischen Verstehens

Doktorvater: Prof. Dr. Jan M. Boelmann

Kurzfassung der Promotionsarbeit

„Literarische Fiktionen sind derart selbstverständlich Unterrichtsgegenstände, dass die pragmatische Perspektive […] häufig unerwähnt [bleibt]. Wenn der Deutschunterricht […] die Fähigkeiten vermitteln will, eigenständig ein adäquates Textverständnis zu entwickeln, so ist die Bestimmung der Werkkategorie „Fiktion“ fundamental.“ (Nickel-Bacon 2003, 10)

Die individuelle Fiktionswahrnehmung gilt in der literaturdidaktischen Auseinandersetzung als eine der zentralen Voraussetzungen im kindlichen Verstehensprozess literarischer Gegenstände. Trotz der exponierten Stellung des Bildungsaspekts „Fiktion wahrnehmen“ wird diese Fähigkeit in der aktuellen deutschdidaktischen Forschung als selbstverständliches Können vorausgesetzt und blieb, insbesondere in der empirischen Primarstufenforschung, bislang unbeachtet (vgl. u.a. Zipfel 2001; Nickel-Bacon 2003; Kammler 2010; Spinner 2010).

Mein Dissertationsprojekt begegnet diesem Desiderat indem Fiktionsverstehen als nicht voraussetzbare Komponente des literarischen Lehr-/ Lernprozesses angesehen wird, sondern als variabler Bedingungsfaktor, dessen Wirkung auf den Erwerb, Aufbau und Abruf literarischer Kompetenz erschlossen werden muss. Die Arbeit ist an der Schnittstelle der Lehr-/ Lerntheorie und der empirischen Bildungsforschung innerhalb des deutschdidaktischen Kontextes verortet und greift auf die Referenzfelder der literaturwissenschaftlichen Fiktionsforschung, der literaturdidaktischen Auseinandersetzung mit literarischen Verstehensprozessen und der Primarstufendidaktik zurück.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Beziehung zwischen der Wahrnehmung textimmanenter Fiktionsmarker und dem Abruf literarischer Grundkompetenzen (vgl. Boelmann/Klossek 2017) von Grundschülerinnen und Grundschülern zu modellieren und qualitativ-empirisch nachzuweisen.

Literatur

Boelmann, Jan. M./Klossek, Julia/König, Lisa 2019 i.V.: Das Bochumer Modell literarischen Verstehens. Literarische Kompetenzen erheben, literarisches Lernen fördern.

Kammler, Clemens 2010: Literarische Kompetenzen beschreiben, beurteilen, fördern. In: Rösch, Heidi (Hrsg.): Literarische Bildung im Kompetenzorientierten Deutschunterricht. Freiburg im Breisgau, S.197-214.

Nickel-Bacon-Irmgard 2003: Vom Spiel der Fiktionen mit Realitäten. In: Praxis Deutsch, Jg.30 H.180, S.4-12.

Spinner, Kaspar H. 2010: Literaturunterricht in allen Schulstufen und -formen: Gemeinsamkeiten und Besonderheiten. In: Rösch, Heidi (Hrsg.): Literarische Bildung im Kompetenzorientierten Deutschunterricht. Freiburg im Breisgau, S.93-112.

Zipfel, Frank 2001: Fiktion, Fiktivität, Fiktionalität. Analyse zur Fiktion in der Literatur und zum Fiktionsbegriff in der Literaturwissenschaft. Berlin.

 

 Die Arbeit wird durch ein Promotionsstipendium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft unterstützt.