Standards und Hinweise für die mündliche Prüfung 1. Staatsexamen im Bereich Sprachwissenschaft/Sprachdidaktik (PO 2011) (Kopie 3)

Grundlage dieser Handreichung sind die Verordnungen des Kultusministeriums über die Erste Staatsprüfung für das Lehramt an Grundschulen (Grundschullehramtsprüfungsordnung I – GPO I) und für das Lehramt an Werkrealschulen, Hauptschulen sowie Realschulen (Werkreal-, Haupt- und Realschullehramtsprüfungsordnung – WHRPO I), beide vom 20. Mai 2011, vgl. hier.

1) Ablauf

Die mündliche Prüfung im Fach Deutsch hat insgesamt eine Dauer von etwa 30 Minuten. Davon entfallen 15 Minuten auf Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik. Diese umfassen:

  1. einen Schwerpunkteil (etwa 50 % der Prüfungszeit) zu einem vom Prüfling in Absprache mit dem Prüfenden frei zu wählenden Thema, das sprachwissenschaftliche und sprachdidaktische Anteile umfasst;

  2. einen Grundlagenteil (etwa 50 % der Prüfungszeit), der sich dem Überblick über das Fach widmet. Dieser umfasst die in 2a) aufgeführten Grundlagenthemen, zu denen die unter 2c) angegebene Grundlagenliteratur empfohlen wird.

2) Grundlagenteil

a)    Die sprachwissenschaftlichen Themen und darauf bezogenen fachdidaktischen Konzeptionen des Grundlagenteils umfassen folgende Bereiche:

  • Sprachliche Strukturen und Grammatik: Wort, Satz, Text, Gespräch (Morphologie, Syntax, Textlinguistik, Gesprächslinguistik),
  • soziokulturelle und linguistische Rahmenbedingungen der Sprachverwendung sowie Sprache als Mittel des Denkens und der Verständigung (Zeichen, Kommunikation, Semantik, Pragmatik),
  • Medialität von Sprache (Mündlichkeit, Schriftlichkeit),
  • gesprochene und geschriebene Sprache (Phonetik, Phonologie, Graphematik, Orthographie),
  • Theorien und Entwicklungsmodelle zum Sprach- und Schriftspracherwerb,
  • Entwicklung von gesprochensprachlichen und schriftsprachlichen Kompetenzen sowie Testverfahren und Ansätze zur Didaktisierung,
  • gesellschaftliche und individuelle Bedeutung von Mehrsprachigkeit und Interkulturalität für sprachliche Lernprozesse, Deutsch als Zweitsprache,
  • Fragestellungen, Arbeitsweisen, Modelle und Positionen der Sprachdidaktik.

b)    Der Prüfende kann dem Prüfling (schrift)sprachliches Material zur Analyse vorlegen.

c)    Für die wiederholende Einarbeitung wird folgende Grundlagenliteratur empfohlen:

  • Auer, P. et al. (2013): Sprachwissenschaft : Grammatik - Interaktion – Kognition. Stuttgart.
  • Bredel, U. et al. (Hg. 22006): Didaktik der deutschen Sprache. 2 Teilbände. Paderborn u.a.
  • Bredel, U. et al. (2011): Wie Kinder lesen und schreiben lernen. Tübingen.
  • Brinker, K./Sager, S.F. (52010): Linguistische Gesprächsanalyse. Eine Einführung. Berlin.
  • Dudenredaktion (82009): Die Grammatik. Mannheim u.a. (Auflagen ab 2005).
  • grammis 2.0 – Das grammatische Informationssystem des Instituts für deutsche Sprache (IDS). [http://hypermedia.ids-mannheim.de/]
  • Hausendorf, H./Kesselheim, W. (2008): Textlinguistik fürs Examen. Göttingen.
  • Hoffmann, L. (Hg. 2010): Sprachwissenschaft. Ein Reader. Berlin.
  • Huneke, H.-W. (Hg. 22010): Taschenbuch des Deutschunterrichts. Bd. 1: Sprach- und Mediendidaktik. Baltmannsweiler.
  • Kniffka, G./Siebert-Ott, G. (32012): Deutsch als Zweitsprache. Lehren und lernen. Paderborn.
  • Linke, A. et al. (52004): Studienbuch Linguistik. Tübingen.
  • Meibauer, J. (22001): Pragmatik. Eine Einführung. Tübingen.
  • Pittner, K./Berman, J. (42010): Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. Tübingen.
  • Steinig, W./Huneke, H.-W. (42011): Sprachdidaktik Deutsch. Berlin.

3) Schwerpunktteil

  1. Für den Schwerpunktteil bereitet der Prüfling ein in seinem Interessengebiet liegendes Thema vor. Dieses kann sich aus den Grundlagenthemen ergeben bzw. an diese anknüpfen.

  2. Das Schwerpunktthema ist vom Prüfling selbständig vertiefend zu erschließen, so dass sowohl ein Überblick (Abgrenzung zu benachbarten Themenbereichen) als auch ins Detail gehende Erkenntnisse auf aktuellem Forschungsstand gewonnen werden.

  3. Zur Vorbereitung gehört auch, dass der Prüfling zum Schwerpunktthema sowohl fachwissenschaftliche als auch fachdidaktische Konzepte kennt und bewerten kann.

  4. Als gemeinsame (Diskussions-)Grundlage für den Schwerpunktteil kann der Prüfling dem Prüfenden vor dem Zeitpunkt seiner mündlichen Prüfung entweder eine Gliederung bzw. Mindmap oder Thesen zu seinem Schwerpunktthema vorlegen oder eine Kombination aus Gliederung bzw. Mindmap und Thesen. Dies dokumentiert die Ausrichtung seiner Schwerpunktsetzung. Außerdem erhalten die Prüfenden eine Liste der zur Vorbereitung des Schwerpunktthemas verwendeten Fachliteratur.


Stand: November 2014

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