26. Jahrestagung der dvs-Kommission "Geschlechter- und Diversitätsforschung"

Differenzordnungen (Geschlecht, Klasse, ‚race‘, sexuelle Orientierung, etc.) sind eng mit Machtordnungen verwoben, die sich in Routinen des Körpers, der Sprache und des Denkens widerspiegeln und Auskunft über den je eigenen Platz im hierarchischen Gefüge einer Gesellschaft geben. Diese Ordnungen operieren mit einer exklusiven Logik, die die Einzelnen auffordert, sich in die Verhältnisse einzuordnen und darzustellen: beispielsweise als weiß oder schwarz, Mann oder Frau, Einheimische oder Zugewanderte, behindert oder nicht-behindert. Individuen werden in diese Ordnung einsozialisiert, nach ihren Regeln diszipliniert und normalisiert. Da die Einordnung Eindeutigkeit verlangt, werden alle, die sich nicht entsprechend dieser Logik verhalten und zuordnen können oder wollen, abgewertet oder diskriminiert – z.B. durch Stereotypisierungen, Stigmatisierungen, Essentialisierungen und Defizitzuschreibungen – und in diesem Prozess von bestimmten Ressourcen und/oder Zugehörigkeiten ausgeschlossen. Differenzordnungen sind hierarchisch organisiert, einige Zugehörigkeiten werden gegenüber anderen privilegiert, vor allem die Zugehörigkeit zum „Wir“ gegenüber den „Anderen“.

Fragen, die sich bezüglich des Tagungsthemas stellen, sind: Inwiefern trägt auch Sportwissenschaft und Sportpraxis zu Differenzierungsdynamiken bei, die diskriminierende und exkludierende Wirkungen haben? Auf welche Weise entfalten Differenzordnungen im Schulsport, im Vereinssport oder in informellen Sportangeboten ihre Wirkungen? Wie könnten und sollten die festgelegten Strukturkategorien daraufhin geprüft werden, ob sie nicht gerade Abweichungen und die Konstruktion von Anderen begünstigen? In den Tagungsbeiträgen soll es darum gehen, Strukturen und Prozesse zu analysieren, in denen Differenzen in Fähigkeiten und Fertigkeiten, der Lebensführung usw. zwischen sozial ungleichen Gruppen hervorgebracht, Generalisierungen, Stereotypisierungen aufgestellt und übergreifende Gemeinsamkeiten nicht thematisiert werden.