Gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung vom 1.7.2017- 30.6.2020 

Leitung: Prof. Dr. Bettina Fritzsche; Prof. Dr. Christine Riegel 

Die Nachwuchsforschungsgruppe beschäftigt sich mit der Situation von neu zugewanderten jungen Menschen mit Fluchtgeschichte im Feld von Bildung und fragt nach Möglichkeiten und Beschränkungen bei der Einmündung in das Bildungs- und Berufsbildungssystem und der Gestaltung von Bildungswegen. Es wird davon ausgegangen, dass sich diese Bildungswege in einem Spannungsfeld von Ein- und Ausgrenzung vollziehen und die Möglichkeiten und Begrenzungen der Bildungsteilhabe von strukturellen, politischen, rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen sowie gesellschaftlichen Macht- und Ungleichheitsverhältnissen konturiert werden. 

Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen der Nachwuchsforschungsgruppe die ambivalenten und widersprüchlichen Bildungssituationen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrungen und deren Möglichkeiten des Zugangs und der Partizipation an Bildung und Ausbildung in den Blick genommen. Zum einen sollen Ordnungen und Mechanismen der Bildungsmaßnahmen und -institutionen im Bereich der schulischen und beruflichen Bildung sowie Praktiken darin involvierter Institutionen und Ausbildungsinstanzen rekonstruiert werden. Zum anderen wird danach gefragt, wie junge Geflüchtete diese Bildungsvoraussetzungen erleben und welche Perspektiven und Strategien sie in deren Kontext entwickeln. In drei Promotionsprojekten soll dieser Fokus, der sowohl auf gesellschaftliche, institutionelle und organisationale Voraussetzungen als auch auf die subjektiven Perspektiven der Jugendlichen gerichtet ist, mit jeweils unterschiedlicher Gewichtung verfolgt werden. Diese sind wie folgt thematisch gerahmt: 

Projekt a) Die Organisation von Bildung für junge Geflüchtete in allgemeinbildenden Schulen 

In diesem Forschungsprojekt sollen der Prozess der Einmündung und Eingliederung von Jugendlichen mit Fluchthintergrund in das deutsche Bildungs- und Schulsystem und die Organisation von formaler Bildung im Sekundarschulbereich am Beispiel ausgewählter Schulen organisationsethnographisch untersucht werden. Wie wird die Bildung der neu eingereisten Schüler_innen organisiert, nach welchen Kriterien wird bei der Zuteilung von Schulen und Klassenstufen vorgegangen? Es soll das konkrete Bildungsgeschehen in Schule und Unterricht in verschiedenen Organisationsformen in den Blick genommen und danach gefragt werden, wie Bildung für diese Schüler_innen ermöglicht (oder auch erschwert) wird. Dabei ist der Fokus v.a. auf das institutionelle Geschehen und die alltäglichen pädagogischen Praktiken gerichtet, mit der Frage nach deren Effekten für die Bildungsprozesse von Jugendlichen mit Fluchtgeschichte. Von Interesse ist hierbei insbesondere, wie Ein- und Ausgrenzungsprozesse bereits in Zuteilungsverfahren durch die Schulbehörden sowie im Rahmen spezifischer schulischer Maßnahmen und Angebote (z.B. Vorbereitungsklassen) wirksam werden. 

Projekt b) Die Einmündung in Ausbildung und Beruf junger Geflüchteter im Spannungsfeld von Ermöglichungen und Begrenzungen 

Das zweite Teilprojekt thematisiert die Bildungssituation von geflüchteten Jugendlichen in der Phase des Übergangs von der Schule in den Beruf. Dabei soll der Fokus auf den Zugang zu beruflicher Bildung und die Chancen zur Integration in eine berufliche Ausbildung gerichtet sein und Effekte verschiedener Maßnahmen zur Unterstützung der Integration in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt sollen analysiert werden. Mit einem organisationsethnographischen Zugang könnte untersucht werden, mit welchen strukturellen, institutionellen und organisatorischen Ein- und Ausgrenzungsmechanismen das bestehende Ausbildungs- und Übergangssystem verbunden ist. Es könnten auch konkrete Maßnahmen zur Integration in das berufliche Ausbildungssystem für junge Heranwachsende mit Fluchtgeschichte untersucht werden. Jeweils am Beispiel der konkreten Bildungsverläufe von geflüchteten jungen Erwachsenen und daraus resultierenden Chancen der Integration in den Arbeitsmarkt bzw. der Realisierung einer Ausbildung wäre z. B. eine Untersuchung der spezifischen Chancen, Potenziale sowie Begrenzungen solcher Maßnahmen möglich. 

Projekt c) Bildungserfahrungen und Bildungsstrategien von jungen Erwachsenen mit einer Fluchtgeschichte

In diesem Projekt sollen Bildungswege und -erfahrungen von jungen Erwachsenen mit einer Fluchtgeschichte in verschiedenen nationalen und institutionellen und non-formalen Kontexten rekonstruiert werden. Ausgangsthese ist hierbei, dass Jugendliche und junge Erwachsene durch den Prozess der Flucht vielfältige Kompetenzen erworben haben, die als Bildung verstanden werden und die auch im Bereich von Schule und Ausbildung hilfreich sein können. Insbesondere sollen non-formale und informelle Bildungsprozesse sowie die bei den jungen Geflüchteten bereits vorhandenen Bildungsressourcen in den Blick geraten. Methodisch bieten sich die Durchführung lebensgeschichtlicher Interviews und der Bezug auf biographietheoretische Ansätze an. Auf diese Weise könnten fallbezogen vielfältige Bildungserfahrungen und -ressourcen junger Geflüchteter – sowohl im deutschen Bildungssystem als auch in Bezug auf die zuvor gemachten Erfahrungen mit und im Kontext von Bildung – herausgearbeitet werden, die auch Hinweise auf strukturelle und institutionelle Ein- und Ausgrenzungsmechanismen (nicht nur) im Bildungskontext geben. Das Projekt könnte im Rahmen verschiedener Forschungsdesigns umgesetzt werden, gegebenenfalls mit einer vergleichenden Fragestellung oder mit Blick auf eine ausgewählte Gruppe (zum Beispiel auf junge Frauen mit Fluchtgeschichte). 

Ausschreibung von 2 Promotionsstipendien: 

Von der Hans-Böckler-Stiftung sind im Rahmen der

Nachwuchsforschungsgruppe „Bildungskontexte und (Aus-)Bildungswege von jungen Geflüchteten im Spannungsfeld von Ein- und Ausgrenzung“ an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, geleitet von Prof. Dr. Bettina Fritzsche und Prof. Dr. Christine Riegel, ab dem 01.11.2017 noch zwei Promotionsstipendien zu vergeben. 

Die Laufzeit der Stipendien beträgt max. 3 Jahre. Über die Stipendien wird nach den Auswahl- und Förderungskriterien der Hans-Böckler-Stiftung entschieden. Bewerber_innen müssen einen überdurchschnittlichen Studienabschluss (mindestens Note ‚gut’) sowie ein gewerkschaftliches oder gesellschaftspolitisches Engagement nachweisen. 

Hinweise zur Bewerbung und entsprechende Unterlagen finden Sie unter: http://www.boeckler.de/92.htm

Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen inkl. eines max. 10seitigen Exposés, in dem das geplante Vorhaben skizziert und in das Programm der Nachwuchsforschungsgruppe eingeordnet wird, bis zum 28.04.2017 an:

Prof. Dr. Bettina Fritzsche (bettina.fritzsche(atnospam)ph-freiburg.de)

und Prof. Dr. Christine Riegel (christine.riegel(atnospam)ph-freiburg.de)

Die Leiterinnen der Nachwuchsforschungsgruppe stehen für Rückfragen und Auskünfte zur Verfügung.