Anerkennungsverhältnisse an urbanen Grundschulen. Eine binational vergleichende ethnographische Untersuchung

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft 2010-2014

Leitung: Bettina Fritzsche

 

Im Fokus des Forschungsprojekts stehen die Beziehungen zwischen Lehrer_innen und Schüler_innen, die analytisch als Anerkennungsverhältnisse gefasst und an zwei jeweils in Berlin und London gelegenen Grundschulen untersucht werden. Grundlegende Annahme ist, dass urbane und in Brennpunkten gelegene Schulen heute in der Regel mit sehr ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind, vor allem insofern sie oftmals eine sehr heterogene und teilweise sozial benachteiligte Schülerschaft haben und gleichzeitig mit knappen Ressourcen haushalten müssen. Gleichzeitig wird angenommen, dass die Beziehungen zwischen Lehrer_innen und Schüler_innen in England und Deutschland jeweils von sehr verschiedenen Rahmenbedingungen beeinflusst sind.

Mittels verschiedener qualitativer Erhebungsmethoden (Beobachtungen, Videographien, Gruppendiskussionen, Interviews, Dokumentenanalysen, Analyse von Feed-Back-Gesprächen) werden Interaktionen im Unterricht sowie Orientierungsmuster von Lehrer_innen und Schüler_innen erhoben und mit der Dokumentarischen Methode interpretiert.

In Bezug auf das interessierende Verhältnis zwischen Grundschullehrer_innen und  ihren Schüler_innen wird herausgearbeitet, wie sich dieses in Praktiken der Interaktion konkret gestaltet und analysierte Muster der Interaktion werden zu den expliziten und programmatischen Ansprüchen ebenso wie zu den Orientierungsmustern der schulischen Akteure ins Verhältnis gesetzt. Theoretischer Bezugspunkt ist hierbei ein von den Überlegungen Judith Butlers inspirierter analytischer Anerkennungsbegriff, der sich insbesondere für die Analyse von Machtverhältnissen eignet. Ziel ist es, in transkultureller und kulturvergleichender Perspektive die expliziten und impliziten Normen der Anerkennbarkeit, die die Interaktionen und Orientierungsmuster in den jeweiligen Schulen rahmen, herauszuarbeiten.

Der binationale Vergleich zielt dabei darauf ab, die Bedeutung institutioneller, historischer und mentalitätsgeschichtlicher Rahmenbedingungen bei der Gestaltung pädagogischer Beziehungen an Schulen zu analysieren.