Reproduzierendes, widerständiges und solidarisches Handeln in widersprüchlichen Verhältnissen

vom 22. bis 24. Januar 2015 an der PH Freiburg


 

 

Reproduzierendes, widerständiges und solidarisches Handeln in widersprüchlichen Verhältnissen

Angesichts gesellschaftlicher Verhältnisse, die durch soziale Ungleichheit, hegemoniale Macht- und Herrschaftsverhältnisse, spätkapitalistische Interessenkonflikte, asymmetrische Geschlechterverhältnisse sowie internationale Grenz- und Migrationsregime gekennzeichnet sind, stellt sich pädagogisches, soziales und politisches Handeln als herausfordernd und widersprüchlich dar. Prozesse der Ein- und Ausgrenzung, Unterwerfung sowie Normierung und Normalisierung sind immanente Bestandteile dieser Verhältnisse, die durch Neoliberalisierung und ökonomische Krisen noch weiter verschärft werden. Diese Verhältnisse spiegeln sich u.a. in Organisationen und Institutionen der Bildungsarbeit, der sozialen Unterstützung und Hilfen sowie in sozialen Bewegungen und politischen Initiativen wider. Sie prägen diese und werden hier zugleich reproduziert – aber auch kritisch hinterfragt.

In diesem Kontext gestaltet sich Bildung und Unterstützung widersprüchlich: es enthält sowohl emanzipatorisches Potential als auch normierende, disziplinierende und ausgrenzende Aspekte. Das Agieren und Handeln ist vor diesem Hintergrund für alle Beteiligten – sowohl für Professionelle, als auch Adressat_innen oder Nutzer_innen – herausfordernd und äußerst ambivalent, wenn auch in unterschiedlicher Weise. Einerseits ist es durch die dominanten Verhältnisse nahegelegt, den vorherrschenden und Denk- und Handlungsmustern zu folgen und in (sozial-)pädagogischen und politischen Kontexten Praxen der Normalisierung, Disziplinierung und Othering zu reproduzieren oder zu Ausgrenzung beizutragen. Andererseits bestehen trotz der Dominanz und Wirkmächtigkeit dieser Verhältnisse für die Beteiligten immer auch Möglichkeiten, sich diesen zu widersetzen, Normalitätsvorstellungen und -erwartungen zu variieren, zu irritieren, Naheliegendes zu hinterfragen, Grenzen zu verschieben usw. Dies sind Möglichkeiten des Widerstandes, der Kritik, der Veränderung sowie des solidarischen Handelns. Aber auch solche potentiell widerständigen Praktiken oder Formen der Solidarität sind angesichts dieser Verhältnisse durchaus widerspruchsvoll und nicht einfach umzusetzen. Gerade auch (sozial-)pädagogisches Handeln, das in institutionalisierte Kontexte eingebunden ist und Reproduktionen vermeiden möchte, erweist sich als spannungsreich.

Im Rahmen dieser Tagung besteht die Gelegenheit, solche Ambivalenzen und Widersprüche sozialen und pädagogischen Handelns aus verschiedenen Theorieperspektiven zu diskutieren. Dabei sollen Formen von affirmativem und reproduzierendem, von solidarischem und widerständigem Handeln in ihrem spannungsreichen Verhältnis zueinander in den Blick genommen und nach deren widersprüchlichen Voraussetzungen sowie ambivalenten Effekten gefragt werden. Darüber hinaus ist auch die Entwicklung von Perspektiven von Interesse, die der Frage nachgehen, wie in anderer als ausgrenzender oder herrschaftsreproduzierender Weise mit Ungleichheit und Differenz umgegangen werden kann, gerade auch hinsichtlich des eigenen (durchaus unterschiedlichen) Involviert- und Positioniert-Seins und der damit verbundenen Fehlbarkeiten und Grenzen.