Sommerworkshop 2011

Im Sommersemester 2011 gab es einen sehr gelungenen Sommerworkshop zum Thema Dialogkompetenzen im eigenen berufspraktischen Feld.

In einem semesterdurchlaufenden Seminar mit dem Titel "Dialogkompetenzen von Israel/Palästina bis zur Schule/Hochschule bis hin ins eigene berufspraktische Feld" wurden die verschiedenen Workshops vorbereitet und von den Studierenden anschließend reflektiert. Diese Reflexionen zu den Workshops finden sich in den genaueren Beschreibungen der Workshops, die durch die unten angezeigten Links zu erreichen sind.

Reflexionen zu den ExpertInnengesprächen während des Semesters finden sich hier:

Russlanddeutsche und andere Deutsche - Russisch-Deutscher Dialog in Südbaden. Lesung aus dem Buch "Ritas Leute" von Ulla Lachauer. Die Protagonistin des Buches war bei dem Gespräch anwesend. (Reflexion 1 + 2)



28.06.2011

16-20 Uhr

Sommerworkshop für Lehrende und Studierende

·          Dialogkompetenz in Elterngesprächen im schulischem Kontext (Jutta Heppekausen, PH Freiburg, Supervisorin) 

·          Dialogischer Deutschunterricht in vielsprachigen Schulklassen (Yvonne Decker, PH Freiburg)

·          Dialoge zwischen Hochschullehrenden und Studierenden (Waltraut Ziegler, Trainerin für Rhetorische Kommunikation, Supervision) In Kooperation mit der Hochschuldidaktik PH Freiburg

Dialogkompetenzen in Elterngespräche im schulischen Kontext

Eine Reflexion zum Workshop gibt es hier.

Jutta Heppekausen (PH Freiburg, Supervisorin)

Ein Fallbeispiel (konfliktlastiges Gespräch zwischen eine Elternteil und einer Lehrerin) wird szenisch rekonstruiert, gemeinsam spielerisch erforscht und  mit Hilfe eines Interaktionsmodelles (Hennig/Ehinger in Anlehnung an Schulz-von-Thun) analysiert. Vor diesem Hintergrund können die Teilnehmer/innen alternative Gesprächshaltungen erproben und gemeinsam auswerten, wobei der Bezug zu den vier Dialogkompetenzen nach Isaacs hergestellt werden kann: Artikulieren – Zuhören – Respektieren – Suspendieren.

Literatur:

Hartkemeyer, Martine & Johanes F. et.al. (1999): Miteinander Denken. Die Geheimnisse des Dialogs. Stuttgart. S. 259ff

Hennig, Claudius/ Ehinger, Wolfgang (2009): Das Elterngespräch in der Schule. Donauwörth. Darin: Vier-Ebenen-Interaktionsmodell, S. 67 ff.

Isaacs, William (2002): Dialog als Kunst gemeinsam zu Denken. Die neue Kommunikationskultur in Organisationen. Bergisch-Gladbach

Schulz-von-Thun (1998): Miteinander Reden 1.Störungen und Klärungen. Reinbek. S. 698 ff.

Dialogischer Deutschunterricht in vielsprachigen Schulklassen

Die PPPräsentation zum Workshop gibt es hier.

Yvonne Decker M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin PH Freiburg

 

Mehrsprachigkeit und Sprachenvielfalt stellen in Schulklassen längst keine Ausnahme, sondern vielmehr die Regel dar. Alleine in Freiburg wachsen rund 39,5% aller GrundschülerInnen mehrsprachig auf (vgl. Decker/Schnitzer 2010, 2011).

Trotz der Tatsache, dass vielsprachige Klassen in Deutschland bereits seit den 1970er Jahren zunehmend zum Normalfall wurden, stellen sie für viele Lehrpersonen nach wie vor ein Problem dar, da diese nicht wissen, wie sie mit den sprachlichen Ressourcen der SchülerInnen umgehen und sie produktiv – auch für den Erwerb des Deutschen – nutzen sollen. Der Blick richtet sich in der Praxis dementsprechend häufig nicht auf Kompetenzen der Lernenden, sondern ist geprägt von einer defizitären Wahrnehmung, die nicht zuletzt in Maßnahmen wie Deutschgeboten auf dem Schulhof zum Ausdruck kommt.

Ziel des Workshops ist es, Wege aufzuzeigen, anhand derer Sprachenvielfalt in Schulklassen nicht mehr primär als Defizit, sondern stattdessen als wertvolle Ressource und Chance wahrgenommen werden kann. Richtungsweisend ist der offene Dialog aller Beteiligten.

Die Workshoparbeit bezieht hierbei folgende Ebenen ein:

  • Ebene 1 „Problematisierung“: Missverständliche verbale und nonverbale Dialogsituationen
  • Ebene 2 „Sprachliche und nichtsprachliche Handlungsmaximen“: Grundlagen zum Umgang mit Sprachenvielfalt im Unterricht
  • Ebene 3 „Andere Sprachen zulassen“: Spontane Dialoge über Sprachvorstellungen von Kindern
  • Ebene 4 „Andere Sprachen bewusst herbeiholen“: Anlässe für das Sprechen über Sprachen im Unterricht schaffen

 

Literatur

- Decker, Yvonne/Schnitzer, Katja (2010): FreiSprachen. Erhebung der Sprachenvielfalt an Freiburger Grundschulen. PPT zum Vortrag im BZ-Haus Freiburg am 30.11.2010. Abrufbar unter www.freidaz.de

- Decker, Yvonne/Schnitzer, Katja (demn. 2011): FreiSprachen – Eine flächendeckende Erhebung der Sprachenvielfalt an Freiburger Grundschulen. In: Ahrenholz, Bernt/Knapp, Werner (Hrsg. demn. 2011): Beiträge aus dem 6. Workshop Kinder mit Migrationshintergrund. Freiburg: Fillibach.

- Esteve, Olga (2004): Language Awareness im mehrsprachigen Kontext Kataloniens. Lernaktivitäten zum Aufbau eines ganzheitlichen Sprachlernkonzepts. In: Fremdsprache Deutsch 31/2004. S. 44-47.

- Oomen-Welke, Ingelore/Krumm, Hans-Jürgen (2004): Sprachenvielfalt – eine Chance für den Deutschunterricht. In: Fremdsprache Deutsch 31/2004. S. 5-13.

- Oomen-Welke, Ingelore (2009): Präkonzepte: Sprachvorstellungen ein- und mehrsprachiger Schüler und Schülerinnen. In: Ahrenholz, Bernt (Hrsg. 2009): Empirische Befunde zu DaZ-Erwerb und Sprachförderung. Freiburg. S. 17-41.

- Roth, Xenia (2010): Handbuch Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Zusammenarbeit mit Eltern in der Kita. Daraus S. 23-37.

 

Anhang

Erfahrungsbericht aus Studierendenperspektive

 

Dialoge zwischen Hochschullehrenden und Studierenden

Reflexionen zum Workshop gibt es hier und hier.

Waltraud Ziegler, Supervisorin M.A., Kommunikationstrainerin

Immer wenn wir in Gruppen zusammenarbeiten – z.B. in Seminaren, Arbeitsteams, Gremien –  sind wir mit unterschiedlichen Meinungen und Standpunkten konfrontiert. Nicht alle gefallen uns, viele ärgern uns, einige machen uns aggressiv. In der Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden begegnen wir auch unterschiedlichen Rollenbildern zur Lernbegleitung. Um gut zu kooperieren braucht es ein achtsames Wahrnehmen der unterschiedlichen Erwartungen und Verantwortlichkeiten, Interesse am Gespräch und Neugier an Positionen, die sich diametral von den eigenen unterscheiden. Also eine grundsätzliche Offenheit gegenüber dem, was einem zunächst fremd vorkommt, aber auch Sicherheit in der eigenen Rolle. Gerade diese Haltung geht in eskalierten Situationen verloren; sich wechselseitig zu verständigen wird überaus anstrengend bis unmöglich, wir sind in einem handfesten Konflikt.

In diesem Workshop wollen wir aufzeigen:  

  • wie Meinungsverschiedenheiten in Konflikte umschlagen können
  • wie wir den Doppelbezug Personen/Beziehung und Themen kommunikativ ansprechen können
  • wie wir damit in einer förderlichen Beziehung sehr kontroverse Sachverhalte auszuhandeln können
  • wie wir Verantwortlichkeiten klären und sie in Vereinbarungen umsetzen können
  • wie wir Konflikte als Chance zur eigenen Entwicklung nutzen können

 

 

Literatur

Rosenberg, M.B. (9. A. 2010): Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. Jungerfermann Verlag, Paderborn.

Glasl, F. (2. A. 2000): Selbsthilfe in Konflikten. Konzepte Übungen Praktische Methoden. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart.

Besemer, Ch. (3. A. 1995): Mediation. Vermittlung in Konflikten. Stiftung Gewaltfreies Leben, Darmstadt.