SCHWERPUNKTTHEMA im Wintersemester 2017/18

„Integration“ - was bedeutet das? Werte in pädagogischen Praxen

 

Krisenbewältigung, Soforthilfe, und wie immer bei Handeln unter Druck: es wird bisweilen und nicht selten auf schon vergessen geglaubte pädagogische Konzepte aus älteren Zeiten zurückgegriffen.
Menschen- und Gesellschaftsbilder werden wieder hervorgeholt oder aus Gewohnheit wirksam, besonders solche von Integration im Sinne von Anpassung als Voraussetzung von Teilhabe, also Herstellung von Gleichheit durch Angleichung.
So stimmten beispielsweise bei aktuellen Befragungen immer mehr Menschen der Aussage zu, “dass in Deutschland lebende Ausländer ihren Lebensstil besser an den der Deutschen anpassen sollten”. Demgegenüber kritische Konzepte von Inklusion – über die Arbeitsbündnisse mit körperlich und geistig eingeschränkten Kindern und Jugendlichen hinaus auch im Bereich z.B. von Migrationspädagogik – kommen möglicherweise ins Hintertreffen.
Wir möchten dazu einladen, uns selbst zu Veränderungen von Pädagogik und ihren institutionellen Strukturen herauszufordern. Einzubeziehen wären beispielsweise ebenfalls uralte Forderungen wie gleiche Rechte, Wahlrecht, Teilhabe an Schulgestaltung, Sprachenvielfalt auch in päd. Einrichtungen, Personalpolitik proportional zur Schulpopulation.


Vor allem aber haben wir mal wieder jede Menge Fragen:

Wollen wir, die hier bereits ein- oder mehrheimischen „Etablierten“, wirklich „auf Augenhöhe?“ mit neuen Mitbewohnerin_nen dieses Landes?
Wie stehen wir zur gegenseitige Anerkennung von Werten, Lebensweisen, Bildungsvorstellungen, Rechts- und Staatsauffassungen, Gleichberechtigung von Sprachen, Kulturen. Sollen sich neu Eingewanderte in das Bestehende einfügen?
Welche Werte werden hier ausgehandelt bzw. machtwirksam durchgesetzt? Wer bestimmt über Werte, Normen, Moralvorstellungen, Lebensweisen?
Wem wird aufrichtig zugetraut, eigene Lebensformen in der deutschen Gesellschaft zu entwickeln und damit letztere eben auch zu verändern?
Welche Widersprüche und Brüche im Eigenen werden bei Abwertung von Fremdem ausgeblendet, damit unhinterfragbar, und bleiben damit - wenn auch nicht immer bewusst gewollt - unverändert bestehen?
Wie wird mit möglichen Verunsicherungen in diesem Prozess umgegangen?

Und nicht zuletzt: Welche Funktion haben die sich in päd. Alltagspraxis gelebten Werte für diese Machtverhältnisse und ihre Reproduktion bzw. Veränderung?
Welchen Beitrag leisten pädagogische Einrichtungen, ihre Strukturen, Regeln, Hierarchien und die alltäglichen Praxen von Pädagogin_nen zu dieser wohl nie enden werdenden Dynamik von Macht und Gesellschaft?
Was bedeutet diese Dynamik jeweils für die Entwicklung von Identitäten, für das Selbstbewusstseins der Einzelnen, für Emanzipation, für die Entfaltung von Fähigkeiten, Gestaltungsmacht, für Arbeits- und Lebensfreude?

 

Zu unserem Schwerpunktthema finden Sie in der Pädagogischen Werkstatt ein Regal mit Literatur und Materialien - Sie sind herzlich eingeladen, zu unseren offenen Zeiten vorbei zu schauen und ein wenig zu stöbern! Hier finden Sie eine aktuelle Liste der Literatur und Materialien, die Ihnen in der PW zur Verfügung stehen.

 

 

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