Was bedeutet "wissenschaftlich" zu schreiben?

Wissenschaftliches Arbeiten bezieht sich in der Regel auf die Produktion von Texten. Der Prozess der Textproduktion ist sowohl als regelgeleitetes als auch als kreatives Vorgehen zu verstehen. Mit wissenschaftlichem Schreiben sind dementsprechend folgende Aspekte verbunden (nach Bohl 2005, 11-13):

  • Eigenständige Gedankenarbeit: Zusammenhänge herstellen, Begriffe durchleuchten, Definitionen analysieren, Argumentationen kritisieren, eigene Perspektive begründen etc.
  • Systematisches und methodisch kontrolliertes Vorgehen: Stringenz der Abhandlung, Transparenz des Vorgehens, permanenter Blick auf die zu untersuchende Fragestellung etc.
  • Allgemeingültigkeit: Nachvollziehbarkeit der Argumentation, Kritik und Ergebnisse sowie Vollständigkeit und angemessene breite Behandlung des Themas
  • Fundierung der Aussagen: Bezug zu einschlägigen Theorien und empirischen Studien und Ergebnissen im Zusammenhang mit dem zu behandelnden Thema
  • Schreibstil: Einfache, verständliche Sätze unter Einbezug fachwissenschaftlichen Vokabulars, Anschluss an aktuellen Forschungsstand und Offenlegung des fachbezogenen Kontextes 
  • Begriffsklarheit: wesentliche Begriffe einer Arbeit werden geklärt, konkurrierende Verständnisse zu einem bestimmten Begriff sind hinsichtlich ihrer Unterschiede, Abgrenzungen oder Gemeinsamkeiten deutlich zu machen 
  • Formale und technische Aspekte: Kenntnisse über Zitierung, Paraphrasieren, Literaturverzeichnis, Layout etc.
  • Redlichkeit: Einhalten von Regeln zur Sicherung der intellektuellen Redlichkeit, d.h. sämtliche Bezugsquellen sind genau und sorgfältig anzugeben

Grundformen wissenschaftlichen Schreibens

Wissenschaftliches Schreiben kann in unterschiedlichen Formen betrieben werden. Die nachfolgende Tabelle soll einen groben Überblick über verschiedene Grundformen und Textmuster bieten, um so einen Eindruck über Gestaltungsmöglichkeiten beim wissenschaftlichen Schreiben zu gewinnen. In der Regel finden sich mehrere Elemente in einer Textsorte wieder, bspw. kann eine Seminararbeit u.a. auch beschreibende, systematisierende, interpretierende, analysierende und argumentierende Teile beinhalten. Klären Sie deswegen mit der korrigierenden Person ab, welche Fragestellung bzw. Erkenntnisinteresse in Ihrer Arbeit verfolgt werden soll.

Grundform

Textmuster

Beschreiben

Darstellen eines beobachteten, wahrgenommenen Sachverhalts, Ereignisses, Erlebnisses

Protokoll, Schilderung, Exzerpt, Bericht

Zusammentragen, Kompilieren

Sammeln und Zusammenstellen von Daten, Informationen, Aussagen, Literaturdarstellungen

Sammelreferat, Literaturbericht, Übersichtsarbeit, Dokumentation

Vergleichen und Kontrastieren

Gegenüberstellung von Ereignissen, Objekten, Sachverhalten, Beschreibung von Ähnlichkeiten und Unterschieden

Textvergleich, Kulturvergleich

Systematisieren

Herstellen von Ordnungen und Systematiken

Systematik, Klassifikation, Lehrbuch

Analysieren

„Zergliedern“ eines Gegenstandes in seine abstrakten Bezüge und Eigenschaften

Analyse, Reflexion, Betrachtung

Modell/ Theorie konstruieren

Postulieren allgemeiner Zusammenhänge und Funktionsweisen

Axiomatisches Modell, Theorie Thesenpapier

Interpretieren

Ergründen der Bedeutung eines Textes oder Werks

Interpretation, Exegese, Auslegung

Argumentieren

Gegeneinanderhalten und Abwägen unterschiedlicher Positionen

Erörterung, Essay, Plädoyer, Streitschrift, Flugblatt, Polemik

Bewerten

Bewertung eines Sachverhaltes nach definierten Werten oder Kriterien

Gutachten, Bericht, Evaluation

Vorschreiben

Aufforderungen und Regeln zu nachvollziehbaren Handlungsanleitungen oder methodischen Vorschriften zusammenfügen

Methode, Handlungsmanual

 

Quelle: Kruse, O. (1994): Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium (3.Auflage), Frankfurt/New York, S.69