Willkommen auf der Homepage von Professor Dr. Feininger


Warum es mir so viel Freude macht,  Erstes "Altes" Testament zu unterrichten?

Ich zitiere einige Antworten meines akademischen Lehrers Prof. Alfons Deissler (1914-2005):
Er hat in einem Interview auf die Frage geantwortet: „Wozu brauchen wir das AT?" und folgende
Anregungen gegeben:  „Nicht du trägst die Wurzel,  sondern die Wurzel
trägt dich" (Röm 11,18) und meint damit: die Beschäftigung mit dem EAT gehört zur Elementarpädagogik
der Christen, ohne die die Basis fehlt und das Verständnis, selbst für das Innere des
Erlösungsgeheimnisses unserer Religion:

„Das Stiftungswort des Neuen Bundes, das Kelchwort der Eucharistiefeier, besteht aus drei
alttestamentlichen Elementen: ‚ Dies ist das Blut des Bundes’ (Ex 24,8) - ‚ des Neuen und
Ewigen Bundes’ (Jer 31,31) - ‚ vergossen für
die Vielen zur Vergebung der Sünden’  (Zusammenfassung aus  (Jes 53): Gerade für das Zentrum christlichen Glaubens und Lebens liegen die allernächsten Prämissen
im EAT."

                      
                               Das erste Wort der Hebräischen Bibel,  "Am Anfang..."
                                           (schuf Gott den Himmel und die Erde,  Gen.1,1)

Ich selber spreche in einem Aufsatz von 2002 vom EAT als dem „Buch des Lebens." Es erzählt von den
großen Mythen des Anfangs (Schöpfung), vom Zuspruch und den Geschenken Gottes, vom gemeinsamen
Weg Gottes mit den Menschen, von seinen lebenspendenden Geboten und Weisungen (Tora), aber auch
von Sünde und Verfehlung. Gott ist der Geheimnisvolle, Erhabene und Jenseitige (Jes 6, 1ff) aber auch
der, der unser Rufen hört und uns begleitet (Ps 23). Das EAT ist „...das Buch des Lebens, ausgelegt in den
(polaren) Feldern des Lebens: Freude und Trauer, Zuversicht und Angst, Hoffnung und Entmutigung,
Erinnern und Vergessen, Liebe und Enttäuschung, Zuspruch und Vergebung vor allem aber: ausgelegt hin
auf Vertrauen in die Nähe Gottes in seinem Wort, das bereit ist, mit uns zu gehen auf unserem Weg.
Dafür den Boden zu bereiten ist Aufgabe der Arbeit am Ersten Alten Testament."

Ähnlich drückt das Erich Zenger aus, der verstorbene Münsteraner Alttetstamentler:

„Fremd und doch faszinierend, längst vergangen und doch lebendig … zwischen seiner Welt und unserer Welt liegen Welten. Aber wer sich auf eine Entdeckungsreise einlässt, begegnet den vielen Gesichtern von
Leben und Tod, den Erfahrungen, die Menschen mit Gott und miteinander gemacht haben, der dunklen Seite des Lebens mit Unrecht und Schuld wie der hellen Seite des Guten und der Hoffnung".


Ich verweise auf folgende Einführungen:
Feininger, B.: Das Erste Alte Testament der Christen.
In: Wunderlich, R. / Feininger, B. (Hrsg.): Übergänge i. d. Studium der Theologie / Religionspädagogik,
Frkft/M., Peter Lang 2-2008; Feininger, B./Weißmann, D. (Hrgg.):
Wozu brauchen wir das AT? Zwölf Antworten von Alfons Deissler. Frankfurt/M. u.a.: Peter Lang 2-2006.

Und warum ist mein "zweites Standbein" die Religionswissenschaft?

„ Die Religionsgeschichte ist eine Schatzkiste"
So beginnt ein Aufsatz, in dem ich die Bedeutung der Religionsgeschichte (heute besser: Religionswissenschaft) für die Religionspädagogik thematisiere.

Globalisierung und Multikulturalität, Migrationen, wirtschaftliche Verflechtung und wachsender
politischer Einfluss (z.B. Re-Islamisierung, Fundamentalismus, religiös-politische Konflikte) machen die
Beschäftigung mit den Weltreligionen zu einem unverzichtbaren Bestandteil der theologischen
Ausbildung bzw. der Lehrerbildung überhaupt.  Im Unterricht treffen Lehrerinnen und Lehrer
zunehmend auf Kinder anderer Religionen mit anderen Erziehungs - und Wertevorstellungen.
Die Einführung des Islam-Unterrichts für Muslim-Kinder wird diskutiert und bundesweit
erprobt.  Die christlichen Kirchen bemühen sich auf vielen Ebenen um Kontakte und Dialog
mit Gottesgläubigen anderer Religionen.
Für die Kath. Kirche gilt dies besonders seit dem Vatikanum II mit seiner Erklärung über die Nicht-
christlichen Religionen Nostra aetate.
Das Verwandtschafts-Verhältnis von Judentum -Christentum -Islam rückt in den Blick,aber auch die
Erfahrung beunruhigender Fremdheit. Neue Religionsformen sind am Entstehen und unterschiedliche
Elemente der Religionen beeinflussen Praxis und Lebensverständnis junger Menschen.
Das Lernen an der Differenz und die Bedeutung von Alteritätsind heute ein wichtiges Thema der Interkulturellen Pädagogik und der Pädagogik überhaupt.

In einer vatikanischen Veröffentlichung wird das auf folgende Weise charakterisiert:     
       „Dialog und Verkündigung sind schwierige Aufgaben und noch dazu absolut notwendig. Besondere
        Aufmerksamkeit sollte man den jungen  Menschen zuwenden, die in einer pluralistischen Umgebung
        leben, wo sie auf Anhänger anderer Religionen in der Schule, bei der Arbeit, in Jugend -
        organisationen...und selbst in der eigenen Familie treffen" (Dialog und Verkündigung, 1991).
          
Der Religionspädagoge H.- G. Ziebertz fasst dies in dichter Weise zusammen:

„Die Fragestellung zielt auf die Herausforderung, dass es gemeinsam mit anderen Religionen etwas von
der Größe Gottes zu entdecken gibt, wobei die Christen in diesem Prozess bekenntnishaft auf Christus
verweisen können, an ihrer Bindung an ihn festhalten und von ihrem Glauben berichten, was er
für die Welt getan hat, ohne dass sie damit einen Anspruch auf Ausschließlichkeit erheben.
Dieser Ansatz erscheint durch seine Bekenntnishaftigkeit als ein konfessioneller Ansatz aber er beruht
auf keinem Absolutheitsanspruch. Mit ihm ist eine Begegnung mit anderen Religionen möglich, ohne das
diese zuvor in eine Rangordnung zum eigenen Glauben gesetzt werden (...). Wenn Gottes Zeichen
in dieser Welt vielgestaltig sind, dann ist die Vielgestaltigkeit das Tor, durch das hindurch zu einer
gemeinsamen Praxis der Religionen und zu einer religiösen Praxis „vor Ort" gefunden werden muss.
Das Lernen im interreligiösen Dialog zielt letztlich auf die Konfrontation der Heranwachsenden
mit der Frage nach der Zukunft des Menschen und der Welt, für die es im Horizont der Religionen
Antworten, zumindest Visionen gibt.
Nicht ohne Grund wird gerade neuerdings die ethische Kraft der Religionen im Hinblick auf die offenen
Probleme der Welt mobilisiert (vgl. die Veröffentlichungen des Dalai Lama). 

Treue zum Eigenen – Offenheit für das Andere: so lässt sich das Fach Religionsgeschichte im Hinblick auf
die religionspädagogische Grundausbildung charakterisieren.

Eine Hinführung dazu bietet das Einführungsbuch Wunderlich, R. / Feininger, B. (Hrsg.): Übergänge i. d.
Studium der Religionspädagogik, Frkft./M. 2-2008), dort in den Beiträgen von Zöhrer,  J.: Offenbarung und Glaube: Anrede Gottes – Antwort des Menschen, und von Feininger, B.: Die Religionsgeschichte ist eine
Schatz-Kiste. Die oben angeführten Inhalte stammen aus diesem Aufsatz. Er bietet weitere Literatur und eine Übersicht.

Nebenstehend mein Name in arabischer Zierschrift (Professor Bernd Feininger):