Geschichte

Die Gründung der Pädagogischen Hochschulen 1962 stellte einen ersten wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Lehrerbildung in Baden-Württemberg dar, war es doch das explizite Eingeständnis, dass die Trennung zwischen niederem und höherem Lehramt aufgehoben werden müsse, eine Differenzierung, die auf das 19. Jahrhundert zurückging und einen ständischen Hintergrund hatte. Durch die Neugründung des Hochschultyps Pädagogische Hochschule wurden nun alle Lehrkräfte der allgemeinbildenden Schulen an wissenschaftlichen Hochschulen ausgebildet.

Vom Diplomstudium zu den Bachelor- und Master-Studiengängen

Die Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen bestimmte zunächst die Arbeit an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Hier hat die Hochschule heute in der Ausbildung für die Grund-, Haupt-, Werkreal- und Realschule drei Spezifika im Angebot:

  • Cursus Integré (deutsch-französischen Grundschullehramt)
  • Europallehramt Grundschule (bilinguale Ausbildung mit den Zielsprachen Englisch und Französisch)
  • Europalehramt Haupt-, Werkreal- und Realschule (bilinguale Ausbildung mit den Zielsprachen Englisch und Französisch)

Andere Studiengänge und Angebote kamen rasch hinzu: Ab 1972 wurden Diplompädagogen und -pädagoginnen ausgebildet.
Im Zuge des so genannten Bologna-Prozesses wurde der Diplomstudiengang im Jahr 2007 in den Bachelor und Master of Arts-Studiengang „Erziehungswissenschaft“ überführt. Weiter wurden seit dem Wintersemester 2007/2008 eingeführt:

  • BA „Kindheitspädagogik“,
  • B.Sc. und M.Sc. „Gesundheitspädagogik“,
  • BA und MA „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“,
  • MA „Medien in der Bildung“,
  • M.Sc. „Bildungspsychologie“ sowie
  • MA „Unterrichts- und Schulentwicklung“.

In allen Studiengängen haben Kompetenzorientierung, Professionalisierung und Intensivierung des Theorie-Praxis-Bezugs, die Nutzung der Erfahrungen mit Evaluationen und die verstärkte Berücksichtigung der Studierbarkeit die Lehrqualität gesichert und gefördert. Insbesondere durch die Masterstudiengänge wird eine größere Forschungsnähe des Studiums erzielt. Da die neuen Studienprogramme ebenso wie die Lehramtsstudiengänge stets mehrere Disziplinen einbeziehen, wird auch die fächerübergreifende Zusammenarbeit gestärkt.

Ein weiteres neues Studienangebot sind Bachelor of Science-/Bachelor of Engineering- und Master of Science-Studiengänge in Berufsschullehrämtern, die in Kooperation mit der Hochschule Offenburg durchgeführten werden:

  • B. Eng. Elektrotechnik/Informationstechnik-plus; M. Sc. Berufliche Bildung Elektrotechnik/Informationstechnik
  • B. Eng. Mechatronik-plus; M. Sc. Berufliche Bildung Mechatronik
  • B. Eng. Medientechnik/Wirtschaft-plus; M. Ed. Berufliche Bildung Medientechnik/Wirtschaft
  • B. Sc. Informatik/Wirtschaft-plus; M. Ed. Berufliche Bildung Informatik/Wirtschaft
  • B.Sc. Energietechnik/Physik plus; M.Ed. Berufliche Bildung Energietechnik/Physik

Sie werden zum Wintersemester 2017/2018 ergänzt um Berufsschullehrämter mit den Profilen Gesundheit und Textiltechnik. Diese Profile werden in Kooperation mit den Hochschulen Reutlingen, Albstatt sowie der Katholischen Hochschule Freiburg angeboten.

Zum Wintersemester 2015/2016 wurden alle allgemeinbildenden Lehramtsstudiengänge auf die Bachelor-Master-Struktur umgestellt. Dabei werden die Pädagogische Hochschule Freiburg und die Universität Freiburg  sowie die Hochschule für Musik Freiburg in einem gemeinsamen Master of Education für das Sekundarschullehramt bzw. das Gymnasium eng miteinander kooperieren. Das hierfür gegründete Freiburg Advanced Center of Education (FACE) nimmt zum WS 2015/2016 die Arbeit auf.

Alt und Jung lernen miteinander

Das 1984 gegründete und seit 1987 von der Hochschule getragene Seniorenstudium erfreut sich anhaltender Beliebtheit: Etwa 600 Seniorinnen und Senioren besuchen semesterweise speziell für sie eingerichtete Seminare und Ringvorlesungen oder nehmen an dem für sie geöffneten Lehrangebot der Hochschule teil. Die Devise des Seniorenstudiums „Alt und Jung lernen miteinander“ prägt den Semesteralltag zunehmend; auch durch Aufbau- und Erweiterungsstudiengänge ist die Altersstruktur der Studentenschaft deutlich differenzierter geworden.

Interkulturelle und grenzüberschreitende Studien – Forschung mit Europa-Schwerpunkt

Dieser Schwerpunkt zeigt sich in einem vielfältigen grundständigen sowie weiterbildungsorientierten Studiumsangebot und in ausgewiesenen Forschungsprojekten, bei denen auch dem Standortvorteil von Freiburg systematisch Rechnung getragen wird.

Beispiele für grundständige Studiengänge in diesem Bereich:

  • Europalehramt: Die Absolvent/innen erhalten die Befähigung, als Lehrer/in ein Sachfach bilingual – Englisch oder Französisch – zu unterrichten und erwerben parallel dazu interkulturelle Kompetenzen, die in Zukunft immer wichtiger werden.
  • Integrierter Studiengang/Cursus Intégré: Deutsche und französische Lehramtsstudierende werden gemeinsam abwechselnd an der Pädagogischen Hochschule Freiburg und Université de Haute Alsace in Mulhouse ausgebildet und erhalten nach dem Staatsexamen die Lehrbefähigung für Grundschulen in Deutschland und Frankreich.

Internationale Weiterbildungsmöglichkeiten:

  • Masterstudiengang Deutsch als Zweit- und Fremdsprache

Seit 1998 arbeitet das Akademische Auslandsamt/International Office an der Professionalisierung der internationalen Beziehungen. Dort werden die Kontakte zu ca. 100 Partnerhochschulen gepflegt und Studierende und Dozent/innen tatkräftig unterstützt, die für einige Zeit im Ausland studieren/arbeiten möchten bzw. für Studium und Forschung nach Freiburg kommen.

Mathematisch-naturwissenschaftlicher Schwerpunkt in Lehre und Forschung

Dieser Schwerpunkt zeigt sich einerseits in den vielfältigen Angeboten für Studierende und andererseits in den vielen interessanten Forschungsprojekten, die an der Hochschule angesiedelt sind. Darüber hinaus werden Studierende bereits während des Studiums in unterschiedlichen Schülerlaboren in Chemie, Physik, Geografie und Mathematik bestens auf ihre späteren (praktischen, experimentellen) Aufgaben vorbereitet. Auch hier verzahnen sich Theorie und Praxis auf das Engste: Experimente vor Schulklassen z.B. beim NAWIlino-Projekt oder bei der Freiburger Physikbühne bieten die Möglichkeit, schon einmal Schulalltag zu schnuppern; und die Einbindung in aktuelle Forschungsprojekte ermöglicht Erkenntnisse darüber, was es heißt, forschend zu lernen.

Forschung

Die Pädagogische Hochschule in Freiburg ist eine bildungswissenschaftliche Hochschule mit Universitätsstatus, sie verfügt über das uneingeschränkte Promotions- und Habilitationsrecht sowie über einen Auftrag in der bildungswissenschaftlichen Grundlagenforschung. Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung sind an der Pädagogischen Hochschule Freiburg eng miteinander verschränkt, denn Lehren und Lernen ist sowohl Kern der Hochschullehre als auch primäres Forschungsinteresse. Der Schwerpunkt der Forschung an der Hochschule liegt auf dem Lehren und Lernen in pädagogischen Kontexten und seinen individuellen und institutionellen Bedingungen. In der Forschung wirbt die Hochschule bereits über 20 % ihres Etats durch Drittmittel ein, was für eine Institution im bildungswissenschaftlichen Bereich einen besonders hohen Anteil darstellt.

Als besondere Entwicklung der letzten Jahre muss die intensive Vernetzung und interdisziplinäre Zusammenarbeit in bildungswissenschaftlichen Forschungsverbünden innerhalb der Hochschule, am Standort Freiburg sowie national und international angesehen werden. Solche Kooperation sind vor allem möglich durch die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen (Pädagogische Hochschule und Universität), die in der die Gründung des „Kompetenzverbundes empirische Bildungs- und Unterrichtsforschung“ (KeBU)  ihren Ausdruck findet. Im Fokus des Kompetenzverbundes steht die Qualität individueller Bildungsprozesse mit folgenden Forschungsschwerpunkten:

  • Lernprozesse in Bildungsinstitutionen: Fachliches und überfachliches Lernen, individuelle Bildungsprozesse in Kindergarten, Schule und Hochschule, Entwicklung von fachspezifischen Kompetenzen und fachübergreifende Bildungsdimensionen (z.B. Lernstrategien, epistemologische Überzeugungen)
  • Individuelle Bildungsverläufe: Bildungsübergänge und Bildungsbiographien (z.B. vom Kindergarten in die Grundschule oder von der Hochschule in den Arbeitsmarkt)
  • Professionalisierung von Akteuren im Bildungssystem: „Bildung der Bildner“ in Bildungsinstitutionen (z.B. Kompetenzen in pädagogischen Berufen), ökonomische Aspekte der Personalpolitik im Bildungssektor.

Die gemeinsame Arbeit an diesen Themen erhöht die Erfolgsquote bei der Drittmitteleinwerbung.

Stark zugenommen hat in den letzten Jahren die Einbindung in nationale Forschungsverbünde. Die Pädagogische Hochschule Freiburg hat hier eine hohe Sichtbarkeit in der bildungswissenschaftlichen Forschung erlangt, unter anderem durch ihre Beteiligung an den folgenden Verbundprojekten:

  • Schwerpunktprogramm der DFG „Kompetenzmodelle zur Erfassung individueller Lernergebnisse und zur Bilanzierung von Bildungsprozessen“
  • Forschungsschwerpunkt des BMBF „Entwicklung von Professionalität des pädagogischen Personals in Bildungseinrichtungen“ und weiteren Ausschreibungen im Rahmenprogramm „empirische Bildungsforschung“
  • Forschungsprogramm des BMBF „Kompetenzmodellierung und Kompetenzerfassung im Hochschulsektor“.

Über das Studium hinaus

Die Pädagogische Hochschule Freiburg zeichnet sich durch ein gleichermaßen anspruchsvolles wie vielfältiges kulturelles Hochschulleben aus. Die Hochschule bietet zahlreiche kreative Möglichkeiten: Hochschulchor, Hochschulorchester, Big Band, Sportprogramme, Literarische Werkstatt, Theatergruppen in deutscher, englischer und französischer Sprache, das Hochschulradio und vieles mehr.

Zudem bietet die Lage der Hochschule im Südschwarzwald hervorragende Freizeit- und Sportmöglichkeiten.