Leseclubs für ErstleserInnen. Ein Freizeitangebot zur Förderung literaler Praxis

Worum geht es?

Bei den Leseclubs für Erstleser handelt es sich um ein Freizeitangebot für Kinder ab ca. Mitte der ersten Klasse, das auf die Förderung der Lesemotivation, auf die Entwicklung zu habituellen Lesern, auf die Ausweitung der literalen Praxis und auf individualisierende Förderimpulse für einzelne Kinder zielt. Den Kindern wird ein Angebot von Erstleseschriften in einem Ausleihbestand zur Verfügung gestellt, das auf ihre individuell unterschiedlich entwickelte Lesekompetenz und auf ihre Interessen möglichst gut abgestimmt ist. Bei einem offenen, regelmäßig angebotenen und betreuten Gruppentreffen findet neben der Buchausleihe eine mit einem Lesetext verbundene Freizeitaktivität statt (Vorlesen und Erzählen/ Spielen/ Malen/ Basteln zum Text usw.). Die Betreuung der Leseclubs übernehmen Studierende der Pädagogischen Hochschule in Dreierteams (schulpraktische Ausbildung, Begleitseminar) in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Grundschule, später kann sie an interessierte Eltern übergeben werden.

Ziel ist es vor allem, intensive und regelmäßige Erfahrungen mit Schriftkultur auch solchen Kindern zu ermöglichen, die dazu in ihrer Umgebung weniger Anregungen und Vorbilder vorfinden. Dies bezieht auch zweisprachig aufwachsende Kinder ein. Die Kinder erfahren, dass sich die Mühe des Lesens lohnt und sie zu attraktiven Inhalten und Aktivitäten führt.

In der Mitte oder gegen Ende der zweiten Klasse werden die Kinder an die Nutzung der örtlichen Bibliotheksangebote herangeführt (Bücherbus, Stadtteilbibliothek).

Zentrale Merkmale liegen vor allem...

  • ... in der zielgruppenspezifischen Ausrichtung auf eine besonders sensible Phase des Leseerwerbs,
  • ... in der damit verbundenen Konzentration auf einen besonderen Buchbestand (attraktive Texte für Erstleserinnen und Erstleser zur selbständigen Lektüre),
  • ... in einer pädagogisch und zugleich fachdidaktisch orientierten Betreuung,
  • ... in der Möglichkeit zur individualisierenden und bedarfsgerecht differenzierenden Förderung auch einzelner Kinder,
  • ... und in der Möglichkeit, Eltern einzubeziehen.

Was gehört dazu?

Der Gedanke der Leseclubs kommt aus der außerschulischen Jugendarbeit und orientiert sich an einem Vorbild aus Israel. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig in der Freizeit in ihrem (betreuten) Club und haben dort die Möglichkeit zur Ausleihe von Büchern. Zusätzlich werden vielfältige Aktivitäten rund um das Lesen angeboten, in die die "Clubmitglieder" ihre Freizeitinteressen einbringen. In der Bundesrepublik wird er z.B. im Rahmen der Jugendarbeit von der Stiftung Lesen unterstützt.

Der Leseclub für Erstleser wendet sich an die Zielgruppe der Erstklässler (zweite Schuljahreshälfte) und der Zweitklässler (bis Mitte oder Ende des Schuljahres). Er umfasst für eine Gruppe von bis zu ca. 20 Kindern folgende Elemente:

  • als Ausstattung einen Ausleihbestand von ca. 120 attraktiven Erstlesetexten mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad und unterschiedlichen Arten von Texten (auch Sachtexte, evtl. Texte in Migrantensprachen) sowie eine kleine Ausleihkartei,
  • einige Vorlesebücher,
  • eine Grundausstattung an Schreib-, Mal- und Bastelmaterial,
  • ein Regal/Schrank, eine Sitzecke, dem Zugang zu Tischen/Stühlen (Mitnutzung eines anderen Raumes möglich),
  • als Betreuung mindestens zwei Personen, die sich regelmäßig für einen Nachmittag zur Verfügung stellen,
  • als Aktivitäten die regelmäßige Buchrückgabe zu Beginn eines Nachmittags, eine Gesprächsrunde mit gegenseitigen Empfehlungen der Kinder zu den gelesenen Büchern, eine Aktivität, die an das (Vor)lesen einer Geschichte o.ä. anknüpft, sowie die abschließende Buchauswahl und -ausleihe (mit Möglichkeit zur individuellen Förderung; Gesamtdauer: ca. 90 bis 120 Minuten),
  • je nach Bedarf und Möglichkeiten der Betreuenden eine individuelle Förderung von Kindern (z.B. einige Minuten gemeinsames "Experte-Novize-Lesen", Lesen zu zweit),
  • je nach den Möglichkeiten der Betreuenden zusätzliche Vorhaben ("Lesenacht", Autorenlesung, ...),
  • Protokollmappe zum Festhalten von Aktivitäten, Eindrücken, Ereignissen und Erfahrungen (gleichzeitig Projektanregung für den Leseclub des Folgejahres).
  • Fachliche Betreuung durch das Schreibzentrum der Pädagogischen Hochschule

Der Leseclub ist ein Freizeitangebot auf der Grundlage der Freiwilligkeit. Die Kinder entscheiden selbst, ob sie teilnehmen wollen oder nicht. Oft ist ca. die Hälfte der Kinder einer Klasse an dem Angebot interessiert.

Wie können Eltern beteiligt werden?

Die Vorerfahrungen mit dem Angebot zeigen, dass es durchaus möglich ist, auch engagierte Eltern zur Mitarbeit zu gewinnen. Viele Eltern sind nach dem Schuleintritt ihrer Kinder an Fragen des Schrifterwerbs besonders interessiert. Sie können bei der Mitarbeit im Leseclub interessante neue Erfahrungen machen, die sie dann z.B. auch bei der Begleitung der eigenen Kinder nutzen oder in ihrer Umgebung weitergeben. Die Einbeziehung der Eltern ergänzt darüber hinaus das Spektrum möglicher Formen von Elternarbeit in einer Klasse.

Die Eltern erhalten in unterschiedlicher Weise Unterstützung:

  • unterstützende Materialien zur Leseförderung,
  • organisatorische und pädagogische Unterstützung durch die Schule (verant-wortliche Lehrkraft als Ansprechpartner(in),
  • Angebot gelegentlicher Treffen in der Pädagogischen Hochschule und/oder Möglichkeit zu Gespräch und Beratung.

Um organisatorische und pädagogische Überforderungen zu vermeiden, sollten grundsätzlich stets mindestens zwei, besser drei Personen gleichzeitig für die Betreuung der Kinder zur Verfügung stehen. Bei einem personellen Wechsel ist es günstig, wenn er "umschichtig" geschieht, wenn also nicht alle betreuenden Personen zum selben Zeitpunkt wechseln. Dies gilt auch bei der Fortführung des Leseclubs für die Kinder einer neuen ersten Klasse.

Ergebnisse

Die Leseclubs für ErstleserInnen werden seit Frühjahr 2006 an fünf Freiburger Grundschulen angeboten. Diese Schulen sind so gewählt, dass sie unterschiedlich strukturierte Einzugsgebiete haben, um den Erfolg in verschiedenen soziokulturellen Milieus einschätzen zu können. Dass das Angebot für die Kinder attraktiv ist, zeigt sich schon darin, dass sie regelmäßig wiederkommen. Die Wirksamkeit wird derzeit im Rahmen eines Dissertationsvorhabens überprüft. Zur Evaluation und Optimierung des Vorhabens wurden und werden auch empirisch ausgerichtete Abschlussarbeiten im Staatsexamen angefertigt. Sie zeigen z.B., mit welchen Strategien ErstleserInnen bei der Auswahl eines Buches für die individuelle Lektüre vorgehen oder wie sich die Rezeption eines Buches von der eines vergleichbaren Bildschirmmediums unterscheiden.

 

Das Projekt Leseclubs für ErstleserInnen wird unterstützt von der Badischen Zeitung und der Ravensburger AG.


Leseclubs für Erstleser im Rahmen der PO 2011 im Professionalisierungspraktikum

Ab Sommersemester 2014 wird das Projektpraktikum Leseclubs für Erstleserinnen und Erstleser im Rahmen des Professionalisierungspraktikum angeboten. Die Leseclubs befinden sich an Freiburger Grundschulen. Die Durchführung der Leseclubs erfolgt in Gruppen von 3 bis 5 Studierenden. Begleitend besuchen die Studierenden eine Lehrveranstaltung in Modul 3, die u.a. die Möglichkeit bietet, eine wissenschaftliche Hausarbeit in lesedidaktischen Themenfeldern anzulegen.

Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an Herrn Droll (droll(atnospam)ph-freiburg.de)