2. Bundesweite Tagung „Wie viel Wissenschaft braucht die Lehrerfortbildung? Ko-Konstruktion und Kooperation“

Die Online-Anmeldung ist abgeschlossen.
Kurzentschlossene können sich gerne noch am Veranstaltungstag anmelden:
Do, 14.03.2019 um 12:00 Uhr in der Aula der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

Eine kontinuierliche und wissenschaftlich basierte Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften ist essenziell, um die Professionalität der Lehrkräfte im Sinne eines lebenslangen Lernens weiterzuentwickeln und das Schulsystem für die Herausforderungen der Zukunft zu stärken. Hochschulen haben das Potential aktuelles Wissen und innovative Konzepte auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und Fundierung in die Lehrerfortbildung einzubringen. Sie fördern damit nicht nur die Unterrichtsqualität, sondern tragen auch zu einer Stärkung der Schulentwicklung bei.

Die Veranstaltung ist als Folgetagung des Programmworkshops der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern „Wie viel Wissenschaft braucht die Lehrerfortbildung?“ geplant, der im November 2017 in Kassel stattfand. Wir möchten den Dialog mit allen an der Fort- und Weiterbildung Verantwortlichen und daran Interessierten fortsetzen, der im Rahmen dieser Tagung auf konstruktive Weise im Sinne einer Community of Practice begonnen wurde.

Aktuelle Befunde weisen darauf hin, dass Kooperationen von Lehrkräften sich weitgehend auf den Austausch von Materialien oder eine arbeitsteilige Kooperation beziehen, die Ko-Konstruktion jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ko-Konstruktion wird als höchste Form der Kooperation von Lehrkräften eingestuft. Aber nicht nur die Zusammenarbeit von Lehrkräften untereinander, sondern auch der Dialog von Wissenschaft und Praxis wird hier im Sinne der Ko-Konstruktion in den Blick genommen. Neben spannenden Keynote-Vorträgen, Diskussionsforen und Postern nähern wir uns dem Thema in drei parallelen Foren unter folgenden Blickwinkeln:

  • Ko-Konstruktion und Kooperation in der ENTWICKLUNG von Fort- und Weiterbildungen
  • Ko-Konstruktion und Kooperation in der wissenschaftlichen Fortbildungspraxis – ANGEBOTE
  • Förderung und Hemmnisse von Ko-Konstruktion in der Fort- und Weiterbildung – RAHMENBEDINGUNGEN

Wir freuen uns auf reichhaltige Beiträge und Diskussionen mit Ihnen.
Die Tagungsleitung:

Prof. Dr. Lars HolzäpfelProf. Dr. Frank LipowskyProf. Dr. Karsten Rincke
Pädagogische Hochschule Freiburg
Leitung Praxiskolleg &
Fort- und Weiterbildung
Universität Kassel
Fachgebiet Empirische Schul- und
Unterrichtsforschung
Universität Regensburg
Didaktik der Physik, Vorsitzender
des Regensburger Universitätszentrums
für Lehrerbildung (RUL)

Holen Sie sich hier die Veranstaltungs-App: Diese Web-App ermöglicht Allen einen mobilen Zugang zum Tagungsprogramm, Mitwirkenden, allgemeinen und aktuellen Informationen sowie zu Live-Umfragen innerhalb der Programmpunkte. Sie wird sich weiter nach und nach füllen.

  Programm als pdf

  Hotelkontingente und Anreiseinformationen

  PH Lageplan

  Tagungsplakat

Termin:

Do, 14.03.2019, 12:00 - 18:45 Uhr
Fr, 15.03.2019, 8:45 - 13:00 Uhr

Ort:

Pädagogische Hochschule Freiburg. Anmeldung in der Aula.

Adressat*innen:

alle für Lehrkräfte-Fort - und Weiterbildung Verantwortliche und daran Interessierte:

  • Verantwortliche für Lehrkräfte-Fortbildung an den lehrerbildenden Universitäten und Pädagogischen Hochschulen
  • Verantwortliche für die Lehrerfortbildung in den Staatlichen Institutionen, z.B. in Kultus- oder Wissenschaftsministerien, Regierungspräsidien, Staatlichen Seminaren, Landesakademien etc.
  • Weitere Anbieter von Lehrerfortbildungen
  • Lehrkräfte

Teilnahmebeitrag:

kostenfrei

Kontakt:

Dr. Martina von Gehlen und Beate Epting unter weiterbildung(atnospam)uni-ph.face-freiburg.de

Veranstaltet von:

"Handlungsfeld Praxis" im „Freiburg Advanced Center of Education“ (FACE) - School of Education der Albert-Ludwigs-Universität und der Pädagogischen Hochschule Freiburg. www.face-freiburg.de

Anmeldeschluss:

Aufgrund vieler Anfragen zur Nachmeldung bleibt die Anmeldung noch bis einschließlich Do, 7. März geöffnet.

Zeitplan Donnerstag 14.03.2019:

12:00 - 13:00 Uhr Anmeldung und Stehlunch
13:00 - 13:30 UhrBegrüßung
13:30 - 14:30 UhrEröffnungs-Vortrag: Prof. Dr. Kathrin Fussangel
14:30 - 15:00 UhrKaffeepause
15:00 - 17:00 Uhr3 parallele Foren (mit 4 Beiträgen à 20 min Vortrag + 10 min Diskussion)
17:00 - 17:15 Uhr
Pause
17:15 - 18:15 Uhr 5 parallele Diskussionsforen
18:20 - 18:45 UhrPlenum
ab 19:30 Uhr Abendprogramm: Gemeinsames Abendessen in "Omas Küche" auf Selbstzahler-Basis
https://www.omas-kueche.de

Zeitplan Freitag, 15.03.2019

08:30 - 08:45 Uhr Einführung in den Tag
08:45 - 09:30 UhrVortrag: Prof. Dr. Katja Maaß
09:30 - 10:15 UhrPosterpräsentation mit Posterslam und Kaffee
10:15 - 11:45 Uhr3 parallele Foren (mit 3 Beiträgen à 20 min Vortrag + 10 min Diskussion)
11:45 - 12:00 UhrPause
12:00 - 13:00 Uhr
Fishbowl-Diskussion mit Thesen aus den Diskussionsforen
ab 13:00 UhrAusklang mit Fingerfood

Grußworte

Prof. Dr. Ulrich Druwe, Pädagogische Hochschule Freiburg

Prof. Dr. Ulrich Druwe ist Rektor der Pädagogischen Hochschule Freiburg und Mitbegründer des Freiburg Advanced Center of Education (FACE) - School of Education der Pädagogischen Hochschule Freiburg und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
www.ph-freiburg.de/hochschule/hochschulleitung/druwe.html

Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger ist Prorektorin für Studium und Lehre der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Mitbegründerin des Freiburg Advanced Center of Education (FACE) - School of Education der Pädagogischen Hochschule Freiburg und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg..
www.uni-freiburg.de/verwaltung/rektorat/prorektorin-lehre

Dr. Petra Post, Projektträger der Qualitätsoffensive Lehrerbildung Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Dr. Petra Post betreut das BMBF-Programm "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" auf Seiten des Projektträgers im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), Bereich Bildungsforschung, Integration, Genderforschung .

Tagungsleitung Prof. Dr. Lars Holzäpfel, Pädagogische Hochschule Freiburg

Prof. Dr. Lars Holzäpfel leitet das Praxiskolleg & die Fort- und Weiterbildung im Freiburg Advanced Center of Education (FACE) - School of Education der Pädagogischen Hochschule Freiburg und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er ist gemeinsam mit Prof. Dr. Frank Lipowsky (Universität Kassel) und Prof. Dr. Karsten Rincke (Universität Regensburg) Initiator und Leiter dieser Tagung.

Eröffnungsvortrag Donnerstag:

Prof. Dr. Kathrin Fussangel, Bergische Universität Wuppertal: "Die Bedeutung der Kooperation für das Lernen von Lehrkräften - Potenziale und Herausforderungen"

Die Bedeutung von sowohl kooperativen Prozessen in der Schule wie auch guter Fortbildungen zeigt sich aktuell wieder in verstärktem Maße. So sind Schulen und Lehrkräfte etwa bei der Umsetzung des Inklusionsgedankens vor die Herausforderung gestellt, ein Konzept umzusetzen für das es keine standardisierte Lösung geben kann und das zugleich das gesamte System verändert. Die Kooperation verschiedener Lehrkräfte gilt in diesem Zusammenhang als eine wichtige Gelingensbedingung. Im Vortrag wird auf die Potenziale der Lehrerkooperation, insbesondere für die Weiterentwicklung der für den Lehrerberuf relevanten Kompetenzen und die Umsetzung von Innovationen eingegangen. Dabei werden insbesondere kokonstruktive Kooperationen in den Blick genommen, denen ein besonderes Potenzial für das Lernen von Lehrkräften zugeschrieben wird. Es wird erörtert, was unter ko-konstruktiver Kooperation verstanden werden kann, für welche Aufgaben sich die Ko-konstruktion anbietet und welche besonderen Herausforderungen sich bei solch intensiven Formen der Zusammenarbeit zeigen. Darüber hinaus thematisiert der Vortrag die Frage, wie ko-konstruktive Prozesse durch Fortbildungen angestoßen werden können und welche Rolle Ko-konstruktion im Zusammenhang mit Kriterien guter Fortbildungen spielt. In diesem Zusammenhang spielt auch die Kooperation von Wissenschaftler/-innen untereinander und mit Akteuren aus der Praxis eine wichtige Rolle. Die Ausführungen werden anhand aktueller Beispiele und empirischer Befunde unterlegt.

Drei parallele Foren Donnerstag:

E) Ko-Konstruktion und Kooperation in der ENTWICKLUNG von Fort- und Weiterbildungen:

ED1- Annika Diery, TU München: "Wissenschaftliche Evidenz zu effektivem Unterricht als Grundlage für professionelle Lehrerfortbildung: Der Beitrag des Clearing House Unterricht"

Ko-Autor*innen: Dr. Maximilian Knogler und Prof. Dr. Tina Seidel

Unterrichten ist das Kerngeschäft des Lehrberufs. Viele Professionalisierungsmaßnahmen der Lehrerfortbildung sind deshalb auf die Qualitätsentwicklung von Unterricht bezogen. Hier kann die Wissenschaft wichtige Beiträge zu einer professionellen Lehrerfortbildungspraxis leisten. In kooperativen Modellen der Unterrichtsentwicklung wie etwa dem fachspezifischen Unterrichtscoaching spielen wissenschaftliche Befunde zur Unterrichtsqualität eine zentrale Rolle. Diese wissenschaftliche Evidenz stellt beispielsweise Kriterien zur Planung wie zur Diagnose und Reflexion von Unterricht bereit (Helmke, 2015) und kann neben praktischen Erfahrungen einen wichtigen Ankerpunkt für gemeinsame Unterrichtsentwicklung darstellen. Erfreulich ist die Entwicklung, dass immer mehr wissenschaftliche Evidenz zur Verfügung steht. Damit wächst das Fundament, aber auch die Herausforderung für die Lehrerfortbildung dieses Wissen kontinuierlich bereitzustellen und in Fortbildungsmaßnahmen zu integrieren. Einen konkreten Ansatz, um den Wissenstransfer zu unterstützen, bietet das Clearing House Unterricht (CHU). Dieses Projekt der Qualitätsoffensive Lehrerbildung übernimmt die Aufgabe, aktuelle wissenschaftliche Evidenz zu effektivem Unterricht aus Meta-Analysen zu selektieren, zu bewerten, in Form sogenannter Kurzreviews aufzubereiten und Lehrerfortbildner/innen auf einer Website zur Verfügung zu stellen. Ziel ist es, das beste, aktuell verfügbare Wissen zu bündeln und über die Lehrerfortbildung in die Praxis zu tragen. Der Tagungsvortrag stellt das Angebot näher dar und geht auf Befunde der Begleitforschung ein. Diese zeigt, dass Lehrerfortbildner/innen, die verfügbare Zeit und den sich rasant entwickelnden Forschungsstand der Bildungsforschung als Barrieren bewerten, wenn es um die Vermittlung wissenschaftlicher Evidenz an Lehrkräfte geht. Das CHU wird als vertrauenswürdige und relevante Maßnahme evaluiert, die an diesen wahrgenommenen Barrieren ansetzt.

ED2- Dr. Ina Biederbeck, Europa-Universität Flensburg: "Wissenschaftsorientierung als konstitutives Element und Herausforderung universitärer Lehrer/innenfortbildung"

Ob eine Lehrerfortbildung wirksam ist, hängt von einer Vielzahl von Bedingungen und Merkmalen ab. Wissenschaftsorientierung, d.h. der Einbezug wissenschaftlicher Expertise, ist eines dieser Merkmale (vgl. z.B. Lipowsky & Rzejak, 2015). Im Kontext von Lehrerfortbildung offenbart sich das ohnehin schwierige Verhältnis von Wissenschaft und Praxis in der Lehrerbildung (Blömeke, 2002; Brezinka, 2015) z.B. darin, dass Lehrer Fortbildungsangebote nach ihrem Nutzen für ihre eigene alltägliche Praxis bewerten und (kritisch) hinterfragen. Universitäre Lehrerfortbildner sehen sich vor diesem Hintergrund vor die Herausforderung gestellt, Fortbildungsformate zu entwickeln, die einerseits den an der Schulpraxis orientierten Anforderungen der teilnehmenden Lehrer gerecht werden, die aber zugleich ihres akademischen Anspruchs nicht entbehren. Im Beitrag werden erste Ergebnisse einer explorativ ausgerichteten, qualitativen Leitfadeninterviewstudie vorgestellt, im Rahmen derer n=10 Wissenschaftler dazu befragt wurden, welche Strategien sie bei der Planung ihrer Lehrerfortbildungsangebote anwenden, um Wissenschaftsorientierung wie auch Praxisbezug bzw. -relevanz zu gewährleisten. Die Auswertung der Daten erfolgt über die strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2015).

ED3- Katharina Papke; Jürgen Gerdes; Gözde Okcu; Jun.-Prof. Dr. Andreas Köpfer; PH Freiburg: „Verknüpfungen von Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis zur Entwicklung inklusionsbezogener Fortbildungen im Projekt StiEL"

Inklusive Bildung stellt eine zentrale Herausforderung für Schul- und Unterrichtsentwicklung dar (vgl. Schwohl / Sturm, 2010). Forschungsergebnisse zeigen dabei, dass Lehrkräfte ihre Kompetenzen zur Durchführung inklusiven Unterrichts als eher gering und die schulischen Rahmenbedingungen als nur unzureichend einschätzen (vgl. Leipziger et al., 2012). Daher erscheint es zielführend für die Konzeption von Fort- und Weiterbildungen im Kontext inklusiver Schul- und Unterrichtsentwicklung, dass die Bedarfe und Sichtweisen der praktizierenden Lehrkräfte angemessen berücksichtigt werden.

Hierauf reagiert das im Verbund der Pädagogischen Hochschule Freiburg, der Universität Bielefeld sowie der Universität Potsdam verantwortete und BMBF-geförderte Forschungs- und Entwicklungsprojekt StiEL  Schule tatsächlich inklusiv auf konzeptioneller Ebene mit einer forschungsbasierten Verschränkung wissenschaftlicher Erkenntnisse und in der Praxis geäußerter Bedarfe. So wurden im Vorfeld zur Entwicklung eines inklusionsbezogenen Fortbildungskonzepts Expert_innen-Interviews mit Lehrkräften, Schulleitungen und weiterem pädagogischen Personal (z.B. Schulsozialarbeiter_innen) durchgeführt und ausgewertet, um die praxisbezogenen Herausforderungen zu erheben. Ergänzt wurde dieses Vorgehen um ein Literatur- und Fortbildungsscreening mit der Zielsetzung, die aktuelle Forschungslage sowie die Angebotsstruktur zum avisierten Themenbereich zu eruieren. Diese qualitative Analyse möglichst vielfältiger Perspektiven bildet  im Sinne der Ko-Konstruktion  die Grundlage für die Erzielung von Fortschritten im Bereich geeigneter und angemessener Fort- und Weiterbildungen. Im Rahmen des Vortrages wird dies anhand unterschiedlicher Beispiele verdeutlicht, u.a. bezogen auf die Bereiche der Diagnostik- und Inklusionsverständnisse.

ED4- Prof. Dr. Franziska Birke, PH Freiburg: "Lehrkräftefortbildung für Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung - Analysen des WBS-bMOOC"

Ko-Autor*innen: Dr. Bernd Remmele, Dipl.-Vw. Annette Kern und Stefan Priebe

Die fachliche Weiterbildung fachfremder Lehrkräfte ist ein in der Bildungspolitik nicht unüblicher Weg, um den Unterricht in neu eingeführten Unterrichtsfächern abzusichern, bis grundständig dafür ausgebildete Lehrkräfte ‚auf dem Markt‘ sind. Dieser Weg wurde auch für das in Baden-Württemberg neu eingeführte Fach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS) gewählt. Zudem ist aus bildungspolitischer Sicht das Nutzen internetgestützter Weiterbildungsformate auf dem Vormarsch. Diese bilden auch einen zentralen Pfeiler für die Weiterbildungsaktivitäten für das Fach WBS. So stellt sich aber die fachdidaktische und bildungswissenschaftliche Frage, in wie weit fachliche Lernprozesse von fachfremden Lehrkräften in internetgestützten Weiterbildungsformaten angeregt werden können. Gegenstand der Untersuchungen ist vor diesem Hintergrund das ‚WBS-bMOOC‘ (https://wbs.zml.kit.edu/kurse), das eine größere Zahl fachfremder Lehrkräfte in fachlicher Hinsicht für das Fach Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung qualifizieren soll. Ziel der von begleitend durchgeführten Studien ist es, die fachliche Entwicklung bzw. die Entwicklung des fachlichen Reflexionsprozesses im Rahmen der internetgestützten Lehrkräftefortbildung zu untersuchen. Aus fachlich-fachdidaktischer Perspektive geht es angesichts der anspruchsvollen Inhalte der Fortbildung insbesondere um die Frage, welche konkreten fachlich-konzeptionellen Lernwege das meist fachfremde Publikum einschlägt und welche Lernhürden ihm begegnen. Auf Grund der Abstraktheit ökonomischer Modelle betrifft die Frage nach der strukturellen Konzeptentwicklung einen generellen Aspekt der fachdidaktischen Forschung im Fach Wirtschaft: Ohne wissenschaftliche Analyse der Konzeptentwicklung bleibt der kumulative Aufbau des Wirtschaftsunterrichts zufällig. Die Fortbildung im Rahmen des WBS-bMOOC bietet hierauf eine besondere Perspektive, insofern mit der konzeptuellen Entwicklung der Teilnehmer die spezifischen Hürden mitreflektiert werden können. Aus methodischer Perspektive geht es somit ferner um die Frage, in welcher Weise durch Feedbackangebote auf der Lernplattform und während unterschiedlichen Präsenzphasen eine reflexiv-fachliche Auseinandersetzung stattfindet bzw. stattfinden kann.

A) Ko-Konstruktion und Kooperation in der wissenschaftlichen Fortbildungspraxis – ANGEBOTE:

AD1- Prof. Dr. Katja Kansteiner, Pädagogische Hochschule Weingarten: "Professionelle Lerngemeinschaften schulischer Führungskräfte als spezifischer Raum für Kooperation und Ko-Konstruktion im Dienste von Schulentwicklung"

Ko-Autor*innen: Christoph Stamann und Maria Rist

Professionelle Lerngemeinschaften (PLGn) von Lehrkräften werden in der Personalentwicklung als vielversprechendes Instrument für Unterrichtsentwicklung diskutiert (Bonsen & Rolff, 2006; Kansteiner, 2016; Vescio & Adams, 2015). Obgleich PLGn in ihrer Charakteristik unterschiedlich weit ausgelegt werden, lassen sie sich festlegen auf:
(1) gemeinsame Verantwortung für systematische Kooperation im Dienste individuellen Lernens,
(2) Rückbezug zur beruflichen Praxis und Deprivatisierung dieser,
(3) geteilte Werte und Zielsetzungen mit der Möglichkeit individueller Schwerpunktsetzungen in
     Qualitätsentwicklungsprozessen sowie
(4) Eigenverantwortung für einen zielorientierten Professionalisierungsprozess mit Veränderungswirkung in
     der beruflichen Praxis (Hord, 1997; Wenger, McDermott & Snyder, 1998; Huber & Hader-Popp, 2006;
     Wiliam, 2007; Gallimore, Ermeling & Saunders, 2009).

Bedingung für den Erfolg ist, dass die in ihr Kooperierenden ihre Arbeiten auf den Prüfstand stellen, über ko-konstruierenden Austausch miteinander reflektieren, einander lernanregend sind und sich verpflichten, neue Schritte auszuprobieren und den anderen Mitgliedern Rechenschaft dazu abzulegen (Timperley et al., 2007). Im Projekt Heads Using Professional Learning Communities erproben seit 2016 Schulleiter*innen in Deutschland und fünf europäischen Partnerländern die PLG-Arbeit als Instrument für den Aufbau ihrer Leadership- und Schulentwicklungskompetenz und zielen darauf ab, gleichermaßen Lehrkräfte PLGn an ihren Schulen zu etablieren. Die Pädagogische Hochschule Weingarten begleitet die regionalen PLGn und erforscht ihre Etablierungsprozesse. Es liegen Daten vor, wie sich die Kooperationsstruktur und -qualität einer PLG entwickeln muss, um von den Teilnehmer*innen als gewinnbringend erlebt zu werden. Auf den Erfahrungen des Projektes aufbauend kann das Potential von PLGn als Fortbildungsinstrument für Lehrkräfte und Schulleitungen diskutiert werden.

AD2- Pia Schäfer, TU Kaiserslautern: "Entwicklung und Evaluation eines Lehrerfortbildungskonzepts zur Förderung des fachdidaktischen Wissens im Bereich der Automatisierungstechnik"

Ko-Autor: Jun.-Prof. Dr. Felix Walker

Im Bereich der Automatisierungstechnik konnten Walker et al. (2016) zeigen, dass Auszubildende Elektroniker für Automatisierungstechnik die curricularen Forderungen an die analytische Problemlösefähigkeit (aPLF) nicht erfüllen. Die Arbeitsgruppe um Schaper (2003, 2004) konnte, für den Bereich der Automatisierungstechnik, erfolgreich ein Konzept für die Förderung der aPLF entwickeln und überprüfen. Dieses Konzept basiert auf dem cognitive apprenticeship-Ansatz (Brown, Collins & Duguid, 1989) und wurde bislang nicht in Form einer Lehrerfortbildung in die Bildungspraxis überführt. Daher wird ein Fortbildungskonzept zur aPLF mit fachdidaktischem Fokus entwickelt. Für die Entwicklung und Evaluation der Fortbildung wird das TPACK-Modell von Mishra und Koehler (2006) zugrunde gelegt. In dem Modell geht man davon aus, dass es Basiswissendimensionen gibt, die einen unmittelbaren Einfluss auf deren Schnittmengen haben. Die Förderung der aPLF erfolgt in einer eintägigen Lehrerfortbildung, die unter Kooperation mit den entsprechenden Landesinstituten von RLP und SAL durchgeführt werden. Folgende Fragestellungen sollen durch die Evaluation der Fortbildungen beantwortet werden: Welche Entwicklung ist in den einzelnen Dimensionen von TPACK nach Durchlaufen der Fortbildung zu verzeichnen? Können die im TPACK-Modell theoretisch angenommenen Zusammenhänge repliziert werden? Um die Wirksamkeit der Lehrerfortbildung beurteilen zu können, wird ein Experimental-Kontrollgruppen-Prä-Post-Testdesign verwendet. Für die Beantwortung der zweiten Forschungsfrage werden Korrelationsanalysen zwischen den einzelnen Wissensdimensionen berechnet. Die Erfassung des Professionswissen erfolgt auf Basis des Instrumentes von Schmidt et al. (2009), mit Übersetzung, Adaption und Erprobung durch Walker et al. (2017). Der Schwerpunkt des Vortrages liegt in der Vorstellung des theoretischen Ansatzes in Bezug auf die Fortbildung, dem eingesetzten Instrument, sowie in der Vorstellung der Pilotierungsergebnisse.

AD3- Dr. Andrea Bethge, Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien: "Wie Ko-Konstruktionen durch die Fortbildung selbst angeregt werden können am Beispiel eines Qualifizierungsangebotes"

Ko-Autorin: Susann Ebert

Am Beispiel des theoriebasierten Qualifizierungsangebotes des ThILLM Basiskurs Didaktik und Unterrichtsentwicklung in heterogenen Lerngruppen wird herausgearbeitet, wie Ko-Konstruktionen von Lehrkräften durch die Fortbildung selbst angeregt werden können. Dieses identifiziert wurden. In diesem Zusammenhang erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Vereinbarung der Ansprüche, die diesem konkreten Konzept von Seiten der Autorin/Dozentin/des Instituts und den Ansprüchen und Hoffnungen der Lehrkräfte, die an diesem Qualifizierungsangebot teilnehmen mit Blick auf die erhoffte und gefühlte Wirksamkeit. Es wird insbesondere auch thematisiert, wie sich Erwartungen an Fortbildungen durch die Teilnahme an der Fortbildung selbst verändern (können).Qualifizierungsangebot beruht auf einem im Laufe der Durchführung von Teilnehmerinnen und Teilnehmerin sowie den Dozentinnen dialogisch (auszu)gestaltenden Curriculum. Ausgehend von der begleitenden Dokumentation der Fortbildung, u.a. mittels qualitativer Interviews sowie einer Zwischenevaluation, die sich insbesondere auf das Verhältnis von Theorie- und Praxisanteilen konzentriert, werden Aspekte der Fortbildungskonzeption und Durchführung dargestellt, die als förderlich für die Entstehung einer ko-konstruktiven Haltung der Lehrkräfte.

AD4- Dr. Magdalena Hollen, Universität Osnabrück: "Zertifikatskurse für Studierende und pädagogische Fach- und Lehrkräfte an Schulen Facetten und Erkenntnisse aus kooperativer Fortbildung"

Ko-Autor: Dr. Ekkehard Ossowski

Im Rahmen des Inklusionsprojektes Expertise und Kooperation für eine Basisqualifikation Inklusion (EKBI) an der Universität Osnabrück, gelang es eine zweisemestrige, studienergänzende Zusatzqualifikation in Form eines Zertifikatsangebots (Sonderpädagogische Basiskompetenzen im Rahmen inklusionspädagogischer Qualifizierung) zu konzipieren und durchzuführen, an der neben Studierenden der unterschiedlichen Schulformen auch Lehrkräfte aus der Schulpraxis teilnehmen. Die Kooperation von Fach- und Lehrkräften an Schulen mit Studierenden im Rahmen eines solchen Qualifizierungsangebots für beide Akteursgruppen zu initiieren, war und ist eines der intendierten Ziele. Inhaltlich orientiert sich das Angebot u.a. an den vom Niedersächsischen Verbund zur Lehrerbildung formulierten Eckpunkten für den Umgang mit Heterogenität und Inklusion (2014), greift die Implikationen Inklusionsorientierter Lehrerbildung der European Agency for Development in Special Needs Education (TE4I) auf und berücksichtigt in besonderer Weise die Relevanz gelingender Kooperation (Lütje-Klose, Willenbring 2012). Auch im mittlerweile dritten Durchgang erweist sich das Format als gewinnbringend für alle involvierten Seiten. Sowohl bei Studierenden als auch bei Lehrkräften stößt das Angebot auf reges Interesse, in den Kurs eingebundene externe Experten aus den unterschiedlichen Bereichen von Wissenschaft und Praxis konstatieren ihrerseits ebenfalls einen Benefit. Im Vortrag werden neben einem übersichtsmäßigen Einblick in die Konzeptionierung des Angebotes, primär die unterschiedlichen Erfahrungen und Facetten von Kooperation, die ein solches Format ermöglicht, von zentraler Bedeutung sein.

R) Förderung und Hemmnisse von Ko-Konstruktion in der Fort- und Weiterbildung – RAHMENBEDINGUNGEN:

RD1- Dieter Schoof-Wetzig, Deutscher Verein zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung: "Lehrkräftefortbildung in Deutschland - Recherchen für eine Bestandsaufnahme"

Der Deutsche Verein zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung hat in einem von der Robert Bosch Stiftung unterstütztem Projekt Recherchen für eine Bestandsaufnahmen der Lehrerfortbildung in Deutschland durchgeführt. Auftrag und Stellenwert, Angebote und Formate, Bedarfserhebungen, Ausgaben und Qualitätssicherung der Bundesländer wurden dabei anhand öffentlich zugänglicher Quellen untersucht. Aus den Ländern und ihren Landesinstituten liegen nur wenige Daten zu Fortbildungsangeboten vor, die für vergleichende länderübergreifende Analysen und perspektivische Aussagen genutzt werden können. Seit 2012 gibt es aber eine Anzahl von bundesweiten Studien und Umfragen, die, oft von Stiftungen initiiert und finanziert, Daten für zentrale Schwerpunktbereiche der Lehrkräftefortbildung erhoben und mit Unterstützung der Wissenschaften analysiert haben. Ausgehend von einem Überblick über diese Studien und einer Reflexion der Methodik und jeweiligen Verhältnisse der Kooperation und Ko-Konstruktion von Wissenschaft und Fortbildungspraxis, soll gefragt werden, zu welchen Fortbildungsbereichen intensivere Studien wünschenswert wären, welchen Qualitätskriterien diese Studien genügen sollten, wie Bundesländer und ihre Institute stärker für die Mitarbeit an ähnlichen Studien gewonnen werden und mit welchen Kooperationspartnern diese Studien durchgeführt werden können.

RD2- Prof. Peter Koderisch, Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Gym) Freiburg: "Wie werden Reformimpulse in den Schulen – nicht – wirksam? Hindernisse für Kooperation und Ko-Konstruktion in der Mehrebenen-Organisation in Schulen"

Der sozialwissenschaftliche Governance-Ansatz wurde mit seiner Mehrebenen-Theorie u.a. von Brüsemeister und Altrichter für die Bildungswissenschaften rezipiert und auf der Ebene des Schulsystems für Erklärungen des Gelingens und Misslingens bildungspolitischer Reformen angewandt. Die Ebenen in der Schule selbst werden bislang nur von der Organisationsforschung in den Blick genommen, kaum in der allgemeinen Bildungsforschung, nicht vom Educational-Governance-Ansatz und auch nicht von Bildungspolitik und -verwaltung. Dieser Vortrag möchte helfen, die in der Schule entstehenden Hindernisse stärker in den Blick zu nehmen. Zu einer im Unterrichtsalltag wirksamen Umsetzung von Reformimpulsen gehört die Kooperation und Ko-Konstruktion zwischen den Ebenen in Schul-Politik und –Verwaltung, aber auch mit der Schule selbst, dazu gehören Zielinterdependenz und Vertrauen (Gräsel, 2006). In der schulischen Organisation gibt es auf den Ebenen der Schulleitung und des Kollegiums drei handlungsleitende Prinzipien: hierarchisch-bürokratisch, demokratisch und freiheitlich-anarchisch. Die Expertenorganisation Schule ist als solche „lose gekoppelt“ (Weick, 1976), die Lehrkräfte handeln im Unterricht mit einer hohen Autonomie. Ihr Handeln im hochkomplexen Unterricht ist nicht standardisierbar und auch deshalb kaum steuerbar. Die drei Prinzipien stehen zueinander im Widerspruch und erzeugen Ambiguität, die situativ und interessengeleitet wechselnde Perspektiven ermöglicht, die Kooperation und Ko-Konstruktion behindern oder verhindern können. Diese Mechanismen sollen hier näher beschrieben und Überlegungen angestellt werden, wie eine erfolgreichere Umsetzung von Reformimpulsen unterstützt werden kann.

RD3- Léonard Loew, Universität des Saarlandes, Lehrstuhl für Didaktik des Sachunterrichts: "Pädagogisch-biographische Ko-Konstruktionen: Organisationale Selbsterfahrung in der Lehrerfortbildung"

Die vielfältigen Motivationen, Lehrer zu sein, speisen sich nicht selten aus eigenen Erfahrungen, positiver wie negativer Art, im Schulbereich oder innerhalb anderer pädagogischer Settings. Die intentionalen Hintergründe des Berufswunsches bleibt jedoch zuweilen unreflektiert und damit unbewusst. Daraus können sich spezifische Probleme ergeben, gerade wenn biographisch bedingte Verzerrungen, positiver (Idealisierungen) oder negativer (Traumatisierungen) Konnotation, das Bild von Schule dominieren. Es entstehen dann unbewusste Verstrickungen in Auseinandersetzungen mit SchülerInnen, KollegInnen, oder Eltern. Ungelöste Konflikte aus der eigenen Vergangenheit entfalten eine mächtige Sogwirkung und produzieren starke Emotionalisierungen, die die Professionalität der Lehrkraft und damit die Qualität des Unterrichts bedrohen. Der Beitrag schlägt vor diesem Hintergrund vor, eine organisationale Selbsterfahrung als festen Bestandteil der Lehrerfortbildung zu etablieren. Neben der Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte, insbesondere der eigenen Erziehungs- und Bildungsbiographie, sollen organisationale Spezifika der Schule reflektiert werden. Der Ko-Konstruktionscharakter psychosozialer und pädagogischer Herausforderungen und Problemfälle wird dabei vor allem durch die Reflexion ihrer Relativität sichtbar. Wenn die LehrerInnen ihr eigenes Geworden-Sein und die vielfältigen Verbindungen ihrer Lebensgeschichte mit der Funktionsdynamik schulischer Systembestandteile überdenken, kann ein Bewusstsein für den Herstellungsprozess pädagogischer Realitäten entwickelt werden. Auf diese Weise kann schulisches Erziehungs- und Bildungsgeschehen als ko-konstruktives Zusammenspiel biographischer Erfahrungen und ihre Einbettung in die speziellen Funktionslogiken der Schule verstanden werden. Der Beitrag verbindet zu diesem Zweck organisations- und schulpädagogische Überlegungen mit solchen aus der entwicklungs- und tiefenpsychologischen Forschung.

RD4- Prof. Dr. Conny Melzer, Universität zu Köln: "Arbeitsteilung und Ko-Konstruktion: Zur subjektiven Bewertung interprofessioneller Kooperation im Gemeinsamen Lernen Erste Ergebnisse von Diskussionen in Fokusgruppen"

Ko-Autor: Michael Ehlscheid

Bezugnehmend auf dem breit rezipierten Modell der schulischen Kooperationsforschung (Gräsel et al., 2006) zeigt sich, dass es durchaus möglich ist, unterschiedliche Kooperationsintensitäten an Schulen zu erfassen, damit aber nicht notwendigerweise etwas über die subjektiv empfundene Qualität der Kooperation ausgesagt ist. Es stellt sich die Frage nach dem Verständnis und der Bewertung von pädagogischem Kooperationshandeln vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Professionen und formalen schulinternen Funktionen. Auf dieser Grundlage werden in der Studie folgende Fragestellungen bearbeitet:

1) Wie werden verschiedene Intensitäten und Modi pädagogischer Kooperation interpretiert, hergestellt und bewertet?

2) Welche Bedeutungen messen Lehrkräfte unterschiedlicher Profession und Funktionen den konkreten organisatorischen Rahmenbedingungen vor Ort auf die gemeinsame kooperative Arbeit zu?

Hierzu wurden an 11 Schulen der Primar- und Sekundarstufe Fokusgruppen (Krueger & Casey, 2009) mit zentralen Akteur*innen (Schulleitungen sonderpädagogische Lehrkräfte, allgemeinpädagogische Lehrkräfte etc.) geführt. Die Teilnehmer*innen wurden nach der Darbietung eines Posters mit den Ebenen der Kooperation (Gräsel et al., 2006) gebeten, diese in Zusammenhang mit der eigenen Kooperationspraxis und der Kooperationspraxis im gemeinsamen System Schule zu bringen. Diskutiert wurden verschiedene Fort- und Weiterbildungsbedürfnisse der Schulen hinsichtlich der Frage nach einer gelingenden und ökonomischen Ko-Konstruktion in der Kooperationspraxis. Einige Statements lassen den Schluss zu, dass Ko-Konstruktion nicht ausschließlich als Königsweg der pädagogischen Kooperation betrachtet wird. Angemerkt werden Fortbildungsbedarfe bezogen auf eine sinnvolle Balance verschiedener Kooperationsformen und -modi.

Disskussionsforen Donnerstag:

D1- Prof. Dr. Lars Holzäpfel, PH Freiburg/DZLM: "Fortbildungsentwicklung in der Balance von “knowledge of practice” und “knowledge for practice”

Ko-Autor*innen: Prof. Timo Leuders, Prof. Susanne Prediger und Prof. Jürg Kramer

Bei Fortbildungskonzepten kann man unterscheiden zwischen solchen, die sich eher am „knowledge FOR practice“-Ansatz ausrichten (Forschungserkenntnisse FÜR die Teilnehmer aufbereiten) und solchen, die sich eher am „knowlegde-OF-Practice“ orientieren (Probleme und Lösungen aus der Praxis heraus entwickeln) (s. Cochran-Smyth & Litle, 1999). Auch beim letzteren fließen Forschungserkenntnisse ein; es stellt sich in jedem Fall aber die Frage, wie weit man in der Verbindung von Forschung und Praxis auf die Perspektive und Erfahrungen aus der Praxis aufbauen kann. Im Forum berichten wir über Fortbildungskonzepte des Deutschen Zentrums für Lehrerbildung (DZLM), die unterschiedliche Wege gehen und diskutieren mit den Teilnehmern über ihre Erfahrungen und Positionen. Im Kern der Diskussion sollen zwei unterschiedliche Positionen herausgearbeitet werden: Auf der einen Seite birgt der „FOR“-Ansatz die Gefahr der Arroganz – nämlich dass sich die Wissenschaft über die Praxis erhebt und vorgibt, woran sich die Praxis orientieren sollte. Ob sich die Praxis darauf einlässt und dem folgt, bleibt fraglich. Auf der anderen Seite gerät die wissenschaftliche Perspektive beim „OF“-Ansatz schnell in den Hintergrund und es dominieren „Tipps-und-Tricks“. Dies wird beispielsweise auch bei den typischen Bedarfserhebungen immer wieder deutlich.

D2- Prof. Dr. Frank Lipowsky, Universität Kassel: "Wollen und wollen sollen - Bedürfnisse und Bedarfe in der Lehrkräftefortbildung"

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Karsten Rincke, Universität Regensburg
Autoren:
Steffen Sack und Prof. Dr. Frank Lipowsky, Universität Kassel

Zu Beginn des Diskussionsforums berichten Steffen Sack und Frank Lipowsky von einer Bedarfserhebung unter hessischen Lehrkräften im Rahmen des Kooperationsprojekts TeKom 4+5 der Universitäten Heidelberg und Kassel sowie des Hessischen Kultusministeriums. Im Zentrum des Projekts stehen die Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines Fortbildungskonzepts, das auf die Professionalisierung von Lehrkräften bei der Förderung bildungssprachlicher Textkompetenzen zielt.
Um die konkreten Fortbildungs- und Unterstützungsbedarfe der Lehrkräfte im Bereich der Diagnostik und Förderung von Textkompetenzen zu untersuchen, wurde vor der Konzeption der Fortbildungsmaßnahme eine Bedarfserhebung durchgeführt, an der 273 hessische Lehrkräfte aus der Primar- und Sekundarstufe I teilnahmen.
Der Lehrkräftefragebogen der Studie enthielt neben der Einschätzung der eigenen diagnostischen Kompetenzen und der Umsetzbarkeit von Sprachfördermaßnahmen auch zwei Textvignetten, von denen eine die diagnostische Kompetenz der Lehrkräfte bezogen auf die Textkompetenz der Schülerinnen und Schüler erfassen sollte. Diese Vignette bestand aus einem Schülertext, der von den Lehrkräften hinsichtlich sprachlicher Auffälligkeiten analysiert werden sollte.
Ähnlich wie in anderen Studien (z.B. Allemann-Ghionda et al., 2006; Sturm, 2016) zeigte sich, dass die befragten Lehrkräfte vor allem oberflächliche Merkmale des Textes, wie Rechtschreibung und Grammatik, und weniger textstrukturelle Merkmale betrachten. Dies spiegelte sich auch in den von den Lehrkräften angegebenen Fördermaßnahmen zur Verbesserung der Schreibleistung des Schülers wider.
Stellt man diese Ergebnisse den ebenfalls erhobenen Fortbildungswünschen der befragten Lehrkräfte gegenüber, fällt auf, dass auch die genannten Fortbildungswünsche der Lehrkräfte eher auf Oberflächenmerkmale fokussieren (Methoden, Materialien etc.) und somit offenbar nur einen Teil unterrichtlicher Voraussetzungen zur Förderung der Schülerinnen und Schüler abdecken, die zudem für das Lernen und Verstehen der Schülerinnen und Schüler weniger relevant erscheinen.
Der Vortrag wirft zum einen die Frage auf, wie erfolgversprechend es ist, Lehrpersonen nach ihren Fortbildungswünschen zu fragen: Die Frage nach Bedürfnissen, ausgesprochen von Anbietern von Fortbildungen, signalisiert Zugewandtheit und Interesse an den Lehrkräften und ihrem Erfolg. Sie wird auf der Seite der Lehrkräfte entsprechend positiv wahrgenommen. Die Artikulation eines adäquaten Fortbildungswunsches durch Lehrkräfte setzt aber voraus, den eigenen Bedarf adäquat diagnostizieren zu können – eben dies scheint eine komplexe und nicht selbstverständlich gegebene Voraussetzung zu sein.
Bedeutet das, dass Lehrkräften Fortbildungsmaßnahmen vorzuhalten sind wie eine bittere Pille? Augenscheinlich spannt sich hier ein von Ambivalenzen charakterisiertes Feld, das wir mit den Teilnehmenden gern diskursiv bearbeiten möchten: Wollen und wollen sollen - Bedürfnisse und Bedarfe in der Lehrerkräftefortbildung.

D3- Prof. Dr. Anne Frey, Pädagogische Hochschule Vorarlberg: "Konzeption einer Fortbildung für das inklusive Unterrichten in Kooperation zwischen Hochschule und Praxis"

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Anne Frey
Ko-Autorin: Prof. Silvia Pichler

Das Professionswissen gilt neben Motiven, Einstellungen und Selbstregulation als zentraler Aspekt professioneller Kompetenz und spielt nachweislich eine wichtige Rolle für die Effektivität des Unterrichts (Voss et al., 2015). Die Taxonomie der Wissensfacetten geht auf Shulman (1987) zurück und beinhaltet fachliches Wissen, fachdidaktisches Wissen und pädagogisch-psychologisches Wissen. Baumert und Kunter (2011) erweitern dies um das Beratungs- und das Organisationswissen. Durch die aktuelle Herausforderung eines inklusiven Schulsystems eröffnen sich nicht nur neue Forschungsfragen, sondern auch Fragen nach neuen Inhalten für die Aus- und Weiterbildung. Neben der Arbeit an motivationalen Einstellungen, subjektiven Überzeugungen und der Selbstregulationsfähigkeit gilt es herauszufinden, welche Facetten des Professionswissens für das inklusive Setting von besonderer Bedeutung sind und wie sie Lehrpersonen effektiv vermittelt werden können. Ausgehend von (eher programmatischen) Katalogen inklusiver Kompetenzen sowie wissenschaftlichen Modellierungen (König et al., 2017) soll eine Fortbildung für das Unterrichten im inklusiven Setting konzipiert werden, bei deren Entwicklung die Hochschule mit der Praxis kooperiert. Dabei spielen Inhalte ebenso eine Rolle wie Methoden zur Stärkung von Verarbeitungstiefe, Reflexionskompetenz und Transfersicherung. Ziel ist es, durch die Kooperation Akzeptanz und Nachhaltigkeit der Fortbildung bei den Lehrkräften zu erhöhen. In dem Beitrag werden die Fortbildungsinhalte und -methoden mit dem Fokus auf das pädagogisch-psychologische Professionswissen skizziert und bilden die Grundlage für eine wissenschaftliche Diskussion.

D4- Prof. Dr. Jan-Hendrik Hinzke, Justus-Liebig-Universität Gießen: "Kooperation von Lehrer*innen und Wissenschaftler*innen: Ein (un)mögliches Unterfangen?"

Diskussionsleitung: Prof. Dr. Jochen Wissinger
Ko-Autorinnen: Katharina Hombach, Lena Peukert und Johanna Schmidt

Mit der Kooperation von Universität und Schulen werden viele Erwartungen hinsichtlich der Verbesserung der Lehrerbildung und der Auflösung der Theorie-Praxis-Dichotomie verbunden (Ackermann & Rahm, 2004). Gleichzeitig treffen mit der Universität und der Schule zwei verschiedene Systeme aufeinander, die je eigene Interessen verfolgen. Der Beitrag thematisiert Potenziale und Herausforderungen in der Zusammenarbeit von Lehrpersonen und Wissenschaftler*innen. Im Zentrum stehen dabei folgende Diskussionsfragen: Was zeichnet eine gelingende Kooperation zwischen diesen beiden Akteursgruppen aus? Wie lässt sich die Qualität der Kooperation erfassen? Ist eine gelingende Kooperation überhaupt möglich? Nach der Entfaltung dieser Fragen wird in drei Impulsvorträgen aufgezeigt, wie im Rahmen der Gießener Offensive Lehrerbildung (GOL) versucht wird, mit Lehrer*innen zusammenzuarbeiten. Präsentiert werden drei Kooperationskonzepte im Rahmen der universitär angebotenen Lehrerfortbildung: Aufbau eines Netzwerks von Campusschulen, Entwicklung eines Seminars zum Forschendes Lernen, Aufbau eines Multiplikatorenprogramms zur Schul- und Unterrichtsentwicklung. Die drei Konzepte eint, dass Fortbildung nicht als bloße Dienstleistung der Universität, sondern als Ausformung Forschenden Lernens (Huber, 2014; Fichten, 2010; Reinmann, 2015) verstanden wird. In den Impulsen werden erste Ergebnisse der Begleitevaluationen und -untersuchungen präsentiert, aus denen u.a. die Erwartungshaltungen und die Voraussetzungen unterschiedlicher Lehrer*innengruppen an bzw. für die Zusammenarbeit mit der Universität hervorgehen. Diese Daten werden zu den Erwartungshaltungen der Fortbildner*innen in Bezug gesetzt. Daraus werden Chancen und Herausforderungen dieser Zusammenarbeit abgeleitet. Die Impulse dienen als Grundlage für die sich anschließende Diskussion, die sich an den oben genannten Leitfragen ausrichten soll. Thesen werden als zusätzliche Stimuli für die Diskussion bereitgehalten.

D5- Dr. Hans-Martin Blitz, Regierungspräsidium Freiburg: „Natur und Mensch“ – Gymnasiale Lehrerfortbildung als Synthese von Bildlichkeit und Fachlichkeit

Diskussionsleitung: Dr. Hans-Martin Blitz
Ko-Autorin: Sybille Schick

In diesem Forum wird eine Lehrerfortbildung (Sekundarstufe II, Abituranforderung Gymnasium, Themenbereich Lyrik) aus den Jahren 2014 bis 2016 zur Diskussion gestellt. Im ersten Teil des Diskussionsforums werden Planung, Durchführung und Ergebnisse des regionalen Fortbildungsganztages zum Lyrikthema „Natur und Mensch“ präsentiert und erläutert. Die Innovation dieser vielfach angebotenen, gut besuchten Fortbildung bestand in einer konsequenten Bildlichkeit, was die Didaktik der Vermittlung betraf. Sowohl der Forschungsüberblick zu diesem diachronen Lyrikthema vom Barock bis zur Gegenwart als auch die didaktischen Impulse für die Lehrer*innen als Adressaten der Fortbildung standen unter dem Primat der Anschaulichkeit. An der Umsetzung dieser Ganztagesfortbildung durch die Kooperation von drei Deutschlehrerinnen lässt sich die Verstetigung des Fortbildungskonzeptes ganz konkret aufzeigen und erörtern. Die „Wissenschaftlichkeit“ des fachwissenschaftlichen Kerns einer Abiturfortbildung versteht sich von selbst – die Wissenschaftlichkeit der Didaktik bleibt ein Desiderat. Die präsentierte Fortbildung schließt diese Lücke nicht, sie ist sich in ihrer Planung und Durchführung dieses Desiderates aber bewusst. Im zweiten Teil soll u.a. diskutiert werden,

• inwiefern auch Fortbildungen ohne explizite Beteiligung der Hochschulen der Forderung nach (mehr) Wissenschaftlichkeit genügen.
• Inwieweit bei der Konzeption von Fortbildungen die Perspektive der Zielgruppe einzubeziehen ist, um „Nützlichkeit“ und „Anwendbarkeit“ der Inhalte zu erreichen.

Plenum:

Vorstellung der Thesen aus den Diskussionsforen

Die Fishbowl-Diskussion am Freitag wird sich um die Thesen aus den 5 Diskussionsforen drehen. Damit sich die Diskussion optimal entfalten kann, stellen wir in diesem Plenum am Donnerstagabend die 5 pointierten Thesen aus den Diskussionsforen vor, um damit „schwanger gehen“ zu können bis zum nächsten Tag. 

Abendprogramm:

Gemeinsames Abendessen in "Omas Küche"

Das gemeinsame Abendessen auf Selbstzahler-Basis ab 19:30 Uhr findet in "Omas Küche" statt. 
https://www.omas-kueche.de/

Die schöne Lokalität mit hohem Gewölbe in warmen Farben und pfiffiger Küche bietet uns einen schönen Rahmen, um den Abend zusammen zu verbringen. Sie ist vielfältig erreichbar: mit der Straßenbahnlinie 1 ab Endhaltestelle Laßbergstraße (Haltestelle 7 min zu Fuß von der PH entfernt) bis Haltestelle "Schwabentorbrücke" und dann 650m zu Fuß (ca. 8 min) über die Kreuzung und die Hildastraße entlang bis zum Restaurant.
Oder mit der Bahn: Vom Bahnhof Littenweiler direkt gegenüber der PH eine Station bis zum Bahnhof "Wiehre" (Fahrtzeit 3 min, im Halbstundentakt 19:09, 19:39, 20:09...). Vom Bahnhof Wiehre läuft man durch die Quäkerstraße in ca. 4 min 350m bis "Omas Küche". 

Die recht stadtnahe Lage erlaubt ein Erreichen der jeweiligen Hotels auf verschiedenen Wegen.

Wir haben mit "Omas Küche" eine...

Speisekarte mit verschiedenen leckeren vegetarischen und Fleisch-Gerichten vereinbart.


Eröffnungsvortrag Freitag:

Prof. Dr. Katja Maaß, PH Freiburg: "Kooperationen zwischen Schlüsselakteuren als Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung des MINT-Unterrichts"

Eine zeitgemäße MINT-Bildung ist für die Zukunft jungen Menschen unabdingbar. Doch wie können entsprechende innovative Bildungskonzepte im alltäglichen MINT-Unterricht implementiert werden? Für die Entwicklung qualitativ hochwertige Unterrichts- und Fortbildungsmaterialien sowie für deren Implementierung ist eine Kooperation zwischen allen am MINT-Unterricht beteiligten nötig. Doch wie können Forscher, Hochschullehrende, Lehrer aus der Praxis, Schulbehörden und Vertreter aus der Wirtschaft kooperieren?

Das International Centre for STEM Education (Internationales Zentrum für MINT Bildung) an der PH Freiburg hat es sich zum Ziel gesetzt, genau solche Kooperationen zu fördern, anzustreben und zum Ausgangspunkt seiner Arbeit zu machen, da es davon überzeugt ist, dass solche Kooperationen zur Qualität der entwickelten Materialien beitragen und eine nachhaltige Implementierung nur gelingen kann, wenn alle Schlüsselakteure diese in ihrem Bereich unterstützen. Der Vortrag stellt Beispiele für entsprechende Kooperationen vor und zeigt auf, was welche Partner beitragen können und was zum Gelingen der Kooperation wichtig ist.

Posterpräsentation:

P1- Dominique Angela Berger, Universität Regensburg: "Bildung für nachhaltige Entwicklung kooperativ gestalten - eine Lehrerfortbildung"

Ko-Autor: Prof. Dr. Karsten Rincke  

Das Forschungsvorhaben untersucht die Wirksamkeit einer Fortbildungsreihe für Gymnasiallehrkräfte zu Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE). Vorgesehen ist die Entwicklung und Evaluation einer Lehrerfortbildung zur Förderung der Gestaltung von BNE-Unterricht im eigenen Fach. Im BNE-Bildungskonzept wird argumentiert, dass die Mehrdimensionalität von Nachhaltigkeitsthemen nicht mehr aus einem Fach heraus erfasst werden kann, da die verknüpfte Betrachtung der Nachhaltigkeitsdimensionen Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft eine fächerübergreifende Herangehensweise erfordert (de Haan, 2002; Rieß, 2013). Gymnasiallehrkräfte sind jedoch meist nur Experten eines bzw. zweier Fächer, was vermuten lässt, dass der kooperativen Unterrichtsgestaltung bei Nachhaltigkeitsthemen ein wichtiger Stellenwert zugewiesen werden kann (Steiner, 2011). Die geplante Studie vergleicht deshalb die unterschiedlichen Wirkungen einer kooperativ ausgerichteten BNE-Lehrerfortbildung, deren Teilnehmer sich einmal aus einer disziplinären (repräsentiert durch eine Physiklehrkräftegruppe) und einmal aus einer interdisziplinären Gruppe (Naturwissenschafts-, Sozialkunde-, Ethik/Religions- und Wirtschaftslehrkräfte) zusammensetzen. Im Rahmen der Fortbildung werden in Kokonstruktion anhand eines exemplarischen Nachhaltigkeitskontexts Unterrichtsplanungen für das eigene Fach entwickelt, in der Praxis erprobt und anschließend reflektiert. Anhand einer Dokumentenanalyse der erarbeiteten BNE-Unterrichtsentwürfe wird untersucht, welchen Einfluss die Fächerzusammensetzung beider Gruppen auf die Unterrichtsplanung und damit die Umsetzung der Fortbildungsinhalte ausübt. Zusätzlich wird in Leitfadeninterviews die Wahrnehmung des Kooperationsprozesses während der Fortbildung erfasst und dessen Bedeutung für die Veränderung der fachdidaktischen Planungskompetenz der Lehrkräfte erhoben. Ziel ist es aus den gewonnenen Ergebnissen, Hypothesen für effektive BNE-Lehrerfortbildungsformate zu generieren.

P2- Katharina Gimbel, Universität Kassel: "Nature of Science in Lehrerfortbildungen - Das Projekt Contemporary Science @ school"

Ko-Autor*innen: M. Müller, A. Bednarek, Dr. K. Ziepprecht, Prof. Dr. J. Mayer und Prof. Dr. R. Wodzinski

Naturwissenschaftlicher Unterricht verfolgt u.a. das Ziel, Lernenden durch den Aufbau eines adäquaten Wissenschaftsverständnisses eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs über naturwissenschaftliche Forschung zu ermöglichen (KMK 2005). Demzufolge müssen die Lehrpersonen ihrerseits über ein adäquates Verständnis von Nature of Science (NoS) verfügen (KMK 2016). Befunde verschiedener Studien weisen jedoch darauf hin, dass dies häufig nicht der Fall ist (Lederman & Lederman 2014). Im Projekt Contemporary Science konnte gezeigt werden, dass der authentische Kontakt mit aktueller Forschung geeignet ist, das NoS-Verständnis von Studierenden zu erweitern (Gimbel & Ziepprecht 2018). Die Erfahrungen sollen für die Fortbildung von Lehrkräften genutzt werden. Ergebnisse einer Studie zur Relevanzeinschätzung und Umsetzung von NoS im Unterricht sowie zu Fortbildungswünschen zu diesem Thema mit 44 Biologielehrkräften deuten darauf hin, dass Lehrkräfte zwar Aspekte von NoS (wie z.B. die Gültigkeit naturwissenschaftlicher Ergebnisse oder die Genese naturwissenschaftlichen Wissens) als ausgesprochen relevant für den Unterricht ansehen, sie aber kaum im Unterricht thematisieren, was u.a. auf einen Mangel an Fortbildungsmöglichkeiten zurückgeführt werden könnte (Müller 2018). Ergebnisse aus der Physik stützen diese Befunde (Schwab 2017). Im Projekt Contemporary Science @ school steht die aktuelle naturwissenschaftliche Forschung der Universität als Lerngelegenheit für NoS im Fokus, und zwar mit Blick auf Lehrkräfte, Studierende und Schülerinnen und Schüler. Kern des Projekts ist, dass Naturwissenschaftslehrkräfte in Zusammenarbeit mit Studierenden im Rahmen eines Seminars Exkursionen für Schülerinnen und Schüler konzipieren, die Einblicke in aktuelle Forschung an der Universität Kassel gewähren und explizit Reflexionen über NoS anregen. Das geplante Seminar- und Fortbildungskonzept sowie eine ausführlichere Darstellung der o.g. Ergebnisse werden auf dem Poster vorgestellt.

P3- Dr. Patrick Blumschein, PH Freiburg: "Konzept eines modularisierten Weiterbildungssystems bis zum Master zur wissenschaftlichen Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften"

Ko-Autorin: Beate Epting

 

Fort- und Weiterbildungen für Lehrkräfte sollen sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und Verfahrensweisen orientieren, um effektiver zu sein als das bisher der Fall war. Von der Theorie reflektiert in die Praxis ist das Postulat. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn eine Lehrperson ihre Fort- und Weiterbildungsaktivitäten stringenter aufeinander aufbauen könnte und so für sich einen roten Faden über die berufliche Lebensspanne erkennen könnte. Der modulare Weiterbildungsmaster mit dem Arbeitstitel „Professionalisierung im Lehrberuf“ MaPriL kann diese Forderungen aufgreifen und bietet ein Umsetzungsangebot kombiniert mit einem berufsbegleitenden, wissenschaftlichen Masterabschluss. Einzelne Veranstaltungen und Zertifikate bolognakonform ausgewiesen, können in den Master verrechnet werden und dienen als Grundlage für den Entwurf einer Masterarbeit. Schwerpunktsetzungen etwa in Heterogenität, DAZ oder Digitalisierung etc. sind möglich. Das berufsbegleitende Konzept bietet die nötige zeitliche und räumliche Flexibilität, die ein erfolgreiches Studium benötigt.

 

 

P4- Dr. Monique Meier, Universität Kassel: "Ein Fortbildungskonzept zur Förderung der Handlungsbereitschaft zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht"

Ko-Autorin: Marit Kastaun

Aufgrund der Digitalisierung der Alltagswelt nimmt die gesellschaftliche Bedeutung einer digitalen Bildung fortwährend zu. Sowohl Schüler*innen müssen auf diese Entwicklungslinien zum Lernen mit digitalen Medien kritisch vorbereitet werden, als auch Lehrkräfte, um ihren Lernenden ein entsprechendes Lernangebot bieten zu können. Die im Folgenden beschriebene Fortbildungsmaßnahme wird entsprechend dem Blended Learning - Ansatz (Reinmann-Rothmeier, 2003) in aufbauenden Präsenzveranstaltungen und einer E-Learning-Phase umgesetzt. In der Förderung von technologisch-pädagogischem Inhaltswissen sowie medienbezogenen Überzeugungen bei angehenden (Biologie-)Lehrkräften der zweiten Phase der Lehrkräftebildung wird das Entfachen einer höheren Handlungsbereitschaft zur Integration digitaler Medien in den Unterricht angestrebt. Die Fortbildung ist curricular in das Modul Unterrichten im Fach Biologie eingebunden und bindet dabei an verschiedene Inhalte dieses Moduls an (HK, 2012). Zur methodischen Umsetzung der Fortbildung wird das cognitive apprenticeship-Modell (Collins et al., 1989) genutzt. Die Fortbildungsmaßnahme teilt sich in eine vierstündige Präsenzveranstaltung zu Beginn des Semesters, eine über E-Learning begleitenden Praxisphase und eine abschließende einstündige Präsenzveranstaltung am Ende des Semesters, in denen die Lehrkräfte im Vorberitungsdienst (LiV) unter anderem ihre eigenen Unterrichtsplanungen beurteilen und reflektieren, auf. In der Praxisphase wurden die LiV´s angehalten, digitale Schwerpunkte in ihrer Unterrichtsplanung zu berücksichtigen, die hinsichtlich ihres digitalen Potentials in der anschließenden Präsenzveranstaltung analysiert wurden. Auf dem Poster werden sowohl die konzeptionellen Grundideen als auch Einblicke der ersten Pilotierungsveranstaltung dieser Fortbildungsmaßnahme vorgestellt und als Diskussionsanregung genutzt, um über Gelingensbedingungen zur Integration digitaler Medien in eine phasenübergreifende Lehrerausbildung zu treten.

P5- Stephanie Neppl, Universität Regensburg: "Perspektivenübernahme in der Physikdidaktik - Studierende kooperieren mit Lehrkräften"

Ko-Autor: Prof. Dr. Karsten Rincke

Das Qualitätsoffensive Lehrerbildung-Projekt Perspektivenübernahme trainieren in der Physikdidaktik stellt die Perspektivenvielfalt verschiedener Akteure im Unterricht in den Vordergrund und regt an, deren Koordination bereits bei der Planung von Unterricht anzustreben. Interaktionen im schulischen Zusammenhang sollen für beteiligte Personen sinnvoll und angemessen gestaltet werden. Es wird angenommen, dass auch die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme notwendig ist, um Bedürfnisse der Interaktionspartner zu antizipieren und auf sie eingehen zu können. Für das Konzept der Perspektivenübernahme wird auf Theoriebestände zurückgegriffen, die bisher in der Lehrerbildung weniger Beachtung gefunden haben (z.B. symbolischer Interaktionismus (Blumer, 1973)). Sie werden mit Erkenntnissen zu Reflexionsfähigkeit (Dewey, 1933) und Erkenntnissen aus der Sozialpsychologie (Steins, 1990) in Beziehung gebracht. Auf der Basis der Definition von Perspektivenübernahme wird ein Seminarformat entwickelt, in welchem Studierende in Zusammenarbeit mit ihren Kommilitonen und einem Fachphysiker eine Lernumgebung gestalten. Verschiedene Gelegenheiten werden angeboten, sich bewusst auch mit den eigenen Perspektiven auseinanderzusetzen. Als Schnittstelle zwischen Universität und Schule dient eine Lehrerfortbildung, bei der die Studierenden ihre Überlegungen mit erfahrenen Lehrkräften diskutieren. Aus den Rückmeldungen und eigenen Eindrücken aus Hospitationen ziehen die Studierenden Rückschlüsse über das Gelingen ihrer Perspektivenübernahme. In einer qualitativen Interviewstudie werden durch leitfadengestützte, fokussierte Interviews (Wiedemann, 1987) persönliche Rückwirkungen des Seminars auf die Teilnehmenden ermittelt. Es wird zum einen untersucht, inwiefern die Studierenden bei der Planung von Unterricht Perspektivenübernahme im Sinne ihrer Definition angewendet haben. Zum anderen liegt ein Fokus auf der Wahrnehmung der Studierenden von ihrer Profession und ihrer Beziehung zum Studium.

P6- Tobias Plöger, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: "Aktuelle Forschung für die Schule - Summerschools als forschungsbasierte Fortbildungen für Lehrkräfte"

Ko-Autorinnen: Dr. Silke Rönnebeck und Dr. Katrin Schöps

Im Rahmen des Projektes LeaP@CAU werden an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) forschungsbasierte Fortbildungen für Fachlehrkräfte entwickelt, die ihnen Einblicke in aktuelle fachwissenschaftliche Forschungsvorhaben ermöglichen und sie darin unterstützen, das Gelernte im Umfeld der eigenen Schule umzusetzen. Zentraler Ansatz des Projektes ist es, aktuelle Themen aus den Forschungsschwerpunkten der CAU aufzugreifen und in Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Lehrkräften für den Unterricht aufzubereiten. Die Entwicklung der Fortbildungen erfolgt dabei in enger Kooperation der Forschungsschwerpunkte der CAU, der Fachdidaktiken des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, des Landesinstituts (IQSH) sowie der Kieler Forschungswerkstatt. In diesem Beitrag werden zwei Fortbildungen vorgestellt, die im Rahmen des Projektes entstanden sind bzw. zurzeit entstehen. Für beide Fortbildungen wurde das Format einer dreitägigen Summerschool gewählt, die den Lehrkräften die Möglichkeit bietet, Unterrichtsexperimente selbst auszuprobieren, sich in Fachvorträgen über aktuelle Forschung zu informieren, eigene Unterrichtsmaterialien zu entwickeln und sich mit Kolleg*innen auszutauschen. Als erste Fortbildung wurde in Zusammenarbeit mit dem Forschungsschwerpunkt Kiel Nano Surface and Interface Science eine Summerschool für Chemielehrkräfte zum Thema Nanotechnologie im Unterricht entwickelt und in den Sommerferien 2018 durchgeführt. Als zweite Veranstaltung entsteht zurzeit in Zusammenarbeit mit dem Forschungsschwerpunkt Societal, Environmental and Cultural Change eine Summerschool, die insbesondere Lehrkräften an Gemeinschaftsschulen einen archäologischer Zugang zu Themen des natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Unterrichts in den Klassenstufen 5-7 vermitteln soll. Der Beitrag wird Konzept, Struktur und Inhalte der Fortbildungen sowie Rückmeldungen der Lehrkräfte vorstellen.

P7- Thomas Zügge, Bergische Universität Wuppertal: "Lehrendenfortbildungen, kohärent gestaltet"

Ko-Autor: Dr. Oliver Passon

Im Rahmen des Projektes 'Elementarteilchenphysik kompetent und spannend unterrichten' (Teilprojekt QLB-Kohärenz in der Lehrendenbildung) wurde mit Beteiligten aus der Experimentellen Elementarteilchenphysik, der Fachdidaktik Physik und den Bildungswissenschaften gemeinsam ein entsprechendes Curriculum entwickelt. Beraten wurde die Projektgruppe dabei zusätzlich von einem Physikmoderator und -lehrer des Kompetenzteams Bergische Region. Das so entstandene Curriculum wurde im Rahmen von zweitägiggen Lehrendenfortbildungen an diese vermittelt. Der Umstand, dass die Entstehung des Curriculum ebenso von interdisziplinären Impulsen geprägt war, wie es die praktische Planung Lehrender im Alltag oft ist, sollte für die Teilnehmenden fruchtbar abgebildet werden. Entsprechend wurde ein Fortbildungskonzept erstellt, welches in schnellen Sprecherwechseln stetig unterschiedliche Perspektiven auf den zu Lernenden Gegenstand anbot. Eine enge Verknüpfung von Fachwissenschaft, Bildungswissenschaft und Fachdidaktik, die von den Lehrenden, welche an den Fortbildungen teilnahmen, in den Evaluationen immer überaus positiv bewertet wurde.

P8- Johanna Lowis Donath, PH Freiburg: "StiEL - Schule tatsächlich inklusiv Evidenzbasierte modulare Weiterbildung für praktizierende Lehr- und andere pädagogische Fachkräfte"

Ko-Autorinnen: Amelie Knoll und Jun.-Prof. Dr. Katja Scharenberg

Die Entwicklung eines inklusiven Schulsystems vor dem gesetzlichen Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention (United Nations, 2006) erfordert eine systematische Fortbildung der Pädagog*innen. Derzeit fühlen sich viele Lehrkräfte unzureichend für die Unterrichtung heterogener Lerngruppen vorbereitet (Avramidis & Norwich, 2002) und wünschen sich diesbezüglich Fortbildungen (Heimlich et al., 2016). Bestehende Angebote sind zumeist nicht wissenschaftlich evaluiert und adressieren fast ausschließlich Lehrkräfte (Amrhein & Badstieber, 2014), obwohl die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams eine wesentliche Bedingung für die erfolgreiche Umsetzung von inklusiver Bildung darstellt (Lütje-Klose & Urban, 2014). Unser Beitrag adressiert daher die Frage, wie evidenzbasierte Fortbildungen zum Thema Inklusion entwickelt, durchgeführt und hinsichtlich ihrer Wirkung evaluiert werden können. Im Rahmen des BMBF-geförderten Verbundprojekts StiEL (Pädagogische Hochschule Freiburg, Universität Bielefeld, Universität Potsdam) wird eine modularisierte Fortbildung für Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal (z.B. Sonderpädagog*innen) an allgemein- und berufsbildenden Schulen entwickelt. Die Modulentwicklung orientiert sich am aktuellen Forschungsstand sowie den Bedürfnissen der Pädagog*innen, die in Expert*innen-Interviews erhoben werden. Die Fortbildung wird in drei Bundesländern (Baden-Württemberg, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen) im Schuljahr 2019/2020 durchgeführt und in einem Mixed-Methods-Design mit Prä-Post-Erhebungen hinsichtlich ihrer Wirkung in Anlehnung an Lipowsky (2014) evaluiert. Anhand von zwei Interventionsgruppen (nur Lehrkräfte bzw. Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal) wird die Wirkung der Fortbildung auf Ebene der Teilnehmenden und der Schüler*innen untersucht. Unsere Evaluationsstudie stellt eine wichtige Grundlage zur systematischen Weiterentwicklung von Fortbildungen zum Thema Inklusion dar, um diese effektiv implementieren zu können.

P9- Dr. Gesine Boesken, Universität zu Köln: "Das Praxissemester in der Ausbildungsregion Köln: Institutionsübergreifende Planung und Durchführung von Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte"

Ko-Autoren: Lisa Lemke und Christian Friebe

Die Universität zu Köln bildet gemeinsam mit den kooperierenden Hochschulen in Köln (Deutsche Sporthochschule, Hochschule für Musik und Tanz), den fünf Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL Köln, Siegburg, Leverkusen, Engelskirchen und Jülich) und etwa 750 dazugehörigen Schulen die so genannte Ausbildungsregion Köln.

Mit der Einführung des Praxissemesters in NRW (LABG 2009) sind die AkteurInnen aller drei Lernorte erstmals systematisch miteinander in Kontakt getreten. Diese Zusammenarbeit wird organisatorisch durch das Zentrum für LehrerInnenbildung begleitet und ist Herausforderung und Chance zugleich. Trotz der Größe der Ausbildungsregion und der unterschiedlichen institutionellen ‚Kulturen’ arbeiten die AkteurInnen an vielen Stellen immer wieder eng und erfolgreich zusammen. Im Rahmen dieser institutionsübergreifenden Kooperation ergeben sich zahlreiche Synergieeffekte, die sich auf alle Lernorte auswirken und von denen alle AkteurInnen profitieren (vgl. auch Boesken/Friebe 2018, https://zfl.uni-koeln.de/ps-materialien.html).

Konkret wurden im Zuge dieser Kooperation verschiedene institutionsübergreifende Veranstaltungen und Formate entwickelt. Das Poster gibt exemplarisch Einblick in eines der Fortbildungsformate: Das Forum der Ausbildungsbeauftragten findet seit der ersten Durchführung des Praxissemesters (WiSe 14/15) jährlich statt und richtet sich an die Ausbildungsbeauftragten und -lehrkräfte der Praxissemesterschulen sowie interessierte KollegInnen aus Hochschule und ZfsL. Seit dem WiSe 17/18 wird das Forum gemeinsam von einer Pilotgruppe geplant und durchgeführt, die sich aus AkteurInnen aller drei Lernorte (Uni, ZfsL, Schule) zusammensetzt. Der Fokus der Veranstaltung liegt auf dem institutionsübergreifenden Austausch und der gemeinsamen Arbeit an zentralen inhaltlichen Aspekten des Praxissemesters (u.a. Forschendes Lernen, Eignungsreflexion).

P10- Jovita Lisa Brose, Berlin: "Lerntherapie in der Schule - ein funktionierendes Kooperationsmodell?"

Immer mehr meiner engagierten Kolleginnen und Kollegen im System Schule erleben ihre Arbeit als herausfordernd und fühlen sich allein gelassen in Konflikten. Sie wissen viel zu wenig von dieser Art der Kooperation. Alle Kinder sind zunächst motiviert Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen.  Gleichzeitig zeigen viele Kinder bereits in den ersten Schuljahren deutliche Verhaltensweisen, die darauf hinweisen, dass sie eine Lernschwäche entwickeln. Oft erlebten sie bereits Negativerfahrungen im Bereich Lesen/Schreiben und Rechnen. Sie verweigern die Hausaufgaben- und Lernsituationen mit den Eltern zu Hause und kommen in der Schule immer weniger mit. Sie entwickeln Lernschwächen. Ist es unabdingbar oder können wir präventiv in der Lehrerausbildung daran arbeiten? Denn auch immer mehr Pädagogen zeigen ihre Not.  Ich arbeite als Lehrerin und Lerntherapeutin in diesen zwei Rollen auch an zwei verschiedenen Berliner Schulen. In dem 20 minütigen Vortrag möchte ich die schulintegrierte Arbeit am Modell einer Berliner Grundschule vorstellen. Es ermöglicht die direkte Einbindung der Lerntherapie in das Lernumfeld Schule und damit ist ein kontinuierlicher und enger fachlicher Austausch, eine Kooperation, mit den Lehrkräften gegeben. Regelmäßige Beratungsgespräche mit den Eltern und auch gemeinsame Gespräche mit Eltern und Lehrkräften stützen die therapeutische Arbeit und zeichnen dieses Kooperationsmodell aus.

P11- Prof. Dr. Katja Kansteiner, PH Weingarten: "Konsequenzen der Fortbildungskooperation mit der Hochschule für die Entwicklung und Gestaltung Professioneller Lerngemeinschaften von Schulleiter*innen"

Ko-Autoren: Maria Rist und Christoph Stamann

Professionelle Lerngemeinschaften von Schulleiter*innen (SL-PLGn) sind als Instrument der Führungskräfteentwicklung kaum bekannt, während Lehrkräfte-PLGn viel diskutiert werden (Warwas & Helm, 2018; Holtappels, 2013). Im Projekt HeadsUP begleitet die Pädagogische Hochschule Weingarten seit 2016 Schulleiter*innen bei der Erprobung regionaler SL-PLGn. Im angeschlossenen Forschungsprojekt Professionalisierung von Führungs- und Lehrkräften über Professionelle Lerngemeinschaften wird auf der Basis der Grounded Theory Methodology (Strauss & Corbin, 1996; Breuer, 2017) ihre Etablierung untersucht. Die Ko-Konstruktion spielt hinsichtlich des Erkenntnisgewinns dabei in zweierlei Hinsicht eine besondere Rolle. Zum einen stehen ko-konstruktive Prozesse zwischen Hochschule und den Fortbildungsteilnehmer*innen, die sonst Angebote der schulaufsichtlichen Führungskräfteentwicklung wahrnehmen, im Fokus. Erkenntnisse des iterativen Forschungsprozesses zeigen, dass die Professionalisierungsinitiative von außerhalb der schulsystemimmanenten Fortbildungslandschaft zu einer besonders eigenständigen Rolle der Teilnehmer*innen und einer spezifischen Entwicklung der SL-PLGn führt. Dies erzeugt zum zweiten eine spezifische Art der Kooperation und Ko-Konstruktion in Bezug auf die Wertschöpfung innerhalb der PLG-Arbeit und eine Adaption der Interessen des/der Einzelnen im Hinblick auf das Ko-Konstruierte wird sichtbar. Als Zwischenbilanz der zweijährigen Projektarbeit ist zu erkennen, dass gemeinsam mit Verbündeten außerhalb des alltäglichen Arbeits- und Wirkungssystems zu lernen sowie dieses Lernen thematisch und methodisch außerhalb schulaufsichtlicher Interessen mitsteuern zu können, eine besondere Wertschätzung aber auch Herausforderung erzeugt. Die Einblicke regen dazu an, die Bedeutung externer Fortbildungsangebote und -anbieter im Bereich schulischer Führungskräfte und mögliche Konsequenzen einer hierarchisch initiierten Etablierung von Lehrkräfte-PLGn zu diskutieren.

P12- Michael Felten (Köln), Initiative Unterrichtsqualität IUQ: "Lernwirksamer unterrichten - oder: Hic schola, hic salta!"

Lehrkräfte sind durchaus fortbildungsinteressiert, halten aber viele bisherige Angebote für zu wenig praktikabel, zu wenig langfristig angelegt, zu wenig kollegial orientiert. Das liegt nicht zuletzt am Scheitern früherer Schulentwicklungskonzepte, die sich zu viel von formaler Organisationsentwicklung versprochen haben (Schlee 2013) oder von idealisierten Schülerbildern ausgingen (Wellenreuther 2009).
Über einen Zeitraum von 7 Jahren wurde im Rahmen von mehr als 200 Schulentwicklungstagen der subjektive Weiterbildungsbedarf von Lehrern ermittelt. Als Hauptinteressen erwiesen sich: Möglichkeiten tiefenwirksamen Plenumsunterrichts, alltagstauglicher Umgang mit Leistungsheterogenität, Relevanz und Spektrum von Feedbackkultur, Entwicklungsmöglichkeiten der Lehrer-Schüler-Beziehung, störungspräventive Klassenführung sowie Expertise im Umgang mit „schwierigen“ Schülern.
Die Erfahrung zeigt, dass Unterrichtsqualität wie Lehrergesundheit im Alltag auf drei Ebenen unterstützt und gesteigert werden kann: durch Aufklärung über den aktuellen Wissensstand zu den Prinzipien effektiven Lehrens und Lernens (bspw. Hattie-Befunde vs. Selbstlernparadigma), durch deren langfristige Implementierung mittels verbindlicher Fachschaftsarbeit - sowie durch stärkere Fokussierung der emotionalen Aspekte des Unterrichtens (Felten 2016).
Seit 2018 sammelt und präsentiert die Plattform IUQ (www.initiative-unterrichtsqualitaet.de) in diesem Sinne forschungsbasierte Weiterbildungsimpulse für ganze Lehrerkollegien wie einzelne Fachschaften.

Drei parallele Foren Freitag:

E) Ko-Konstruktion und Kooperation in der ENTWICKLUNG von Fort- und Weiterbildungen:

EF1 - Carola Nieß, TU Kaiserslautern: „Vom Fortbildungskonzept zum digitalen Lehrkräftebildungsleuchtturm: Kooperation in Entwicklung und Durchführung von Aus- und Fortbildungsveranstaltungen in der Lehrkräftebildung"

Ko-Autor: Prof. Dr. Jochen Kuhn

Medienkompetenz ist als elementare Kernkompetenz unserer digitalen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und ist eine Voraussetzung für einen selbstbestimmten Umgang mit Medien. Bezogen auf Schule und Unterricht ermöglichen digitale Medien neue Lehr- und Lernformen, führen zu neuartigen didaktischen Konzepten und unterstützen individuelle Lernprozesse (vgl. Glade et al. 2019). Vermittlung von Medienkompetenz ist somit eine Kernaufgabe der Lehrkräftebildung, wie auch die KMK mit ihrer Digitalisierungsstrategie 2016 aufzeigt. Allerdings zeigen Ergebnisse vergleichender empirischer Studien wie ICILS 2013 oder ICILS 2018 (Eickelmann 2017) Vorbehalte deutscher Lehrkräfte gegenüber dem Einsatz digitaler Medien bzw. die Notwendigkeit des Ausbaus von Medienkompetenzen in allen Phasen der Lehrkräftebildung. An dieser Stelle setzt das Projekt MeSUS (Medienbildung an der Schnittstelle von Universität und Studienseminar) an, mit dem Kompetenzen im Bereich Digitalisierung bei MINT-Lehrkräften ausgebaut werden sollen. Ziel ist, durch eine phasenvernetzende Aus- und Fortbildung, bei Lehramtsstudierenden und den an der Ausbildung beteiligten FachleiterInnen und AnwärterInnen Kompetenzen zum Einsatz digitaler Medien im MINT-Unterricht auszubauen und deren Professionalisierung zu fördern. Dazu werden zwei Module umgesetzt (Fortbildung für FachleiterInnen und ReferendarInnen, Vernetzung universitärer Lehrveranstaltungen mit Fachseminaren an den Studienseminaren) und formativ evaluiert. Das Projekt wird im Rahmen einer strukturellen Vernetzung mit weiteren Beteiligten Studienseminaren und Ausbildungsschulen zu einem Modellprojekt mit Leuchtturmcharakter ausgebaut und hinsichtlich Transferierbarkeit auf andere Standorte verstetigt. Im Vortrag werden das in Kooperation zwischen Universität und Studienseminaren entwickelte Konzept der wissenschaftlich fundierten, phasenvernetzenden Aus- und Fortbildung und erste Evaluationsergebnisse vorgestellt.

EF2 - Tina Waschewski, Leuphana Universität Lüneburg: "Auswirkungen phasen-und institutionenübergreifender Kooperation auf universitäre und schulische Lehre"

Ko-Autorin: Lina Bürgener

Pädagogische und (fach-)didaktische Innovationen erhalten nur mühsam Einzug in die schulische Praxis (vgl. Gräsel 2011, 88). Dieser Umstand ist im Kern der Dreiteilung der Lehrkräftebildung zuzuschreiben, da die drei Phasen weitgehend unverbunden nebeneinander und zum Teil auch gegeneinander arbeiten, was eine Unzufriedenheit bei allen Akteursgruppen zur Folge hat (vgl. Jürgens 2006). Häufig fehlt den praktizierenden Lehrkräften die Anbindung an neuere Forschungsergebnisse und es mangelt an Zeit und Unterstützung, um diese zu durchdringen und umzusetzen. Um Innovationen in die schulische Praxis zu tragen, zu verstetigen und bestenfalls zu multiplizieren, bedarf es offenbar anderer Formate als die traditionellen Fort- und Weiterbildungen sowie eine auf Langfristigkeit ausgelegte, enge und hierarchiearme Kooperation zwischen Theorie und Praxis. Die institutionen- und phasenübergreifende Kooperation in den transdisziplinären Entwicklungsteams des durch die Qualitätsoffensive Lehrerbildung geförderten ZZL-Netzwerks an der Leuphana Universität Lüneburg verfolgt einen entsprechenden Ansatz: Die Zusammenarbeit in den Entwicklungsteams zielt darauf ab, Expertisen und Perspektiven zentraler an der Lehrkräftebildung beteiligter Akteur_innen in die Erarbeitung innovativer Konzepte, Lehr-Lern-Arrangements und Materialien für die universitäre sowie schulische Praxis einzubringen, um somit den Hürden der dreigeteilten Lehrerbildung entgegenzuwirken. Im Vortrag werden anhand erster Ergebnisse aus der Begleitforschung die Potentiale einer solchen Kooperation zwischen Schule und Universität für die Initiierung von Entwicklungs- und Veränderungsprozessen sowohl in der schulischen Praxis als auch in der universitären Lehre dargestellt. Exemplarisch wird hierfür die Zusammenarbeit in den Entwicklungsteams Deutsch und Sachunterricht skizziert und der Mehrwert aus diesem innovativen Kooperationsformat im Hinblick auf die Verbesserung der Lehrkräftebildung zur Diskussion gestellt.

EF3 - Prof. Dr. Andreas Köpfer, PH Freiburg: „Schulentwicklung am Fall Kasuistische Konzeption inklusionsorientierter Fortbildungen auf Basis von Schulbegleitforschung"

Ko-Autorin: Charlotte Rott-Fournier

Schulen weiterzuentwickeln, um die Teilhabe an Lernen für alle Beteiligten zu erhöhen, ist eine Aufgabe, die seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verstärkte Aufmerksamkeit erhält. Dabei spielen Lehrkräfte neben Schulleitenden eine entscheidende Rolle und die Bedeutsamkeit ihrer Aus- und Fortbildung gerät in den Blick.

Inklusionsorientierte Weiterentwicklung von Bildungsorganisationen wird nach dem Index für Inklusion (Booth & Ainscow 2017) als fortwährender Prozess der reflexiv-rekonstruktiven Auseinandersetzung mit Kulturen, Strukturen und Praktiken verstanden, um Maßnahmen der Veränderung zu entwickeln. Wissenschaftliche Erkenntnisse können in diesem Verständnis nicht schematisch angewandt werden, sondern bedürfen fallbezogener Reflexion (vgl. Hummrich 2016). In einem solchen kasuistischen Prozess von Schulentwicklung und Lehrer*innen(-fort-)bildung können einerseits fallbezogene Erkenntnisse gewonnen werden sowie andererseits die alltägliche Praxis bezogen auf Inklusion/Exklusion analysiert werden.

Im Lehr-Forschungs-Projekt FRISBI  Freiburger inklusive Schulbegleitforschung beschäftigen sich Lehrpersonen aus Partnerschulen, Studierende und Dozierende forschungsbasiert mit Fragestellungen zu Inklusion aus dem jeweiligen Schulkontext. Die Ergebnisse der schulbezogenen Mikrostudien bieten Ansatzpunkte und Impulse für inklusionsbezogene Schulentwicklung.

In diesem Vortrag werden konzeptuelle Überlegungen kasuistischer Fortbildungen für Einzelschulen basierend auf Ergebnissen inklusiver Schulbegleitforschung vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmenden hinsichtlich deren Chancen und Herausforderungen für Schulentwicklung diskutiert.

A) Ko-Konstruktion und Kooperation in der wissenschaftlichen Fortbildungspraxis – ANGEBOTE:

AF1- Daniela Rzejak , Universität Kassel: "Als Team gemeinsam den Herausforderungen schulischer Heterogenität begegnen: Erste Befunde aus der Evaluation der schulinternen Fortbildung Vielfalt fördern"

Ko-Autor: Prof. Dr. Frank Lipowsky

Die Zusammenarbeit von Lehrkräften stellt sowohl ein Ziel von Fortbildungen dar als auch eine Voraussetzung für ko-konstuktive Lernprozesse und eine Rahmenbedingung für den Transfer der Fortbildungsinhalte in die schulische Praxis.

Im Schuljahr 2013/2014 haben Kollegien aus 21 Schulen aus fünf Regionen in Nordrhein-Westfalen mit der schulinternen Fortbildung Vielfalt fördern begonnen. Die ca. zweijährige Fortbildung umfasste vier Module. Das erste Modul sah eine kollegiale Unterrichtsentwicklung durch die teilnehmenden Kollegien vor. Kollegiale Unterrichtshospitationen,  die auch als ein Kernmerkmal von professionellen Lerngemeinschaften gelten,  bildeten hierfür das Herzstück dieses Moduls. In dem zweiten Modul setzten sich die Lehrpersonen mit Fragen und Anwendungen schulbezogener Diagnostik auseinander. Die beiden Module 3 und 4 fokussierten auf Fragen des Lernens und Lehrens. Hierbei ging es u.a. um Aufgabenstellungen zur Differenzierung und um die Förderung von selbstgesteuertem Lernen. Die Lehrpersonen arbeiteten während der Fortbildung Vielfalt fördern in Klassen-, Jahrgangs- oder Fachteams zusammen (Müncher & Sturm-Schubert, 2015).

Um die Wirkungen der Fortbildung zu untersuchen, wurde ein quasi-experimentelles Evaluationsdesign unter Einbezug einer unbehandelten Kontrollgruppe von 16 Schulen gewählt. Orientiert an dem Vier-Ebenen-Modell von Kirkpatrick (1994) wurden Wirkungen von Vielfalt fördern bis auf die Ebene von affektiv-motivationalen und kognitiven Entwicklungen von Schülerinnen und Schülern in den Fächern Mathematik und Deutsch untersucht. Erste Befunde dieser Evaluationsstudie sollen im Rahmen des Vortrags präsentiert werden.

AF2- Prof. Michael Kahlhammer, PH Salzburg: "LIFT!UP Lernen in Fachteams zur Unterrichtspraxis - Ein innovatives Fortbildungskonzept zur systemischen, standortbezogenen Unterrichtsentwicklung"

Ko-Autor: Klaus-Michael Rühland

Der Fortbildungsprototyp für die Neuen Mittelschulen im Bundesland Salzburg nimmt das prozessorientierte gemeinsame Lernen von Lehrer_innen eines gesamten Fachteams in den Blick. Es handelt sich dabei um ein standortbezogenes Unterstützungsangebot zum Lernen von- mit- und füreinander, das Schul(fach)teams in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik verbindet. Die Idee: Systemische Unterrichts- bzw. Schulentwicklung durch Implementierung Professioneller           Lerngemeinschaften im Rahmen der Fortbildung Aktuelle Ergebnisse der Veränderungs- und Fortbildungsforschung rücken das gemeinsame Lernen als besonders wirksam in den Mittelpunkt. Dabei liegt der Fokus auf dem Lernen und der Weiterentwicklung des gesamten Fachteams eines Schulstandortes. Das systemübergreifend und -verbindend konzipierte Format trägt dem im Sinne einer Professionellen Lerngemeinschaft Rechnung und fokussiert auf das Lernen in Fachteams und zwischen Fachteams. Das Angebot geht über das einzelne Fachteam hinaus und nimmt den speziellen Aspekt des Blicks über den Zaun auf. Andere Erfahrungen, Rahmenbedingungen und vielfältige Zugänge aus unterschiedlichen Schulen ermöglichen eine Reflexion der eigenen Praxis und zeigen die Weisheit der Vielen. Das Ziel: Erhöhung der Wirksamkeit von Fortbildung für die Unterrichts(kultur)entwicklung als    innovativer Ausgangspunkt einer Schulentwicklung.Ziel des neuen Fortbildungsformats ist es, das gemeinsame Lernen der gesamten Fachgruppe eines Schulstandorts durch das schulübergreifende, mehrteilige Fortbildungssetting zu unterstützen. Die Verschränkung von Input-, Erprobungs- und Reflexionsphasen ermöglicht eine Unterrichtsentwicklung sowohl auf Ebene des Fachteams, als auch auf individueller Ebene. Außerdem kann dieses neu konzipierte Fortbildungsformat aufgrund der parallel stattfindenden Auseinandersetzung mit Entwicklungsthemen einzelner Fachteams eines Schulstandorts eine bedeutsame Rolle bei der Schulentwicklung spielen.

AF3- Saskia Opalinski, Pädagogische Hochschule Freiburg: "Der berufsbegleitende Masterstudiengang Unterrichts- und Schulentwicklung Vorstellung des Konzepts und Befunde aus der Begleitforschung"

Ko-Autoren: Dr. Daniel Kittel, Dr. Patrick Blumschein und Prof. Dr. Wolfram Rollett

Der seit 2014 von der Pädagogischen Hochschule Freiburg angebotene berufsbegleitende Masterstudiengang Unterrichts- und Schulentwicklung stellt ein Weiterbildungsangebot für Lehrkräfte aller Schularten dar. Es handelt sich um einen Teilzeitstudiengang mit einer Regelstudienzeit von vier Semestern und Studiengebühren in Höhe von 1500 Euro pro Semester. In der didaktischen Konzeption als blended-learning-Studiengang werden Präsenzphasen (4 SWS pro Semester) mit Phasen des Selbststudiums kombiniert. Ein für den Kompetenzerwerb der Studierenden zentrales didaktisches Element ist das Lerncoaching. Diese Beratungsform fokussiert auf die individuellen Lernprozesse der Studierenden und nimmt die Passung zwischen den Studierenden einerseits und dem Studienangebot andererseits in den Blick (Nicolaisen, 2017).

Im Rahmen des Beitrages werden die spezifischen Herausforderungen bei der Gestaltung eines solchen berufsbegleitenden Weiterbildungsangebotes für Lehrkräfte auf Basis der Erfahrungen mit zwei Studienkohorten skizziert und durch zentrale Befunde der Begleitforschung ergänzt. Letztere zeigte, dass ein wenig konkreter Wunsch nach persönlicher Veränderung bei den Studierenden vordergründig zu sein scheint (Kittel & Rollett, 2017b). Gleichzeitig führen die oftmals konfligierenden Anforderungen aus Berufstätigkeit, Studium und familiären Verpflichtungen zu nicht unerheblichen Belastungen der Studierenden (Kittel & Rollett, 2017a). Sie scheinen durchaus geeignet Lehrkräfte von der Aufnahme eines Studiums abzuhalten oder den Studienerfolg zu gefährden. Umso erfreulicher sind die bisher relativ hohe Abschluss- bzw. vergleichsweise niedrige Abbruchquote. Gleichzeitig konnte die Begleitforschung bei den Studierenden im Verlauf des Studiums eine deutliche Weiterentwicklung der Reflexionskompetenz sowie der forschungsmethodischen Kompetenzen nachweisen (Kittel & Rollett, 2017c; Kittel, Rollett & Groß Ophoff, 2017).

R) Förderung und Hemmnisse von Ko-Konstruktion in der Fort- und Weiterbildung – RAHMENBEDINGUNGEN:

RF1- Prof. Dr. Doris Jorde, University of Oslo: "Integrated Science Teacher Education at the University of Oslo – from Fragmentation to Integration"

Ko-Autorin: Cathrine Wahlstrøm Tellefsen

The University of Oslo implanted the government mandated 5 year integrated teacher education program for grades 8-13 in 2014. The actors in the program include teacher education students, academic staff at five faculties and practicing teachers in schools. In this paper we concentrate on science teacher education with connections between the Faculty of Mathematics and Natural Science and the Faculty of Education). In a period of five years, students are introduced to subject, subject didactics, pedagogy and practice. We will present the “Oslo model” from two perspectives: 1)the system level for organization as seen by those who deliver courses and work with students in their school practice and 2) the student perspective as they navigate through different knowledge domains on their way to developing a professional identity as science teacher.
We are concerned about the different knowledge domains the science teacher education meets within the Oslo model. The contrast between research and methodology within science and pedagogy (social sciences) may be problematic for science students and those delivering and assessing students. We will present projects that help to bridge these gaps, including a better connection to the practice field, increased courses including “fagdidaktikk” connected to discipline subjects, increased use of science examples in pedagogical courses and increased concentration on writing the school science master degree.

RF2- Christian Jäntsch, Universität Potsdam: "Es gibt überhaupt keine Barrieren, diese Fortbildungen zu besuchen. - Wie in Schulen Fortbildungen organisiert werden."

Ko-Autoren: Dr. Jochen Kleres und Dr. Martin Dege und Prof. Dr. Michel Knigge

Im Hinblick auf die Umsetzung der schulischen Inklusion fühlen sich Kollegien allgemeiner Schulen nur unzureichend auf den Umgang mit einer heterogener werdenden Schülerschaft vorbereitet (Seitz & Haas, 2015). Mithin ist die Teilnahme an entsprechenden Fortbildungsangeboten unbedingt notwendig, um inklusiven Unterricht zu realisieren (Stellbrink, 2012).

Es gibt eine Vielfalt unterschiedlicher Fortbildungskonzepte (Amrhein, 2015). Eine erste Herausforderung für die Lehrkräfte besteht darin, eigene Bedarfe zu erkennen und entsprechende Angebote zu finden. Eine weitere Herausforderung ist, dass unterschiedliche, gleichsam in Konkurrenz zueinander stehende, Schwerpunkte bestehen, die eine Prioritätensetzung erfordern (Richter et al., 2013). Darüber hinaus stellen (als knapp empfundene) personelle und zeitliche Ressourcen externale Faktoren dar, die als Barrieren für die stete Weiterentwicklung des schulischen Personals wirken (Richter et al., 2018).

Im vorliegenden Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie in Schulen der Bedarf ermittelt bzw. die Fortbildungsteilnahme organisiert wird. Die Grundlage dafür bilden Interviewdaten, die im Rahmen des vom BMBF-geförderten Projektes StiEL - Schule tatsächlich inklusiv, erhoben wurden. Das Verbundprojekt zwischen der Pädagogischen Hochschule Freiburg und den Universitäten Bielefeld und Potsdam hat zum Ziel, ein modular aufgebautes Fortbildungskonzept zu entwickeln, wobei unbedingt die Perspektive der Schulen berücksichtigt werden sollen. Mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse werden die Aussagen der interviewten Lehrkräfte und Schulleitungen inhaltlich strukturiert.

Im Ergebnis zeigt sich bspw., dass die vorliegenden Strukturen auf der Angebotsseite bisweilen als wenig zufriedenstellend beurteilt werden. Hier erscheint es u.a. sinnvoll, für die Realisierung einer fortlaufenden Lehrkräfteentwicklung zentrale Strukturen zu etablieren, die ein umfassendes und unmittelbar zugängliches Angebot bereitstellen.

RF3- Dr. Renate Schüssler, Universität Bielefeld; Bielefeld School of Education: "Phasenverbindendes Lernen in der LehrerInnenfortbildung als Ko-Konstruktion und Kooperation."

Ko-Autorinnen: Saskia Schicht und Sabrina Hermann

In Form eines umfangreichen Workshopprogramms entwickelt die Bielefeld School of Education Formate, in denen ko-konstruktive und kooperative Settings in einem phasenverbindenden Design stattfinden. Das ca. 30-40 Angebote umfassende Programm, das halbjährlich erscheint, adressiert Akteure der ersten, zweiten und dritten Phase der LehrerInnenbildung als Teilnehmende und ReferentInnen. Die phasenverbindenden Lernsettings sollen eine produktive wechselseitige Verknüpfung von Theorie, Forschung und Schulpraxis ermöglichen. Mittlerweile spiegelt sich dieses Design auch im Namen wider: BiConnected  Phasenverbindendes Lernen  Impulse für den Schulalltag.

Die phasenverbindende Ausrichtung bietet Mehrwerte für schulische Praxis und LehrerInnenausbildung. Erstens wird der Transport von Anliegen der ersten Phase  wie etwa Inklusion und Forschendes Lernen  durch die Qualifizierung schulischer Akteure systematisch gestärkt. So kann z.B. zu einem forschungsoffeneren Klima an Schulen beigetragen werden, um die Umsetzung von Praxisphasen zu unterstützen. Zweitens sollen Berührungsängste und Abgrenzungsverhalten (Jetzt vergessen Sie mal alles...) abgebaut werden. Drittens ermöglicht der inhaltliche Austausch multiperspektivische Blickwinkel, die zu einem vertieften Verständnis von wissenschaftlichen und didaktischen Inhalten beitragen können. Viertens wird die Vernetzung und Kooperation zwischen den an der LehrerInnenbildung beteiligten Institutionen intensiviert und gestärkt.

Insgesamt bietet universitäre LehrerInnenfortbildung viel inhaltliches Potential, findet aber gleichzeitig unter schwierigen organisatorischen Rahmenbedingungen statt. Vor diesem Hintergrund werden im Vortrag die Genese des phasenverbindenden Ansatzes skizziert, aktuelle thematische Programmschwerpunkte wie z.B. Schule der Vielfalt und LehrerInnengesundheit erläutert, Befunde aus der formativen Evaluation vorgestellt und Entwicklungsperspektiven zur Diskussion gestellt.

Fishbowl-Diskussion:

mit Thesen aus den fünf Diskussionsforen

Diskussion der pointierten Thesen aus den fünf Diskussionsforen.
In einer Fishbowl-Diskussion stehen Diskussionsplätze in einem Kreis zur Verfügung, während die übrigen Teilnehmer*innen rundherum sitzen (wie rund um ein Goldfischglas). Diese Methode sieht vor, dass die Teilnehmer*innen der Diskussionsrunde wechseln: es gehen welche raus und es kommen welche rein, je nachdem, wer was zum Thema sagen möchte. In unserer durch Prof. Dr. Karsten Rincke moderierten Fishbowl-Diskussion werden wir die pointierten Thesen der fünf Diskussionsforen diskutieren - jede*r aus der Runde kann einen freien Platz in der Fishbowl einnehmen und wieder verlassen, es gibt einen fliegenden Wechsel der Diskutant*innen. Wir freuen uns auf einen anregenden Austausch.


Anmeldung:

Die Online-Anmeldung ist abgeschlossen.
Kurzentschlossene können sich gerne noch am Veranstaltungstag anmelden:
Do, 14.03.2019 um 12:00 Uhr in der Aula der Pädagogischen Hochschule Freiburg.