Schüler*innen mit heilpädagogischen Diagnosen: Besonderheiten verstehen und berücksichtigen

Schüler und Schülerinnen mit heilpädagogischen Diagnosen wie Autismus, Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts)-Syndrom (ADS/ ADHS), Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) etc. besuchen, wie es ihr gutes Recht ist, den Unterricht in der Regelschule. Die Lehrkräfte sind dafür jedoch oft nicht aus- oder weitergebildet. Dadurch entstehen große Herausforderungen im Beziehungsaufbau: Unterrichtende fühlen sich provoziert, Schüler*innen nicht verstanden, die Klassengemeinschaft wirkt irritiert. Für alle Beteiligten wird Schule anstrengend, unter Umständen angstbesetzt. Diese Fortbildung soll ein Baustein zur Unterstützung von Lehrkräften im Umgang mit dieser Herausforderung sein.

Haben Sie schon einmal erlebt, dass… (bitte aufklappen)

  • ein Kind in ihrer Klasse laut lacht, wenn Ihnen etwas herunterfällt oder ein anderes Kind sich weh tut? Kinder mit Autismus reagieren oft paradox.
  • Schüler*innen bei jeder – aus deren Perspektive- herausfordernden Aufgabe sagen, dass sie keine Lust haben oder zu stören beginnen oder Ihnen zu sagen, was Sie falsch machen? Verwöhnte Kinder haben zu wenig Erlebnisse von Selbstwirksamkeit und damit wenig Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, Situationen bewältigen zu können – sie scheuen sich vor Misserfolg.
  • Schüler*innen Ihnen mit Ablehnung oder Misstrauen begegnen, obwohl Sie es besonders gut mit ihnen meinen? Kinder, die in Beziehungen von Erwachsenen enttäuscht wurden, z.B. durch Gewalt oder Missbrauch, vermeiden gelingende Beziehungen, um nicht wiederholt enttäuscht zu werden. Oder um Täter zu schützen.
  • Schüler*innen trotz wiederholter Ermahnung immer wieder reinrufen, wenn Sie sprechen oder vom Platz aufstehen, während Sie eine Aufgabe erklären? Kinder mit ADHS haben trotz großer Anstrengungen Schwierigkeiten, ihre Impulse zurückzuhalten und über längere (subjektiv erlebt) Zeit ihre Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, was sie nicht zutiefst interessiert.
  • ein*e Schüler*in Ihrer Klasse Sie permanent „provoziert“ oder beschäftigt? Immer mehr Kinder brauchen Ihre Aufmerksamkeit, Ihre Zuwendung und Ihre Bestätigung. Die Mittel, dies zu erreichen, sind manchmal kontraproduktiv oder beinhalten eine Prüfung für Sie als Lehrperson: lässt er/sie mich auch dann nicht fallen, wenn…?
  • Sie denken „das habe ich jetzt doch schon dreimal gesagt, warum hören die nicht zu?“ Viele Kinder, aber insbesondere Kinder mit Down-Syndrom, ADHS oder Autismus haben Schwierigkeiten, Ihre Worte nicht nur als Geräusche, sondern als Kommunikation mit einer Botschaft wahrzunehmen bzw. einzuordnen.

Wir versuchen gemeinsam, herausforderndes Verhalten zu verstehen und Mittel zu entwickeln, die Schüler*innen in ihrem Lern- und Sozialverhalten unterstützen. Zu Ihrer Unterstützung im Umgang mit diesen Herausforderungen.

Inhalt:

  • Autismusspektrumsstörung, AD(H)S, Verwöhnung/Verwahrlosung, Traumatisierung
  • Beziehungsaufbau durch Interesse und Verstehen
  • Ausgewählte Methoden zur Verbesserung des Lern- und Sozialverhaltens in der Klasse (u.a. banking-time, unterstützte Kommunikation, Ressourcenprofil, Selbsterziehung)

Die Teilnehmenden erproben zwischen den Fortbildungsterminen die Methode der „banking-time“. Die Erfahrungen damit werden beim nächsten Termin gemeinsam reflektiert. Sie experimentieren mit der eigenen Haltung und führen dazu ein Lerntagebuch.

Ziele: die Teilnehmenden...

  • können einige ausgewählte heilpädagogische Diagnosen beschreiben
  • entwickeln Verständnis für die besonderen Lern-Bedingungen dieser Kinder und Jugendlichen
  • können förderliche Beziehungen aufbauen
  • können ausgewählte Methoden für den Umgang mit herausforderndem Verhalten anwenden

Referentin: 

Eva-Maria Schnaith war 17 Jahre als Heilpädagogin in einer Wohngruppe mit Kindern und Jugendlichen mit kognitiven Beeinträchtigungen tätig. Nach 18 Jahren als Dozentin für Sozialpädagogik an der Höheren Fachschule in Dornach, Schweiz, arbeitet sie seit 2018 wieder direkt mit erwachsenen Menschen mit Behinderung am Buechehof, in Lostorf, Schweiz. Verheiratet mit einem Realschullehrer entstand die Einsicht, dass der Paradigmenwechsel zu Integration und Inklusion die Befähigung der Lehrkräfte allgemeinbildender Schulen unbedingt benötigt.

Termine:Mi, 11.03.2020, 14 – 18 Uhr
Mi, 01.04.2020, 14 – 18 Uhr - abgesagt! Wird neu terminiert
Mi, 29.04.2020, 14 – 18 Uhr - abgesagt! Wird neu terminiert
Ort:Pädagogische Hochschule Freiburg
Termine 1 + 2: Mensa Zwischendeck, Seminarraum 032
Termin 3: KG 6 (Musiktrakt), Raum 004
Adressat*innen:Lehrkräfte aller Fächer
Schulart:Schularten der Sekundarstufe I
Teilnahmebeitrag:kostenfrei
Bescheinigung:1 ECTS (inkl. Selbststudienzeit)
Leitung:Eva-Maria Schnaith, Buechehof Lostorf, Schweiz
Kontakt:Organisatorisch: weiterbildung(atnospam)uni-ph.face-freiburg.de oder  lehrerfortbildung(atnospam)ph-freiburg.de, Tel.:0761-682-644 oder-544
Inhaltlich: eschnaith(atnospam)posteo.de
Veranstaltet von:

„Praxisvernetzung & Fort- und Weiterbildung" im Freiburg Advanced Center of Education FACE - School of Education der Pädagogischen Hochschule, der Albert-Ludwigs-Universität und der Hochschule für Musik Freiburg www.face-freiburg.de

Anmeldung:ist abgeschlossen