Inhalte und methodische Konzeption der Veranstaltung

a)      Unterrichtsvorbereitung

Was den Studierenden bei der Unterrichtsvorbereitung besonders schwer fällt, ist eine Integration theoretischer Modelle in ihre Planung. Theoriegeleitete Entscheidungen bilden die Basis professionellen Lehrerhandelns – im Unterschied zu einer intuitiven, auf eigenen Erfahrungen basierenden Herangehensweise. Und dies betrifft zunächst einmal die Planung von Unterricht (und später natürlich auch die Reflexion).

Studierende haben in verschiedenen Seminarveranstaltungen bereits eine breite Wissensbasis erworben, diese muss jedoch mit der praktischen Tätigkeit vernetzt werden. Es bliebe viel Potential ungenutzt, wenn die Bedeutung theoretischen Wissens für das Agieren in der Praxis nicht deutlich gemacht wird. Eine Unterstützung der Studierenden bei der Unterrichtsplanung führt dazu, dass sie

-          … den Mehrwert einer theoriefundierten Planung erkennen

-          … im Unterricht sicher auftreten können, weil sie eine solide Stundenplanung erlebt haben. Das Lernen an positiven Erfahrungen wird somit möglich.

 

b)      Unterrichtsbeobachtung: Hospitieren

Überlegungen auf der Basis theoretischer Modelle im Vorfeld helfen dabei, Unterrichtsprozesse zu beschreiben. Es müssen Kategorien verfügbar sein, in denen später bei der Reflexion des Unterrichts Beschreibungen erfolgen können. Im Begleitseminar kann gezeigt werden, wie Theoriewissen dazu beitragen kann, Situationen in der Praxis detaillierter und professioneller beobachten und bewerten zu können.

Hospitieren muss gelernt werden und spätestens im Referendariat wird es wichtig, Unterricht beobachten zu können, da zunächst mehrere Wochen und Monate mit intensiver Hospitation begonnen wird, bevor der eigenverantwortliche Unterricht beginnt.

c)       Reflexion von Unterricht:

Die Reflexion von Unterricht stellt einen besonderen Schwerpunkt in der Veranstaltung dar. Ziel ist, dass die Studierenden den Gewinn von Reflexionen kennen lernen, um dies auch später in ihrem beruflichen Alltag als Selbstverständlichkeit zu integrieren. Im Praktikum wird sowohl der Unterricht der Kommilitonen (und auch des Dozenten!) als auch der eigene Unterricht reflektiert – aus beiden Perspektiven heraus kann gelernt werden.

Die selbstkritische Haltung bei der Reflexion bildet die Voraussetzung dafür, sich auch auf Misslungenes einzulassen. Generell wird hierbei unterschieden zwischen der

-          Reflexion des eigenen Unterrichts (Selbstreflexion) und der

-          Reflexion fremden Unterrichts

Es sind jeweils teils unterschiedliche Kompetenzen erforderlich. Gerade die Konfrontation mit der eigenen Persönlichkeit im Falle der Selbstreflexion stellt eine große Herausforderung dar.

Wie können Reflexionsprozesse unterstützt werden? Folgende Methoden werden im Praktikum eingesetzt:

-          Positivrunde: Reflexionen werden (gerade im schulischen Kontext) oftmals als recht mühselig, stressinduzierend oder gar verletzend empfunden. Es ist wichtig, den eigentlichen Gewinn einer Reflexion hervorzuheben. Im Praktikum wird daher seitens des Dozenten darauf geachtet, dass eine positive Atmosphäre herrscht und wertschätzende Worte gewählt werden (auch das muss gelernt werden). Die Tendenz, bei Reflexionen überwiegend das Negative anzusprechen, kann immer wieder beobachtet werden. Aus diesem Grund wird jede Reflexionsrunde ausschließlich mit positiven Aspekten begonnen – und diese Aspekte findet man in jeder Stunde!

-          Video: Alle Studierenden bekommen zu jeder Unterrichtsstunde Videomitschnitte. Es wird nicht die gesamte Stunde aufgenommen (das wäre zu umfangreich und würde dann zu sehr von Kernfragen ablenken, die hier fokussiert werden können), aber zentrale Momente wie Einstieg; Ansage einer Gruppenarbeit; Moderation eines Klassengesprächs … Die Aufgabe besteht für die Studierenden darin, bis zum Semesterende einen Ausschnitt von ca. 60s. zu finden, der als gelungen angesehen wurde und einen kurzen Ausschnitt, bei dem die Frage gestellt werden kann: „Wie kann ich das besser machen?“. Am Ende des Semesters werden dann diese Ausschnitte vor der Gruppe gezeigt und es wird gemeinsam besprochen, was gut war („Lernen am Modell“) und es wird besprochen, was noch besser gelingen könnte.

-          Studip: Nach jeder Stunde schreiben alle Studierenden ein kurzes Feedback für die Person, die die Stunde gehalten hat. Alle diese Rückmeldungen werden auf studip gestellt (jeder hat dort seinen Ordner). Dieses Vorgehen hat folgende positive Effekte:

o   Das Nachgespräch wäre zu umfangreich, wenn all die Aspekte besprochen werden, die von den Studierenden beobachtet wurden. Es ist aber auch sinnvoll, diese Aspekte festzuhalten – das sie ja ohnehin beobachtet und festgehalten wurden. Die Person, die den Unterricht gehalten hat bekommt somit noch viele weitere Details zur Stunde zurückgemeldet und kann dies auch im Nachklang nochmals nachlesen. Es geht also nichts verloren.

o   Die Person, die die Stunde gehalten hat, kann sich in der Nachbesprechung ganz auf das Gespräch konzentrieren und ist nicht gefordert, alles mitzuschreiben (weil dies ja später über studip eingesehen werden kann). Das entlastet diese Situation deutlich.

o   Es konnte beobachtet werden, dass die Aufmerksamkeit beim Hospitieren gesteigert wird, weil im Anschluss noch eine schriftliche Zusammenfassung erfolgen muss. Dies bedeutet, dass nicht nur die Studierenden, die gerade eine Stunde halten, sondern auch die, die Hospitieren, involviert werden. Zudem regt das Aufschreiben der Rückmeldungen einen intensiveren Reflexionsprozess an, als dies im Nachgespräch geschieht. Mit etwas Distanz zur Stunde werden die einzelnen Aspekte nochmals genauer durchdacht und durch das Schreiben werden die Eindrücke und Beobachtungen präzisiert.

o   Aufwand für den Dozenten: Bei jeder weiteren Aktivität, die eingeführt wird, muss stets der dadurch entstehende Aufwand reflektiert werden. Bei den studip-Rückmeldungen muss lediglich eine Ordnerstruktur angelegt werden und es muss punktuell darauf geachtet werden, dass die Rückmeldungen auch eingestellt werden. Was die Qualität dieser angeht, so kann hin und wieder anhand eines Beispiels exemplarisch erläutert werden, inwieweit das jetzt hilfreich ist oder nicht.

-          Beobachtungsinstrumente: Der Einsatz von Beobachtungsinstrumenten ist hilfreich. Studierende müssen diese jedoch zuerst kennen lernen und sich mit diesen vertraut machen. Hinter den in den Beobachtungsinstrumenten angeführten Kategorien stehen jedoch meist Konzepte, die zunächst einmal verstanden werden müssen. Hierzu ist wiederum theoretisches Hintergrundwissen hilfreich. Wie eingangs am Beispiel Gruppenarbeit verdeutlicht wurde, können zahlreiche gruppeninterne Prozesse, aber auch die verwendete Aufgabenstellung in den Blick genommen werden. Auch hier gilt: Man kann nur das sehen und beschreiben, was man auch kennt (hier unterscheiden sich Laien und Experten).

-          Übung „Gutachten schreiben“: Am Ende des Semesters werden die Studierenden aufgefordert, fiktiv ihr eigenes Gutachten über sich zu schreiben. Vom Dozenten wird ebenfalls ein Gutachten angefertigt und dann werden diese beiden Einschätzungen verglichen. Die Studierenden melden zurück, dass es ihnen schwer fällt, die ersten Sätze zu schreiben, dass sie sich jedoch durch diese Übung sehr intensiv mit ihrer eigenen Person auseinandergesetzt haben.

 

d)      Weitere Aktivitäten im Rahmen des Praktikums

-          Nachbereitung und Erstellen einer digitalen Materialsammlung: Im Anschluss an die Stunde sollten alle eingesetzten Materialien und Aufgaben nochmals reflektiert und aufbereitet werden. Die Erkenntnisse aus der Stunde können genutzt werden, um Überarbeitungen vorzunehmen. Es ist sinnvoll, diese gleich im Anschluss an die Stunde umzusetzen – weil man sich beim „nächsten Einsatz“ nur noch vage daran erinnern wird (möglicherweise erst Jahre später). Die Überarbeiteten Materialien werden ebenfalls auf studip gesammelt und so können dann am Ende des Semesters alle Dateien gesammelt heruntergeladen werden. Für den späteren Einsatz, z.B. im Referendariat, bildet diese Materialsammlung eine solide Basis.

-          Literaturangebote: Studierende haben Schwierigkeiten damit, die passende Literatur zu finden, die für die Stundenplanung hilfreich ist. Eine Unterstützung bei der Auswahl (damit auch nicht zu umfangreich gelesen werden muss) ist hilfreich. Gleichzeitig wird während des Semesters sukzessive weitere Literatur gesammelt und für alle digital bereit gestellt. Auch Kopiervorlagen und Arbeitsblätter, die bei der Recherche für die Unterrichtsplanung gefunden wurden und nicht zum Einsatz kamen, werden gesammelt. Damit entsteht mit der Zeit systematisch ein Fundus aus dem man auch zu einem späteren Zeitpunkt schöpfen kann.

-          Klassenarbeit: Zum Ende des Praktikums hin wird eine Klassenarbeit konzipiert, geschrieben und korrigiert. Studierende können dabei sämtliche Erfahrungen rund um das Thema Klassenarbeit sammeln (Schwierigkeiten bei der Korrektur, Notengebung, Kompetenzorientierung etc.). In diesem Moment tritt auch sehr deutlich hervor, was die Schülerinnen wirklich können bzw. was aus den vorherigen Stunden gut bzw. weniger gut verstanden wurde. Dies kommt viel deutlicher als im Unterricht zum Vorschein.

Ein Thema fortlaufend unterrichten: Die Struktur des Tagespraktikums hat den Nachteil, dass nur einmal pro Woche in der Klasse von Studierenden unterrichtet wird und die restliche Zeit durch den Fachlehrer abgedeckt wird. Dabei kann es immer wieder zu Abstimmungsproblemen im Unterricht kommen. Eine Lösung für diese Problematik wurde in den vergangenen beiden Semestern mit Erfolg erprobt: Eine Thematik wird komplett nur von den Studierenden unterrichtet. So haben die Schülerinnen und Schüler jeden Mittwoch beispielsweise das Thema Wahrscheinlichkeitsrechung und die restliche Zeit die anderen Themen beim Fachlehrer.