Aspekte der Förderung des Kompetenzerwerbs der Studierenden

Neben der Schwierigkeit, Kompetenzorientierung und Konkretisierung zu verknüpfen (s. Zielsetzungen, Inhalte und Ablauf der Seminarveranstaltung), ist die Kompetenz­orientierung der Lehrer/innenausbildung in der ersten Ausbildungsphase noch mit (mindestens) einer weiteren Schwierigkeit ver­bunden: Ein großer Teil der Kompetenzen, die die zukünftigen Lehrer/innen in ihrem Beruf benötigen, ist nicht im Rahmen von Vorlesungen und Seminaren zu ent­wickeln. Es gibt jedoch (zumindest) eine zentrale Kompetenz, die in der ersten Phase wahrscheinlich sogar besser ausgebildet werden kann als in der zweiten: die Reflexi­onskompetenz. Gerade in Bezug auf diese wird immer wieder auf fallorientierte Ver­anstaltungsformate verwiesen (vgl. z.B. Oevermann, 1997; 2002; Helsper, 2000). Zentrale Anforderungen fallrekonstruktiven bzw. beispielhermeneutischen Arbeitens bestehen darin, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, auf Distanz zu eigenen Wahrnehmungs- und Deutungsgewohnheiten zu gehen und sich detailliert mit den vorgegebenen Unterrichtssituationen auseinander zu setzen. In den Fallbearbeitungsprozessen artikulieren die Studierenden u.a. eigene biographische Erfahrungen und machen sie so zugänglich für Reflexionen (vgl. Lüsebrink, 2007). Dies ist deshalb von entscheidender Bedeutung, weil biographi­sche Erfahrungen größeren Einfluss auf das berufliche Handeln zu haben scheinen als die erste und zweite Ausbildungsphase (vgl. z.B. Dick, 1994). Im Rahmen einer professionellen Entwicklung gilt es daher, sich berufsbezogene biographische Erfah­rungen bewusst zu machen, um ihren Einfluss kontrollieren und ggf. begrenzen zu können.

 

Literatur

Dick, A. (1994). Vom unterrichtlichen Wissen zur Praxisreflexion. Das prakti­sche Wissen von Expertenlehrern im Dienst zukünftiger Junglehrer. Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt.

Helsper, W. (2000). Zum systematischen Stellenwert der Fallrekonstruktion in der universitären LehrerInnenbildung. In Ch. Beck, W. Helsper, B. Heuer, B. Stelmaszyk & H. Ullrich, Fall­arbeit in der universitären LehrerInnenbildung (S. 29-50). Opladen: Leske + Budrich.

Lüsebrink, I. (2007). Biografische Gewissheiten statt biografischer Vergewisserung. Zum studentischen Umgang mit biografischen Erfahrungen in fallbezogenen Seminaren. In D. Lemmermöhle, M. Rothgangel, S. Bögeholz, M. Hasselhorn & R. Watermann (Hrsg.), professionell lehren – erfolgreich lernen (S. 123-132). Münster, New York, München, Berlin: Waxmann.

Oevermann, U. (19972). Theoretische Skizze einer revidierten Theorie pro­fessionalisierten Handelns. In A. Combe & W. Helsper (Hrsg.), Pädago­gische Professionalität. Untersuchungen zum Typus pädagogischen Handelns (S. 70-182). Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Oevermann, U. (2002). Professionalisierungsbedürftigkeit und Professionali­siertheit pädagogischen Handelns. In M. Kraul, W. Marotzki & C. Schweppe (Hrsg.), Bio­graphie und Profession (S. 19-63). Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt.