Aspekte zum Theorie-Praxis-Verhältnis

Angesichts einer zweiphasigen Lehrer/innenausbildung und der Struktur hochschuli­scher Lehre muss genauer geprüft werden, wie Praxisnähe sinnvoll hergestellt wer­den kann. Wenn Können nur im und durch Handeln zu entwickeln ist (vgl. z.B. Dick, 1994; Neuweg, 2006), dann sind die klassischen Veranstaltungsformate der Hochschule (also Vorlesungen und Semi­nare) nicht geeignet, um unterrichtliche Handlungskompetenz hervorzubringen. Dementsprechend ist in dem von mir konzipierten Seminar Handeln in zweifacher Hinsicht von Relevanz. Zum ersten kann zwar nicht in unterrichtliches, aber in for­schendes Handeln eingeführt werden (s. Methodische Aspekte von Lehre). Zum zweiten wird unterrichtli­che Praxis durchaus zum Thema, allerdings im Primat der Forschung. Das heißt, die Studierenden sollen sich forschend mit schulischem Unterricht ausein­ander setzen, ihn detailliert rekonstruieren und interpretieren. Dies geschieht, indem sowohl fallrekonstruktiv als auch beispielhermeneutisch Lehrer/innen-Schüler/innen-Interaktionen bearbeitet werden.

Literatur

Dick, A. (1994). Vom unterrichtlichen Wissen zur Praxisreflexion. Das prakti­sche Wissen von Expertenlehrern im Dienst zukünftiger Junglehrer. Bad Heilbrunn/Obb.: Klinkhardt.

Neuweg, G.H. (2006). Das Schweigen der Könner. Strukturen und Grenzen des Erfahrungswissens. Linz: Trauner.