Informationen zum Studium an der Pädagogischen Hochschule Aichi (Japan)

 Die PH Freiburg und die PH Aichi haben 2006 ein Partnerschaftsabkommen geschlossen, das auch den Austausch von Studenten vorsieht. Dieses Merkblatt möchte erste Informationen für Freiburger Studenten geben, bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an die zuständigen Betreuer (s.u.).

 

Überblick über die PH Aichi

 

Die PH Aichi ist eine der größten Universitäten für Lehrerausbildung in Japan, zentral gelegen in der Präfektur Aichi ca. 20 km südöstlich der Millionenstadt Nagoya. Mit 4.000 Studenten ist sie etwa gleich groß wie die PH Freiburg und bietet weitgehend vergleichbare Studiengänge an, vor allem Lehramt Primarstufe und Sekundarstufe mit den Schwerpunkten Allgemeine Pädagogik, Informatik, Japanisch, Gesellschaft, Mathematik, Naturwissenschaft, Musik, Kunst, Sport, Hauswirtschaft, Englisch; sowie Kindergarten, Sachunterricht (beide nur Primarstufe) und Technik (nur Sekundarstufe). Darüber hinaus gibt es noch Nicht-Lehramts-Studiengänge, bei denen man jedoch auch eine Lehrlizenz erwerben kann; für genauere Informationen (zu Geschichte, Daten und Struktur) siehe separates Informationsblatt, das auf Anfrage erhältlich ist.

Die Regelstudienzeit für einen Bachelor in Japan ist generell 4 Jahre. Traditionell wurde in den ersten beiden Jahren ein Studium Generale absolviert und erst danach ein Fachstudium aufgenommen, seit dem Ende der 1980er Jahre ist der Anteil des Fachstudiums jedoch deutlich ausgeweitet worden. Die PH Aichi bietet auch Master-Kurse an, jedoch verlassen mehr als 90% aller Studenten die Uni nach dem Bachelorabschluss. Der Bachelor ist in Japan ein voll berufsqualifizierender Abschluss, auch für das Lehramt.

 

Studienmöglichkeiten für ausländische Studierende

 

Da praktisch alle Lehrveranstaltungen an der PH Aichi auf Japanisch abgehalten werden, ist ein Austauschstudium wie z.B. in Amerika oder Frankreich (d.h. mit fast gleichen Leistungsanforderungen wie muttersprachliche Studenten) in Japan nicht möglich. Dies sollte jedoch niemandem von einem Aufenthalt in Japan abhalten, denn ein Austausch nach Japan kann eine sehr besondere Erfahrung sein!

Generell gilt beim Austausch der PHen Freiburg und Aichi die freie Kurswahl, dennoch wird erwartet, dass jeder deutsche Student die in Aichi angebotenen Japanischkurse belegt. Diese gibt es auf bis zu 6 verschiedenen Niveaus, Kursbeginn ist zu jedem Semester möglich. Weitere Kurse sollten in Absprache mit den Betreuern belegt werden. An der PH Aichi sind alle Veranstaltungen in Bachelor (undergraduate) und Master (graduate) unterteilt, die Master-Kurse können Sie nur belegen, wenn Sie einen ersten Abschluss in Deutschland gemacht haben (inoffiziell ist eine Teilnahme an den Master-Kursen nach Rücksprache mit dem Dozenten natürlich möglich, aber es gibt keinen Schein).

Nach bisherigen Erfahrungen ist die Teilnahme an folgenden Kursen besonders empfehlenswert:

-          Kurse von Prof. Kuno (Sachunterricht): Herr Kuno spricht sehr gut Deutsch und hat langjährige Erfahrung im Austausch mit der PH Freiburg, er bietet auch zahlreiche Schulbesuche an, bei denen er übersetzt. (Da Herr Kuno die PH Aichi 2014 verlassen hat, gibt es derzeit diese Möglichkeit nicht.)

-          Kurse in Fremdsprachendidaktik, da dort die Kurssprache und die Materialien z.T. auf Englisch sind.

-          Englischkurse für japanische Studenten, in denen (je nach Zielsetzung des Dozenten) ganz oder viel auf Englisch gesprochen wird.

-          Kurse in Sport, Kunst und Musik, weil dort die Sprachkenntnisse oft nebensächlich sind.

Sehr viele Dozenten an der PH Aichi sprechen sehr gut Englisch, einige sogar Deutsch, und können daher umfangreiche Informationen zu ihren Themen geben. Allerdings verwenden sie in ihren Kursen nur Japanisch, weil ja sonst die japanischen Studenten nicht folgen könnten. Man muss sich daher darüber klar sein, dass man in den Lehrveranstaltungen nicht alles verstehen kann, aber mit Erläuterungen durch die Dozenten und/oder einzelne Studenten mit guten Fremdsprachenkenntnissen vor oder nach den Veranstaltungen doch sehr viel Informationen mitnehmen kann. Als Universität mit dem vollen Fächerspektrum einer pädagogischen Hochschule wird jeder interessante Kurse an der PH Aichi finden.

Als Dauer für einen Aufenthalt in Aichi sind wir ein oder zwei Semester empfehlenswert. Kürzere Aufenthalte sind auch möglich, wenn Sie z.B. Material für Ihre Abschlussarbeit sammeln möchten; Sie sollten jedoch beachten, dass – falls dies Ihr erster Japanaufenthalt ist – zu Beginn viel Zeit für das Einleben in dieser fremden Kultur verloren geht.

 

Semester und Vorlesungszeiten

 

Das Studienjahr an der PH Aichi ist in Sommer- und Wintersemester aufgeteilt, wobei jedes Semester genau 15 Wochen = 75 Tage umfasst (d.h. jede Veranstaltung findet 15 Mal statt, und wenn wegen Feiertag ein Tag ausfällt, wird er am Ende des Semesters nachgeholt), plus jeweils eine Woche für Klausuren. Die Vorlesungen des Sommersemesters beginnen um den 6. oder 8. April und dauern bis Anfang August, im Wintersemester ist Vorlesungszeit vom 1. Oktober bis zur ersten oder zweiten Februarwoche. An gesetzlichen Feiertagen sowie den Winterferien (ca. 28. Dezember bis 5. Januar) finden keine Vorlesungen statt; ein „langes Wochenende“ gibt es auch Mitte Mai (zum Unifest) und Mitte Januar (zur Aufnahmeprüfung).

Das Studienjahr beginnt jeweils im April, japanische Studenten werden auch nur zum Sommersemester zugelassen. Für Austauschstudenten ist jedoch ein Studienbeginn im Oktober problemlos möglich.

Von einigen praktischen Kursen (vor allem Kunst) abgesehen, ist jede Veranstaltung zweistündig (d.h. 90 min pro Woche). Die Veranstaltungszeiten sind einheitlich an der ganzen Uni: Montag bis Freitag von 9.10 h bis 10.40 h (1. Stunde), 10.50 h bis 12.20 h (2. Stunde), 13.20 h bis 14.50 h (3. Stunde) und 15.00 h bis 16.30 h (4. Stunde). Eine 5. Stunde gibt es (16.40 h bis 18.10 h) gibt es auch, die aber nur selten genutzt wird. Der Mittwochnachmittag ist frei. Am Wochenende oder in der vorlesungsfreien Zeit gibt es auch einige Blockkurse, Masterkurse finden z.T. am Abend (nach 18 Uhr) und an Samstagen statt.

 

Deutsch als Fremdsprache

 

Die PH Aichi bietet Deutsch als Fremdsprache an, und zwar auf zwei Ebenen:

-          Deutsch als zweite Pflichtfremdsprache im ersten Studienjahr:
Da in japanischen Mittel- und Oberschulen normalerweise nur Englisch unterrichtet wird, besteht an fast allen Universitäten die Pflicht, im Rahmen des Studium Generale zu Beginn des Studiums eine zweite Fremdsprache zu lernen. Die PH Aichi bietet hier Deutsch, Französisch, Chinesisch und Portugiesisch an, wobei die Kurse im 2. und 3. Semester einmal pro Woche mit je 40-50 Teilnehmern stattfinden, und es in jeder Sprache 4 bis 8 Parallelklassen gibt. Inhalt und Methodik dieser Kurse variiert je nach Dozent.

-          Deutsch innerhalb des Studiengangs „Internationale Kultur“:
Dies ist ein Nicht-Lehramts-Studiengang, in dem ca. 10 Studenten pro Jahr den Schwerpunkt Deutsch wählen. Diese Deutschkurse finden ein- bis zweimal pro Woche statt und laufen über anderthalb Jahre (4. bis 6. Semester), unterrichtet wird derzeit mit „Schritte“ aus dem Hueber-Verlag, Dozent ist Prof. Mayer oder ein Lehrbeauftragter. Die meisten japanischen Studenten, die ein Jahr in Freiburg verbringen, haben diese Kurse durchlaufen.

Falls Sie Interesse an praktischen Lehrerfahrungen im Fach Deutsch als Fremdsprache in Japan haben, so bieten wir Ihnen diese Kurse an, in denen Sie nach Rücksprache mit den Dozenten und einer kurzen Eingewöhnungszeit selbstständig kurze oder längere Unterrichtseinheiten abhalten können. Auch die Entwicklung eigener Lehrmaterialien oder die Datensammlung für Abschlussarbeiten etc. ist möglich. Praktikumsbescheinigungen können ausgestellt werden (vom Dozenten der Kurse, der gerne auch deutsche Praktikumsformulare abstempelt; die japanische Hochschulverwaltung stellt jedoch grundsätzlich keine Praktikumszeugnisse aus), ein Honorar kann jedoch normalerweise nicht gezahlt werden. Das Niveau dieser Sprachkurse ist insgesamt relativ niedrig, nur in den „Schritte“-Kursen wird das Nivau A2 teilweise erreicht.

 

Anerkennung von Scheinen

 

Die Anerkennung von in Japan erbrachten Studienleistungen ist prinzipiell möglich, allerdings ist das European Credit Transfer System in Japan unbekannt und es werden auch nur maximal zwei Kreditpunkte pro Lehrveranstaltung vergeben; alle Veranstaltungen werden benotet. Im Zweifelsfall sollten Sie vor Abreise klären, welche Voraussetzungen zur Anerkennung notwendig sind. An der PH Aichi kann man pro Semester Kurse im Umfang von 24 Kreditpunkten belegen.

 

Schulpraktikum

 

Japanische Studenten machen im 6. und/oder 7. Semester ein Schulpraktikum (Blockpraktikum, 2 bis 4 Wochen), das für Austauschstudenten allerdings nicht zugänglich ist. Schulbesuch und Unterrichtsbeobachtung sind nach Absprache mit japanischen Dozenten möglich, ein Schulpraktikum können wir derzeit jedoch nicht anbieten, auch nicht an den Universitätsschulen der PH Aichi. Ein Tagespraktikum gibt es in Japan nicht.

Bei längerfristigen Aufenthalten von Austauschstudenten ist es in einigen Fällen zu einer Kooperation zwischen einer Schule und den ausländischen Studenten gekommen, so haben die Studenten z.B. im Englischunterricht assistiert oder kleine Vorträge zu ihrem Heimatland gehalten. Dies ist zwar ein für beide Seiten sehr fruchtbarer Austausch, von einem geregelten Schulpraktikum jedoch weit entfernt.

 

Sprache und Vorbereitung

 

Sie sollten gute bis sehr gute Englischkenntnisse haben, wenn Sie in Japan studieren möchten, denn dies wird hier bei Europäern vorausgesetzt. Sie werden auch meist automatisch auf Englisch angesprochen werden, allerdings sind die Englischkenntnisse der meisten Japaner (auch Studenten) sehr begrenzt. Trotzdem sollten Sie bereits vor Abreise versuchen, etwas Japanisch zu lernen, denn so haben Sie einen sehr viel besseren Zugang zu Informationen und Menschen im Land.

Die japanische Sprache ist für Europäer sehr schwer zu lernen, da es fast keine Ähnlichkeiten mit Deutsch, Englisch, Französisch etc. gibt und das Schriftsystem als eines der schwierigsten der Welt gilt. Während eines Kurzaufenthalts sollten Sie in der Lage sein, einfache Konversation zu erlernen, nach einem einjährigen Aufenthalt haben Sie normalerweise keine Probleme, sich auf Japanisch im Alltag zurechtzufinden, Fachtexte können Sie dann allerdings normalerweise noch nicht lesen.

Es ist sehr zu empfehlen, bereits in Deutschland die Silbenschriften Hiragana und Katakana zu lernen sowie Japanischkurse zu belegen (Uni Freiburg, VHS, Sprachschule, Deutsch-Japanische Gesellschaft etc.) und den Kontakt zu japanischen Austauschstudenten in Freiburg zu suchen. Je mehr man vor Abreise lernt, desto mehr kann man von dem Aufenthalt in Japan profitieren!

Zur Vorbereitung empfehlen wir auch, Bücher zu Schule und Erziehung in Japan sowie zum japanischen Hochschulsystem zu lesen. Literaturhinweise (Auswahl):

Ulrich Ammon (Hg.): Die deutsche Sprache in Japan. Iudicium, 1994.

Volker Schubert (Hg.): Lernkultur. Das Beispiel Japan. Deutscher Studien Verlag, 1999.

Günter Haasch (Hg.): Bildung und Erziehung in Japan. Edition Colloquium, 2000.

Albrecht Rösler (Hg.): An japanischen Hochschulen lehren. Iudicium, 2000.

Makiko Hoshii (Hg.): Grammatik lehren und lernen im Deutschunterricht. Iudicium, 2010.

Robert W. Aspinall: International Education Policy in Japan. Global Oriental, 2013.

 

Studentenwohnheim

 

Ausländische Studenten werden im „International Student House“ auf dem Campus der PH Aichi untergebracht. Dort gibt es Einzelzimmer (mit Bett, Stuhl, Tisch, Schrank, Klimaanlage, Kochnische und WC, Bettwäsche kann von Prof. Mayer geliehen werden), einen Gemeinschaftsraum und Etagenduschen. Die Miete beträgt 4.700 Yen pro Monat, Strom und Wasser werden nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnet (meist um 3.000 Yen im Monat im Frühjahr und Herbst, mit Klimaanlage zum Kühlen und Heizen im Sommer und Winter oft doppelt so viel). Jeden Monat ist eine Kaution zu entrichten, die bei Auszug zurückgezahlt wird, wenn nichts beschädigt worden ist.

Da die meisten ausländischen Studenten an der PH Aichi aus Asien kommen, sind vor allem Chinesen/Taiwanesen und Koreaner im Wohnheim stark vertreten. Gemeinsame Sprache der Studenten ist natürlich Japanisch, aber sehr oft auch Englisch. Im Wohnheim wohnen auch zwei japanische Tutoren, die beide sehr gut Englisch können und sich intensiv um die Austauschstudenten kümmern.

Wenn der Aufenthalt über ein Semester geht, wird die Anreise möglichst zum 1. oder 2. April bzw. 1. oder 2. Oktober empfohlen, dann kann das Wohnheim sofort bezogen werden und es steht (im April) noch etwas Zeit zum Eingewöhnen zur Verfügung, bevor die Veranstaltungen beginnen. Eine frühere Anreise kann möglich sein, wenn die Zimmer schon vorher frei sind, das muss im Einzelfall geklärt werden.

Die Zimmer im Wohnheim werden normalerweise jeweils für ein Semester vermietet, maximale Mietdauer ist 2 Jahre. Die Reservierung der Zimmer sollte generell möglichst früh erfolgen, Anmeldeschluss ist im Januar für Mietbeginn im April, und im Juli für Mietbeginn im Oktober. Wenn nicht alle Zimmer langfristig vermietet sind, besteht auch die Möglichkeit, sie für kürzere Aufenthalte zu mieten.

Außerdem hat die PH Aichi ein Gästehaus auf dem Campus, wo eine Übernachtung 1.500 Yen kostet. Dieses Gästehaus (3 Einzelzimmer und 2 Tatami-Zimmer für je 3 Personen, Gemeinschaftsbad und -WC) steht Gastforschern und Studenten für Kurzaufenthalte zur Verfügung, kann nach Rücksprache aber auch für Besucher (Freunde, Verwandte) reserviert werden. (Das Gästehaus ist jedes Jahr Mitte August für 1 Woche sowie vom 28.12. bis 4.1. geschlossen.)

Rund um die Universität stehen zahlreiche private Unterkünfte zur Verfügung, die mit Preisen um 45.000 Yen pro Monat für eine Ein-Zimmer-Wohnung allerdings sehr viel teurer als das Wohnheim sind. Wohngemeinschaften gibt es in Japan nicht. Auch ein Familienaufenthalt (Homestay) ist in Japan ungewöhnlich, allerdings vermittelt das Auslandsamt der PH Aichi in Kooperation mit den Städten Chiryu und Kariya mehrere Wochenend-Homestay.

 

Kontakt zu japanischen Studenten

 

Bei jedem Auslandsaufenthalt ist es schwierig, mit den „einheimischen“ Studenten der Gasthochschule in Kontakt zu kommen. Das liegt natürlich an der Sprachbarriere und daran, dass Sie oft Lehrveranstaltungen besuchen, die nur für Ausländer gedacht sind; auch werden Sie grundsätzlich im Ausländerwohnheim untergebracht, das normale Studentenwohnheim steht für Sie nicht zur Verfügung. (In Freiburg ist es ähnlich, auch dort haben die japanischen Austauschstudenten oft mehr Kontakt zu anderen Ausländern als zu Deutschen.) Sie sollten daher versuchen, möglichst viele verschiedene „normale“ Lehrveranstaltungen zu belegen, denn dort kommen Sie mit Sicherheit in Kontakt mit japanischen Studenten, Sie können (oder müssen sogar) die Themen der Stunde mit ihnen nacharbeiten.

Es gibt allerdings die Möglichkeit, über die englische Sprache mit japanischen Studenten in Kontakt zu kommen, vor allem solche der Studiengänge Lehramt Englisch und Internationale Kultur. Diese Studenten sprechen auch relativ gut Englisch, und es gibt verschiedene von Studenten organisierte Gesprächskreise auf Englisch, bei denen Kontakte geknüpft werden können. Ein solcher Gesprächskreis ist der „Immersion Room“, in dem ein- oder zweimal pro Woche Studenten zusammen kommen und wo nur Englisch gesprochen werden darf.

Da die PH Aichi im Studiengang „Internationale Kultur“ auch den Schwerpunkt Deutsch anbietet, sind diese Studenten natürlich besonders an Kontakt mit den deutschen Austauschstudenten interessiert. Viele dieser Studenten waren schon in Freiburg bzw. möchten dorthin fahren, entweder nur für kurze Zeit wie z.B. zum Sommerkurs oder für ein ganzes Jahr.

Eine Besonderheit im japanischen Hochschulleben sind die Uni-Clubs, von denen es an der PH Aichi rund 50 verschiedene gibt. In ihnen treffen sich Studenten aus verschiedenen Fachbereichen, um ihre Freizeit gemeinsam zu verbringen, Sport zu treiben, Ausflüge zu machen etc. Die Uni-Clubs treffen sich meist mittwochnachmittags oder samstags sowie in den Ferien, und auch ausländische Studenten sind willkommen.

Sie sollten auch schon vor der Abreise nach Japan Kontakt zu japanischen Austauschstudenten der PH Aichi in Freiburg aufnehmen, wenn sich gerade jemand dort aufhält. Kontakt zu ihnen können Sie über das Auslandsamt aufnehmen.

 

Freizeit und Reisen in Japan

 

Der Campus der PH Aichi liegt im Norden der Stadt Kariya (145.000 Einwohner), ist wesentlich größer als der in Freiburg und bietet sehr gute Sportmöglichkeiten. In der Umgebung der PH finden Sie einige Geschäfte, bis zur Innenstadt von Kariya oder der Nachbarstadt Chiryu dauert es ca. 20-40 Minuten mit dem Bus. Die unmittelbare Umgebung der PH bietet recht wenig Gelegenheiten, seine Freizeit zu verbringen; Ausflüge machen die Studenten oft gemeinsam (vor allem mit dem Uni-Club). Oder man fährt nach Nagoya (2,2 Mio. Einwohner), bis in die Innenstadt dauert es mit Bus und Bahn etwa eine Stunde und kostet ca. 900 Yen.

Wenn Sie einmal in Japan sind, sollten Sie die Zeit hier auch nutzen, um z.B. die Hauptstadt Tokyo oder bekannte Sehenswürdigkeiten in Kyoto oder Hiroshima zu sehen. Wenn Sie mit einem Touristenvisum einreisen, können Sie den Japan Rail Pass nutzen, der sehr günstig ist (http://www.japan-guide.com/ und www.jnto.de/). Bei einem Studentenvisum geht das leider nicht, dann müssen Sie entweder viel Geld für den Shinkansen zahlen oder Nahverkehrszüge bzw. Schnellbusse nehmen.

Das Auslandsamt der PH Aichi bietet im Jahresverlauf verschiedene Exkursionen für Austauschstudenten an, an denen Sie für wenig Geld oder kostenlos teilnehmen können.

 

Flugverbindungen

 

Der nächstgelegene Flughafen zur PH Aichi ist der Flughafen Nagoya (Code: NGO), offiziell „Central Japan International Airport“ oder Centrair genannt. Er wird täglich von Lufthansa direkt ab Frankfurt angeflogen, günstigere Flugverbindungen mit Umsteigen und z.T. auch mit anderen Abflugorten in Deutschland bieten z.B. Finnair, Korean Airlines, Asiana, Cathay Pacific, Air China, China Airlines. Je nach Saison und Fluggesellschaft variieren die Preise, die meisten Angebote gibt es im Bereich von 700 bis 900 Euro (Rückflug).

Wesentlich mehr Flugverbindungen von Deutschland gibt es zu den Flughäfen Tokyo (Narita und Haneda) und Osaka-Kansai (KIX); beachten Sie jedoch bitte, dass Sie von beiden Flughäfen noch mit dem Zug nach Aichi fahren müssen, was von Tokyo ca. 3 Stunden dauert und 13.000 Yen (Narita) bzw. 10.000 Yen (Haneda) kostet, von Osaka ca. 2 Stunden und 8.000 Yen. Wenn Sie nach Nagoya fliegen, holen wir Sie gerne am Flughafen ab, wenn Sie jedoch in Tokyo oder Osaka ankommen, bitten wir um Verständnis dafür, dass wir nicht dorthin kommen können, sondern Sie dann am Hauptbahnhof Nagoya oder Toyohashi treffen werden.

Da die meisten japanischen Firmen an Neujahr, in der „Golden Week“ (Ende April/Anfang Mai) und Mitte August jeweils für einige Tage Betriebsferien machen, ist zu diesen Zeiten fast das ganze Land unterwegs. Flüge sind dann sehr teuer und auch schon oft lange vorher ausgebucht, so dass Sie diese Zeiten meiden sollten.

 

Visum

 

Bei einem Aufenthalt bis zu 3 Monaten benötigen deutsche Staatsangehörige und viele andere EU-Bürger kein Visum für Japan, sondern reisen als Touristen ein. Sofern Sie nicht länger als 3 Monate bleiben, können Sie auch mit einem Touristenvisum bei uns studieren. Bei einem längeren Aufenthalt ist ein Studentenvisum nötig, hierzu erhalten Sie von der PH Aichi ein „Certificate of Eligibility“, das die Ausstellung des Visums (bei der Japanischen Botschaft in Berlin oder dem für Sie zuständigen Generalkonsulat) sehr vereinfacht. Bitte nehmen Sie dazu rechtzeitig (mindestens 3 Monate vor Abreise) Kontakt mit der PH Aichi auf. Informationen zum Visum unter: www.de.emb-japan.go.jp

 

Krankheiten und Drogen

 

Wenn Sie ein halbes Jahr (ein Semester) oder länger in Japan bleiben, müssen Sie in Japan Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung werden, der Monatsbeitrag ist mit etwa 2.000 Yen für Studierende sehr günstig. Diese Versicherung deckt 70% der Arzt-, Krankenhaus- und Medikamentenkosten ab, die restlichen 30% müssen Sie selbst zahlen (in bar unmittelbar nach dem Arztbesuch), wobei der Eigenbetrag aller Arztbesuche zusammen pro Jahr allerdings maximal ca. 300 Euro beträgt. (Dieses System mit 30% Selbstbeteiligung gilt nicht nur für Austauschstudenten, sondern für alle Japaner.)

Wenn Sie kürzer als ein Semester bleiben, müssen Sie sich in Deutschland eine entsprechende Auslands-Krankenversicherung besorgen. In diesem Fall müssen Sie bei einem Arztbesuch in Japan den gesamten Betrag in bar bezahlen und ihn sich dann wieder von Ihrer Versicherung erstatten lassen.

Viele Ärzte in Japan sprechen Englisch. Kleinere Verletzungen etc. können auch im Krankenzentrum der PH Aichi auf dem Campus behandelt werden.

Der radioaktive Fallout des Kernkraftwerks Fukushima hat auf Aichi keinerlei Auswirkungen gehabt.

Bitte beachten Sie, dass Japan sehr strenge Drogengesetze hat und keinen Unterschied zwischen weichen (also in Europa legalen oder geduldeten) und harten Drogen kennt. So droht z.B. beim Besitz auch nur kleinster Mengen von Haschisch eine Freiheitsstrafe, bzw. Sie werden umgehend aus Japan ausgewiesen. Zum Lesen:

en.wikipedia.org/wiki/Noriko_Sakai, oder news.bbc.co.uk/2/hi/7595475.stm

 

Kosten und Finanzierung

 

Japan gilt als teures Land, insgesamt liegen die Lebenshaltungskosten jedoch etwa auf deutschem Niveau, wenn man keine besonderen Ansprüche hat und für einige Zeit auf einige liebgewonnene Dinge verzichten kann (z.B. gutes Brot, Bratwurst, billiges Bier oder Studententicket für Bus und Bahn). Ohne Miete und größere Anschaffungen oder Reisen kommen Sie normalerweise mit 50.000 Yen pro Monat gut aus.

Die PH Aichi finanziert aus ihrem eigenen Studienfonds jedes Jahr 2 bis 3 Jahresstipendien (auch kürzere Laufzeit möglich) für ausländische Studierende. Bewerbungsschluss ist jeweils im Oktober, Laufzeit von April des nächsten bis März des übernächsten Jahres. Soll das Studium im Wintersemester beginnen und ein Jahr dauern, ist daher eine Zusage zunächst nur für ein Semester möglich. Gezahlt werden 50.000 bis 80.000 Yen pro Monat.

Das Auslandsamt der PH Freiburg bietet wesentlich umfangreichere Möglichkeiten der Finanzierung des Auslandsstudiums, bitte erkundigen Sie sich dort.

Die PH Aichi verlangt Studiengebühren in Höhe von ca. 260.000 Yen (ca. 2.000 Euro) pro Semester. Laut Partnerschaftsvertrag zahlen die Austauschstudenten der Partneruniversitäten jedoch nicht die Studiengebühren der Gasthochschule, sondern die der Heimathochschule, d.h. Sie müssen die Gebühren in Freiburg zahlen. Da es in Freiburg jedoch keine Gebühren mehr gibt, zahlen Sie also nichts, auch in Japan nicht.

Jobben in Japan ist grundsätzlich möglich, wobei Sprachunterricht (Deutsch, Englisch, etc.) bei geringen Japanischkenntnissen am leichtesten durchzuführen ist, jedoch nicht immer regelmäßig ausgeübt werden kann. Davon abgesehen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, z.B. in Restaurants oder Supermärkten zu arbeiten, dazu sind jedoch grundlegende Japanischkenntnisse notwendig. Eine Arbeitserlaubnis (mit Studentenvisum) kann unproblematisch ausgestellt werden, aufgrund der geringen Stundenlöhne (um 6 bis 8 Euro, nur beim Sprachunterricht deutlich höher) und einer Begrenzung von 28 Stunden Arbeit pro Woche ist eine Finanzierung des Studiums ausschließlich durch Jobben in Japan jedoch kaum möglich. Bei Aufenthalt mit Touristenvisum ist legale Arbeit nicht möglich. Werden Sie bei Schwarzarbeit in Japan ertappt, droht Ihnen die sofortige Ausweisung gekoppelt mit einem mehrjährigen Wiedereinreiseverbot.

 

Exkurs: Lehrerausbildung in Japan

 

Die Lehrerausbildung in Japan findet grundsätzlich an Universitäten und Hochschulen statt und dauert vier Jahre, Abschluss ist der Bachelor. Ein Master-Aufbaustudium ist möglich und ist in den letzten Jahren beliebter geworden, bleibt aber zahlenmäßig (weniger als 10% aller neu angestellten Lehrer) relativ unbedeutend. Sehr ungewöhnlich ist die Promotion, und so hat die PH Aichi erst seit 2012 das Promotionsrecht, wobei die Kurse in Kooperation mit der Universität Shizuoka durchgeführt werden. Die PH Aichi ist die drittgrößte PH Japans (nach Tokyo und Osaka) und bildet über die Hälfte aller Lehrer für öffentliche Schulen in der Präfektur Aichi (= Nagoya und Umgebung) aus.

Um in Japan als Lehrer angestellt zu werden, muss man entweder einen Lehramtsstudiengang (a) abgeschlossen haben, oder einen anderen Studiengang plus eine Lehrerlizenz (b). Lehramtsstudiengänge (a) bieten vor allem die staatlichen Universitäten an: Es gibt in Japan 11 staatliche pädagogische Hochschulen in den großen Ballungszentren, und in den 32 Präfekturen ohne PH bieten die pädagogischen Fakultäten der jeweiligen staatlichen Universität einen Lehramtsstudiengang an. Darüber hinaus bieten auch zahlreiche private und öffentliche Universitäten Lehramtsstudiengänge an. Alle diese Abschlüsse sind formal identisch, aber traditionell ist es so, dass die Absolventen staatlicher und öffentlicher Hochschulen eher bei öffentlichen Schulen arbeiten, die Absolventen privater Hochschulen an privaten Schulen, wobei vor allem bei letzteren die Netzwerke der Alumni bei der Einstellung eine wichtige Rolle spielen.

Die Lehramtsstudiengänge, egal an welchen Universitäten, sind überwiegend für die Grundschule (Klassen 1 bis 6) und die Mittelschule (Klassen 7 bis 9) und decken damit den Pflichtschulbereich ab. In diesem Bereich liegt auch der Schwerpunkt der pädagogischen Fakultäten und Hochschulen; und dass es bei den PHs keinen Schwerpunkt für Oberschulen gibt, liegt daran, dass die PHs mit den Studiengängen für Grund- und Mittelschule bereits voll ausgelastet waren und eine Ausweitung auf die Oberschule (deren Schüler- und damit auch Lehrerzahlen im Rahmen der Bildungsexansion seit den 1960er Jahren deutlich zugenommen haben) aufgrund der sehr restriktiven Zulassungspraxis in Japan nicht möglich war. Dennoch ist es Studenten der PH Aichi möglich, eine Lehrerlizenz für die Oberschule abzulegen, allerdings nicht im Rahmen eines eigenständigen Studiengangs, sondern als Ergänzung eines anderen Studiengangs, z.B. Lehramt Mittelschule.

Neben einem Lehramtsstudiengang gibt es die Möglichkeit, die Lehrerlizenz in Kombination mit anderen Studiengängen (b) zu erwerben. Dies kann an sehr vielen Universitäten gemacht werden, auch an solchen ohne pädagogischen Schwerpunkt. Ein Beispiel dafür ist ein Studiengang für englische Literatur, in dessen wahlfreien Bereich Veranstaltungen zur Englisch-Didaktik belegt werden, hinzu kommt ein 3- oder 4-wöchiges Schulpraktikum. Dieser Abschluss ist formell einem Lehramtsstudiengang gleichgestellt, d.h. die Absolventen werden zu gleichen Konditionen angestellt.

Um an einer öffentlichen Schule eine Festanstellung im Beamtenverhältnis zu erhalten, muss man eine mehrstufige Aufnahmeprüfung bestehen, die von den Präfekturen angeboten werden, und die die Studenten normalerweise im 7. und 8. Semester ablegen. Die Regeln für eine Festanstellung bei privaten Schulen variieren. Falls man die Aufnahmeprüfung nicht besteht, ist (bei öffentlichen und privaten Schulen) eine Anstellung als Honorarkraft möglich. Ein Referendariat gibt es in Japan nicht, d.h. man wird im Alter von 22 Jahren (nach 12 Jahren Schule und 4 Jahren Studium) sofort als (beamteter) Lehrer in Vollzeit angestellt.

Vor 1949 war die Lehrerausbildung in Japan nur an den Lehrerbildungsanstalten möglich (bis 1943/44 von den Präfekturen getragen, danach staatlich; Vorgänger der heutigen PHs und der pädagogischen Fakultäten der staatlichen Hochschulen), wurde danach jedoch „demokratisiert“, so dass seitdem auch andere Hochschulen Lehrerausbildungskurse anbieten können.

Die Lehrerlizenz war bisher unbefristet gültig, ist jedoch seit 2009 (auch rückwirkend) auf 10 Jahre Laufzeit begrenzt, nach denen man einen 30-stündigen Auffrischungskurs belegen muss. Diese Kurse werden auch von der PH Aichi angeboten.

 

 

Kontakt in Freiburg:

Prof. Dr. Hans-Werner Kuhn (Politikwissenschaft): hw.kuhn@ph-freiburg.de

Akademisches Auslandsamt: Dr. Verena Bodenbender: aaa@ph-freiburg.de

Stabsstelle Internationales: Johannes Lebfromm: lebfromm@ph-freiburg.de

sowie Studenten, die bereits an der PH Aichi waren (Kontakt über Dozenten/Auslandsamt)


 

Text: Oliver Mayer, Stand: 10. Juli 2015

 

Studierendenaustausch

Seit 2006 findet zwischen der PH Aichi und der PH Freiburg ein Austausch von Studierenden statt.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Prof. Kuhn.

Die Freiburger Austauschstudentin in Aichi, Daniela Rzejak wurde beim "Dies Academicus" 2010 für eine Arbeit über "Lesson Study – Praxisforschung am Beispiel des japanischen Jugyou Kenkyuu" durch die "Freiburger Montags Gesellschaft" ausgezeichnet.