Integrative Filmdidaktik

Konzept 

Mit dem Siegeszug der Digitalisierung in sämtlichen Lebens- und Arbeitsbereichen seit etwa 2000 nahm auch die Filmproduktion rasant zu. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich das Filmen zu einer kulturellen Alltagshandlung von Kindern und Jugendlichen. Über Mobilfunkverbindungen und das Internet können Bewegtbilder heute instant mit anderen Menschen weltweit über alle Grenzen hinweg geteilt werden.

Trotz der immensen Bedeutung gibt es für den Bereich Film kein eigenes Schulfach. Um das Thema dennoch adäquat behandeln zu können, wurde an der Pädagogischen Hochschule Freiburg auf Initiative des Instituts der Bildenden Künste 2008 das Modell der »Integrativen Filmdidaktik« ins Leben gerufen: Von einer produktionsorientierten Perspektive ausgehend, kooperieren bei diesem Modell die Fächer Kunst, Deutsch und Musik.

Mehr zum Konzept: http://www.kunstlinks.de/material/peez/2009-08-klant.pdf

Freiburger Filmcurriculum

Als Grundlage für die unterrichtspraktische Erprobung wurde in der ersten Projektstufe das »Freiburger Filmcurriculum« entwickelt, das idealtypisch aufzeigt, welche Inhalte und Verfahren für einen sowohl rezeptions- als auch produktionsorientierten Filmunterricht von der Grundschule bis zur gymnasialen Kursstufe von Bedeutung sind. In integrativen Seminaren der drei genannten Fächer wurden die Vorschläge gemeinsam mit Studierenden erprobt und evaluiert.

Link zum Filmcurriculum: http://cineschool.ph-freiburg.de/fileadmin/3_Download-Formulare/Filmcurriculum_2008.pdf

Als eine Forschungsbasis diente anfangs die Erfassung der vorhandenen fachdidaktischen Literatur in einer einschlägigen Datenbank:

http://docplayer.org/23242477-Fachbibliographie-filmdidaktik.html

Nachdem das Modell bereits auf verschiedenen Kongressen bundesweit vorgestellt und rezipiert worden war, wurden die daraus resultierenden Erkenntnisse und Erfahrungen 2010 auf dem ersten  Freiburger Symposion »Neue Wege der Filmbildung« diskutiert und mit anderen Konzepten verglichen.

Plakat des Symposions 2010
Plakat des Symposions 2015
Oscar-Preisträger Prof. Pepe Danquart beim Eröffnungsvortrag zum Symposion 2015

Erweiterung des integrativen Konzepts

Fünf Jahre darauf wurde als Teil der zweiten Projektstufe in Freiburg das Symposion »Neue Wege der Filmbildung 2015« veranstaltet. Hatte das erste Symposion den Schwerpunkt vor allem auf die schulische Filmbildung gelegt, so rückten beim zweiten Symposion die hochschuldidaktischen Aspekte stärker in den Fokus. Das für die Schule entwickelte integrative Modell ließ sich aufgrund der Freiburger Erfahrungen auf die eigene Hochschule übertragen. Beinhaltete es anfangs vor allem die Kooperation der Fächer Kunst, Deutsch und Musik, so wurde es nun in Richtung anderer Fächer geöffnet, die sich zunehmend ebenfalls produktionsorientiert mit Film beschäftigen (siehe Grafik weiter oben).

Link zum Programm des Symposions 2015:

www.ph-freiburg.de/filmdidaktik/kongress-2015/programm.html

Kurzfilmkanon

Ausgehend von der Erkenntnis, dass sich mit Langfilmen unterrichtsorganisatorische und juristische Probleme verbinden, regte das Institut der Bildenden Künste 2010 an, in Anlehnung an den 2003 von der Bundeszentrale für politische Bildung in Berlin veröffentlichten »Filmkanon«, der 35 Kinofilme als verbindlich für die schulische Filmbildung vorsah, zusammen mit einem Kreis von ExpertInnen einen »Kurzfilmkanon« von 100 Filmen zu erarbeiten. Unter Beteiligung verschiedener Einrichtungen – AG Kurzfilm/Bundesverband deutscher Kurzfilm Dresden, Vision Kino gGmbH  Berlin, Pädagogische Hochschule Freiburg und Bundeszentrale politische Bildung Berlin – erschien 2013 als Ergebnis intensiver Sichtungen, Treffen und Diskussionen die DVD »Kurzfilme!« (identisch mit der DVD »Kurzfilm macht Schule«).

Dissertationen

Von Bedeutung für das Forschungsprojekt war insbesondere die Beforschung von SchülerInnenfilmen, deren Produktion durch einen Wettbewerb für die von Raphael Spielmann entwickelte und realisierte Website www.cineschool.de noch gefördert wurde. Die Evaluation der Schülerarbeiten floss dann auch in Raphael Spielmanns Dissertation »Neue Filmdidaktik. Ein produktionsorientiertes Modell zur Förderung der Filmbildung an Schulen« ein, die 2011 unter dem Titel »Filmbildung! Traditionen, Modelle, Perspektiven« veröffentlicht wurde.

Der Doktorand Udo Glanz entwickelte und realisierte für seine Dissertation »Diskurskultur in der Filmbildung. Kommunikationstheoretische Grundlagen, Analyse von Onlineforen und Folgerungen hinsichtlich der Konzeption eines Bildungsportals für Kurzfilme« die Website www.kurzfilmkanon.de. Seine Dissertation erschien 2016 unter dem Titel »Diskurskultur in der Bildung«.

Publikationen

Flankiert wurde die Forschung durch Publikationen der am Projekt Beteiligten. Michael Klant und Raphael Spielmann gaben gemeinsam zwei Reihen heraus, die im Schroedel-Verlag erschienen, zum einen die 3-bändige Buchreihe »Grundkurs Film«, begleitet von drei DVDs, und zum anderen die Reihe »Film Portfolio« mit Unterrichtsmaterialien zu vier verschiedenen Themen, jeweils wieder begleitet von DVDs. (Zu den einzelnen Titeln siehe auf dieser Website Michael Klant, Publikationen, und Raphael Spielmann, Publikationen.)

Studienorganisation und Examensarbeiten

Als  weitere Konsequenz aus der intensiven Beforschung des Bereichs Film kann die reguläre Aufnahme des Themas Bewegtbild in die aktuellen Prüfungs- und Studienordnungen gesehen werden. Am Institut der Bildenden Künste in Freiburg wurde zudem der KunstMedienRaum (KMR) u.a. speziell für den Videoschnitt eingerichtet und 2017 neu ausgestattet.

An Forschung und Entwicklung beteiligt waren und sind zahlreiche Studierende, von denen viele nicht zuletzt aufgrund  der kooperativen Seminare und der Symposien Interesse entwickelten, sich in Abschlussarbeiten weiter mit dem Thema Film zu beschäftigen. Da die Studierenden in ihrem Studienverlauf auch künstlerisch-praktisch mit Film bzw. Video gearbeitet und entsprechende produktive Kompetenzen erworben haben, geht der Wunsch in letzter Zeit oft auch in Richtung eines dualen Abschlusses, wie er in angelsächsischen Ländern im Kunstbereich schon eine längere Tradition hat: die theoretische Durchdringung eines Themas bei gleichzeitiger Produktion eines Kurzfilms.

Perspektiven

Aufgrund der Kulturhoheit der Bundesländer und der damit verbundenen uneinheitlichen Bildungspläne existieren derzeit, wie die Beiträge zum Symposion von 2015 deutlich zeigten, immer noch zahlreiche Konzeptionen unverbunden nebeneinander. Entsprechendes gilt für die Ausbildung der Lehrkräfte, zumal in Baden-Württemberg, wo sich das Studium der Kunstpädagogik je nach Schulart auf zwei Hochschulen aufteilt: auf zwei Kunstakademien, die traditionell das größte Gewicht auf die individuell-künstlerische Ausbildung legen, und auf sechs Pädagogische Hochschulen, an denen neben der künstlerischen Praxis auch Fachwissenschaft und Fachdidaktik seit jeher ihren Ort haben und beforscht und weiterentwickelt werden.

Zu untersuchen wäre daher weiterhin die Frage, welche hochschuldidaktischen Programme den Erwerb der als notwendig erachteten Filmbildungskompetenzen ermöglichen. Während viele jüngere Lehrkräfte sie heute aus dem Studium mitbringen, bedarf es für diejenigen, die schon des längeren im Beruf sind, geeigneter Weiterbildungsangebote, z.B. durch ein Zertifikatsstudium.

Vor dem Hintergrund des sich derzeit rapide ändernden rechnergestützten Unterrichts – weg vom stationären PC, hin zum mobilen Tablet (ein »Device«, mit dem sich zugleich filmen, editieren und distribuieren lässt) – müssen auch hier neue Programme entwickelt und evaluiert werden.

Wissenschaftliche Abschlussarbeiten zum Thema Film seit 2001 (Stand Sept. 2017)

Carina Abt: Jugendfilmplakate und ihre Thematisierung im Kunstunterricht an der Realschule, 2005

Markus Beitz: Greenscreen. Filmgeschichte, Technik und kreative Einsatzmöglichkeiten für den Kunstunterricht, 2010

David Brankatschk: Die Ästhetik des schlechten Geschmacks: Trash und Camp im Spielfilm. Möglichkeiten der Thematisierung im Kunstunterricht an Hauptschulen, 2012

Sebastian Breisacher: »Coming soon to a theater near you!«. Der Trailer als Filmform und seine didaktischen Möglichkeiten für den Kunstunterricht, 2014

Antonia Brinkmann: »Der rote Ballon«. Ein Kinderfilm der 1950er-Jahre und sein didaktisches Potenzial für den Kunstunterricht an der Grundschule, 2012 Christian Britz: » …mit extra viel Milch!« Kinder im Werbespot. Möglichkeiten der Filmbildung in der Grundschule, 2013

Dorothea Dorgathen: Innovative Werbespots im Internet. Formen, Funktionen und didaktische Relevanz für den Kunstunterricht an der Grundschule, 2010

Viviana Eichele: Video-Jockey – Thematisierung eines neuen ästhetischen Phänomens, im Kunstunterricht an der Grund- und Hauptschule, 2005

Hannelore Elmlinger: Wie erkläre ich die Bauhaus-Kunstpädagogik? Filmische Vermittlungsstrategien zu einem kunstpädagogischen Konzept in Theorie und Praxis, 2017 (i.A.)

Manuel Erbacher: Dogville. Neue Formen des Films bei Lars von Trier. Möglichkeiten der Thematisierung im Kunstunterricht an der Realschule, 2013

Katharina Exner: Märchen als Motiv der filmischen Animation. Ein integratives Projekt in den Fächern Deutsch und Kunst in der Grundschule, 2009

Anna-Lena Gänsdorfer: »Die Zauberschere” - Animationsfilme von Bruno J. Böttge. Möglichkeiten der Thematisierung im Kunstunterricht der Grundschule, 2014

Scarlett Gätcke: Wie erkläre ich die Ästhetische Forschung. Filmische Vermittlungsstrategien zu einem kunstpädagogischen Konzept in Theorie und Praxis, 2017 (i.A.)

Katharina Geldreich: Found Footage. Ein Prinzip des Experimentalfilms und seine didaktische Relevanz, 2011

Marcus Gesierich: Werbespots. Konzeption, Produktion und didaktische Relevanz für den Kunstunterricht an der Realschule, 2008

Sophia Götz: Fabuleux! Eine Analyse des Films »Die fabelhafte Welt der Amelie« und seine didaktische Relevanz für den Kunstunterricht in der Hauptschule, 2012 

Sascha Graab: Die Bildsprache neuerer Musikclips und ihre Relevanz für den Kunstunterricht in der Sekundarstufe I, 2005

Martina Häring: Wie erkläre ich die NS-Kunstpädagogik? Filmische Vermittlungsstrategien zu einem kunstpädagogischen Konzept in Theorie und Praxis, 2017 (i.A.)

Elke Hermeneit: Video makes the Music Star. Die Künstlerin Björk im Videoclip. Überlegungen zum Kunstunterricht an der Realschule, 2010

Viktoria Hess: Wie erkläre ich die Kunstwerkstatt? Filmische Vermittlungsstrategien zu einem kunstpädagogischen Konzept in Theorie und Praxis, 2016

Vanessa Hüttner: »Micro Movies« ‒ eine neue Kunstform? Möglichkeiten der Thematisierung im Kunstunterricht, 2009

Birgit Humpfer: Filmische Animation als Mittel der Kreativitätsförderung im Kunstunterricht (Diplomarbeit), 2010

Cécile Jeremias: Time-based art ‒ die Zeit als Thema und gestalterisches Element in der Gegenwartskunst mit Überlegungen zum Kunstunterricht an der Realschule, 2009

Jochen Kaunert: arte-TV-Trailer. Möglichkeiten der Thematisierung im Kunstunterricht, 2001

Mareike Kipper: All Together Now. Der Animationsfilm Yellow Submarine und seine didaktische Relevanz, 2012

Dirk Kohler: Lola rennt. Produktionsorientierte und integrative Filmdidaktik an der Hauptschule, 2009

Joachim Kügele: Die Produktion eines Zeichentrickfilms mit Jugendlichen. Grundlagen für einen Unterricht an der Hauptschule, 2001

Christin Kunzer: »That´s the great thing about art!” Kunst als Zitat im Zeichentrickfilm. Möglichkeiten der Thematisierung im Kunstunterricht der Sekundarstufe 1, 2017

Carmen Lingenthal: Shooting in Palestine. Filmbildung in der West Bank, 2012

Nora Orth: »Das Salz der Erde«. Eine Analyse des Films von Wim Wenders über Sebastiao Salgado und die Thematisierung der sozialdokumentarischen Fotografie im Kunstunterricht der Sekundarstufe, 2016

Katja Maier: Wie erkläre ich die Visuelle Kommunikation? Filmische Vermittlungsstrategien zu einem kunstdidaktischen Konzept in Theorie und Praxis, 2016

Christopher Pfeiffer: Titelei im Film. Ihre Typografie, Funktion und didaktischen Möglichkeiten im Kunstunterricht an der Realschule, 2007

Theresa Quentmeier: Der Film »Frida«. Ein Bio-Pic und seine didaktische Relevanz, 2011

Dana Rieder: Daumenkino in der Grundschule, 2006

Carolin Robert: Der Kurzfilm als Gegenstand eines integrativen Lernens in den Fächern Bildende Kunst und Deutsch, 2009

Sigrid Claudia Rudloff: Gefilmtes Künstlerleben. Das Genre des Biopic und seine fachdidaktische Relevanz für den Kunstunterricht an Realschulen, 2013

Jana Sachs: Wie erkläre ich die Künstlerische Bildung? Darlegung einer didaktischen Konzeption und ihre Visualisierung in einem eigenen Erklärfilm, 2017 

Sabine Schloz: Experimentelle Filmmontage und ihre Relevanz für den Kunstunterricht in der Sek. I

Nicolas Schuster: Wie erkläre ich das Ästhetische Projekt? Filmische Vermittlungsstrategien zu einem kunstpädagogischen Konzept in Theorie und Praxis, 2017 (i.A.)

Monika Swiechowska: Die Kurzfilme von Roman Polanski. Möglichkeiten der Thematisierung im Kunstunterricht an der Realschule, 2013

Jennifer Ursprung: »What happens between each frame …«. Pixilation: Geschichte, Formen und Möglichkeiten im Kunstunterricht, 2010

Grit Vater: Spielfilm – ein Gegenstand für den Kunstunterricht an der Realschule?, 2017 

Philipp Vollmer: Illusionistisches Produktionsdesign im Film. Geschichte, Techniken, kreative Möglichkeiten für den Kunstunterricht, 2010

Julia Vuerich: Drehort Schule & Co. Modelle der Filmbildung für Lehrerinnen und Lehrer Bestandsaufnahme, Kategorisierung, kritische Würdigung, 2016

Gabriela Walter: Die Kunstgeschichte als Inspirationsquelle im Werk des Videokünstlers Bill Viola.

Konsequenzen für den Kunstunterricht an der Realschule, 2005

Jochen Weinel: Film stills im Kunstunterricht der Grundschule, 2005

Berna Wieclaw: Stillleben in Bewegung. Tradition und Wandel eines Bildmotivs im Zeitalter der Neuen Medien und Möglichkeiten der Thematisierung im Kunstunterricht an der Realschule, 2015

Ina Wietschorke: Der »TV-Garden« von Nam June Paik. Möglichkeiten der Thematisierung von Videokunst in der Grundschule, 2004

Leoni Willnow: Animation – ein Filmprojekt mit Kindern. Planung, Durchführung, Evaluation, 2009

Stefan Wintermantel: Kinder im Krieg als Thema des Kurzfilms. Möglichkeiten der Integrativen Filmdidaktik an der Hauptschule, 2015

Daniel Wolf: Die Experimentalfilme von Norman McLaren und ihre didaktische Relevanz für den Kunstunterricht an der Realschule, 2010

Fédor Zimmermann: Neue Formen der Animationsfilmkunst. Möglichkeiten der Thematisierung im Kunstunterricht der Realschule, 2004