Schrift und Typografie

 

Typografie für Kinder und Jugendliche

Lesekompetenz eröffnet den Zugang zu Bildung im Allgemeinen und zum Sprachverständnis im Besonderen. An der Schnittstelle zwischen Sprachwissenschaft/-didaktik und Kunst/Ästhetik erforscht Typografie für Kinder die Funktionalität und Ästhetik gedruckter Schrift im Lese(lern-)prozess. Damit versteht sich Typografie für Kinder explizit als interdisziplinäres Forschungsprojekt.

Forschungsbereiche

Derzeit bereits laufende oder in Vorbereitung befindliche Vorhaben (z.B. zusammen mit dem interdisziplinären Forschungsverbund „Visualisierung sprachlicher Strukturen“)

1 Schriftvariabilität: Erstleser

Neurowissenschaftlich fundierte Leseforschung (Dehaene 2009) macht klar, dass Lesenlernen auf der Fähigkeit des verstärkten Unterscheidens invarianter Buchstabenmerkmale (ebda. S.160) basiert. Daraus lässt sich folgern, dass sich Lesefähigkeit gerade nicht am Buchstabenbild einer einzigen Schriftfamilie entwickeln kann, dass sie im Gegenteil sogar einer schriftästhetischen Variabilität bedarf.

2 Schriftvariabilität: Schriftästhetik

Die Auswirkung typografischer Varianz auf das kindliche Lesen wurde bisher nur im Bezug auf Schriftklassifikation (Z.B. Antiqua vs. Groteskschriften) und dabei ausschließlich auf objektive Parameter der Lesbarkeit hin untersucht (Zachrisson 1965).

Schriftrezeption: Das subjektive Verhältnis von Kindern und Jugendlichen zur Schriftästhetik ist bislang nicht systematisch erfasst. Eine eigene Pilotstudie (Heyl 2011) lässt erkennen, dass Kinder zu differenzierten Wahrnehmungen und verbalem Ausdruck bezüglich Kategorisierung und Unterscheidung formaler Schriftmerkmale in der Lage sind.

Schriftrealisation: Untersuchung zu typografischen Gestaltungs- und Ausdrucksentscheidungen von Kindern.

3 Visualisierung sprachlicher und grammatikalischer Strukturen durch Typografie

Schrift organisiert und visualisiert grammatikalische Strukturen. Makro- und mikrotypografische Gestaltungs- und Satzentscheidungen wirken auf die Identifizierbarkeit und Merkbarkeit von einzelnen Graphemen, Silben, morphematischen Strukturen und ganzen Worten ein. Es wird untersucht, welche Bedeutung typografische Parameter wie Schriftwahl, -satz, -auszeichnung bei der „schriftbildhaften“ Visualisierung insbesondere auch in der Fremdsprachendidaktik erlangen können.

4 Schriftschreiben - Schreibschriften

Für den Umgang mit Schrift gibt es in der Schule drei Bezugsfelder: Verfassen von Texten, Rechtschrift und Schriftrealisation. Letzteres wird von der Hochschullehre und von der Forschung am wenigsten erfasst (vgl. Hasert 1998)

Vor dem Hintergrund der Einführung bzw. Erprobung der so genannten „Grundschrift“ (vgl. Grundschulverband 2011)  gilt es, die Bedeutung einer verbundenen Schreibschrift für den Schriftspracherwerb zu erfassen und unter dem Aspekt der Kognition, der Schreibmotorik und Ästhetik zu untersuchen.

Die Schnittfläche Kunst/Deutsch bzw. Typografie/Sprachwissenschaft wurde in einem interdisziplinären Lehrprojekt (Tandem-teaching) zusammen mit Prof. Dr. Gretsch im WS 2012/13 und SS 2014 erschlossen und in einer Lehrdokumentation dokumentiert.

(Prof. Dr. Thomas Heyl)

Publikationen

Heyl,T./Wörgötter,M (2012) Praxis Kunst: Schrift und Typografie Schroedel Braunschweig

Heyl, T. (2012) Selbstbeschreibungen In Oomen-Welke Ingelore, Staiger Michael Bilder in Medien, Kunst, Literatur, Sprache, Didaktik Freiburg