Frageformen

1. Erzählaufforderungen formulieren

Auszug aus Helfferich, Cornelia (2011). Die Qualität qualitativer Daten. Manual für die Durchführung qualitativer Interviews. VS-Verlag. 4. Auflage (S. 102-103)

Für narrative Interviews ist es von entscheidender Bedeutung, einen geeigneten Erzählstimulus zu finden, der ein „erzählbares“ Thema einführt, um Material für die Rekonstruktion von subjektiven Deutungen zu gewinnen. Es wird empfohlen, die Generierungskraft einer Frage vorher durchzuspielen (zu Erzählstimuli: Lucius-Hoene/Deppermann 2002, 266 und 293ff). Erzählaufforderungen können unterschiedlich moduliert sein; die möglichen Varianten sind in ihren Nuancen genau abzustimmen und auf Präsuppositionen hin zu prüfen.

FORSCHUNGSBEISPIEL 8: MODULIERUNG VON ERZÄHLAUFFORDERUNGEN

In einem Forschungsprojekt zu Wohngemeinschaften wurden Varianten einer ganz of- fenen Einstiegspassage durchgespielt.

2. Was man im Interview vermeiden kann

Auszug aus Helfferich, Cornelia (2011). Die Qualität qualitativer Daten. Manual für die Durchführung qualitativer Interviews. VS-Verlag. 4. Auflage (S. 107f)

„Generell gilt: Ein Interviewerfehler besteht darin, unbewusst und unkontrolliert den Kommunikationsprozess zu beeinflussen, so dass die Kommunikation gestört und das Ziel des Interviews gefährdet wird. Prinzipiell ist das Spektrum der zulässigen Fragear- ten nach dem Forschungsgegenstand zu bestimmen.

Im Einzelnen gilt:

FORSCHUNGSBEISPIEL 10: PRÜFUNG VON FRAGEFORMULIERUNGEN AUF DAS BEI ANTWORTEN ABVERLANGTE REFLEXIONSNIVEAU

In einem Projekt wurden Bewohner und Bewohnerinnen einer integrativen Wohnge- meinschaft zu ihren Erfahrungen in der WG befragt. Der Leitfaden sah Frage vor wie z.B.:

Nach einem Pretest wurde das Abstraktions- und Reflexionsniveau verringert. Die Erzählperson wurde gebeten, die Mitglieder der WG vorzustellen. Die zweite Frage wurde z.B. umgewandelt zu einer Frage nach einem Beispiel, wo es nicht gut lief in der WG, die dritte Frage zu einer Frage nach einem positiven Beispiel.

Diese allgemeinen Frageregeln können so formuliert werden, weil die indi- zierten Fragen generell den Kommunikationsfluss hemmen und damit dem Basisprinzip qualitativer Interviews nicht genügen. Auch in der klientenzen- trierten Gesprächsführung gelten u.a. direkte Fragen, Bewertungen, das Auf- zeigen von Ursachen oder das Angebot von Lösungen als „Gesprächsstörer“. Vorsicht ist geboten bei „Warum-Weshalb-Wieso“-Fragen: Sie können als in- direkte Kritik (Dahmer/Dahmer 1982, 68) aufgefasst werden, sie können eine Haltung vermitteln, „alles (oder doch das meiste) sei über Kausalketten zu erklären“ (Pallasch/Kölln 2002, 80). Das Verlangen nach einer (Selbst-)Er- klärung kann die Befragten überfordern.

Darüber hinaus hängt es sehr vom Forschungsgegenstand und, damit zu- sammenhängend, von der Interviewform ab, was als Interviewerfehler definiert ist.“

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Literatur:

Artikel zusammengestellt von Debora Niermann (2016)

Zitation:

Niermann, Debora (2016). Frageformen. QUASUS. Qualitatives Methodenportal zur Qualitativen Sozial-, Unterrichts- und Schulforschung. URL (https://yourls.ph-freiburg.de/km)