GEFALLENE VON GETTYSBURG NACH DER VERLUSTREICHSTEN KRIEGSCHLACHT    AUTOR:
 TILL SONDERMANN

Von 1861-1865 tobte der erbittertste und verlustreichste Krieg, den die USA in ihrer 240jährigen Geschichte je ausgefochten haben. Diesem Bürgerkrieg, der die Vereinigten Staaten teilen und schließlich wieder einen sollte, fielen etwa 2 Prozent der Bevölkerung zum Opfer. Schlachten von bis zu 51.000 Opfern hielt der Krieg für die kämpfenden Soldaten bereit, doch machten die Armeen auch nicht vor Aktionen gegen die Zivilbevölkerung halt. General William Tecumseh Sherman (1820-1891), ein scharfer Gegner der Sezession und gerissener Taktiker, kommentierte 1880 in Columbus (Ohio) den Krieg: „Some of you young men think that war is all glamour and glory, but let me tell you boys, it is all hell“.

1. Der Weg in den Krieg

„Der Konflikt spitzt sich zu“

Nach der Sezession der ersten Südstaaten im Herbst 1860 und der Gründung der Konföderierten Staaten von Amerika 1861 verlagerte sich der Konflikt von der politischen auf die militärische Ebene. Im Verlauf des Frühlings 1861 begann die Konföderation, die Armeebestände der Union auf ihrem Territorium zu beschlagnahmen. Als am 12. April 1861 die US-Armee sich weigerte, von der Enklave Fort Sumter (Charleston, South Carolina) abzurücken, eskalierte die Situation mit dem darauf folgenden Beschuss – der Amerikanische Bürgerkrieg begann.

Die erste Schlacht

Kriegsbegeisterung erfasste das Land, und auf beiden Seiten meldeten sich Tausende Freiwillige. Getrieben von dem Gedanken, der Konflikt könne mit einer Schlacht beendet werden, trafen am 21. Juli 1861 die Armeen des Nordens und des Südens das erste Mal aufeinander. Gut 40 Kilometer südlich von Washington kam es zur Schlacht von Bull Run (First Manassas), die als Massenspektakel begann und zum Desaster für die Union wurde. Schnell wurde beiden Militärführungen klar, dass das Ziel, den Krieg in 90 Tagen zu beenden, zu revidieren war.

Das erste Kriegsjahr 1861

Im ersten Kriegsjahr wurden die Armeen hauptsächlich an der Ostküste konzentriert. Dort wurden folglich die ersten größeren Schlachten geschlagen – meist mit Niederlagen für die Union. Da die Nordstaaten jedoch über die größere Seestreitmacht verfügten, verhängten sie bereits 1861 eine Seeblockade über die Südstaaten. Ziel war, Waffenimporte zu verhindern und den Export von Baumwolle, dem wichtigsten Wirtschaftsgut des Südens, zu unterbinden.

DER BERÜHMTE ANAKONDA-PLAN
VON GENERAL SCOTT (1861)

Der Strategie der Seeblockade lag der von General-in-Chief Winfield Scott (1786 – 1866) propagierte Anakonda-Plan zugrunde. Durch eine vollständige, aber eher passive Abriegelung des Seeweges der konföderierten Ost- und Südküste erhoffte sich Scott, die abtrünnigen Staaten wirtschaftlich zu ‚ersticken‘. Zugleich sollten Unionstruppen von New Orleans aus den Mississippi aufwärts vordringen, um somit die Konföderation in zwei Teile zu spalten. Jedoch gelang es der Unions-Marine zu keiner Zeit des Krieges, die über 4.800 Küstenkilometer lückenlos zu patrouillieren.


KRIEGSZIELE

  • der Union: Zurückeroberung der Südstaaten, nachdem die Sezession für verfassungswidrig deklariert worden war.
  • der Konföderation: Internationale Anerkennung der Unabhängigkeit und Ermüdung der Kriegsbereitschaft der Nordstaaten.

TECHNISCHE INNOVATIONEN

  • Neue Gewehrkugeln (Minié Balls), mit denen weiter und genauer geschossen werden konnte.
  • Neue Gewehre (Springfield und Enfield), deren gezogene Läufe eine erhöhte Reichweite und Treffgenauigkeit ermöglichte.
  • Einsatz von Eisenbahnzügen, die vor allem der Union eine schnelle Verlegung und Versorgung der Truppen sicherte.
  • Telegraphen, die der Union bei der Koordinierung der Truppen halfen.

UNTERSCHIEDLICHE NAMEN DER SCHLACHTFELDER

  • Die Union betitelte die Schlachten meistens nach nahegelegenen Flüssen oder Bächen.
  • Die konföderierte Seite zog zur Namensgebung die in der Nähe liegenden Städte vor.
  • Faktoren wie der militärische Sieger, die Öffentlichkeit oder die Medien beeinflussten, welche Bezeichnung der Schlacht sich schließlich durchsetzte.

2. Das zweite Kriegsjahr 1862

„Ein langer Weg voraus“

1862 änderte die Union zunächst ihre Strategie, um die Kontrolle über Verkehrswege, Flüsse und Häfen zu erlangen.

Damit verbunden, verlagerte sich schließlich die Kriegsfront zunehmend in den Mittleren Westen der USA. Ziel der Union war, den Mississippi vollständig zu kontrollieren, da er als Lebensader der Konföderation galt.

Der Kampf um den Mississippi im Einzelnen:

  • Während des Vorstoßes entlang des Tennessee Rivers kam es vom 6. bis 7. April 1862 zur bislang größten Schlacht im Westen. Der aufstrebende General Ulysses S. Grant (1822–1885) entschied die Schlacht bei Siloh (Pittsburg Landing) für sich und ermöglichte dadurch die Einnahme von Memphis.
  • Der Partisan Ranger Act (12. April 1862) integrierte Guerilla-Truppen in die konföderierte Armee. Angriffe von Partisanen gegen die Versorgungslinien und Eisenbahnen der Union häuften sich daraufhin.
  • Auf dem Mississippi wurden schwer gepanzerte Dampfschiffe eingesetzt.
  • Ende April landeten Unionstruppen im Mississippi-Delta und besetzten New Orleans.

Den Südstaaten gelang es jedoch, die Kontrolle über die stark befestigte Stadt Vicksburg zu behaupten und somit den vollständigen Verlust des Mississippis zu verhindern.

Umkämpftes Richmond

Auf dem östlichen Schlachtfeld verfolgte die Union eine andere Strategie, denn das Ziel war Richmond, die Hauptstadt der Konföderation, zu erobern. Doch der Versuch, den Krieg auf diese Weise zu beenden, scheiterte. Ende Juni 1862 kam es zur längsten Schlacht des Krieges, der Sieben-Tage-Schlacht südöstlich von Richmond. General Robert E. Lee (1807 –1870) organisierte die Verteidigung der Südstaaten und führte die Army of Nothern Virginia zwischen dem 28. und 30. August 1862 in einen erfolgreichen Gegenangriff, der zweiten Schlacht von Bull Run (Secound Manassas).

Obgleich im Osten stark gebeutelt, gelang der Union schließlich ein großer Sieg bei Antietam (Sharpsburg) am 19. September 1862. Trotz ihrer wirtschaftlichen und militärischen Übermacht kristallisierte sich heraus, dass nur die vollständige Eroberung des Südens den Sieg bringen würde.

FELDLAZERETT BEI ANTIETAM (1862)

3. Ereignisse und Schlachten 1863

„Die militärische Entscheidung“

Am 1. Januar 1863 trat die Emancipation Proclamation in Kraft. Lincoln erklärte alle Sklaven in den Südstaaten für frei. Über den Erhalt der USA hinaus wurde für die Nordstaaten fortan auch die Abschaffung der Sklaverei zum Kriegsziel.

Im März 1863 wurde in den Nordstaaten die allgemeine Wehrpflicht ausgerufen, von der sich wohlhabende Bürger jedoch freikaufen konnten. Daraufhin kam es in Städten der Ostküste zu Krawallen und Tumulten.

Invasion des Nordens

Nach der siegreichen Schlacht von Chancellorsville vom 2. bis 6. Mai 1863 beschloss die Führung der Konföderierten, den Krieg auf das Territorium der Union zu tragen. Daraufhin überschritt im Juni die Army of Northern Virginia unter Führung von General Lee die Grenze, verfolgt von der Army of the Potomac unter General Meade (1815-1872).

GENERAL ROBERT E. LEE (1864)

Eher zufällig als geplant trafen beide Armeen bei der Kleinstadt Gettysburg am 1. Juli 1863 aufeinander. Am ersten Tag der Schlacht behaupteten sich die Konföderierten und drängten die Unionstruppen auf eine Anhöhe zurück, die am folgenden Tag heftig, aber ohne Ergebnis umkämpft wurde. Als am dritten Tag General Lee einen großen Angriff, den berühmten Picket Charge, befahl, liefen die Konföderierten in das Feuer der Unions-Stellungen.

Geschlagen musste sich Lee zurückziehen, was seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit zerstörte. Zwar blieb seine Armee intakt und der Krieg dauerte weiter an, doch das Heer der Konföderierten hatte von nun an aus der Defensive heraus zu agieren.


MASSENKOMMUNIKATION

    • Der Amerikanische Bürgerkrieg ist der erste durch Fotografien dokumentierte Krieg.
    • Die Meinung der Öffentlichkeit wurde stark durch Berichterstattung und Fotografien beeinflusst.
    • Generäle verhängten Nachrichtensperren, um ihre Feldzüge und Taktiken zu verschleiern.

      Der geteilte Süden

      Bereits seit Frühjahr 1863 hatte Präsident Lincoln die Einnahme von Vicksburg als Schlüssel zum Sieg betrachtet. Nach mehreren erfolglosen Angriffen belagerten General Grants Unionstruppen die Stadt seit dem 25. Mai 1863, bis sich deren Besatzung kurz nach der Schlacht von Gettysburg schließlich am 4. Juli 1863 ergab. Diese Niederlage bedeutete für die Südstaaten sowohl den Verlust des Mississippis als Transportweg für den militärischen Nachschub und den Warenverkehr als auch die Zweiteilung des Territoriums.


      ”No terms except unconditional and immediate surrender can be accepted“, lauteten Grants Kapitulationsforderungen.

      Keegan, John. Der Amerikanische Bürgerkrieg. 1. Aufl. Berlin: Rowohlt Berlin, 2010, S. 218

      BELAGERUNG VON VICKSBURG (1880)

      Obgleich im Westen der USA die Fronten sich erheblich zu Gunsten der Union verschoben hatten, lag das Hauptaugenmerk der Öffentlichkeit weiterhin auf der kaum veränderten Kriegslinie in Virginia. Kritisch für Lincoln wurde die Situation durch die bevorstehende Präsidentschaftswahl 1864, deren Ausgang entscheiden sollte, wie dieser Krieg enden werde.


      FAKTEN

      Zu Kriegsbeginn hatten die feindlichen Armeen mit dem Vorrücken in geschlossener Formation unter abwechselnden Gewehrsalven noch traditionelle Taktiken eingesetzt. Doch infolge verbesserter Gewehre und modernisierter Artillerie forderten die Schlachten nun hohe Verluste. Daher ging die Kriegführung beider Seiten jeweils zu Stellungsschlachten und Flankierungsmanövern über.

      Die Gettysburg Address

      „Die Rede an die Nation“

      Seine berühmteste Rede hielt Präsident Lincoln zur Einweihung des Soldatenfriedhofs von Gettysburg am 19. November 1863. Im Anschluss an die in diesem Bürgerkrieg blutigste Schlacht mit 51.000 toten, vermissten oder verwundeten Soldaten schwor Lincoln die Union erneut auf ihre Ideale ein. Die nur knapp zwei Minuten lange, lediglich 272 Worte umfassende Rede ist wie die Verfassung ein zentraler Bestandteil der politischen Kultur in den USA:


      "Four score and seven years ago our fathers brought forth on this continent, a new nation, conceived in Liberty, and dedicated to the proposition that all men are created equal.

      Now we are engaged in a great civil war, testing whether that nation, or any nation so conceived and so dedicated, can long endure. We are met on a great battle field of that war. We have come to dedicate a portion of that field, as a final resting place for those who here gave their lives that that nation might live. It is altogether fitting and proper that we should do this.

      But, in a larger sense, we can not dedicate—we can not consecrate—we can not hallow—this ground. The brave men, living and dead, who struggled here, have consecrated it, far above our poor power to add or detract. The world will little note, nor long remember what we say here, but it can never forget what they did here. It is for us the living, rather, to be dedicated here to the unfinished work which they who fought here have thus far so nobly advanced. It is rather for us to be here dedicated to the great task remaining before us—that from these honored dead we take increased devotion to that cause for which they gave the last full measure of devotion—that we here highly resolve that these dead shall not have died in vain—that this nation, under God, shall have a new birth of freedom—and that government of the people, by the people, for the people, shall not perish from the earth.”

      Lincoln, Abraham. The Gettysburg Address: Abraham Lincoln. London: Penguin, 2009

      „Vor 87 Jahren gründeten unsere Väter auf diesem Kontinent eine neue Nation, in Freiheit gebildet und dem Gedanken geweiht wurde, dass alle Menschen gleich geschaffen sind.

      Nun stehen wir in einem großen Bürgerkrieg, um zu erproben, ob diese oder jede andere so gezeugte und solchen Grundsätzen geweihte Nation dauerhaft bestehen kann. Wir haben uns auf einem großen Schlachtfeld dieses Krieges versammelt. Wir sind gekommen, einen Teil dieses Feldes jenen als letzte Ruhestätte zu weihen, die hier ihr Leben hingaben, damit diese Nation leben möge. Es ist nur recht und billig, dass wir dies tun.

      Doch in einem höheren Sinne können wir diesen Boden nicht weihen - können wir ihn nicht segnen - können wir ihn nicht heiligen. Die tapferen Männer, Lebende wie Tote, die hier kämpften, haben ihn weit mehr geweiht, als dass unsere schwachen Kräfte dem etwas hinzufügen oder etwas davon wegnehmen könnten.

      Die Welt wird wenig Notiz davon nehmen, noch sich lange an das erinnern, was wir hier sagen, aber sie kann niemals vergessen, was jene hier taten. Es ist vielmehr an uns, geweiht zu werden der großen Aufgabe, die noch vor uns liegt - auf dass uns die edlen Toten mit wachsender Hingabe erfüllen für die Sache, der sie das höchste Maß an Hingabe erwiesen haben - auf dass wir hier einen heiligen Eid schwören, dass diese Toten nicht vergebens gefallen sein mögen - auf dass diese Nation, unter Gott, eine Wiedergeburt der Freiheit erleben - und auf dass die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk, nicht von der Erde verschwinden möge."

      www.sueddeutsche.de/politik /us-praesidentabraham-lincoln-der-bessere-amerikaner-1.2427134

      4. Feldzüge 1864

       „Das Jahr der Entscheidungen“

      Fürchterliche Schlachten im Osten und ein extremer Strategiewechsel im Westen kennzeichneten den Kriegsverlauf im Jahre 1864.

      Krieg an vielen Fronten

      Im Osten führte Grant, mittlerweile Oberbefehlshaber der Unionsstreitkräfte, den Krieg erfolgreich weiter. Allerdings konnte General Lee eine Eroberung Richmonds, der Hauptstadt Virginias, wie der Südstaaten noch wiederholt verhindern. Unter extrem hohen Verlusten führte der Feldzug beide Heere bis an die Stadt Petersburg, wo am 18. Juni 1864 der längste Stellungskrieg des Konflikts begann.

      The ’hard war’

      Wurde der Bürgerkrieg hauptsächlich bisher als Kampf einer Armee gegen eine andere geführt, änderte sich diese Strategie 1864.

      Im November begann General Sherman, unterstützt von Präsident Lincoln und General Grant, einen Feldzug, der den Widerstand des Südens endgültig brechen sollte. Quer durch den Bundesstaat Georgia terrorisierte seine Armee die Bevölkerung und zog eine Schneise der Verwüstung; denn ohne Nachschub waren Shermans Truppen mitten in feindlichem Gebiet auf Plünderungen angewiesen.

      Anfang September fiel das „Herz des Südens“, die Stadt Atlanta. Die Bevölkerung wurde aus der Stadt evakuiert, und die gesamte kriegswichtige Industrie und Infrastruktur wurden zerstört.

      SHERMANS MARCH TO THE SEA
      (CA. 1883)

      “War is cruelty and you cannot refine it; and those who brought war into our country deserve all the curses and maledictions a people can pour out"

      schrieb General Sherman am 12. September 1864 an den Bürgermeister von Atlanta, James Calhoun.
      Sherman, William T. Memoirs of General William T Sherman: By Himself; in two Volumes. New York: Appleton, 1875, S. 600.

      5. Der Sieg der Union 1865

      „Die verbleibenden Schritte zum Frieden“

      Anfang Februar 1865 fiel der letzte bedeutende Hafen des Südens, Wilmington, mit dem Sturm auf das Fort Fisher. Dadurch war die Seeblockade durch die Union lückenlos.

      Der letzte Marsch

      Von Savannah aus hatte General Sherman gleich zu Jahresbeginn den Feldzug fortgesetzt. Die Unionstruppen durchquerten South Carolina und besetzten dessen Hauptstadt Columbia, die in Flammen aufging. Eine der letzten Armeen des Südens vor sich hertreibend, überquerten Shermans Truppen die Grenze zu North Carolina und schlugen bei Bentonville vom 19. bis 21. März 1865 die letzte Schlacht dieses Feldzuges.

      RUINEN VON CHARLESTON, SOUTH CAROLINA
      (ZWISCHEN 1861 - 1865)

      Das Ende

      General Grant hielt die Belagerung Petersburgs aufrecht, bis General Lee am 2. April 1865 Richtung Westen abrückte und damit auch Richmond ohne Schutz zurückließ. Doch Lees Armee wurde am 9. April 1865 eingekreist. Der Konföderation blieb nur noch die Kapitulation, die im Court House von Appomattox vollzogen wurde.

      SIEGER UND OPFER

      Die Union hatte dank ihrer materiellen und militärischen Übermacht nach vier Jahren den Sieg erringen können. Aber sie musste zu Lasten der Zivilbevölkerung extreme Strategien anwenden, um den Süden zu bezwingen. Etwa 620.000 Menschen, also ca. zwei Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung, waren dem Krieg schließlich zum Opfer gefallen.

      6. Statistik des Krieges

      Die Truppen von Union und Konföderation stießen in diesem Krieg unzählige Male aufeinander. Die genaue Anzahl der Opfer wie der Schlachten ist daher nicht nachweisbar. Der Begriff „Schlacht“ umfasst kleinere Scharmützel und Überfälle ebenso wie Seeschlachten, Belagerungen und mehrtägige Gefechte.

      Zu den Opfern dieser Schlachten zählten jedoch nicht nur die Mitglieder der kämpfenden Truppen, sondern auch Zivilisten und Sklaven, zu deren Anzahl die Angaben enorm variieren.

      Dessen ungeachtet ermöglicht die folgende Statistik, die militärische und politische Dimension des Bürgerkrieges zu ermessen:

      Die größten Schlachten

       Gettysburg

      51.000

       Chickamauga

      34.624

       Spotsylvania

      30.000

       The Wilderness

      29.800

       Chanellorsville

      24.000

       Shiloh (Pittsburg Landing) 23.746

       Stone's River

      23.515

       Antietam (Sharpsburg)

      22.717

       Secound Bull Run
       (Secound Manassas)

      22.180

       Vicksburg

      19.233

      www.civilwar.org/learn/articles/civil-war-casualties

      Allgemein

       

       Union

       Konföderierten

       Grenzstaten*

       Gesamt Bevölkerung

      18.500.000

      9.000.000

      3.000.000

       Freie Bevölkerung

      18.500.000

      5.500.000

      2.500.000

       Sklaven

       

      3.500.000

      500.000

       Finanzen (Einlagen und Bargeld) 234.000.000 74.000.000 29.000.000

       Männer unter Waffen

      2.672.341

      750.000 - 1.227.890

       

       Gesamte Verluste 642.427 483.026

       Im Kampf gefallen

      110.100

      94.000

       Tot durch Krankheit

      224.580

      164.000

       

       Verwundet

      275.174

      194.026

       

      Tod in Kriegsgefangenschaft 30.192 31.000

      * Maryland, Delaware, West Virginia, Kentucky and Missouri

      www.nps.gov/civilwar/facts.htm

      7. Schwarze Soldaten

      „Emanzipation als Kriegsführung"

      Schon unmittelbar nach Beginn des Krieges im Frühling 1861 bildeten sich in den Unionsstaaten Freiwilligenmilizen schwarzer Männer. Hingegen ließ nur ein Staat der Konföderation, nämlich Louisiana, eine solche Miliz zu.

      Sklaven und Sklavinnen aus den Südstaaten flüchteten seit den ersten Kriegswochen zu den Unionstruppen. Da keine klaren militärischen Richtlinien bestanden, wie in solchen Fällen zu verfahren sei, wurden die Flüchtigen z.T. ihren „Besitzern“ wieder zugeführt, als Arbeitskräfte in den Feldlagern eingesetzt oder frei gelassen.

      GEFLÜCHTETE SKLAVEN (ZWISCHEN 1861-1865)

      Als sich in der Militärführung der Union die Ansicht verbreitete, dass die Wirtschaftskraft des Südens zu zerstören sei, rückte die Abschaffung der Sklaverei in den politischen Fokus. Denn jeder auf einer Plantage arbeitende Sklave ermöglichte einem weißen Soldaten den Kampfeinsatz für die Konföderation. Die Union erklärte mit der Emancipation Proclamation vom Januar 1863 die Sklaven und Sklavinnen in den Südstaaten für frei und ermöglichte ihnen somit die Rekrutierung und Bewaffnung im Militär der Nordstaaten. Daraufhin wurden 166 schwarze Regimenter aufgestellt, die allerdings zumeist von weißen Offizieren befehligt wurden. Im Jahre 1865 gehörten 180.000-200.000 Afro-Amerikaner dem Unionsheer an, das somit zu etwa zehn Prozent aus Schwarzen bestand.

      COMPANY E, 4th U.S. COLERED INFANTRY (CA. 1863)

      Im Unionsheer erhielten schwarze Soldaten einen geringeren Sold als weiße. Ihnen drohte jeweils der sichere Tod, falls sie von konföderierten Soldaten gefangen genommen wurden.

      Schwarze Soldaten waren überdies besonderen Herausforderungen ausgesetzt, da ihr Mut und ihre Zuverlässigkeit von weißen Militärs zunächst in Frage gestellt worden war. Sie zeichneten sich jedoch in vielen Kämpfen aus – wie z.B. in den Schlachten von Vicksburg, Fort Wagner und Petersburg.

      Erst gegen Ende des Krieges im November 1864 entschloss sich die Konföderation, ihren Bedarf an Soldaten durch die Rekrutierung von Sklaven zu kompensieren. Sie teilte schwarze Soldaten den Versorgungsregimentern zu und ließ sie somit nicht an den Kämpfen der Truppe teilnehmen.

      8. Deutsche Einwanderer im Bürgerkrieg

       „Integration durch den Militärdienst?“

      Den Armeen der Union wie der Konföderation gehörten seit Beginn des Konfliktes viele Migranten an; in der Unionsarmee bildeten deutsche Einwanderer mit einem Anteil von etwa 10 Prozent die größte Gruppe.

      Gründe für enlistment

      Bei deutschen Einwanderern waren die Beweggründe für den Einsatz im Bürgerkrieg ähnlich vielfältig wie bei anderen Kriegsteilnehmern. Durch die während des Krieges eingeführte Wehrpflicht (Drafts) reichten diese Gründe vom Zwang über finanzielle Anreize wie dem in Aussicht gestellten Sold bis zum politisch motivierten Engagement. Letzteres galt vor allem für sog. „48er“, also die nach der gescheiterten Revolution von 1848 in die USA eingewanderten Deutschen wie z.B. Carl Schurz (1829-1906) oder den in den Kämpfen hervorragenden, aber umstrittenen General Franz Sigel (1824-1902).

      CARL SCHURZ
      (WÄHREND DER JAHRE 1860 BIS 1875)

      Viele der deutschen Einwanderer waren Katholiken und zählten somit zu den Stammwählern der Demokraten. Auch wenn sie somit eher zu den Kriegsgegnern gerechnet werden könnten, lehnten viele meist aus vornehmlich humanistischen Gründern die Sklaverei ab. Generell lässt sich aber nicht behaupten, dass sich die ‚neuen‘ amerikanischen Bürger gegen die Peculiar Institution eingesetzt hätten. Vielfach wurden Abolitionisten als Extremisten angesehen, welche die natürliche soziale Ordnung stürzen wollten.


      Christian Häring Einwohner Wilmingtons 1863:

      „So for the workers there was no other way to earn a living except to enlist. And others who didn’t have to make their living as laborers found it a good opportunity to play the role of an officer, and so it went, nothing but a competition to raise one regiment after the next, just to make money.”

      Brigade-Befehl von Colonel Henry Bohlen (1862):

      “The German fighter for the preservation of the Freedom and Union that Washington fought for and won will not stand back when tribute is to be paid to his memory”

      Kamphoefner, Walter D. and Wolfgang Helbich, Ed. Germans in the Civil War: The Letters They Wrote Home. Civil War America. Chapel Hill: University of North Carolina Press, 2006, S. 21 u. 219.


      Besondere Erfahrungen

      Die häufig formulierte These, dass der Amerikanische Bürgerkrieg als Melting Pot funktioniert und somit als integratives Werkzeug ‚Fremde‘ in die amerikanische Gesellschaft eingegliedert habe, ist kaum haltbar. Vergleichbar mit den Schwarzen zogen viele Einwanderer geschlossen mit ihren Kameraden, größtenteils sogar mit Vorgesetzten der eigenen Herkunftsgruppe in den Bürgerkrieg. Es gab ca. 30 deutsche Regimenter, und selbst in den aus verschiedenen Nationalitäten zusammengestellten Regimentern wurden Kompanien mit Soldaten aus dem gleichen Herkunftsland gebildet. Auch wenn die meisten Soldaten schließlich an der Seite von Nordamerikanern anderer Herkunft kämpften, kam es in den Unionstruppen um die Mitte des Krieges zu Entfremdungen.

      DAS FLIEHENDE XI CORPS BEI DER SCHLACHT VON CHANCELLORSVILLE (1889)

      Beispielsweise galten Deutsche seit Sommer 1863 als feige und wurden mit der Bezeichnung Flying Dutchman tituliert. Denn das hauptsächlich aus Deutschen bestehenden XI. Corps der Unionsarmee war in den Schlachten sowohl von Chancellorsville Anfang Mai 1863 als auch von Gettysburg zwei Monate später panisch geflohen, nachdem es von Truppen der Konföderierten förmlich überrannt worden war. Stellvertretend dafür stand die Erzählung um den Offizier Alexander Schimmelfennig (1824 -1865), der sich angeblich während der Schlacht von Gettysburg in einem Schweinestall versteckte. Doch im krassen Kontrast zu dem negativen Bild, das seither Teile der amerikanischen Presse zeichneten, stand das Selbstbild der Deutschen: Sich selbst beschrieben sie als die tapfersten und besten Soldaten der Union.


      Sergant August Horstman (1862):

      “And indeed the enemy has tremendous respect for German soldiers, so that even the farmers come running from all directions to see the flying Dutchman, as they call our German Division.”

      Kamphoefner, Walter D. and Wolfgang Helbich, Ed. Germans in the Civil War: The Letters They Wrote Home. Civil War America. Chapel Hill: University of North Carolina Press, 2006, S. 120 f.

                          STARTSEITE  ¦  EINLEITUNG  ¦  VORGESCHICHTE  ¦  ÜBERSICHT U. VERLAUF  ¦  FRAUEN IM KRIEG  ¦
              FRAUEN ÜBER DEN KRIEG 
      ¦  NACHKRIEGSPOLITIK UND RECONSTRUCTION  ¦  WOMEN ON 20S  ¦  ONLINE VITRINE