KARIKATUR DES STREITES ZWISCHEN DEN NORD- UND SÜDSTAATEN (UM 1865)   AUTOR:
 ANTONIO BARADIS

In den Antebellum-Jahren (1830-1860) befand sich die amerikanische Gesellschaft in einem Umbruch. Nord- und Südstaaten entwickelten sich immer weiter auseinander. Der Grund lag in unterschiedlichen Wirtschaftsformen, aber auch in Auseinandersetzungen um die Rechte der Bundesgewalt. Der hauptsächliche Konflikt drehte sich jedoch um die Sklaverei. Er verschärfte sich durch die westliche Expansion der USA. Dadurch gewann die Frage, ob die neuen Territorien Sklavenhalterstaaten werden sollten oder nicht, zunehmend an Bedeutung. Mitte der 1850er Jahre kam es in Kansas zu ersten, wenn auch noch lokal begrenzten Kämpfen. Dies war das Menetekel des Krieges. Mit der Wahl Abraham Lincolns zum 16. Präsidenten im Herbst 1860 begann die Sezession der Südstaaten.

1. Entstehung

des Konflikts seit Gründung der USA

Mit der Unabhängigkeitserklärung von 1776 konstituierten sich dreizehn Staaten zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Da sich das Land durch die Aufnahme neuer Gebiete ständig vergrößerte, mussten Politik und Wirtschaft der staatlichen Zentrale und der Einzelstaaten immer wieder aufeinander abgestimmt werden. Dieser Prozess war von großen Meinungsunterschieden insbesondere auch zur Frage der Sklaverei innerhalb der amerikanischen Bevölkerung gekennzeichnet und kulminierte schließlich im Bürgerkrieg 1861-1865.

4. Juli 1776:

Unabhängigkeitserklärung (Declaration of Independence)
Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika durch vormals britische Kolonien.

4. März 1789:

Inkrafttreten der Verfassung
ermöglichte die Konstituierung Bundesstaates USA, dem wiederum einzelne Bundesstaaten mit jeweils eigenen Verfassungen angehören. Sitz der Zentralregierung ist Washington D.C.


Präsidialrepublik

  • Präsident:
    Staatsoberhaupt und Regierungschef
  • Kongress:
    Zwei-Kammer-System: Repräsentantenhaus und Senat
    Zuständig für Gesetze und Budget
  • Repräsentantenhaus:
    Legislative Willensvertretung der Einzelstaaten aller Amerikaner. Die Anzahl der Abgeordneten ist abhängig von der Größe der Bevölkerung der Einzelstaaten; 60 Prozent der Sklaven werden mitgezählt.
  • Senat:
    Legislative Vertretung der Einzelstaaten durch zwei Senatoren pro Staat

Die 13 Gründungsstaaten

  • New York
  • New Hampshire
  • Massachusetts
  • Rhode Island
  • Connecticut
  • New Jersey
  • Pennsylvania
  • Delaware
  • Maryland
  • Virginia
  • North Carolina
  • South Carolina
  • Georgia

2. Wirtschaft

Entwicklung bis Beginn des Bürgerkrieges

Bis zum Bürgerkrieg beeinflussten folgende Faktoren den Wirtschaftaufschwung in den USA:

Bevölkerungswachstum

Im frühen 19. Jahrhundert führten die verstärkten Einwanderungsströme aus Europa zu einem bedeutsamen Bevölkerungswachstum. Aus England immigrierten hunderttausende Handwerker, die im Zuge der britischen Industrialisierung dort kein Auskommen mehr hatten. Millionen Iren zogen zwischen 1845 bis 1849 in die USA, um der langanhaltenden Hungersnot in ihrem Land zu entliehen.

Ausbau der Infrastruktur

Die Siedler aus Europa bewohnten zunächst einen relativ schmalen Streifen entlang der amerikanischen Ostküste. Siedlungsgrenze war der Mississippi. Doch bald verschob sich die sogenannte Frontier immer weiter nach Westen. Die Westbewegung wurde begleitet von einem Ausbau der Infrastruktur – vor allem in den nördlichen Staaten. Dies hatte zur Folge, dass Menschen und Güter wesentlich schneller und günstiger transportiert werden konnten.

EISENBAHNNETZ DER USA 1858

Die Siedler aus Europa bewohnten zunächst einen relativ schmalen Streifen entlang der amerikanischen Ostküste. Siedlungsgrenze war der Mississippi. Doch bald verschob sich die sogenannte Frontier immer weiter nach Westen. Die Westbewegung wurde begleitet von einem Ausbau der Infrastruktur – vor allem in den nördlichen Staaten. Dies hatte zur Folge, dass Menschen und Güter wesentlich schneller und günstiger transportiert werden konnten.

Industrialisierung und Urbanisierung

Im Vergleich zu den Nordstaaten waren die Südstaaten dünn besiedelt. Während im Norden auf eine Quadratmeile 20 Einwohner kamen, waren es im Süden nur 13. Die geringere Bevölkerungsdichte hing vor allem mit der in den Südstaaten weniger weit fortgeschrittenen Industrialisierung und Urbanisierung zusammen.


Die Nordstaaten

Die Industrialisierung hatte ihren Schwerpunkt im Mittleren Westen und Nordosten. In den Städten des Nordostens entstanden zunächst Industriezweige, deren Verbindungen zur Landwirtschaft deutlich hervortraten: Schlachthöfe, Fleischverpackung, Landmaschinenbau, Holzverarbeitung und Brauereien. Die Städte St. Louis und Chicago entwickelten sich zu wirtschaftlichen Zentren. Entscheidend für den wirtschaftlichen Aufschwung war jedoch der Austausch mit den Staaten an der Ostküste. Von dort floss Kapital in Manufakturen und Industriebetriebe des Mittleren Westens. Gleichzeitig wurde im Nordosten die Heimarbeit durch Fabrikarbeiter ersetzt. Ab 1820 entwickelten sich sowohl die Textilindustrie als auch wenig später die Schuhindustrie. Die ersten Fabrikbelegschaften rekrutierten sich aus den Töchtern der Farmer (Mill Girls). Im Norden war die Urbanisierung zu einem Charakteristikum wirtschaftlichen Lebens geworden; so lebten z.B. im Jahr 1860 rund 200.000 Menschen in New York City. Außerdem waren Boston und Philadelphia bereits Großstädte.

Die Südstaaten

Die südlichen Staaten waren hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt. Neben Tabak- und Weizenanbau dominierte bei Farmern und Plantagenbesitzern die Produktion von Baumwolle (King Cotton). Hingegen blieb der industrielle Aufbau rudimentär. Auch wenn der Süden wirtschaftlich wuchs, modernisierte er sich kaum. Hinzu kam, dass die Baumwollproduzenten insofern von den Nordstaaten abhängig waren, als die dort ansässigen Bankiers und Kaufleute den Binnenhandel und die Küstenschifffahrt kontrollierten. Auch wurde Baumwolle aus den Südstaaten in den Nordstaaten zu Textilien verarbeitet und dann reimportiert. Georgias Hauptstadt Atlanta trug den Beinamen „Perle des Südens“ und war 1860 mit nur rund 9.500 Einwohnern die größte Stadt der Konföderation.

 

 GEMÄLDE NEW YORK 1851

 FOTOGRAFIE VON ATLANTA (UM 1863)

3. Politik

Frühe Parteienlandschaft

Die politische Entwicklung in den USA war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vom Dauerkonflikt zwischen den Anhängern einer dezentralen Staatsgliederung in den Südstaaten und einer starken Zentralregierung in den Nordstaaten geprägt. Dieser Antagonismus schlug sich in der frühen Parteienlandschaft nieder.

Wie heute dominierten Mitte des 19. Jahrhunderts sowohl die Demokratische als auch die Republikanische Partei die Politik in den USA. Während damals jedoch die Republikaner als fortschrittlich und die Demokraten als konservativ galten, sind ihre politischen Ziele heute jeweils genau umgekehrt orientiert.


ANDREW JACKSON
7. US-Präsident von 1829 bis 1837

Demokraten

Die Demokratische Partei wurde im Anschluss an Vorläuferorganisationen 1828 gegründet. Sie galt als erste durchorganisierte Volkspartei der Welt. Die Demokraten betonten die Autonomie, Freiheit und Rechtsgleichheit des Einzelnen. Der demokratische Politiker Andrew Jackson (1776-1845), der von 1829 bis 1837 als siebter US-Präsident amtierte, setzte sich für die Interessen ärmerer Bevölkerungsschichten ein. Zu seinen Wählern gehörten deshalb in erster Linie Einwanderer und Katholiken. Jackson befürwortete allerdings die Sklaverei und unterstützte die Bekämpfung der Native Americans. Die Sklavenfrage entwickelte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Zerreißprobe für die Partei und führte schließlich 1860 zu deren Spaltung. Die Demokraten der Nord- und der Südstaaten schickten folglich jeweils eigene Kandidaten in die Präsidentschaftswahlen.

ABRAHAM LINCOLN
16. US-Präsident von 1861 bis 1865

Republikaner

Die Republikanische Partei wurde 1854 gegründet. Ihr oberstes Ziel war die Abschaffung der Sklaverei, auch wenn sie insgesamt moderater auftrat als frühere abolitionistische Parteien. Die republikanische Wählerschaft rekrutierte sich vor allem aus Angehörigen der Ober- und Mittelschicht aus dem Norden und Mittelwesten. Ihr Kandidat Abraham Lincoln (1809-1861) wurde 1860 zum ersten republikanischen US-Präsidenten gewählt. Als Präsident erkannte Lincoln die verfassungsmäßigen Rechte der Sklavenhalter an und setzte somit nicht auf radikale Lösungen.


4. Gesellschaft

Im 19. Jahrhundert


Allgemeine Situation

Die amerikanische Gesellschaft bildeten vor allem folgende Bevölkerungsgruppen: Einwanderer, zumeist aus Europa, Sklaven, freie Schwarze und Native Americans. Das Pro-Kopf-Einkommen und der Lebensstandard lagen höher als etwa in Westeuropa. Allerdings kam der Wohlstand nicht allen Bürgern gleichermaßen zugute. Gut verdienende Farmer und städtisches Bürgertum bildeten eine breite Mittelschicht, welche die Werte und die Weltanschauung der amerikanischen Gesellschaft stark prägte.

Kennzeichen der amerikanischen Gesellschaft

Die Vereinigten Staaten sind ein Einwanderungsland. So wanderten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ca. 500.000 Deutsche nach Amerika aus. Viele von ihnen flüchteten infolge der gescheiterten Revolution von 1848 aus Deutschland. Zudem wurden viele europäische Einwanderer von billigem Land angelockt, da in ihren Herkunftsländern der Boden längst nicht mehr frei verfügbar war.

Zwischen 1790 und 1820 war die Bevölkerung in den USA von 4 auf 10 Mill. Menschen angestiegen. 1840 zählten die USA 17 Mill. Menschen, 1860 31,5 Mill., davon 3,9 Mill. Sklaven und Sklavinnen und etwa 500.000 freie Schwarze.

Die Südstaaten

Die Südstaaten waren gekennzeichnet durch den von eigenen Sitten, Werten, Verhaltensmustern und Rechtsverhältnissen geprägten Southern Way of Life. Durch das System der Sklaverei – der sog. Peculiar Institution – grenzte sich der Süden vom Norden sozial und kulturell ab. In den Südstaaten existierte unter den schweren Bedingungen der Sklaverei neben der dominanten weißen eine sehr aktive schwarze Lebens- und Kulturgemeinschaft.

PLANTAGE IN SOUTH CAROLINA (ZWISCHEN 1862-1864)

Die weiße Bevölkerungsgruppe war keineswegs homogen. Neben den einflussreichen Pflanzerfamilien, den Plantagenbesitzern, gab es viele kleinere Farmer (Yeoman) und Subsistenzwirtschaft betreibende Bauern. Dennoch fühlten sich die weißen Bewohner miteinander verbunden und entwickelten im Bürgerkrieg eine Form von Südstaaten-Nationalismus, durch den sie sich sowohl von der schwarzen Bevölkerung als auch von der weißen des Nordens abgrenzte.


1. Frauen und Männer

In den USA existierte seit Beginn des 19. Jahrhunderts mit den Separate Spheres das Prinzip der Trennung von männlichen und weiblichen Lebenswelten. Jedes Geschlecht hatte einen eigenen Handlungsbereich, für den bestimmte Werte und genaue Regeln galten.

Männer:

Männer gingen zur Arbeit und dominierten den öffentlichen Bereich: Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Sie besaßen außerdem die Entscheidungsgewalt über Familienangelegenheiten.

Die Last der Verantwortung, die Gefahr des Scheiterns und das Risiko des Lebens waren männliche Probleme.

Frauen:

Der Bereich der Frauen umfasste vor allem Hausarbeit und Kindererziehung. Nach der Heirat galten Frauen als Ehefrauen, Mütter und Hausfrauen. Rechte und begrenzte Freiheitsräume hatten sie nur in diesem Rahmen.

IDEALTYPISCHE STUFEN DES LEBENS EINER WEIßEN FRAU (1848)

Festgelegte Geschlechterrollen:

Männer:

  • aktiv
  • aggressiv/
    wetteifernd
  • materialistisch
  • klüger (als Frauen)
  • durchsetzungsfähig
  • stark
  • in der Öffentlichkeit
    stehend

Frauen:

  • True womanhood
  • passiv
  • scheu/demütig
  • häuslich
  • innerlich
  • tugendhaft
  • mitfühlend

Ausnahmen

Frauen, welche in Fabriken arbeiteten bzw. als Hausangestellte, Näherinnen oder Lohnarbeiterinnen tätig waren, konnten die Vorgaben der True Womanhood nicht erfüllen. Auch das Leben an der westlichen Frontier bot kaum Gelegenheiten, häusliche Tugenden zu entwickeln. In den Augen der Southern Ladies konnte die True Womanhood insbesondere nicht für die Sklavinnen gelten. Dennoch hielten diese die Genderrollen in ihren Familien aufrecht. American Native Women wiederum, welche traditionell für die Landwirtschaft zuständig waren, gaben im Zuge ihrer Anpassung an weiße Lebensgewohnheiten diesen Bereich an ihre Männer ab und lernten stattdessen Nähen und Weben.

Weiße Frauen

Die Möglichkeit der Bildung war unter den weißen Mädchen und jungen Frauen nicht gleichmäßig verteilt, sondern hing von der jeweiligen gesellschaftlichen Stellung, der Prioritätensetzung und den Finanzen der Eltern ab.

Durch den Unterricht sollten sie zwar in der Lage sein, den Haushalt besser zu führen, doch kein Leben außerhalb des Hauses anstreben. Die Schulbildung sollte vor allem die haushälterischen Fähigkeiten der Frauen verbessern, ohne ihre Werte und ihre Lebensauffassung grundsätzlich zu verändern. Die gut erzogene und ausgebildete Lady sollte ihren Mann unterstützen und nicht für sich selbst arbeiten.

Rechtliche Situation der Frau

  • Verlust des Eigentums bei Heirat
  • keine Erbberechtigung
  • kein politisches und gesellschaftliches Mitspracherecht
  • kein Wahlrecht
  • Studium nur in Ausnahmefällen

Ein Hauptproblem weißer gebildeter Frauen war, dass sie sich in ihren Haushalten und Familien isoliert fühlten. Um dem zu entgehen, traten sie mit einander in Kontakt. Durch den brieflichen Austausch entstand eine Schreibkultur über die den häuslichen Bereich betreffenden Alltagsfragen. Haushaltstipps und Kochrezepte wurden auch in speziellen Zeitschriften für Frauen veröffentlicht – z.B. in den jeweils in Philadelphia erschienenen Periodika Peterson´s Ladies Magazine (gegr. 1842) und Arthur´s Home Magazine (gegr. 1852).

Auszug aus Onkel Toms Hütte

„Mrs. Bird war eine schüchterne kleine Frau, die leicht errötete. Sie hatte sanfte blaue Augen, einen pfirsichzarten Teint und die lieblichste Stimme von der Welt. Was ihren Mut betraf, so soll ein mäßig großer Truthahn sie in die Flucht geschlagen haben, und ein Haushund konnte sie schon durch das Fletschen seiner Zähne einschüchtern. Ihr Gatte und ihre Kinder waren ihre ganze Welt, und hier herrschte sie mehr durch Bitte und Überredung als durch Befehl und Hartnäckigkeit. Jede grausame Handlung versetzte sie jedoch in leidenschaftliche Aufregung.“

Beecher Stowe, Harriet. Onkel Toms Hütte. 1. Aufl. Insel-Taschenbuch 3536. Berlin: Insel-Verl., 2010, S. 95.


2. Sklaven und Sklavinnen

In den Südstaaten hatten schwarze Männer und Frauen als Sklaven und Sklavinnen keine Rechte. Sie waren Eigentum ihres jeweiligen Besitzers – ähnlich wie Vieh: Dem Eigentümer war es möglich, sie zu verkaufen, zu vererben, zu verschenken, zu verleihen oder zu verpfänden. Sklavenhaltern war erlaubt, ihre Sklaven durch körperliche Gewalt nach eigener Entscheidung zu bestrafen, nur ihre Tötung war ausdrücklich verboten. Beim gewaltsamen Tod eines Sklaven wurde dem Täter allerdings nur eine Geldbuße auferlegt.

EIN BAUMWOLLFELD IN ALABAMA (UM 1860)

Sklavenfamilien konnten durch Verkäufe ihrer Mitglieder jederzeit auseinander gerissen werden. Daher wurden Eheschließungen von Sklaven und Sklavinnen rechtlich nicht anerkannt. Wenn jedoch eine Sklavin wie z.B. Harriet Tubman einen freien Schwarzen heiratete, wurden deren Nachkommen wiederum Sklaven oder Sklavinnen, da der Rechtsstatus der Mutter auch für die Kinder galt.

Zudem konnten Sklaven und Sklavinnen als Zeugen vor Gericht nicht auftreten. Dies hatte zur Folge, dass sie nicht gegen ihre Besitzer aussagen konnten, auch wenn diese gegen durchaus existierende Gesetze zur Ernährung, Einkleidung oder Unterbringung von Sklaven verstoßen hatten. Auf den Plantagen und Farmen mussten Sklaven harte Arbeit verrichten. Dabei übten die Sklavinnen eine Doppeltätigkeit aus: Auf den Feldern gingen sie der gleichen Arbeit nach wie die Männer, doch zudem mussten sie sich noch um Hausarbeit und Kinder kümmern.

SKLAVENFAMILIE VOR IHRER HÜTTE IN VIRGINIA (1863)

Situation der Sklaven und Sklavinnen:

  • keine Bürgerrechte
  • kein Wahlrecht
  • Heirat nur mit der Erlaubnis des Besitzers, aber nur in Form einer Ersatzzeremonie
  • kein Schulbesuch, Bildung nur in Ausnahmefällen
  • Organisationsverbot
  • kein militärischer Kampfeinsatz für schwarze Männer bis 1863

3. Refrombewegungen

Den in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehenden bürgerlichen Reformgesellschaften war gemeinsam, dass sie sich mit sozialen Missständen befassten und sich den Benachteiligten zuwandten. Zu den Gesellschaften gehörten neben der Anti-Sklaverei- und Frauenbewegung u.a. die Abstinenzbewegung.

Anti-Sklaverei-Bewegung (abolitionistische Bewegung)

FREDERIK DOUGLASS 1855
  • 1776 - 1804:
    Schrittweise Freilassung der Sklaven in den Nordstaaten
  • 1787:
    Verbot der Sklaverei in den nordöstlichen Staaten
  • 1833:
    Nachdem die Sklaverei im Britischen Empire verboten worden war, entstand auch in den USA eine Anti-Sklaverei-Bewegung (American Anti-Slavery Society). Ende der 1830er Jahre hatte sie bereits 250.000 Mitglieder. Hauptinitiator war der Journalist und Schriftsteller William Garrison (1805-1879) aus Massachusetts. Seine Bostoner Wochenzeitung The Liberator setzte sich für eine sofortige Befreiung der Sklaven und Sklavinnen ein und sprach sich gegen Reformen aus, nach denen diese schrittweise in die Freiheit entlassen werden sollten.

Der American Anti-Slavery Society gehörten auch viele der etwa 400.000 freien Schwarzen an. Einer ihrer Sprecher war Frederick Douglass (ca. 1817/18-1895), ein ehemaliger Sklave. Er setzte sich in der Zeitung The North Star nicht nur für die Befreiung der Sklaven, sondern auch für ihre rechtliche und soziale Gleichstellung mit den Weißen ein.

Frauenbewegung

Frauen waren in abolitionistischen Organisationen stark vertreten und gründeten sogar eigene lokale Gruppen. Diese setzen sich nicht nur für die Aufhebung der Sklaverei, sondern auch für die Rechte der Frauen ein.

1848 beriefen Lucretia Mott (1793-1880) und Elizabeth Cady Stanton (1815-1902) einen Frauenrechtskonvent nach Seneca Falls im Norden des Staates New York ein. Auch männliche Vertreter der abolitionistischen Bewegung wie z.B. William L. Garrison und Frederick Douglass nahmen daran teil. Die Frauenbewegung hatte bereits vor dem Bürgerkrieg das Wahlrecht für Frauen angestrebt, begnügte sich aber mit Verbesserungen im Bildungswesen und in Eigentumsfragen.

5. Ursachen

für den Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 - 1865)

Die Westexpansion, d.h. die Wanderungsbewegung in die Gebiete westlich des Mississippi, führte zur Gründung neuer Staaten. Dadurch wurde das politische Gleichgewicht zwischen sklavenfreien Staaten und Sklavenhalterstaaten im Senat gefährdet.

1820/21: Missouri-Kompromiss

1817 beantragte der Sklavenhalterstaat Missouri, in die Union aufgenommen zu werden. Es begann zwischen Gegnern und Befürwortern der Sklaverei eine Auseinandersetzung über die Frage, ob die Sklaverei in den westlichen Gebieten des Kontinents übernommen werden dürfe. Der Missouri-Kompromiss verbot die Sklaverei in allen Staaten, die nördlich einer von der Südwestecke des Staates Missouri nach Westen sich erstreckenden Linie gelegen waren. Die einzige Ausnahme bildete Missouri selbst, das als Sklavenhalterstaat in die Union aufgenommen wurde. Da zugleich Maine als sklavenfreier Staat aufgenommen wurde, blieb die Parität im Senat bestehen.

1846-1848: Mexikanisch-amerikanischer Krieg

In diesem Krieg gewann die Union neue Gebiete hinzu, u.a. Kalifornien, New Mexiko und Arizona. Die Frage der Ausbreitung der Sklaverei war damit erneut gestellt.

1850: Neuer Kompromiss

Kalifornien wurde als sklavenfreier Staat aufgenommen, während die Einwohner New Mexicos und Utahs über die Sklavenhaltung frei bestimmen konnten. Dies bedeutete, dass die Grundidee des Missouri-Kompromisses durch eine „Volkssouveränität“ ausgehebelt wurde. Der US-Senat verabschiedete gleichzeitig ein Gesetz, nach dem die Nordstaaten fortan verpflichtet waren, entflohene Sklaven an ihre einstigen Besitzer auszuliefern (Fugitive Slave Act). Dies führte zu einer Welle der Empörung in den Nordstaaten und zu einer Radikalisierung der Debatte um die Sklaverei.

1854: Kansas-Nebraska Act

Auch in den Gebieten Kansas und Nebraska sollte die jeweilige Bevölkerung per Abstimmung entscheiden, ob sie der Union als Sklavenhalterstaat oder als sklavenfreier Staat beitreten wollten. Damit wurde der Missouri-Kompromiss von 1820/21, nach dem in Kansas und Nebraska die Sklaverei hätte verboten werden müssen, erneut außer Kraft gesetzt. Daraufhin wurden Sklaverei-Gegner und -Befürworter im ganzen Land aktiv, um die Abstimmung in ihrem Sinn zu beeinflussen. Die Folge waren von 1855 bis 1859 andauernde blutige Auseinandersetzungen in Kansas (Bleeding Kansas). In deren Rahmen wurde John Brown (1800-1859) zum Helden des Nordens, da er versucht hatte, ein Waffenlager für die Union zu erobern, um Sklaven mit Waffen zu versorgen. Ein Militärgericht verurteilte ihn 1859 zum Tod durch Hängen.

JOHN BROWN
(VERMUTLICH 1857)

 

 „Talk! Talk! Talk! […] That will never free the slaves. What is needed is action – action.“

John Brown nach einem Treffen der New England Anti-Slave-Society.
McPherson, James M. Battle Cry of Freedom: The Civil War Era. Oxford History of the United States, 6. New York, Oxford: Oxford University Press, 2003,  S. 203.

Die Kämpfe in Kansas werden heute von der Forschung als „Vorkrieg“ des Amerikanischen Bürgerkrieges eingestuft. Schlussendlich wurde der Bundesstaat Kansas im Jahr 1861 als sklavenfreier Staat in die Union aufgenommen.

6. Sezession

Zugrundeliegender politischer Grundkonflikt:

In den Nordstaaten herrschte eine liberal-aufgeklärte Weltanschauung vor, nach welcher der Staat durch die Verfassung konstituiert und unteilbar war. Sie war also gegen partikularistisches Denken gerichtet, zudem bürgerlich dominiert und marktwirtschaftlich orientiert.

In den Südstaaten wurden traditionell legitimierte Partikularismen z.B. von Konservativen, Katholiken und Sozialisten favorisiert.

Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und ideologischer Konflikte wurde somit jeweils die Frage der Sklaverei diskutiert:

(1) Wirtschaftliche Konflikte

In den Südstaaten bildete die Sklaverei die Grundlage eines wirtschaftlichen Systems, das sich durch die abolitionistische Bewegung in seiner Existenz bedroht sah.

(2) Ideologische Konflikte

Die südlichen Staaten bekräftigten ihren Standpunkt für die Sklaverei mit biologisch-essentialistischen Argumenten.

Zum Grundproblem wurde die Westexpansion. Denn durch sie ließ sich im Kongress die Parität zwischen Sklavenhalter- und-sklavenfreien Staaten nicht länger aufrechterhalten.

Die Wahl Lincolns 1860

VEREIDIGUNG LINCOLNS 1861

Im November 1860 gewann der Republikaner Abraham Lincoln die US-Präsidentschaftswahlen. Er trat nicht für eine sofortige Abschaffung der Sklaverei ein. Vielmehr hoffte er auf einen Ausgleich mit den Südstaaten durch Verhandlungen und Entschädigungszahlungen. Dennoch stand ihm die Bevölkerung der südlichen Staaten skeptisch gegenüber.

Im Dezember 1860 erklärte South Carolina mit 169:0 Stimmen seinen Austritt aus der Union. Bis zum Februar 1861 folgten Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas.

8. Februar 1861:   
Sieben Staaten schließen sich zu den „Konföderierten Staaten von Amerika“ zusammen.

4. März 1861:         
Vereidigung Lincolns als Präsident der USA.

12. April 1861:       
Der Krieg begann mit dem Angriff konföderierter Soldaten auf Fort Sumter.

17. April 1861:       
Virginia trat aus der Union aus. Es folgten Arkansas, North Carolina und Tennessee.


DIE UNION

23 Staaten

mit rund 21 Mill. Weißen und etwa 0,5 Mill. freien Schwarzen

 
Präsident: Abraham Lincoln

Hauptstadt: Washington D.C.

DIE KONFÖDERATION

11 Staaten

mit rund 5,5 Mill. Weißen und etwa 3,5 Mill. meist versklavten Schwarzen

Präsident: Jefferson Davis

Hauptstadt: Richmond (Virginia), rund 150 km südlich von Washington

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