Erinnern und Lernen

Der Verein 'Erinnern und Lernen e.V.' hat dieAufgabe, "die Aufarbeitung des Nationalsozialismus zu erforschen und zu fördern. Darüber hinaus fördert der Verein die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit Vorurteilen und Gewalt gegenüber Minderheiten oder Fremden. Dies geschieht insbesondere durch pädagogische Projekte, die zu Toleranz und Verständigung zwischen Individuen, Ethnien und Nationen beitragen.“

Der Verein finanziert seine Tätigkeiten durch Spenden.

Gründungsmitglieder des Vereins sind:

  • Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
  • Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg
  • Evangelische Fachhochschule Freiburg
  • Forschungsprojekt Geschichte und Erinnerung
  • Katholische Fachhochschule Freiburg
  • Mahnmal-Projekt Erinnern und Begegnen Forum christliche Gedenkarbeit
  • Maximilian-Kolbe-Werk
  • Pädagogische Hochschule Freiburg
  • Stadt Freiburg
  • Stiftungsverwaltung Freiburg
  • sowie 37 Bürger/-innen aus der Region

 

Die Gründungsversammlung fand am 8. Januar 2004 statt unter der Schirmherrschaft von Freiburgs Oberbürgermeister Dr. Salomon.

Der Vorstand wurde am 12. Dezember 2013 neu gewählt; ihm gehören an:

  • Karin Joggerst (Vorsitzende)
  • Prof. Dr. Matthias Hugoth Katholische Hochschule Freibur
  • Dr. Barbara Henze, Universität Freiburg
  • Prof. Dr. Wilhelm Schwendemann, Evangelische Hochschule Freiburg.

Dem Beirat des Vereins gehören an:

  • Prof. Dr. Dr. Bernd Feininger, Pädagogische Hochschule Freiburg
  • Thomas Herkert, Direktor der Katholischen Akademie Freiburg.
  • Ulrich von Kirchbach, Bürgermeister der Stadt Freiburg (Dezernat für Kultur, Jugend und Soziales)
  • Prof. Werner Nickolai, Katholische Fachhochschule Freiburg, Verein Für die Zukunft lernen.
  • Siegfried Specker, Schulpräsident, Oberschulamt Freiburg
  • Dr. Sven von Ungern-Sternberg, Regierungspräsident Freiburg a.D.
  • Prof. Dr. William Randall,Centre for Interdisciplinary Research on Narrative, St. Thomas University, Kanada.

Bankverbindung: Volksbank Freiburg, BLZ 680 900 00, Konto Nr. 17784005

Kontakt: Erinnern und Lernen e.V. Anschrift (bis auf weiteres): c/o Prof. Dr. Schwendemann, Evangelische Hochschule, Bugginger Straße 38, 79114 Freiburg. E-Mail: schwendemann@eh-freiburg.de.

Aktuelles

Die letzte Mitgliederversammlung von Erinnern und Lernen e.V. fand am 12. Dezember 2013 in der Katholischen Akademie Freiburg statt.

 

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LEHRERFORTBILDUNGEN: FÜR EINE MENSCHENWÜRDIGE SCHULE

Seit April 2006 ist der Verein Co-Träger des Fortbildungs-Projekts "Menschenwürde und Scham". Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite www.menschenwuerde-scham.de

 

Begründung und Aufgabenstellung:

Lehrer/-innen sind heute in Deutschland – wie kaum eine andere Berufsgruppe – öffentlichen Beschämungen ausgesetzt, etwa durch Politiker („faule Säcke“) oder Medien wie z.B. den ‚Spiegel’, der wiederholt Lehrer/-innen als „Studienversager, Mittelmäßige, Unentschlossene, Ängstliche, Labile, Doofe, Faule und Kranke“ beschrieb. Anders als z.B. Kanada, deren Lehrende gesellschaftlich wertgeschätzt werden und deren Schüler in der PISA-Studie Spitzenplätze einnehmen.

Auch die Interaktionen zwischen Lehrer/-innen und Eltern, Vorgesetzten, Kolleg/-innen sowie Schülern sind häufig durch Abwertungen charakterisiert. Nach einer Untersuchung der Forschungsgruppe Schulevaluation über Gewalt an Schulen von Wolfgang Melzer fühlen sich je etwa ein Drittel der befragten Schüler von Lehrern vor der Klasse blamiert bzw. teilweise blamiert; nur ein Drittel empfindet das Lehrerhandeln nicht als abwertend.

Unter Berücksichtung der Psychodynamik von Scham und aus Sicht der Gehirnforschung wird deutlich, daß Scham-Erfahrungen blockierend auf Lehr- und Lernprozesse wirken: Scham ist eine sehr frühe und äußerst schmerzhafte Emotion; sie ist nach Peer Hultberg „mit einer viel tieferen Angst als derjenigen vor Strafe verbunden, nämlich mit der Angst, aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen zu werden. Scham bedeutet Angst vor totaler Verlassenheit, vor psychischer Vernichtung.“ Unter Angst werden andere neuronale Systeme aktiviert als z.B. bei Freude. Lernen im ‚Angstmodus’ führt zu einem „eingeengten kognitiven Stil, der ausschließlich darauf ausgerichtet ist, den Quellen der Angst zu entkommen. Kreatives und freies Denken sind stark behindert, da das Gehirn sich an die simpelsten, irgendwie funktionierenden Schemata hält“, so der Gehirnforscher Manfred Spitzer.

Scham und deren Abwehr durch emotionale Erstarrung und Deliquienz können in einen Teufelskreis führen. Traumatische Beschämungen sind auch eine der Ursachen für Rechtsextremismus, wie in der Studie ‚Rechtsextremismus in der Berliner Republik’ von Hajo Funke beobachtet wurde. Gewaltbereite Jugendcliquen bieten Erfahrungen von Anerkennung und Zugehörigkeit, die in Familie, Schule oder Gesellschaft vermisst wurden. Ähnlich vermochte schon der Nationalsozialismus die – während der Weimarer Republik verbreiteten – Gefühle von Schande und Ehrverlust für seine Zwecke zu instrumentalisieren, so ein Ergebnis des Forschungsprojekts ‚Geschichte und Erinnerung’.

Daher kommt es in der Interaktion zwischen Lehrern und Schülern wesentlich darauf an, Anerkennung zu vermitteln und auf Fehler in einer Weise zu reagieren, die das Lernpotential von Fehlern nicht verschüttet: „Entscheidend für eine gute Fehlerkultur ist ein Klima ohne Häme, Spott und Angst“ so die Pädagogische Psychologin Maria Spychiger. Insbesondere der Unterricht über Nationalsozialismus, Holocaust, Menschenrechte und Demokratie setzt voraus, daß die Schule ein Ort ist, in dem die Schüler ihre Würde geachtet wissen.

Anerkennung lässt sich jedoch nicht einfach einfordern oder ‚vornehmen’; sie erschöpft sich auch nicht in oberflächlicher Wortkosmetik. Eine ‚Pädagogik der Anerkennung’ erfordert vielmehr eine Auseinandersetzung mit Scham und Beschämung.

 

Interessierten Lehrer/-innen bieten wir Fortbildungen. Die einzelnen Bausteine können – je nach Interesse der Teilnehmenden – einzeln oder in Kombination angeboten werden in Form von Seminaren, Vorträgen (auch über den Zusammenhang zwischen Scham und Nationalsozialismus), pädagogischen Tagen oder Lehrer-Gesundheitstagen.

 

Kontakt und Koordination: Dr. Stephan Marks, Marienstr. 10, 79098 Freiburg, Tel. 0761-29281824, E-Mail: Dr.Stephan.Marks[atnospam]gmx.de

Webseite: www.menschenwuerde-scham.de 

Links

 

Das "blaue Haus" in Breisach: http://www.juedisches-leben-in-breisach.de/

 

Das Maximilian-Kolbe-Werk (www.maximilian-kolbe-werk.de) engagiert sich für die Verständigung und Versöhnung zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk sowie für die Aufgabe, ehemalige KZ- und Ghetto-Häftlinge aus Polen und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas unabhängig von ihrer Religion, Konfession oder Weltanschauung zu unterstützen. Es vermittelt auch Besuche von ehemaligen Häftlingen in Schulen.

 

Zwei Hinweise von Robert Krais vom Forum christlicher Gedenkarbeit Erinnern und Begegnen Deutsch-Israelischen Arbeitskreis Südlicher Oberrhein e.V.  (DIA):-  „Ausreißen hätte man nicht gekonnt.“ Mädchen und Frauen im Nationalsozialismus: Alltag und Verfolgung.  So lautet der Titel einer CD-Rom für Jugendliche, die die Erfahrungen verfolgter Frauen und Mädchen vermittelt. Das Forum FrauenGeschichte, ein Projekt von IMEDANA e.V., hat Inhalte und Darstellung jugendgerecht gestaltet und Jugendliche eng in den Entwicklungsprozess der CD miteinbezogen (http://www.forumfrauengeschichte.de). Zu bestellen bei IMEDANA e.V. info(atnospam)imedana.de

Das Buch von Inge Auerbacher "Jenseits des gelben Sterns - Nach Theresienstadt ein neues Leben in Amerika für die Versöhnung" (herausgegeben von Ergard Roy Wiehn), 144 Seiten, 9,80 Euro, Hartung-Gorre-Verlag Konstanz, ISBN 3-89649-696-6, kann beim Deutsch-Israelischen Arbeitskreis bezogen werden.