Struktur des Studiengangs Erziehungswissenschaft

Der Bachelor-Studiengang Erziehungswissenschaft umfasst sechs Semester. Das Studium beginnt jeweils im Wintersemester. Derzeit werden 110 Studierende pro Studienjahr aufgenommen.

In allen fünf Studienbereichen sind mehrere Module zu studieren, die zumeist von verschiedenen Fächern gemeinsam angeboten werden und mit einer veranstaltungsübergreifenden Modulprüfung abschließen. Die Standardgröße für ein Modul beträgt dabei 6 ECTS-Punkte. 1 ECTS-Punkt entspricht 30 Stunden studentischer Arbeitsbelastung. Jedes Semester umfasst 30 ECTS, der gesamte Bachelor-Studiengang somit 180 ECTS-Punkte.

Die folgende Modulmatrix gibt einen ersten Überblick über den Aufbau des Studiengangs. Die verschiedenen Studienbereiche sind farblich gekennzeichnet.

Modularisierung des Studiums

Der Studiengang beinhaltet das Studium von sechs Studienbereichen:

Studienbereich 1:      Theoretische Grundlagen und Vertiefung Erziehungswissenschaft sowie Psychologie, Soziologie und Forschungsmethoden

Studienbereich 2:      Pädagogische Kernkompetenzen

Studienbereich 3:      Anwendungsbereich (berufspraktische Studien und Adressatinnen- bzw. Adressatenbezug)

Studienbereich 4:      Rechtliche und wirtschaftliche Grundlagen, Schlüsselqualifikationen

Studienbereich 5:      Studium generale

Studienbereich 6:      Abschlussarbeit

Diese sechs Studienbereiche setzen sich zumeist aus mehreren Modulen zusammen, die oft interdisziplinär angeboten und geprüft werden. Die Module sind dabei an aktuellen Forschungs- und Entwicklungsfeldern der Erziehungswissenschaft orientiert sowie auf die späteren Berufsfelder der Absolventinnen und Absolventen hin ausgerichtet. Der Studienbereich „Studium generale“ ermöglicht den Studierenden, sich auch mit anderen Wissensgebieten wissenschaftlich auseinander zu setzen.

Lehrkonzepte und -methoden

Der Bachelorstudiengang „Erziehungswissenschaft“ bietet eine ausgewogene Mischung aus Vorlesungen und Seminaren. Zu Beginn des Studiengangs überwiegen Vorlesungen, mit denen in die fachlichen Grundlagen einschließlich der Forschungsmethoden eingeführt wird. Teilweise werden die Vorlesungen durch Tutorate (Modul „Grundlagen der Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung“), Seminare (Module „Forschungsmethoden“ sowie „Fachwissenschaftliche Vertiefung“) oder Übungen (Modul „Recht der Weiterbildung und Sozialpädagogik“) ergänzt, sodass die fachlichen Grundlagen auch kommunikativer bearbeitet werden können, als dies in Vorlesungen möglich ist.

Gleich zu Beginn des Studiengangs, ist eine speziell konzipierte Studieneingangsphase angesiedelt. Das Propädeutikum (innerhalb des Moduls „Grundlagen der Erwachsenenbildung und der Sozialpädagogik“) besteht aus einer gut zweiwöchigen Präsenzphase vor Beginn der Vorlesungszeit und einigen weiteren Terminen. In ihm werden die Studierenden in das Studium eingeführt; sie erwerben grundlegende Kompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens (z. B. durch integrierte Einführungen in Bibliothek und Literaturrecherche, in die Lernplattform Stud.IP, in wissenschaftliches Schreiben) und führen unter Anleitung von Lehrenden, Tutorinnen und Tutoren ein kleines Rechercheprojekt durch. Sie lernen sich dabei in Kleingruppen gegenseitig kennen, erwerben erste Kompetenzen des projektorientierten Arbeitens und lernen, eigene Zielvorstellungen in das Studium einzubringen. Für dieses Modell erhielt der bisherige Studiengang 2008 den Landeslehrpreis.

Nach dieser anfänglichen Kompaktphase werden die Studierenden im weiteren Verlauf des Moduls Grundlagen der Erwachsenenbildung und Sozialpädagogik dazu angeleitet, mit Studierenden höherer Semester (die o. g. Tutorinnen und Tutoren) das grundlegende disziplinäre Wissen zu den beiden hauptsächlichen Berufsfeldern vertiefend und reflektierend anzueignen. Die Tutorinnen und Tutoren werden in einem Seminar innerhalb der „Pädagogischen Kernkompetenz“ „Didaktik der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung“ eigens dafür geschult und bei der Durchführung des Tutorats in methodischer Hinsicht begleitet. Die inhaltliche Begleitung wird durch die Lehrenden gewährleistet, welche die einführenden Vorlesungen in die Erwachsenenbildung / Weiterbildung und die Sozialpädagogik halten.

Diese einführenden Veranstaltungen bilden auch ein Element zur Abfederung der heterogenen Vorbildung der Studierenden: Zwar nimmt der größere Teil der Studierenden das Studium direkt im Anschluss an den Schulabschluss auf. Einige besitzen jedoch einschlägige Vorerfahrungen, z. B. aufgrund von Praktika oder Berufstätigkeit. Im weiteren Studienverlauf wird dies durch Binnendifferenzierungen im Lehrangebot berücksichtigt.

In den Modulen mit direkterem Berufsbezug (Modul Adressat_innen und Arbeitsfelder) und in dem Modul, in dem die Studierenden das fachliche Wissen vertiefen und zu einem reflexiven Umgang mit Wissen geführt werden sollen (Modul Erwachsenenbildung und Sozialpädagogik im gesellschaftlichen Kontext), sind ausschließlich Seminare vorgesehen, in denen bei einer Teilnehmerzahl von durchschnittlich 30 Studierenden eine dialogische und argumentative Reflexion von Wissen möglich ist.

Die Auseinandersetzung mit fachlichem und berufsfeldbezogenen Wissen wird durch die Wahlpflichtmodule der Pädagogischen Kernkompetenzen ergänzt. Hier können sich die Studierenden berufsfeldbezogene Kompetenzen aneignen. Von den insgesamt neun angeboten „Pädagogischen Kernkompetenzen“, müssen die Studierenden drei auswählen. Module, bei denen mit einer hohen Belegungszahl gerechnet wird, haben dabei in der Regel eine Vorlesung integriert, in der das zentrale Grundlagenwissen vermittelt wird. In einem Wahlpflichtbereich können einzelne berufsfeldbezogene Kompetenzen vertieft werden; hier werden ausschließlich Seminare angeboten. Module, bei denen mit maximal 30 Studierenden gerechnet wird, werden ausschließlich in Seminarform angeboten.

Ein zentrales Element des Studiengangs sind die berufspraktischen Studien, die im 4. Semester angesiedelt sind. Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Studierenden neben den fachlichen Grundlagen und dem Wissen aus dem Modul „Adressat_innen und Arbeitsfelder“ auch bereits zwei „Pädagogische Kernkompetenzen“ studiert. Das Praktikum wird durch eine Veranstaltung an der Hochschule begleitet. Im 5. und 6. Semester können die Praktikumserfahrungen anschließend v. a. im Modul „Erwachsenenbildung und Sozialpädagogik im gesellschaftlichen Kontext“ sowie in der Bachelorarbeit wissenschaftlich betrachtet werden.

Im 5. Semester können die Studierenden Schlüsselqualifikationen erwerben, die eine Förderung ihrer Berufsbefähigung unterstützen sollen. Eine zentrale Schlüsselqualifikation sind z. B. die wirtschaftlichen Grundlagen.

Der Studiengang enthält als Neuerung des Weiteren zwei Module Studium generale à 6 ECTS-Punkte, in denen die Studierenden Module bzw. Veranstaltungen anderer Bachelor-studiengänge der Hochschule oder anderer wissenschaftlicher Hochschulen wahrnehmen sollen. Die Intention ist es, den Studierenden eine hinlängliche Breite der akademischen Ausbildung zu gewährleisten. Außerdem trägt dieses offene Angebot gut zur Durchmischung der ansonsten recht abgeschlossen studierenden Kohorten mit Studierenden anderer Studiengänge bei.

In ausgewiesenen Modulen, insbesondere im Themenfeld Erwachsenenbildung, ist dem Bachelorstudiengang ein spezifisches didaktisches Konzept unterlegt. Es soll die Studierenden bei der Reflexion eigener Lernprozesse und beim Erwerb einer selbstgesteuerten Lernkompetenz unterstützen:

Lernen ist in diesen Modulen als ein weitgehend aktiv-konstruktiver, selbstgesteuerter und sozialer Prozess konzipiert, der durch Vorgaben und Hilfen der Lehrenden unterstützt wird. Mit einer größeren Selbstverantwortung der Studierenden verändert sich zugleich die Aufgabe der Lehrenden: Die Beratung und Unterstützung der Studierenden bei der Gestaltung und Bewältigung ihrer Lernprozesse gewinnt an Bedeutung.

Bei Modulen und Veranstaltungen, die entsprechend dem didaktischen Konzept gestaltet sind, ist das Lernen durch folgende vier Punkte gekennzeichnet:

-       Erschließung wissenschaftlicher Erkenntnisse durch individuelle Wissensaneignung sowie die Erarbeitung von Fragestellungen und Diskussion wissenschaftlicher Erkenntnisse in Gruppen;

-       Entwicklung von Lernstrategien;

-       zielgerichtete Reflexion und Steuerung des Lernprozesses entsprechend den persönlichen und beruflichen Zielvorstellungen;

-       reflektierte Anwendung des angeeigneten Wissens und zugehöriger Fertigkeiten zum selbstgesteuerten Lernen.

Umgesetzt wird das didaktische Konzept gleich zu Beginn im Modul Grundlagen der Erwachsenenbildung und Sozialpädagogik, hier wiederum im Propädeutikum und in der Veranstaltung Vertiefung zu den Einführungen in die Erwachsenenbildung und in die Sozialpädagogik (s. o.). Es wird dann in den weiteren Semestern wieder aufgenommen: im 2. Semester im Seminar Arbeitsfelder, im vierten Semester in der Begleitung des Praktikums, im 5. Semester in der Veranstaltung Planung und Management der Bachelorarbeit, im 6. Semester in einzelnen Veranstaltungen der Schlüsselqualifikationen sowie in dem begleitenden Kolloquium zur Bachelorarbeit. Auch eine Reihe von Pädagogische Kernkompetenze“ sollen nach diesem Konzept arbeiten, so vor allem die „Pädagogische Kernkompetenzen“ Didaktik der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung sowie Gruppenpädagogik.

Das didaktische Konzept zieht sich damit als ein Strang durch das gesamte Curriculum hindurch. Es bietet die Gelegenheit, Lernen und die Auseinandersetzung und Reflexion mit der persönlichen Entwicklung in einem Gesamtzusammenhang über die gesamte Studiendauer hinweg immer wieder zu betrachten. Die Studierenden sollen damit außerdem dazu befähigt werden, entsprechende Lernprozesse auch bei anderen zu initiieren, zu begleiten und zu gestalten.