Didaktisches Konzept

1. Rahmenbedingungen

Der Master Bildungspsychologie ist forschungsorientiert.

Die Bildungspsychologie stellt individuelle Bildungsprozesse im Le­benslauf in den Mittelpunkt.

Der Master Bildungspsychologie umfasst 4 Semester. Studienbeginn ist immer im Winter­semester. Der Studiengang soll 30 Studierende aufnehmen können.

 

2. Konzeption

Im Studium werden berufsfeldspezifische Prozesse abgebildet (z. B. Erarbeitung des For­schungsstandes in einem Gebiet, Forschungsprozess, Bildungsbegleitung). Auf der Basis inhaltlich-theo­retischer, empirischer und methodischer Kenntnisse werden die Studierenden in der Durchführung der Prozesse systematisch angeleitet und während der Prozesse begleitet. Die Planung, Steuerung und Kontrolle der Prozesse geht zunehmend auf die Studierenden über (Cognitive-Appren­ticeship-Ansatz). Umgekehrt sollen Lernarrangements während des Studiums etabliert wer­den, die dann Modellcharakter für Lernarrangements im späteren Berufsfeld haben (z. B. wenn Studierende andere Studierende im Tutoren- oder Peerverhältnis bei Bildungsprozessen systematisch begleiten). Die zu erbringenden Modulleistungen sind auf den jeweiligen Kompetenzerwerb abgestimmt.

 


 

2.1. Forschungsorientierung

 

Der Studiengang ist insgesamt durch eine (forschungs-)methodische Ausrichtung geprägt.

Zwei Module haben explizit Methoden bei der Begleitung, Erforschung und Optimierung von Bildungsprozessen (Modul 1.3.) bzw. Methoden und Instrumente in Forschung, Diagnostik, Evaluation und Qualitätsentwicklung (Modul 2.6.) zum Gegenstand.

Zu den berufsfeldspezifischen Prozessen, die im Studium abgebildet werden, gehören die Er­arbeitung des Forschungsstandes in einem berufsfeldspezifischen Bereich (Modul 1.2.) und das eigenständige Erarbeiten des gesamten Forschungsprozesses (Modul 2.5.). Das Forschungspraktikum in einer Forschungs- oder Bildungsinstitution (Modul 3.8.) beinhaltet die Beteiligung an einem Forschungsprozess (Forschungsprojekt oder Begleitforschung).

Die empirische Ausrichtung der Masterarbeit (Modul 4.9.) erfordert die (eigenständige) Durch­führung eines Forschungsprojektes.

Das bereichsübergreifende und bereichsspezifische Wissen und die Methoden, die vermittelt und erarbeitet werden, basieren auf den Theorien und Ergebnissen empirischer (Bildungs-)
For­schung.

In allen Berufsfeldern des Studiengangs kommt der adressatengerechten Vermittlung von Forschungsergebnissen zentrale Bedeutung zu. Wissenschaftskommunikation wird unter anderem in den Modulen 2.5. und 2.6. fundiert und unter anderem in den Modulen 2.5., 2.6., 3.8. und 4.9. geübt.

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2.2. Erwerb von flexibel einsetzbarem Wissen

An den Ergebnissen empirischer Bildungs- und Lernpsychologie orientierte inhaltliche und methodi­sche Gestaltung des Studiums

Das theoretisch erworbene Wissen z. B. zu Lern- und Lehrprozessen findet sich beispielhaft in Veranstaltungskonzeptionen (Modellcharakter) wieder. Insofern stellt der Studiengang ein Beispiel für die Selbstanwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse dar.

 

Handlungsorientierte Projekte

Erworbene theoretische und methodische Kenntnisse werden in zunehmender Selbständig­keit, das bedeutet mit abnehmender Unterstützung, in handlungsorientierten Projekten mit­einander und mit den Anforderungen des Berufsfeldes verknüpft. Die Handlungserfahrung wird mit Hilfe des theoretischen und methodischen Wissens reflektiert.

 

Anleitung, Begleitung und Reflexion von Lernprozessen und Handlungserfahrungen

Das Ziel ist die individualisierte Kompetenzentwicklung. Die Studierenden können zunehmend ihre eigenen Bildungsprozesse planen, steuern und kontrollieren (deklarative und prozedurale Metakognition). Die systematische Beschäftigung mit dem eigenen Lernen soll auch zu einer stärkeren Strukturierung des Wissens führen.

Indem sie selbst (unter Anleitung) andere anleiten, trainieren sie eine weitere Umsetzung un­ter veränderter Perspektive. Die Reflexion der Anpassung erweitert das Handlungswissen.


Expert/inn/en als Modelle

Sowohl die Lehrenden an der Hochschule als auch die Projekt-/Praxisbetreuenden aus den Be­rufsfeldern sind Modelle für die Studierenden. Das gezielte und reflektierte Lernen am Modell soll für den Expertiseerwerb genutzt werden (z. B. Durchführung und Begleitung von Modul 2.5. Praxis von Forschungs- und Bildungsprojekten, vor allem aber auch Modul 3.8. Forschungspraktikum und Begleitveranstaltung).

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2.3. Handlungsorientierung

Theoretische und methodische Kenntnisse werden in handlungsorientierten Projekten miteinander verknüpft. Typische Prozesse der Berufsfelder werden erarbeitet. Die handlungsorientierten Projekte werden mit Hilfe des theoretischen und methodischen Wissens reflektiert.


Forschungsreview

In jedem Berufsfeld muss der jeweils aktuelle Forschungsstand zu unterschiedlichen Bereichen aufgearbeitet werden. Die hierfür erforderlichen Arbeitsschritte werden in Modul 1.2. durchgeführt, am Ende steht als Ergebnis und Modulleistung ein Forschungsreview, der präsentiert werden muss. Der Prozess wird angeleitet und begleitet.


Praxis von Forschungs- und Bildungsprojekten

Ein berufsfeldspezifisches Forschungsprojekt oder eine berufsfeldspezifische Begleitung von Bildungsprozessen wird in allen Schritten durchgeführt (Modul 2.5.). Die Studierenden erhalten Anleitung und werden begleitet, planen und steuern den Prozess zunehmend eigenverantwortlich und erwerben dadurch Projekt- und Prozesskompetenzen.


Forschungspraktikum

Das Forschungspraktikum (Modul 3.8.) findet im Berufsfeld statt. Vorbereitet durch Modul 1.2. und 2.5. werden hier theoretische, methodische und Projekt-/Prozesskenntnisse miteinander und mit den Anforderungen des Berufsfeldes verknüpft. Anleitung und Reflexion beziehen sich hier auch auf Arbeit im Team, Interdisziplinarität und Netzwerkarbeit.


Masterarbeit

In Fortsetzung des Forschungspraktikums fertigen die Studierenden selbständig eine Masterarbeit an. Diese hat ein eigenes Forschungs- oder Bildungsbegleitungsprojekt zum Gegenstand.

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2.4. Angeleitete und begleitete selbständige Arbeit

Die Anleitung und Begleitung von Lernprozessen und Handlungserfahrungen gehört notwen­dig zu jedem Modul. Der Selbststudienanteil nimmt im Verlauf des Studiums zu, während der Präsenzanteil abnimmt. Anleitung und kontinuierliche Begleitung der selbständigen Arbeit ist damit ein zentraler Baustein des Studiums. Die Begleitung wird zu einem Teil durch Lehrende übernommen (Mentoring). Ein weiterer Teil wird von (durch Lehrende angeleitete und beglei­tete) Tutorinnen und Tutoren und in Peergruppen durchgeführt. Die Arbeit in Tutoraten und Peergrup­pen zur Anleitung und Begleitung von Lernprozessen dient gleichzeitig dem Erwerb von Kompetenzen zur Durchführung von Bildungsbegleitungen.

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2.5. Berufliche Netzwerke knüpfen und Kooperationen

Im Modul 2.5. (Praxis von Forschungs- und Bildungsprojekten) ist es innerhalb von Lehrenden initiierten Projekten bereits möglich, mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen zu kooperie­ren. Diese Kooperationen sind ein möglicher Ausgangspunkt für das Forschungspraktikum, das wiederum weitere Kooperationsmöglichkeiten eröffnet. Sowohl Anleitung und Begleitung zur Praxis von Forschungs- und Bildungsprojekten (2.5.) als auch zum Forschungspraktikum (3.8.) haben Netz­werkbildung und die förderliche Gestaltung von Kooperationsbeziehungen zum Gegenstand.

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2.6. Interdisziplinarität / Transdisziplinarität

In allen Berufsfeldern stellt die Fähigkeit zur interdisziplinären bzw. transdisziplinären Arbeit eine unverzichtbare Kompetenz dar. Im Studium unterrichten Lehrende aus unterschiedlichen Disziplinen; die Studierenden kommen aus unterschiedlichen Herkunftsdisziplinen; Theorien, Ergebnisse und Methoden entstammen unterschiedlichen Disziplinen. Das gemeinsame wissenschaftliche Arbeiten und die integrative Rezeption der Produkte aus unterschiedlichen Disziplinen werden theoretisch fundiert, geübt und reflektiert (z. B. Modul 3.8. Begleitveranstaltung zum Forschungspraktikum).

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2.7. Internationalisierung

Eine internationale Ausrichtung ist für den Studiengang inhaltlich sinnvoll. In den Berufsfel­dern ist internationale Erfahrung und damit verbunden auch die Beherrschung mindestens ei­ner Fremdsprache verstärkt nachgefragt.

Die Rezeption internationaler Forschungsarbeiten und damit verbunden die sichere Bearbei­tung englischsprachiger Literatur ist notwendiger Bestandteil des Studiums.

Die Strukturie­rung des 3. Semesters ermöglicht es den Studierenden, ihr Forschungspraktikum im Ausland zu absolvieren und auch das zweite Modul dieses Semesters im Ausland zu studieren.

Forschungseinrichtungen im Inland, die international arbeiten oder deren Team international zusammengesetzt ist, ermöglichen ebenfalls eine internationale Ausrichtung.

Die Studierenden sollen mit Blick auf ihre künftige Berufstätigkeit auch internationale Netzwerke knüpfen.

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2.8. Ausgleich unterschiedlicher Eingangskompetenzen

Da der Studiengang unterschiedliche Zielgruppen mit unterschiedlichen Eingangsvorausset­zungen und bereits vorhandenen Kompetenzprofilen anspricht, werden einerseits die jeweils fehlenden Eingangskompetenzen durch differenziert angebotene Veranstaltungen kompensatorisch ausgeglichen. Andererseits sollen gemeinsame Angebote dazu dienen, dass alle Studierenden ein gemeinsam geteiltes Gegenstandsverständnis und eine „gemeinsame wissenschaftliche Sprache“ erwerben (Modul 1.3.).

Ein Teil der Studierenden der Bildungspsychologie verfügt vermutlich über Erfahrung in der Begleitung von Bildungsprozessen und benötigt (forschungs-)methodische Kompetenzen. Diese Studierenden besuchen in Modul 1.3. die Vorlesung Grundkonzepte Empirischer Forschung und ein begleitendes Tutorat. Der größere Teil der Studierenden der Bildungspsychologie verfügt vermutlich bereits über (forschungs-)methodische Kompetenzen und wird in diesem Modul Erfahrung in der Begleitung von Bildungsprozessen sammeln. Ein mögliches Feld für die Begleitung von Bildungsprozessen ist das Tutorat zu den Grundkonzepten Empirischer Forschung, das diese Studierenden für die anderen Studierenden des Studiengangs (und Studierende anderer Studiengänge) durchführen.

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2.9. Auf den Kompetenzerwerb abgestimmte Module und Modulleistungen

In einigen Modulen soll das eigene Lernen dokumentiert und reflektiert werden, ebenso wie die Anleitung und Begleitung des Lernens anderer (z. B. Modul 1.3. Form der Lerndokumenta­tion). In anderen Modulen besteht die Aufgabe in der Dokumentation des Prozesses und der Verfertigung eines Produktes (Forschungsreview als Ergebnis der Erarbeitung des For­schungsstandes in einem berufsfeldspezifischen Bereich in Modul 1.2., Projektbericht/For­schungsbericht in Modul 2.5.). Der Forschungsreview und der Projektbericht werden ebenso wie der Forschungsbericht aus dem Praktikum präsentiert. Die Masterarbeit wird – wie im wissenschaftlichen Kontext (beispielweise auf Kongressen üblich) – präsentiert und argumentativ verteidigt (Präsentation und Argumentation).

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