Gedichtewerkstatt mit Kindern und Beobachtung/Selbstbeobachtung in pädagogischen Beziehungen

Dr. Ursula Elsner und Jutta Heppekausen Pädagogische Hochschule Freiburg, Sommersemester 2013. 

„Gedichte sind gemalte Fensterscheiben“, meinte Goethe, von außen gesehen dunkel und undurchsichtig, von innen aber „bedeutend wie edler Schein und farbig helle“. Wie erschließt man diese poetischen Kunstwerke, ohne das 'bunte Glas' zu zerbrechen?„Der Laie hat für gewöhnlich, sofern er ein Liebhaber von Gedichten ist, einen lebhaften Widerwillen gegen das, was man das Zerpflücken von Gedichten nennt, ein Heranführen kalter Logik, Herausreißen von Wörtern und Bildern aus diesen zarten blütenhaften Gebilden“, meint Brecht, und dennoch fordert er auf: „Zerpflücke eine Rose, und jedes Blatt ist schön.“, denn: „Wer das Gedicht für unnahbar hält, kommt ihm wirklich nicht nahe.“Hat das ‚interpretierende Zerpflücken’ vielen von uns Gedichte nicht schon in der Schule verleidet? Wie kann man der Scheu gegenüber Gedichten, der Abwehr gegen Gedichtinterpretation begegnen? Welche Voraussetzungen braucht man als Lehrer/in für einen kompetenten und lustvollen Umgang mit Gedichten und welche Alternativen gibt es zum rein kognitiven Umgang mit ihnen im Unterricht?Im Kompaktseminar wollen wir mit Kindern einer Grundschulklasse gemeinsam eine Vielfalt handlungs- und produktionsorientierter Textzugänge ausprobieren. Ziel ist dabei,

  • den Kindern einen vertieften Zugang zu und Freude an Gedichten zu eröffnen;
  • den Studierenden eine Erweiterung von gattungstheoretischer Kompetenzen und von einem adressat/innengerechten Spektrum kreativer Präsentations- und Aneignungsweisen von Gedichten anzubieten.

Gleichzeitig werden sich die Studierenden, die hier lehrend lernen können, gegenseitig bei ihren pädagogischen Interaktionen mit den Kindern beobachten. Ziel ist hierbei

  • pädagogische Beobachtung angeleitet zu üben,
  • sich mit Möglichkeiten der Reflexion von eigenen Interaktionspraxen in den konkreten Situationen der Werkstattarbeit mit den Kindern bekannt zu machen,
  • sich – vielleicht sogar – eigener Interaktionsmuster in gelungenen und weniger gelungenen Situationen bewusst zu werden.