Allgemeines zum Fach Technik

Zum Verständnis des Faches

Der Technikunterricht
Das Schulfach Technik an allgemeinbildenden Schulen ist im Vergleich mit den klassischen Schulfächern relativ jung. Es wird in Baden-Württemberg an Hauptschulen und Realschulen erteilt, nicht jedoch an normalen Gymnasien.
Es zielt auf die Vermittlung einer allgemeinen, d.h. nicht beruflich spezialisierten technischen Bildung.
Wegen der Bedeutung der Technik in allen Lebensbereichen beschränkt sich der Technikunterricht inhaltlich nicht auf die Berufswelt, sondern richtet sich auch auf alle technisch geprägten Lebenssituationen im privaten und öffentlichen Lebensbereich.
Die Technik wird dabei verstanden als ein Bereich eigenständiger Theorie und Praxis und nicht lediglich als Anwendung von Naturwissenschaften. Die theoretische Basis bilden die technischen Wissenschaften.
Die Technik ist kein Produkt der Natur sondern Menschenwerk. Sie wird von Menschen erfunden, konstruiert, hergestellt und in Gebrauch genommen, um bestimmte menschliche Ziele zu verwirklichen. Sie ist Ausdruck menschlicher Bedürfnisse und weithin sichtbarer Ausdruck menschlicher Kreativität. Da es für technische Probleme immer mehrere Lösungsmöglichkeiten gibt, können diese nicht nach den Kategorien "richtig" oder "falsch" beurteilt werden, sondern nach den Kategorien "besser" oder "schlechter" im Hinblick auf humane, ökonomische und ökologische Anforderungen.
Um den jungen Menschen im Unterricht ein Grundverständnis der Technik zu vermitteln, um ihre technische Kompetenz zu fördern, um Ihre Urteilskraft gegenüber der vorhandenen und künftigen Technik zu schärfen und um ihnen Hilfen für eine begründete Berufswahl zu geben, verfolgt der Technikunterricht die folgenden - eng miteinander verbundenen - Richtziele:
1. die Förderung technischer Kenntnisse und Struktureinsichten in funktionale Zusammenhänge, in das Zustandekommen und in die Auswirkungen von Technik,
2. die Befähigung zu differenziertem technischen Handeln in Herstellung und Gebrauch,
3. die Befähigung zur kritischen Bewertung von Technik aus individuellen, gesellschaftlichen und ökologischen Bedeutungs- und Interessenszusammenhängen,
4. die Ermöglichung grundlegender technikbezogener vorberuflicher Orientierung.
Kennzeichen des Technikunterrichts sind eine weitgehende Problem- und Prozessorientierung und eine Verschränkung von Theorie, Praxis und Bewertung.
Um der Komplexität heutiger Technik gerecht zu werden, kann der Technikunterricht nicht als "Praxisfach" verstanden und realisiert werden, sondern bedarf der theoretischen, an den technischen Wissenschaften orientierten Begründung und Reflexion.
Der Technikunterricht an den Schulen wird noch sehr oft fachfremd erteilt. Daher besteht hier ein objektiver Mangel an ausgebildeten Techniklehrern.

Das Studienfach Technik
Der Technikunterricht wird an den allgemeinbildenden Gymnasien der meisten Bundesländer noch nicht erteilt. Das Fach stellt daher keine formalen Zulassungsbedingungen. Allerdings setzt ein erfolgreiches Fachstudium technikbezogenes Interesse und Lernbereitschaft ebenso voraus wie Grundwissensbestände anderer Fächer, insbesondere der Physik, aber auch etwa der Geschichte und der Mathematik.
Studierende mit einer technikbezogenen Berufsausbildung und Absolventen des Technischen Gymnasiums können ihre Vorerfahrungen hier sinnvoll ergänzen und vertiefen.
Technik ist in der Gesellschaft noch immer eine männliche Domäne, mit negativen Auswirkungen auf die Handlungs- und Berufsperspektiven der Frauen.
Die Abteilung Technik der Pädagogischen Hochschule Freiburg bemüht sich, den Anteil weiblicher Studierenden zu erhöhen und diese im Rahmen ihres Studiums zu unterstützen.

Das Studium des Faches Technik an der Pädagogischen Hochschule orientiert sich an der inhaltlichen und didaktischen Struktur des Technikunterrichts und umfasst:
* fachwissenschaftliche
* fachdidaktische und
* technologische (i.S. fachpraktischer) Studien

Sie schließen Erkundungen und Exkursionen, Arbeit in der "offenen Werkstatt" und eine fachliche schulpraktische Ausbildung ein. Sie werden ergänzt, vertieft und vernetzt durch verpflichtende interdisziplinäre Studien.

Das Grundstudium
umfasst die ersten Semester und schließt mit der akademischen Zwischenprüfung ab.
Es gliedert sich in
* Einführung in die Technikdidaktik (Ziele, Probleme, Methoden des Technikunterrichts)
* Einführung Fachwissenschaft (Technische Grundsachverhalte)
* Technologische Grundstudien (Maschinenpraxis/Unfallverhütung; Sicheres Arbeiten mit Werkzeug und Maschinen)

Es orientiert über die Aufgaben, Ziele und Methoden des Technikunterrichts, ermöglicht erste Erfahrungen in der wissenschaftlichen Erschließung technischer Sachverhalte, führt in die Technologie der Werkstoffe ein und vermittelt Fähigkeiten im Einsatz von Maschinen und Kenntnisse zur Unfallverhütung.

Das Hauptstudium
gliedert sich ebenfalls in
* fachdidaktische Studien
* fachwissenschaftliche Studien
* technologische Studien.

Fachdidaktische Studien
Im fachdidaktischen Studium sollen die Studierenden mit der Begründung, den Zielsetzungen, den Zielen, den Inhalten, den Methoden, den Lernorten des Technikunterrichts vertraut gemacht werden. Sie erhalten vertiefte Einsichten in verschiedene Ansätze technischer Bildung, in die Geschichte, die Probleme und Lösungsansätze des Technikunterrichts. Unterstützt durch die schulpraktischen Studien soll die Fähigkeit zur Entwicklung, Erprobung, Beurteilung und Verwirklichung von Technikunterricht erworben werden.

Fachwissenschaftliche Studien
Die Kenntnisse aus den fachwissenschaftlichen Studien stehen in enger Abstimmung mit den Zielen und Inhalten des Technikunterrichts.
Es ist demnach kein Studium der Technik nach rein technikwissenschaftlichen Gesichtspunkten (wie an einer Technischen Hochschule), sondern zielt auf die Vermittlung der fachwissenschaftlichen Kentnisse, Denkweise und Orientierung für die Lehrerinnen und Lehrer des Technikunterrichts an allgemeinbildenden Schulen.
Unterrichtsrelevanz und Exemplarität sind daher wesentliche Auswahlkriterien.
Das fachwissenschaftliche Studium umfasst insbesondere die Bereiche:
* Produktionstechnik
* Maschinen- und Energietechnik
* Bautechnik
* Produktplanung und –gestaltung
* Elektrotechnik, Elektronik, Digitaltechnik, Informationstechnik
* Technik im Alltag
* Allgemeine Technikwissenschaft

Technologische Studien
In den technologischen Studien soll Technik in erster Linie problemorientiert erschlossen werden.
Die technologischen Studien konkretisieren sich in Projekten und in Veranstaltungen mit fachpraktischen Anteilen. Sie finden in Werkstätten und Laboren statt und bieten den Studierenden die Möglichkeit, technische Inhalte und Probleme in elementare Problemsituationen zu übersetzen und Problemlösungen zu gestalten und praktisch zu verwirklichen.
Die technologischen Veranstaltungen werden in inhaltlicher und didaktischer Abstimmung mit der Fachtheorie durchgeführt.

Die Bereiche der Technologischen Studien sind :
* Produktionstechnik
* Maschinen- und Energietechnik
* Bautechnik
* Produktplanung und –gestaltung
* Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik

Die Teilnehmerzahl in den Veranstaltungen ist wegen der zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze und aus Sicherheitsgründen beschränkt.

Schulpraktische Studien
Die schulpraktischen Studien dienen der Vertiefung fachdidaktischen Problembewusstseins und der Anbahnung und Förderung der fachlichen Lehrbefähigung.
Die schulpraktische Ausbildung im Fach Technik findet in Gruppen an Schulen statt. Sie umfasst:
* Unterrichtsbeobachtungen
* eigene Lehrversuche
* Unterrichtsbeurteilung
Sie wird durch die Veranstaltung "Planung, Durchführung und Evaluation von Technikunterricht" und Begleitseminare an der Hochschule unterstützt.
Eine Aufgabe der schulpraktischen Studien ist die Ermöglichung einer kritischen Selbsteinschätzung in fachlicher und persönlicher Hinsicht als Grundlage weiterer Studienbemühungen.

Offene Technikfachräume
Studierenden des Faches besteht zu bestimmten, per Homepage angezeigten Zeiten die Möglichkeit, die Fachräume außerhalb der üblichen Lehrveranstaltungen zu benutzen. Diese "Offene Werkstatt" dient der Weiterarbeit an Modellen und Werkstücken, der Arbeit an praktischen Elementen von Modularbeiten und Hausarbeiten, der Vorbereitung für Schulpraktika, sowie der Arbeit an selbst gestellten fachspezifischen Aufgaben und Problemen. Voraussetzung für die Arbeit in der "Offenen Werkstatt" ist die erfolgreiche Teilnahme an der Veranstaltung "Maschinenpraxis/Unfallverhütung" im Rahmen des Grundstudiums und der vollständige Maschinenschein.
Die Offene Werkstatt wird durch den Werkstattmeister und durch Tutoren betreut.

Erkundungen und Exkursionen
Um die Orientierung in den realen Technikwirkungsbereichen zu fördern und Möglichkeiten der Herleitung von Problemstellungen und des Transfers zu erschließen, werden im Fach Technik Erkundungen und Exkursionen durchgeführt.

Leistungsnachweise
Leistungsnachweise im Fach Technik sind beispielsweise: Referate, Hausarbeiten, Projekte, Klausuren, Modularbeiten.  Sie werden gemäß der Prüfungsordnung benotet. Über die jeweils mögliche Form entscheidet die/der Lehrende und unterrichtet die Studierenden darüber zu Beginn der Veranstaltungen.