Geschichte der Islamischen Theologie/ Religionspädagogik an der PH Freiburg

Der Arbeitsbereich islamische Theologie/ Religionspädagogik ist eine relativ neue Einrichtung an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Er bildet gemeinsam mit der Evangelischen und Katholischen Theologie/ Religionspädagogik das Institut der Theologien. Seit dem Wintersemester 2010/11 können sich Studierende in das Fach "Islamische Theologie/ Religionspädagogik" einschreiben. Wie kam es dazu, dass das Fach Islamische Theologie/ Religionspädagogik an die PH Freiburg kam?

Prof. Dr. Bernd Feininger, der einen wesentlichen Beitrag dazu leistete, erinnert sich an die Anfänge des Bereichs an der PH Freiburg folgendermaßen:

„Als Baden-Württemberg mit der damaligen Kultusministerin Annette Schavan begann, im landesweiten Versuch konfessionellen islamischen Religionsunterricht an den Schulen anzubieten (vorausgesetzt die muslimischen Eltern vor Ort sind damit einverstanden), haben die PH'en in Karlsruhe, Ludwigsburg und Weingarten als Pilotprojekt Qualifizierungskurse zur Schulung muslimischer Lehrkräfte eingerichtet.

Auf der badischen Landesseite hat vor allem der evangelischen Theologe Prof. Peter Müller (Karlsruhe) mit seinem muslimischen Mitarbeiter Jörg Imran Schröter das Projekt gefördert. Prof. Feininger (kath. Theologe und Religionswissenschaftler) hat damals früh darauf hingewiesen, dass auch Freiburg als Standort in Frage käme, besonders, weil sich eine Kooperation mit der Fakultät für Orientalistik an der Universität anböte. Prof. Dr. Werner Ende und später Prof. Dr. Maurus Reinkowski unterstützten diesen Vorstoß und so wurde im Anschluss an das Karlsruher Modell ein Freiburger Schulungskurs entworfen, der über das damalige Rektorat an das Ministerium übermittelt wurde. Der Unterschied zum Kurs an der PH Karlsruhe lag vor allem darin, dass fachliche Inhalte über Vorlesungen an der Uni vermittelt wurden, um so von vorne herein den wissenschaftlichen Charakter der Ausbildung noch stärker zu betonen.

Es sollte keine Katechese oder nur praktische Unterweisung im Islam sein. Die Adressatinnen für die Fortbildung waren und sind (künftige) Lehrerinnen der Landes­-PH'en und darum sollte die Einführung in den Islam pädagogisch-didaktische Reflexion und wissenschaftliche methodische Kritik unter historischem Blickwinkel mit interkulturellen und interreligiösen Fragestellungen verbinden. Islamische Theologie / Religionspädagogik muss nach diesem Verständnis anschlussfähig zur Pädagogik anderer Schulfächer sein, um ihren Platz an der öffentlichen Schule und im Mainstream der Bildungskonzepte zu (er)halten.    

Trotz des ausgearbeiteten Konzeptes und der Nachfragen muslimischer Studierender dauerte es noch mehrere Jahre, bis im Zusammenhang der Ausdehnung des Pilotprojektes in Baden-Württemberg und mit nachdrücklicher Unterstützung der Hochschulleitung unter Rektor Prof. Druwe der Qualifizierungs­kurs als Erweiterungsfach Islamische Theologie/ Religionspädagogik realisiert werden konnte. Das Fach wurde in das Institut der Theologien integriert. Mit Dr. Abdel-Hakim Ourghi wurde für die Leitung ein ausgewiesener Experte gewonnen, der mit weiteren muslimischen Lehrbeauftragten die Hauptlast der Ausbildung trägt.“

Prof. Dr. Bernd Feininger steht nach wie vor dem neuen Fach beratend und unterstützend zur Seite, vor allem, wenn es um besondere Aktivitäten (Ausstellungen, formale Fragen der Studienordnung) oder um wissenschaftliche Weiterqualifikation geht.

Mittlerweile hat sich das Fach islamische Theologie/ Religionspädagogik an der PH Freiburg etabliert: Seit dem Wintersemester 2010/11 können Lehramtsstudierende an der PH Freiburg das Fach Islamische Theologie/ Religionspädagogik als Erweiterungsfach studieren. Mit der neuen Studienordnung von 2011 können Lehramtsstudierende für die Grundschule "Islamische Theologie/ Religionspädagogik" auch im Rahmen des Kompetenzbereichs 4 wählen.

Nicht nur die Mitglieder des Institutes hoffen, dass die hoch qualifizierten und motivierten muslimischen AbsolventInnen des Faches dann auch möglichst bald das Unterrichtsfach „Islamischer Religionsunterricht“ in der Sekundarstufe I und II in den öffentlichen Schulen Deutschlands als ordentliches Schulfach, wie es im Grundgesetz (Art. 7, Abs. 3) lautet, unterrichten können. Dieses Unterrichtsfach befindet sich in Baden-Württemberg derzeit immer noch in der Einführungsphase und ist im Moment aufgrund der rechtlichen Lage noch ein Modellprojekt.

Prof. Dr. Dr. Bernd Feininger
Dr. Abdel-Hakim Ourghi, Leiter des Arbeitsbereichs Islamische Theologie / Religionspädagogik