Strukturmodelle Studieneingangsphase

Förderung durch das Ministerium für Wissenschaft und Kunst des Landes Baden-Württemberg

Seit 1.1.2021 fördert das Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Baden-Württemberg an allen Pädagogischen Hochschulen des Landes jeweils eine Dauerstelle mit der Aufgabe, Konzepte für die Studieneingangsphase zu entwickeln, die dazu beitragen, den Studienabbruch zu verringern und die Passgenauigkeit der Studienwahl zu vergrößern.

Dem Antrag zugrundegelegt werden sollte die Veröffentlichung von: Heublein, Ulrich/Ebert, Julia/Hutzsch, Christopher/Isleib, Sören/König, Richard/Richter, Johanna/Woisch, Andreas 2017: Motive und Ursachen des Studienabbruchs an baden-württembergischen Hochschulen und beruflicher Verbleib der Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher. Wichtigste Ergebnisse und Handlungsfelder. DZHW 06 2017.

Projektleitung und Projektkoordination

Prorektor für Studium, Lehre und Digitalisierung
Prof. Dr. Georg Brunner
PRLehre(at)ph-freiburg.de

Dr. phil. Senganata Münst
E-Mail: Senganata.Muenst(at)ph-freiburg.de
KG 2, -105 | 0761 682 693
◊ Veröffentlichungen   ◊ Qualifikationen und Arbeitsschwerpunkte

Postadresse: Pädagogische Hochschule Freiburg
Prorektorat Lehre, Studium und Digitalisierung
Kunzenweg 21
79117 Freiburg im Breisgau

Die vier Maßnahmen zur Verringerung des Studienabbruchs und zur Erhöhung der Passgenauigkeit der Studienwahl werden im Wintersemester 2021/22 und im Sommersemester 2022 mit den BA Lehramtsstudiengängen und dem BA Deutsch als Zweit-/Fremdsprache erprobt. Anschließend kann die Vorgehensweise auf alle weiteren BA Studiengänge ausgeweitet werden, deren Abbruchrate überdurchschnittlich hoch ist. Zugleich sollen sie mit dem gleichen Kriterium auf die MA Studiengänge ausgeweitet werden.

Vier Maßnahmen

Eine zentrale Maßnahme soll die Einführung eines Studierendenmonitoring sein, mit dem für die ersten drei Semester die Frage beantwortet wird, wann Studierende eine für ein bestimmtes Semester vorgesehene Modulprüfungen abschließen und bei welchen Prüfungen die Durchfallquote hoch ist. Somit können auch Differenzen zwischen der Wissensvermittlung durch Lehrende und den Prüfungsergebnissen im Sinne einer Passung von Lernergebnis und Prüfung transparent und behebbar werden.
Wenn deutlich wird, dass viele Studierende an der gleichen Prüfung scheitern, kann im Dialog mit Lehrenden festgestellt werden, worin diese die Ursachen sehen und ob unterstützende Maßnahmen für Studierende angezeigt sind, wie z.B. Tutorate oder Repetitorien, die ggf. auch in die Studien- und Prüfungsordnung aufgenommen werden, oder ob an der Gestaltung der Lehr-Lernprozesse Veränderungen vorgenommen werden müssen.
Das kohortenbezogene Prüfungsmonitoring erfordert die Kooperation unterschiedlicher Organisationseinheiten, da es einen kontinuierlichen Rückmeldeprozess an die beteiligten Akteure einschließt.

Mit dem Prorektorat für Lehre, Studium und Digitalisierung sind beteiligt: die Stabsstelle Qualitätssicherung, das Studierendensekretariat, der Datenschutzbeauftragte sowie die Studiendekane und Studiengangsleitungen.

Ein umfassendes Studierendenmonitoring, für das freilich mehr Ressourcen erforderlich sind, wird mit gutem Erfolg an der Universität Bonn anhand eines Kenndatenportals praktiziert (vgl. Qualitätspakt Lehre Fachtagung „Wissen sichern, teilen, transferieren“ Osnabrück, 10. Dezember 2019, Präsentation von Stefan Krüger).

Heublein et al. (2017,17) betonen den engen Zusammenhang zwischen der Bewältigung des Studieneinstiegs und dem Studienerfolg. Deshalb soll eine zweite Maßnahme auf die Förderung eines gelungenen fachwissenschaftlichen Studieneinstiegs zielen.
Die Pädagogische Hochschule Freiburg verfügt über keinen Eignungstest für am Lehramt Interessierte und verweist auf den Test des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Grundsätzlich werden „Self-Assessments“ nur dann eine große Bedeutung beigemessen, „wenn sie zur realistischen Selbsteinschätzung beitragen“ (Heublein et al. 2017, 17). Dies ist gegeben, wenn eine Rückkopplung über die Testergebnisse erfolgt. „Geeignet sind Tests mit hoher prognostischer Güte deren Ergebnisse hoch mit späteren Prüfungsergebnissen korrelieren“ (Vöttiner/Ortenburger 2015, 5).
Um einen gelungenen Studienbeginn zu fördern, sollen zunächst im WS 2021/22 und SoSe 2022 alle Lehramtsstudierenden im 1. Semester für die von ihnen gewählten zwei Fächer einen Test absolvieren, der über ihren fachwissenschaftlichen Kenntnisstand Auskunft gibt und zugleich ihre Kenntnisse von Office Anwendungen erhebt.

Die Institute und Abteilungen, die Schulfächer lehren, entwickeln hierzu während des WS 2021/22 Tests und bitten die Studierenden diesen (z.B. über die Lernplattform ILIAS) einzureichen. Die Tests werden ausgewertet und zugleich auch evaluiert und entsprechend überarbeitet. In den nachfolgenden Semestern können die fachwissenschaftlichen Test für weitere Kohorten genutzt werden.
Alle Lehramtsstudierenden nehmen damit im ersten Semester an Tests für die von ihnen gewählten zwei Fächer teil. Je nach Testergebnis werden die Studierenden eingeladen, an einem Tutorium teilzunehmen, mit dem ihre fachlichen Kenntnisse gezielt gefördert werden (vgl. Heublein et al. 2017, 5/6).
Mit den zwischen 5 bis maximal 10 Personen umfassenden Tutorien soll zugleich kooperative Partnerarbeit und die Zusammenarbeit in Kleingruppen gefördert und damit auch Gelegenheitsstrukturen für die Entwicklung studentischer Netzwerke geboten werden (vgl. Heublein et al. 2017, 7).

Bisher haben die Entwicklung eines fachwissenschaftlichen Eingangstest verbindlich zugesagt:
Das Institut für deutsche Sprache und Literatur (Prof. Dr. Kniffka und Prof. Dr. Jesch)
Das Institut für Mathematische Bildung (Prof. Dr. Leuders mit Dr. Erens und Dr. Haug)
Das Institut für Musik (Prof. Dr. Brunner und Prof. Dr. Schmid)
Das Institut für Politik- und Geschichtswissenschaft mit der Abteilung Politikwissenschaft (Prof. Dr. Druwe)
Die Abteilung Physik (Prof. Dr. Mikelskis-Seifert und Jun. Prof. Schwichow)

Mit dem Handlungsfeld Studienbeginn sollen Studierende, die bei der ersten Modulprüfung durchgefallen sind, in Peergruppen vernetzt werden. Exemplarisch wird das Vorgehen für den BA Primarstufe und den BA Sekundarstufe 1 erläutert.
Im Rahmen des Prüfungsmonitoring werden Daten von Studierenden der drei zurückliegenden Semester abgerufen, die auch Auskunft über bestandene und nicht bestandene Prüfungen geben. Studierende, die eine Prüfungen nicht bestanden haben erhalten das Angebot, an einer Peergruppe teilzunehmen, um ihre Prüfungsvorbereitungen zu verbessern.
Die Bildung von Peergruppen zielt darauf, die Ursache für das Scheitern mit den Studierenden diskursiv zu ermitteln und zugleich einen Gruppenbildungsprozess zu initiieren. In der Anfangsphase leitet die für die Koordination des Projekts zuständige Person die Gruppen. Sie vermittelt Strategien für den selbst gesteuerten Wissenserwerb und Wissen über die Infrastruktur der Hochschule (vgl. Heublein et al. 2017, 6/7, 17). Wünschenswert ist, dass sich im sich anschließenden Semester die Teilnehmenden selbst organisieren.
Der Vorteil dieses Ansatzes ist gleichwohl, dass zugleich Lerngruppen stimuliert werden (Heublein et al. 2017, 19), die im weiteren Studienverlauf Unterstützung bei Studienproblemen bieten können.

An der Pädagogischen Hochschule Freiburg wurde für die BA Lehramtsstudiengänge ein Studium begleitendes E-Portfolio entwickelt, das auf die Motivation und Eignung der Studierenden selbstreflektiv klärend wirken und die Passgenauigkeit der Studienwahl erhöhen soll.
Parallel wurde das Instrument „Online-Selbstreflexion Lehramtsstudium und Lehrer- und Lehrerinnenberuf“ (OSEL), das im Kontext der Kooperation zwischen der Freiburger Musikhochschule, der Freiburger Universität und der Pädagogischer Hochschule Freiburg (FACE) als Eignungstest für den Master der Sekundarstufen entwickelt wurde, für den Master Primarstufe entwickelt.
Die weitere Nutzung der für die Motivation und Eignung der Studierenden entwickelten Instrumente soll als vierte Maßnahme ab 2023 gewährleistet werden.