Körperwissen

Maud Hietzge, PH Freiburg, Fachrichtung Sportwissenschaft und Sport

Ziel des theoretischen Bemühens ist eine von jeder Instrumentalisierung losgelöste wissenschaftliche Fundierung der Bedeutung von Bewegung für Bildungsprozesse. Dabei ist der Grundgedanke leitend, dass Welt handelnd und leiblich verarbeitend angeeignet wird. Da letzteres ein sozialer Prozess ist, gehen kulturelle Tabus, An- und Aberkennungsprozesse in die Konstitution des Körperselbstkonzepts ein. Inaktivität kann somit zur Grundlage erlernter Hilflosigkeit werden, an der Schule contra-intentional strukturell beteiligt ist. Zur Erklärung werden begriffliche und theoretische Grundlagen der Phänomenologie herangezogen. Bezugspunkt ist das zentrale Theorem Polanyis, dass der Beginn jeder Aktion strukturell dem Bewusstsein entzogen ist; in dem Moment, wo wir glauben eine Handlung zu starten, ist der Impuls dafür neuronal bereits unterwegs; das Bewusstsein spiegelt also nur, was bereits in Aktion ist.

Literatur

Becker, N. (2006). Die neurowissenschaftliche Herausforderung der Pädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Bockrath, F. (2008). Grenzen der Standardisierung. Implizites Wissen – Körperliches Wissen – Negatives Wissen. In: Franke, E. (Hrsg.), Erfahrungsbasierte Bildung im Spiegel der Standardisierungsdebatte (S. 99-124). Baltmannsweiler: Schneider.

Dienes, Z. & Perner, J. (1999). A Theory of Implicit and Explicit Knowledge. Behavioral and Brain Sciences.

Gallagher, Sh. (2011). Embodied Cognition. Oxford New York: Routledge.

Gissel, N. (2007). Von der neuen Theorie des Geistes zu einer neuen Pädagogik des Körpers? Sportwissenschaft 37(1), 3-18.

Keller, R. & Meuser, M. (Hrsg.) (2011). Körperwissen. Wiesbaden: VS.

Kraus, A.; Budde, J; Hietzge, M.; Wulf, Christoph (Hrsg.) (2021). Handbuch Schweigendes Wissen. Erziehung, Bildung, Sozialisation und Lernen (2. Aufl.) Weinheim: Beltz.

Hasler, F. (2012). Neuromythologie. Bielefeld: transcript.

Klinge, A. (2008). Körperwissen – eine vernachlässigte Dimension [http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/KlingeAntje/diss.pdf].

Müller, O.; Clausen, J.; Maio, G. (Hrsg.) (2009). Das technisierte Gehirn: Neurotechnologien als Herausforderung für Ethik. Paderborn: Mentis.

Neuweg, G. (1999). Könnerschaft und implizites Wissen. Münster: Waxmann.

Polanyi, M. (1966). The Tacit Dimension. Garden City, New York: Doubleday.

Schmitz, S. (2003). Neue Körper, neue Normen? Der veränderte Blick durch bio-medizinische Körperbilder. In: J. Weber & C. Bath (Hrsg.), Turbulente Körper, soziale Maschinen (S. 218-233). Opladen: Leske & Budrich.