Hier finden Sie Fragen, die uns im Rahmen unseres „Ask Me Anything“ auf der Science Night 2026 erreicht haben. Forschende der Pädagogischen Hochschule Freiburg beantworten diese Fragen auf Grundlage ihrer wissenschaftlichen Expertise. Die Antworten werden nach und nach ergänzt.
Physik und Chemie
Physik habe ich mit einer Fünf abgewählt. Wie werde ich trotzdem Physikprofessor?
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Warum geht Feuer aus, wenn Backpulver und Essig gemischt werden?
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Können Schwarze Löcher sterben?
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Was würde passieren, wenn ein Mensch die Sonne betreten würde?
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Wie ist die Milchstraße entstanden?
Antwort folgt
Biologie und Gesundheit
Ameisen besitzen keine außergewöhnlich stärkeren Muskeln als andere Tiere. Ihre Muskeln erzeugen eine ähnliche Kraft wie die Muskeln anderer Insekten oder auch deine. Entscheidend ist, dass ihre geringe Körpergröße dazu führt, dass sie im Verhältnis zu ihrem Eigengewicht über einen großen Kraftüberschuss verfügen.
Sie brauchen nur einen kleinen Teil der Muskelkraft, um den eigenen Körper zu tragen. Zusätzlich bietet das harte Außenskelett einer Ameise stabile Ansatzpunkte für die Muskeln und über die kurzen Beine kann die Muskelkraft sehr wirkungsvoll weitergegeben werden.
Würde man dich auf die Größe einer Ameise schrumpfen, wärst du tatsächlich deutlich stärker, als du es jetzt bist. Aber das funktioniert eben nur, wenn du ganz klein wärst.
Dahinter steckt eine Menge Physik (Skalierungsgesetze), nämlich dass sich Körpergröße, Muskelkraft und Gewicht nicht im gleichen Verhältnis verändern, wenn ein Lebewesen größer oder kleiner wird.
Es gibt auf der Erde noch viel unerforschtes Leben – also ein klares „Ja“! Es kommen auch immer wieder neue Arten dazu. Das Leben entwickelt sich ständig weiter.
Biologen suchen nach neuen Arten vor allen Dingen unter den ganz kleinen Lebewesen (Bakterien), aber auch in schwer zugänglichen Lebensräumen, z. B. der Tiefsee oder im Boden. Selten werden dabei auch größere Lebewesen entdeckt.
Auf Dinosaurier zu treffen ist aber unwahrscheinlich. Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise. Aber wir Biologen kennen lebende Nachfahren mancher Dinosaurier: die Vögel! Vögel gehören zur gleichen Gruppe von meist zweibeinigen Dinosauriern wie vor ca. 66 Millionen Jahren der Allosaurus oder der Oviraptor.
Das kommt darauf an, welche Maus gemeint ist. Es gibt viele verschiedene Mäusearten. Auch der Lebensraum spielt eine Rolle.
Eine Hausmaus zum Beispiel wird in der freien Natur kaum älter als ein Jahr. Das liegt an den vielen Räubern, aber auch an Krankheiten. In der Obhut des Menschen mit tierärztlicher Versorgung und ausreichend Futter kann eine Hausmaus in seltenen Fällen aber auch vier Jahre alt werden.
Es gibt Mausarten wie die nordamerikanischen Hirschmäuse, die bis zu acht Jahre alt werden können.
Wenn man nach dem Höchstalter einer Maus fragt, muss man also immer dazu sagen, welche Mausart gemeint ist und ob diese in der freien Natur oder in menschlicher Obhut lebt.
Wie alt werden die Mädchen, die heute drei Jahre alt sind, und die Jungen, die heute sieben Jahre alt sind, einmal werden?
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Nach dem aktuellen Stand (Juli 2026) ist der älteste lebende Mensch der Welt Ethel Caterham aus dem Vereinigten Königreich. Sie wurde am 21. August 1909 geboren und feiert bald ihren 117. Geburtstag.
Ihr Alter wurde von der Altersforschungsorganisation LongeviQuest bestätigt und vom Guinnessbuch der Rekorde anerkannt. Sie ist damit aber nicht die älteste Person, die jemals gelebt hat. Diese war über 122 Jahre alt.
Es sind übrigens meistens Frauen, die solch hohe Lebensalter erreichen.
Der größte Mensch, von dem wir sicher wissen, war Robert Wadlow aus den USA. Er wurde 1918 geboren und war unglaubliche 2,72 Meter groß. Er wuchs immer weiter, weil sein Körper sehr viele Wachstumsstoffe produzierte.
Aber der menschliche Körper hat seine Grenzen: Sehr große Menschen haben oft Probleme mit Knochen, Gelenken, Herz und Kreislauf, weil ihr Körper viel mehr leisten muss. Daher starb Robert Wadlow auch schon mit 22 Jahren.
Wann werden die Menschen wegen des Klimawandels aussterben?
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Mathematik
52 : 4 = 13. Das kannst du zum Beispiel so rechnen: 40 : 4 = 10 und 12 : 4 = 3. Dann ist 52 : 4 = 13.
Die Mathematik wurde nicht von einer einzigen Person erfunden, sondern viele Leute habe über lange Zeit zur Entwicklung der Mathematik beigetragen.
Die Mathematik ist sehr alt. Heute noch gültige Erkenntnisse wurden vor über 4 000 Jahren aufgeschrieben, wie zum Beispiel Scherben von Tontafeln zeigen. Viele Völker haben unterschiedliche Methoden entwickelt, um Zahlen aufschreiben und damit rechnen zu können oder um geometrische Probleme lösen zu können. Wir wissen dies beispielsweise von den Babyloniern, Ägyptern, Inka, Maya oder auch Chinesen.
Vieles von unserem heutigen Wissen wurde vor mehr als 2 000 Jahren von den Griechen gefunden und bewiesen, zum Beispiel wie man Primzahlen finden kann und dass es unendlich viele Primzahlen gibt. Unsere heutige Darstellung von Zahlen und unsere Rechenverfahren wurden vor ungefähr 500 Jahren eingeführt. Am bekanntesten ist hier Adam Ries, der mehrere Rechenbücher geschrieben hat.
Die Entwicklung der Mathematik geht aber weiter. Auch heute werden immer noch neue Zusammenhänge entdeckt und in Fachzeitschriften veröffentlicht.
1 Tag = 24 Stunden
1 Jahr = 365 Tage = 365 · 24 Stunden = 8 760 Stunden
Ein normales Jahr hat also 8 760 Stunden. 2026 ist ein normales Jahr.
Ein Schaltjahr hat 1 Tag oder 24 Stunden mehr, also 8 784 Stunden. Das nächste Schaltjahr ist 2028.
Wie viele Stunden ein Jahr hat, ist eine beliebte Aufgabe in Klasse 4. Vielleicht könnt ihr das auch im Unterricht ausrechnen, wenn du deine Lehrerin oder deinen Lehrer fragst?
1 Minute = 60 Sekunden
1 Stunde = 60 Minuten = 60 · 60 Sekunden = 3 600 Sekunden
1 Tag = 24 Stunden = 24 · 3 600 Sekunden = 86 400 Sekunden
1 Jahr = 365 Tage = 365 · 86 400 Sekunden = 31 536 000 Sekunden
Ein normales Jahr hat also 31 536 000 Sekunden. 2026 ist ein normales Jahr.
Ein Schaltjahr hat 1 Tag oder 86 400 Sekunden mehr, also 31 622 400 Sekunden. Das nächste Schaltjahr ist 2028.
Wie viele Sekunden ein Jahr hat, ist eine beliebte Aufgabe in Klasse 4. Vielleicht könnt ihr das auch im Unterricht ausrechnen, wenn du deine Lehrerin oder deinen Lehrer fragst?
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, um die Kreiszahl π zu berechnen. Man kann sie aber immer nur näherungsweise berechnen, also möglichst viele Stellen von π angeben.
Eine recht einfache Möglichkeit sieht so aus: Ein Kreis wird in Tortenstücke zerschnitten, und diese werden dann aneinandergelegt. Wenn man das mit immer mehr Tortenstücken macht, erhält man eine Figur, die fast ein Rechteck ist. Der Flächeninhalt des Rechtecks ist gleich dem Flächeninhalt des Kreises. Daraus kann man dann π näherungsweise berechnen.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Kreis zwischen zwei 6-Ecken einzusperren. Das innere 6-Eck hat einen etwas kleineren Umfang und Flächeninhalt als der Kreis, das äußere 6-Eck hat einen etwas größeren Umfang und Flächeninhalt als der Kreis. Daraus kann man näherungs π berechnen: Man erhält einen Wert, der etwas kleiner ist, und einen Wert, der etwas größer ist. Wenn man im nächsten Schritt 12-Ecke statt 6-Ecken verwenden, dann erhält man etwas genauere Näherungswerte für π. Im wieder nächsten Schritt verwendet man dann 24-Ecke statt der 12-Ecke, und so weiter. Die eckigen Figuren kommen immer näher an den Kreis heran, und damit werden ihr Umfang und ihr Flächeninhalt immer besser Annäherungen für den Umfang und den Flächeninhalt des Kreises.

Es kann verschiedene Ursachen dafür geben, dass Mathematik manchen Menschen schwerer fällt als andere Fächer.
- Mathematische Zusammenhänge sind manchmal wirklich nicht einfach zu verstehen. Und: Grundlage der Mathematik sind Zahlen. Zahlen sind abstrakte Objekte, man kann sie nicht anfassen wie andere Dinge. Es gibt verschiedene Rechenverfahren, die unterschiedlich funktionieren. Zum Beispiel beginnt man beim schriftlichen Dividieren links, beim schriftlichen Addieren, Subtrahieren und Multiplizieren aber rechts. Um dies zu verstehen, muss man viel über Zahlen und ihre Eigenschaften wissen.
- Das Wissen im Mathematikunterricht baut aufeinander auf. Wenn jemand die Eigenschaften von Zahlen und das Rechnen mit Zahlen bis 20 in der ersten Klasse nicht richtig verstanden hat, wird er in den folgenden Klassen Schwierigkeiten bekommen. Dies ist in anderen Fächern manchmal einfacher.
- Manchmal geht auch der Mathematikunterricht in der Schule zu wenig auf Kinder ein, die Schwierigkeiten beim Mathematiklernen haben und die dabei mehr Hilfen benötigen würden. Manche Kinder bräuchten auch einen Förderunterricht in Mathematik. Wenn Sie mehr Unterstützung hätten, wären sie auch besser in Mathematik. Aber: Viele Kinder haben auch große Freude an Mathematik und sind sehr gut in Mathematik.
Wirtschaft
Man kann auf verschiedene Wege reich werden. Generell gilt: Wer über längere Zeit mehr Geld einnimmt als ausgibt und den Überschuss klug nutzt, kann Vermögen aufbauen. Manche Menschen haben auch schon zu Beginn einen großen Vorteil, weil sie Vermögen von ihrer Familie erben – zum Beispiel Geld, Häuser oder Unternehmen. Andere bauen ihr Vermögen selbst auf, etwa durch ihre Arbeit, eine erfolgreiche Erfindung oder kluge Investitionen.
Wie kann man aber möglichst viel Geld einnehmen? Eine Möglichkeit ist die eigene Arbeit. Besonders hohe Einkommen erzielen Menschen, die über sehr besondere Fähigkeiten verfügen, eine lange und anspruchsvolle Ausbildung haben oder eine große Verantwortung tragen – und für deren Leistungen andere Menschen oder Unternehmen bereit sind, viel Geld zu bezahlen. Spitzenfußballer wie Lionel Messi oder Popstars wie Taylor Swift gehören dazu, aber auch Flugkapitäne, Chefärztinnen oder Führungskräfte großer Unternehmen können sehr hohe Einkommen erzielen.
Ein anderer Weg ist, eine gute Idee oder Erfindung zu entwickeln und daraus ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Dafür braucht man neben Wissen und Erfindergeist oft auch Geduld, Mut, Durchhaltevermögen – und Glück. Ein Beispiel dafür sind Uğur Şahin und Özlem Türeci. Sie forschten viele Jahre an der mRNA-Technologie, einer neuen Methode, mit der Impfstoffe und andere Medikamente entwickelt werden können. Als daraus gemeinsam mit vielen anderen Forschenden ein sehr erfolgreicher Impfstoff gegen das Coronavirus entstand, der weltweit eingesetzt wurde, wurde auch ihre Firma sehr wertvoll. Weil ihnen ein großer Teil dieser Firma gehörte, wurden sie sehr reich.
Was beim Reichwerden besonders hilft, ist, bereits vorhandenes Geld so einzusetzen, dass es sich vermehren kann. Das nennt man investieren. Man kann zum Beispiel Anteile an Unternehmen kaufen (Aktien) und davon profitieren, wenn das Unternehmen erfolgreicher wird und Gewinne erzielt. Man kann auch Häuser oder Wohnungen kaufen und diese vermieten – durch die Mieteinnahmen wächst das Vermögen weiter. Oder man kauft Dinge wie Gold und hofft, dass sie in Zukunft mehr wert sind. Dabei gibt es aber immer auch ein Risiko: Investitionen können im Wert steigen, aber auch an Wert verlieren. Man sagt deshalb manchmal: „Reiche Menschen lassen ihr Geld für sich arbeiten.“ Gemeint ist damit, dass sie ihr Geld nicht nur ausgeben, sondern es nutzen, um neues Geld zu verdienen.
Zwischen etwa 1870 und 1970 wuchs die Wirtschaft außergewöhnlich stark. Dies war nicht auf eine plötzliche Zunahme von Erfindungen zurückzuführen, sondern darauf, dass mehrere grundlegende Technologien – wie Elektrizität, der Verbrennungsmotor, die moderne Chemie und die Fernkommunikation – gleichzeitig Produktionsweisen, Betriebsstrukturen und die Produktivität großer Teile der arbeitenden Bevölkerung tiefgreifend veränderten. Dies führte zu breiten Lohnsteigerungen und einer vergleichsweise gleichmäßigen Wohlstandsverteilung.
Die Verlangsamung seit den 1970er Jahren ist nicht auf einen Mangel an Ideen zurückzuführen, sondern darauf, dass viele neuere Technologien vor allem einzelne Tätigkeiten deutlich produktiver machen, jedoch nicht die durchschnittliche Produktivität aller Beschäftigten gleichermaßen erhöhen. Hinzu kommen das Ende der starken Aufholphase nach dem Zweiten Weltkrieg, demografische Veränderungen und der Wandel zu einer Dienstleistungsgesellschaft.
Auch die üblichen Messgrößen unterschätzen oft den Beitrag moderner Innovationen, da sie Qualitätsverbesserungen, kostenlose digitale Dienste und organisatorische Fortschritte nur unvollständig erfassen. Außerdem stehen der breiten Wirksamkeit neuer Technologien praktische Hindernisse im Weg, zum Beispiel mangelnde Verbreitung, fehlende Investitionen in Ausbildung und Fähigkeiten, unzureichende organisatorische Anpassungen und ungenügende Infrastruktur, die Konzentration von Markt und Kapital sowie ökologische Grenzen.
Entscheidend ist daher nicht nur das Vorhandensein guter Ideen, sondern auch, ob künftige Technologien wie Künstliche Intelligenz, Biotechnologie oder neue Energielösungen gemeinsam mit passenden Institutionen, gezielten Investitionen in Verbreitung und Weiterbildung sowie sinnvoller Regulierung eine spürbare Produktivitätssteigerung für viele Beschäftigte ermöglichen.
Bei der Suche nach einem Job sollte es nicht nur darum gehen, viel Geld zu verdienen. Wichtig ist auch, dass der Job zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt. Dabei kann man in vier Schritten vorgehen:
1. Eigene Interessen und Stärken erkennen: Zuerst überlegt man, was man gerne macht und worin man gut ist. Man kann sich zum Beispiel fragen, ob man gerne mit Menschen arbeitet, Dinge repariert oder am Computer tätig ist.
2. Informationen über Berufe sammeln: Danach informiert man sich über verschiedene Berufe. Informationen findet man zum Beispiel im Internet oder auf Berufsmessen. Außerdem kann man Betriebe in der Nähe ansprechen oder Eltern, Lehrkräfte und die Berufsberatung um Hilfe bitten.
3. Berufe praktisch ausprobieren: Wenn es möglich ist, sollte man einen Beruf praktisch kennenlernen, beispielsweise durch ein Praktikum. Dabei erlebt man den Arbeitsalltag und findet heraus, ob die Aufgaben wirklich zu einem passen.
4. Sich auf eine passende Stelle bewerben: Hat man einen interessanten Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle gefunden, schickt man eine Bewerbung. Diese besteht meistens aus einem Lebenslauf, einem Anschreiben und (digitalen) Kopien ausgewählter Zeugnisse und Nachweise über weitere Qualifikationen (z. B. Sprachkenntnisse oder Weiterbildungen). Wenn die Bewerbung überzeugt, wird man häufig zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dort stellt man sich vor und lernt gleichzeitig den Betrieb und die Stelle genauer kennen. Dabei noch wichtig zu wissen: Eine Absage bedeutet nicht zwingend, dass man für den Beruf grundsätzlich ungeeignet ist. Die Jobsuche ist auch ein Lernprozess, bei dem man mit jeder Bewerbung neue Erfahrungen sammelt.
Weitere Informationen zum Vorgehen bei der Jobsuche findet man zum Beispiel im Jugendportal „meinBERUF“ der Bundesagentur für Arbeit .
Musik
Musik kann kompliziert sein – aber auch ganz einfach. Sie fängt oft klein an: mit in die Hände klatschen oder leise vor sich hin summen. Schon diese Mini-Musik kann unsere Stimmung verändern. Wenn man gemeinsam mit anderen Musik machen will, fühlt sie sich manchmal wie eine eigene Sprache an, die man nach und nach lernt – durch Zuhören und Nachmachen.
Musik hat keine Wörter, aber einen eigenen „Bauplan“ für Klänge: Tonhöhe, Rhythmus und Lautstärke. Damit kann man Klänge immer wieder verändern. Das wirkt kompliziert, weil jede Musik ihre eigenen Spielregeln hat, je nachdem, wer sie macht, für wen und womit. Eigentlich kann man mit fast allem Musik machen – mit einem Stück Holz auf dem Tisch trommeln oder indem du dir die Ohren zuhältst und sie rhythmisch auf und zu machst. Musik ist oft einfach ein Spiel mit Klängen.
Wenn du ein Instrument lernst, lernst du die Spielregeln dafür und übst Bewegungen, damit du die Klänge spielen kannst, die du im Kopf hast. Es gibt auch Musik, die spontan entsteht – Musik wird immer wieder „neu“ erfunden. Die „Musiksprache“ hat sich über Jahrtausende entwickelt, weil sie etwas Besonderes kann: Sie kann ausdrücken, was Menschen fühlen. Wenn du traurig bist, kann eine Melodie sich so anhören, wie du dich fühlst.
Musik wirkt auch deshalb kompliziert, weil wir viele Arten von Musik in verschiedenen „Codes“ festhalten und weitergeben. Sobald du einen Code kennst, kannst du entschlüsseln, was sich jemand an Klängen ausgedacht hat – und Dinge ausdrücken, für die es in keiner anderen Sprache Worte gibt. Du kannst deinen eigenen Musik-Code erfinden – deine Musik, deine Regeln! Wenn jemand mitspielen soll, musst du deine Regeln erklären. So ist die Notenschrift entstanden: Damit andere auf einen Blick erkennen können, welche Klänge sich jemand ausgedacht hat.
Musik wird weniger kompliziert, wenn du mit kleinen Bausteinen anfängst (mit oder ohne Noten), mit ihnen spielst, bis dir gefällt, was du hörst, und nach und nach den „Klangsprachcode“ entschlüsselst. Und vergiss nicht: Das kann immer auch etwas sein, das du dir selbst ausdenkst.
Der Eindruck, es gäbe nur ‚Versionen alter Hits‘, entsteht durch zwei Faktoren: Erstens machen Algorithmen und Medien genau das, was du beobachtest – sie pushen das, was bereits funktioniert hat: Streaming-Plattformen belohnen Bekanntes, Wiedererkennbarkeit, vertraute Songlängen etc. Zweitens dauert es oft 10 bis 20 Jahre, bis eine neue Bewegung (wie damals Rock, Techno oder Hip-Hop) den Mainstream. Wir sehen bspw. gerade eine massive Vermischung von Genres, die früher getrennt waren (z. B. K-Pop mit westlichem Trap, elektronische Elemente in traditioneller Volksmusik). Innovation ist ein diffuser, globaler Prozess: Musikrichtungen entstehen aus vielen kleinen Experimenten von Musiker:innen, Communities und Technologien.
Genau da passiert gerade sehr viel:
- Wenn Afrobeats oder Amapiano mit Pop verschmelzen, verändern sich Grooves im Mainstream.
- Hyperpop mischt Pop, EDM, Trap, Noise und Gaming-Ästhetik so, dass es erstmal „zu viel“ erscheint – und gerade darin liegt eine neue Ästhetik.
- In Clubs, auf Soundcloud, Bandcamp und in Online-Communities entstehen ständig mikroskopische Genres, oft noch ohne Namen, aber mit sehr eigenständigen Klangwelten.
Innovation ist also häufig schon da – nur nicht in den Top-Playlists. Wenn du Neues suchst, hilft es, die Algorithmen bewusst zu umgehen: jenseits von Spotify & Co abseits empfohlener Tracks stöbern, auf kleine Clubkonzerte gehen, lokale Szenen suchen, Plattenläden besuchen (in Freiburg z.B. „Der Plattenladen“) und dich beraten lassen. Dort hörst du Musik, die noch in keine Schublade passt – und dein Alltag bekommt neue Sounds. Es wird spannend sein, zu sehen, wie „menschengemachte“ (vs KI-generierte oder von KI gepushte) Musik in Zukunft präsent sein wird – das hängt auch von uns ab.
Als Musikpädagogin geht es mir darum, Räume zu öffnen für Hören jenseits des Gewohnten, für Experimentieren mit Klängen, Technik und Stilen – und für Kontakte zu den Communities, in denen hybride und innovative Formen entstehen. Deine Frage lässt sich deshalb auch so beantworten: Neue Musikrichtungen gibt es bereits – sie warten darauf, dass wir sie entdecken und ihnen zuhören.
Lernpotenziale von interaktiven Medien wie Games, VR-Technologie und KI
Viele denken zuerst an den Enderdrachen, weil er der große Endgegner am Ende des Spiels ist. Tatsächlich finden aber viele Spieler:innen den Warden deutlich stärker, weil er extrem viel Schaden macht und man ihn kaum besiegen kann – manchmal ist Schleichen und Verstecken die klügere Lösung.
Gleichzeitig gibt es für Warden (hoch bauen und runterschießen) und Enderdrachen (viiiiele Explosionen) Tricks, wie man sie gut besiegen kann. Beim Wither hingegen kann man bei der Beschwörung ein wenig mogeln, aber wenn er frei rumläuft, ist er vermutlich die härteste Nuss.
Aber nicht vergessen: Nicht jeder Konflikt muss durch Kämpfen gelöst werden. 🙂
Wir hoffen: Je mehr unterschiedliche Menschen Spiele entwickeln und je vielfältiger die Spielenden werden, desto schneller sollte es gehen. In den letzten Jahren hat sich bereits viel verändert – viele aktuelle Spiele zeigen Frauen als komplexe, glaubwürdige und selbstbestimmte Figuren statt als reine Blickfänger, auch wenn gerade der Diskurs rund um das neue God of War zeigt, dass wir da von einer tatsächlichen Anerkennung noch ein wenig entfernt sind.
Gleichzeitig gibt es nach wie vor Titel, die auf stark sexualisierte Darstellungen setzen. Die Übersexualisierung wird deshalb vermutlich nicht an einem bestimmten Tag „enden“. Aber sie verliert zunehmend ihre Selbstverständlichkeit – auch weil Spieler:innen, Entwickler:innen und Forschende dieses Thema immer stärker diskutieren.
Das ist aus unserer Sicht eine gute Entwicklung. Wenn du das Thema weiterverfolgen möchtest, findest du spannende Impulse bei Womenize! Games & Tech, einer Initiative für mehr Diversität und Sichtbarkeit in der Gamesbranche, sowie bei GAME:IN, einer Community, die sich für Geschlechtergerechtigkeit und gegen Sexismus in der deutschen Gamesbranche engagiert. Beide zeigen, wie viel sich bereits bewegt – und wo noch Handlungsbedarf besteht.
Wir erleben gerade eine spannende Zeit für AAA-Spiele – sie sehen heute nur anders aus als noch vor zehn Jahren. Statt immer größer und lauter zu werden, setzen viele Studios wieder stärker auf gute Geschichten, glaubwürdige Figuren und innovative Spielmechaniken.
Wenn wir aktuelle Empfehlungen geben müssten, wären das naheliegenderweise Baldur’s Gate III für seinen Umfang und spielerischen Tiefgang, Clair Obscur: Expedition 33 für seine außergewöhnliche Erzählweise, Kingdom Come: Deliverance II für seine dichte Spielwelt und Blue Prince als Beispiel dafür, dass auch ungewöhnliche Spielideen begeistern können.
Und wenn GTA VI hält, was es verspricht, könnte auch das ein neuer Meilenstein werden. Am Ende gilt aber wie bei Büchern oder Filmen: Das beste Spiel ist immer das, das zu den eigenen Interessen passt.
Das hängt ganz davon ab, was dir Spaß macht – und natürlich auch davon, welche Altersfreigabe ein Spiel hat. Wenn du gerne kreativ bist, ist Minecraft ein echter Klassiker. Für spannende Abenteuer mit einer tollen Geschichte können wir The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom oder The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom empfehlen.
Magst du Rätsel und Knobeleien, sind Portal 2 oder Blue Prince spannende Spiele – Letzteres würden wir allerdings eher gemeinsam mit Erwachsenen oder älteren Jugendlichen spielen, weil es ziemlich anspruchsvoll ist. Unser wichtigster Tipp ist aber: Spiele das, was dir Freude macht, und entdecke ruhig auch einmal ein Genre, das du bisher noch nicht ausprobiert hast. Oft warten dort die größten Überraschungen.
Wenn du oder deine Eltern nach weiteren Empfehlungen sucht, lohnt sich ein Blick auf die Spieleempfehlungen des Zentrums für didaktische Computerspielforschung (ZfdC). Eine tolle Orientierung bietet außerdem der Spieleratgeber NRW: Dort werden Spiele gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen getestet und zusätzlich pädagogisch bewertet – inklusive Empfehlungen, für welches Alter ein Spiel besonders gut geeignet ist.
Wir stehen mit Künstlicher Intelligenz an einem ähnlichen Wendepunkt wie einst mit dem Internet. KI wird viele Bereiche unseres Lebens verändern – von der Medizin über die Arbeitswelt bis hin zu Bildung, Wissenschaft und Kultur. Sie wird uns zahlreiche Aufgaben erleichtern, gleichzeitig aber auch neue Fragen aufwerfen: Wie können wir Informationen noch verlässlich einordnen? Welche Rolle spielt menschliche Kreativität? Und wie stellen wir sicher, dass technologische Entwicklungen unseren gesellschaftlichen Werten dienen?
Deshalb sollten wir weniger fragen, wohin KI führt, sondern wie wir diesen Wandel gestalten. Technologie ist nie nur ein technischer Fortschritt – sie verändert auch unser Zusammenleben. Umso wichtiger ist es, KI verantwortungsvoll einzusetzen, ihre Möglichkeiten zu nutzen und ihre Grenzen zu kennen.
Wenn uns das gelingt, kann KI eine große Bereicherung sein – nicht als Ersatz für den Menschen, sondern als Werkzeug, das unsere Fähigkeiten erweitert und uns in vielen Bereichen unterstützt.
Schule
Die Idee, die Kinder in die Schule zu schicken, ist so alt wie die Menschheit. Durch die letzten 4000 Jahre wurde die Schule von verschiedenen Völkern immer wieder mal neu erfunden. Eine Schule gründet eine Gesellschaft immer dann, wenn sie Wissen braucht, das man als Kind nicht einfach Zuhause lernt und das für die Sicherheit und die Verbesserung der Lebensbedingungen enorm wichtig ist. Es wird oft gesagt, dass die Schule in Mesopotamien erfunden wurde. Hier haben die Menschen die erste Schrift erfunden, die Keilschrift. Jetzt konnten sie alles aufschreiben was wichtig war. Gesetze, Regeln, Warenmengen, Preise, Beschreibungen und vieles mehr. Die Menschen haben dann die Schule erfunden, weil sie einen Raum brauchten, in dem man geschützt Lesen, Schreiben und Rechnen lernen konnte. Die Gelehrten hatten also die Idee von der Schule.
Auch in den Gesellschaften der alten Griechen wurde die Schule erfunden. Das war so ca. vor 2500 Jahren. Damals gingen nur Jungen von reichen Menschen in die Schule. Platon der Philosoph hat um 400 vor Christus eine Philosophenschule gegründet. Damals wurde auch das Wort Schule erfunden, das hieß damals so viel wie Freizeit und faulenzen. Dahinter steckte die Idee, dass der Mensch Ruhe und Zeit braucht, um auf gute Gedanken zu kommen. Die Römer hatten also die Idee von der Schule um philosophieren zu können.
In der Neuzeit, also fast 2500 Jahre später hat Amos Comenius, ein tschechischer Gelehrter die Schule nochmal neu erfunden. Er hat 1657 ein großes Buch geschrieben wo alles drin stand, was man als gläubiger und moralischer Mensch wissen muss: Die große Didaktik. Bisher fand Lernen nur für reiche Menschen satt. Schule war meist Einzelunterricht im Kloster. Comenius fand das nicht gut, weil der Mensch sich nur durch Bildung entwickeln kann. Er wollte, dass alle Kinder Lesen und Schreiben lernen – egal ob arm oder reich, ob Mädchen oder Junge. In den Klassenzimmern ging es als sehr chaotisch zu. Lehrer waren oft Pfarrer und Handwerker aus dem Dorf. Comenius hat die Schule ordentlich und jahrgangssortiert gestaltet. Die Idee von Schule kam also vom Humanisten, der den lernenden Menschen im Blick hatte.
Mit der Industrialisierung ab ca. 1800 wurden gut ausgebildete Arbeiter und Ingenieure gebraucht. Daher hat man die Schule erfunden, die für Handwerker den Volksschulabschluss vorsah, für Ingenieure einen mittleren Abschluss und für Mediziner und Gelehrte das Gymnasium. Man dachte damals, dass die Schule auf den zukünftigen Beruf vorbereiten muss. Das Prinzip hat die ersten 100 Jahre ganz gut funktioniert.
Heute ist das ganz anders. Wir haben die Schule noch einmal neu erfunden. Die nennen wir das Haus des Lernens. Sie stellt Lernumgebungen zur Verfügung, die problemorientiert sind, in denen die Kinder angeregt und herausgefordert werden. Die aber auch jedes Kind bestmöglich individuell fördert. Vielleicht erfinden die Menschen demnächst schon wieder eine neue Schule. Vielleicht lernen wir in der Zukunft in virtuellen Räumen oder in alten Schulgebäuden mit virtueller Unterstützung.
Was wir jetzt tun, ist die Schule jeden Tag aufs Neue erfinden und besser machen.
Zum weiter schauen:
srf kids Schweizer Rundfunk https://www.youtube.com/watch?v=PCAXsS1v8e4
https://www.wissenschaftsjahr.de/2022/fragen/antworten/detailansicht/wer-hat-die-schule-erfunden.html
Ja, es gibt empirische Befunde, die zeigen, dass das Verhalten von Schülerinnen und Schülern von Lehrkräften als zunehmend herausfordernder wahrgenommen wird. Aktuelle Daten hierzu liefert etwa das Deutsche Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung, bei dem insgesamt 1.547 Lehrkräften (inklusive Schulleitungen) an allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland durch das Meinungsforschungsinstitut forsa befragt wurden. Bei der offenen Frage, was für sie die größten Herausforderungen seien, gab knapp die Hälfte aller Lehrkräfte das schwierige Verhalten der Schülerinnen und Schüler an, das damit die größte (wahrgenommene) berufliche Belastung darstellt – noch vor der Heterogenität der Schülerschaft (34%) an zweiter Stelle. Da das Deutsche Schulbarometer seit 2019 jährlich verschiedene Daten im Bildungssystem erfasst, lässt sich zudem ein Trend erkennen, wie Sie ihn in Ihrer Frage andeuten: So zeigen die Daten, dass der Anteil der Lehrkräfte, die diesen Punkt als ihre größte Herausforderung wahrnehmen, in den letzten Jahren von 35% in 2024 über 42% in 2025 auf inzwischen 46% stetig zugenommen hat.
Als Gründe ist eine „exzessive Handynutzung“ der Schülerinnen und Schüler – zumindest in diesen Daten – nicht explizit auszumachen. Vielmehr gaben die Lehrkräfte an, dass sich die häufigsten Verhaltensprobleme im Sozialverhalten und in mangelnder Motivation zeigten. Dies legt die Frage nahe, wodurch problematisches Sozialverhalten und eine mangelnde Motivation bedingt bzw. verstärkt werden und inwiefern der Medienkonsum hier eine Rolle spielt. Diese nicht nur in der Bildungsforschung viel diskutierte Frage geht jedoch über das hinaus, was die Daten des Deutschen Schulbarometers zu beantworten vermögen.
Recht und Gesellschaft
Sollte eine Altersgrenze eingeführt werden, damit schuldunfähige ältere Straftäterinnen und Straftäter angemessen zur Verantwortung gezogen werden können?
Das ist eine komplexe rechtspolitische und rechtsphilosophische Frage, zu der es keine einfache Antwort gibt – ich fasse knapp den Stand der Diskussion und das Für und Wider zusammen.
Im deutschen Strafrecht gibt es aktuell keine obere Altersgrenze für Schuldfähigkeit – wohl aber eine untere Grenze, die sog. Strafmündigkeit ab einem Alter von 14 Jahren- Schuldunfähigkeit im Alter wird nach § 20 StGB im Einzelfall geprüft, meist im Kontext von Demenz oder anderen psychischen Erkrankungen, die die Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit aufheben. Schuld(un-)fähigkeit ist rechtlich eine individuelle medizinisch-juristische Feststellung, jenseits des 13 Lebensjahrs unabhängig vom biologischen Alter. Allerdings ist wichtig zu betonen: Bei Fragen nach Schulfähigkeit gilt einzig der Zeitpunkt der Tat – nicht das aktuelle Alter bei Verhandlung. Das ist z.B. wichtig bei Verfahren um NS-Straftäter*innen – auch wenn die Straftat Jahrzehnte zurück liegt und die Personen nun sehr alt sein mögen, und deshalb möglicherweise aktuell nicht mehr schuldfähig wären und nicht verhandlungsfähig oder haftfähig sind – berührten diese Fragen nicht die Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt.
Die Verhandlungsfähigkeit ist eine Frage der Strafprozessordnung (§ 205, § 231 StPO). Sie lautet: Kann eine angeklagte Person aktuell einem Prozess körperlich und geistig folgen, sich verteidigen, das Geschehen verstehen? Bei Straftaten, die lange zurück liegen, ist das oft die Hauptfrage, nicht die Frage nach der Schuld. Hier gibt es Möglichkeiten Prozesse anzupassen, z.B. durch kürzere Verhandlungstage o.ä.
Die Frage nach der Haftfähigkeit betrifft nochmal eine andere Ebene: Selbst nach Verurteilung zu Strafhaft kann diese ausgesetzt oder angepasst werden (§ 455 StPO), wenn die Person aus gesundheitlichen Gründen nicht haftfähig ist – etwa bei schwerer Pflegebedürftigkeit. Das führt in der Praxis manchmal dazu, dass Verurteilte trotz rechtskräftigen Urteils keinen Tag in Haft verbringen, weil eine Haftunterbrechung oder -aussetzung erfolgt.
Die Begrenzung der Schuldfähigkeit nach oben qua Alter kann schon alleine aus folgendem Grund nur schwerlich umgesetzt werden: Wir haben uns gesellschaftlich darauf geeinigt, dass Menschen, die dass 13 Lebensjahr noch nicht vollendet haben, Kinder sind und deshalb nicht alleine für ihre Handlungen Verantwortung tragen (auch wenn das immer wieder diskutiert wird). Eine vergleichbare Einigung auf eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht: Ab welchem Alter sollte sie überhaupt kommen?
Das mag alles nicht zufriedenstellend klingen, aus kriminologischer Perspektive kommt aber noch hinzu: Eine Verurteilung zu unbedingten Gefängnisstrafen ist empirisch gesehen kein wirksames Instrument gegen Kriminalität – auch nicht präventiv. Die Frage warum wir als Gesellschaft unbedingt daran festhalten wollen, sollten wir uns also zumindest stellen.
Warum werden Emotionen im Rechtssystem als strafmildernd berücksichtigt?
Emotionen werden im Rechtssystem nicht per se als strafmildernd gewertet. Das Strafrecht kennt keinen allgemeinen Grundsatz, der besagt, dass jemand eine mildere Strafe bekommt, weil er*sie bei der Tatausübung starke Gefühle hatte. Vielmehr gibt es bestimmte Konstellationen, in denen Emotionen bei der Strafzumessung berücksichtigt werden können – darunter auch Fälle, in denen Emotionen strafverschärfend wirken (z. B. Rachsucht oder Eifersucht als sog. "niedrige Beweggründe" bei Mord, § 211 StGB). Ob und wie Emotionen im Verfahren berücksichtigt werden, hängt vom konkreten Tatbestand, der Art der Emotionen, den Umständen des Einzelfalls und den gezeigten Emotionen vor Gericht (z.B. Reue) ab – also nicht von der bloßen Tatsache, dass Gefühle im Spiel waren.
Was es gibt, ist die verminderte Schuldfähigkeit nach § 21 StGB. Da geht es allerdings nicht um Emotionen, sondern um die Beeinträchtigung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit des*der Täter*in durch einen unter § 20 StGB genannten Gründe – dazu zählt auch die "tiefgreifende Bewusstseinsstörung". Ob die Beeinträchtigung als "erheblich" gilt, ist umstritten und erfordert in der Regel ein psychiatrisches Gutachten. Wichtig zu beachten ist, dass eine verminderte Schuldfähigkeit nicht automatisch zu einer milderen Strafe führt. Das liegt im Ermessen des Gerichts. Und: starke Emotion erreicht oftmals überhaupt nicht die Schwelle der Bewusstseinsstörung - ob Emotionen und Affekte hier ausreichend sind, muss im Einzelfall geprüft werden.
Daneben kennt das deutsche Strafrecht noch den „Minder schwerer Fall des Totschlags“ (nach § 213 StGB). Auch hier wirken Emotionen nicht pauschal strafmildernd. Wenn die Umstände einer Tat so sind, dass ein*e Täter*in objektiv extrem provoziert wurde, emotional extrem in die Enge getrieben oder gar misshandelt wurde, und aus diesem Affekt auf der Stelle diese Straftat begeht, kann das Gericht zur Einsicht gelangen, dass hier ein minder schwerer Fall vorliegt. Das Strafrecht unterscheidet gerade bei Tötungsdelikten ausdrücklich zwischen nachvollziehbaren und "niedrigen" Beweggründen. Emotionen wie Rachsucht, Habgier oder Mordlust – zählen zu den Mordmerkmalen des § 211 StGB und wirken strafschärfend, nicht mildernd.
Patriarchale Strukturen lösen sich nicht „von selbst“ und auch nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt auf, sondern dann, wenn ihre Reproduktion durch kollektive Praxis unterbrochen wird – also wenn die alltäglichen Handlungen, Institutionen und Wissensordnungen, die sie stabilisieren, dauerhaft infrage gestellt, verweigert und umgebaut werden.
Patriarchale Strukturen basieren auf zwei Grundannahmen: Erstens, dass es nur zwei Geschlechter gibt – Mann und Frau. Zweitens, dass Männer mehr wert sind und mehr Macht haben sollten als Frauen. Wer nicht in diese Zweiteilung passt – zum Beispiel nicht-binäre, trans oder intergeschlechtliche Menschen –, wird unsichtbar gemacht oder abgewertet. Dazu gehört auch ein spezifisches Ideal von „Männlichkeit“. Patriarchale Männlichkeitsnormen schränken auch Männer ein. Insbesondere queere Männer, schwule oder trans* Männer sowie alle, die diesem starren Bild nicht entsprechen, erleben deshalb oft Ausgrenzung, Abwertung oder Gewalt.
Auf dieser Grundlage haben Männer auch in unserer Gesellschaft im Durchschnitt mehr Macht, mehr Einfluss und mehr Möglichkeiten als Frauen. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass es mehr männliche Chefs gibt, Männer im Schnitt noch immer mehr verdienen und in vielen Familien immer noch erwartet wird, dass Frauen sich um Kinder und Haushalt kümmern – auch wenn sie berufstätig sind. Das ist nicht von Natur aus so, sondern über Jahrhunderte zur „Normalität“ geworden. Es steckt in Regeln, in Gewohnheiten, in dem, was als „normal“ empfunden wird.
Patriarchale Strukturen sind so beharrlich, weil sie jeden Tag unbewusst mitgetragen werden – durch das, was getan, gesagt und erwartet wird. Wenn diese Erwartungen hinterfragt werden, gerät diese Ordnung ins Wackeln.
Dabei geht es um mehr als nur um einzelne Frauen. Es reicht zum Beispiel nicht, ein paar Frauen zu Chef:innen zu machen. Es geht darum, die Regeln zu ändern, nach denen unsere Gesellschaft funktioniert – zum Beispiel: Wie wird Arbeit bezahlt? Wer übernimmt Care-Arbeit? Wie sind Familien organisiert?
Patriarchale Strukturen sind nicht nur durch Ungleichheit gekennzeichnet, sondern auch durch Gewalt. Männer töten Frauen, vergewaltigen Frauen und Kinder, üben psychische und physische Gewalt aus – und diese Gewalt wird in patriarchalen Ordnungen oft geduldet, relativiert oder als „privates“ und nicht als gesellschaftliches Problem abgetan. Gewalt ist dabei kein Zufall, sondern ein Mittel zur Aufrechterhaltung der männlichen Dominanz.
Die Vorstellung, dass Männer das Sagen haben, ist keine Naturtatsache. Es ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die unter bestimmten Bedingungen entstanden ist – und die sich auch wieder ändern kann.
Dabei sind nicht alle Frauen gleich betroffen. Frauen mit wenig Geld, mit Migrationsgeschichte, mit Behinderungserfahrungen oder queere Frauen* haben es oft noch schwerer. Beim Abbau patriarchaler Strukturen müssen auch diese anderen Ungerechtigkeiten mitgedacht werden.
Patriarchale Strukturen sind eng verknüpft mit der Art, wie unsere Wirtschaft funktioniert und wie der Staat Regeln setzt. Einige Expert:innen argumentieren deshalb, dass eine wirkliche Veränderung nur möglich ist, wenn sich auch diese größeren Systeme verändern. Entsprechend wird das „Verschwinden des Patriarchats“ nur im Zusammenhang mit einer Transformation kapitalistischer und staatlicher Strukturen denkbar.
Kurz gesagt: Patriarchale Strukturen sind wie ein unsichtbares Regelwerk, das Männern mehr Macht gibt, nur zwei Geschlechter anerkennt und Gewalt gegen Frauen und Kinder und Queere Menschen ermöglicht. Sie verschwinden nur, wenn diese Regeln gemeinsam hinterfragt und geändert werden.
Religion
Die Frage setzt schon voraus, dass es eine Seele gibt und dass diese nicht stirbt. Darüber lässt sich streiten; diese Vorstellung ist aber weit verbreitet. Sie entsteht in der antiken griechischen Philosophie und begegnet dann zum Beispiel auch in einigen biblischen Aussagen.
Wer von der „Seele“ eines Menschen spricht, meint damit so etwas wie dessen Persönlichkeit oder inneren Menschen. Die Seele ist damit in unserem heutigen Verständnis auch der Sitz von Erinnerungen und Emotionen; sie ist verletzlich, zugleich aber auch eine Quelle von Resilienz. Und die Seele ist wertvoll: Keineswegs wäre es erstrebenswert, „seelenlos“ zu sein.
So erklärt sich auch, dass angesichts der Sterblichkeit des Menschen die Hoffnung entsteht, dass diese Seele aufgehoben oder geborgen ist, auch nach dem Tod des Menschen. Dafür gibt es viele Bilder, oder anders gesagt: Die Religionen und die Philosophie geben unterschiedliche Antworten auf diese Frage bzw. gelangen zu unterschiedlichen Deutungen.
So hat die griechische Philosophie in der Antike den Gedanken der Seelenwanderung stark gemacht. Für Platon ist die Seele unsterblich und wandert durch verschiedene Leiber, bis sie schließlich durch philosophische Erkenntnis gereinigt zum Göttlichen kommt. Die Hoffnung war, dass die Seele vom Gefängnis des Körpers frei wird und in das Reich der Ideen zurückkehrt.
Die christliche Theologie setzt sich davon ab. Für sie ist auch nicht das Weiterleben nur der Seele zentral, sondern der Gedanke der Auferstehung: Nach dem Tod, so die christliche Hoffnung, werden die Menschen auferstehen und neues und ewiges Leben bei Gott finden. Diese Hoffnung wurde lange mit Hilfe des Leib-Seele-Modells formuliert, das aus dem griechischen Denken übernommen wurde. Demnach trennt sich im Tod die Seele vom Leib. Die Seele, so der Glaube, kommt zu Gott. Der Leib hingegen zerfällt und wird am Jüngsten Tag auferstehen; dann wird er mit der Seele vereinigt.
In der heutigen Theologie wird deutlicher gesehen, dass dieses Modell zahlreiche Schwächen hat. Aus diesem Grund favorisieren viele Theologinnen und Theologen das Modell einer Auferstehung des ganzen Menschen. Der Begriff „Seele“ wird weiterhin verwendet als Inbegriff menschlicher Identität.
Sicher wissen wir das aber alles nicht: Wir sind Menschen auf dieser Erde. Wohl auch deshalb gibt es verschiedene Bilder und Vorstellungen von dem, was nach dem Tod ist. Wenn wir annehmen, dass die Seele sich im Tod vom Körper trennt und an einen anderen Ort „geht“, dann ist das wohl auf jeden Fall ein „Ort“, der für uns, solange wir leben, nicht erreichbar ist.
Meist nehmen die Vorstellungen für diesen Ort die Hoffnung auf Geborgenheit auf und glauben etwa, dass die Seelen im „Himmel“ oder im „Paradies“ sind. Andere Vorstellungen wollen die Unsterblichkeit der Seele mit der Auferstehung des ganzen Menschen verbinden; hier gibt es zum Beispiel die Annahme, dass die Seelen bis dahin „schlafen“. Schließlich gibt es auch die Idee, dass die Seelen mancher Menschen – bzw. nach der Auferstehung auch diese Menschen – nicht in eine Geborgenheit bei Gott eintreten, sondern eine Art ewige Strafe erleiden müssen.
Diese Vorstellung ist Ausdruck der Erfahrung erlittenen Unrechts und der Sehnsucht nach einer Wiederherstellung der Gerechtigkeit. Die Hoffnung auf Gerechtigkeit gehört in Religionen mit einer Jenseitsvorstellung zu den Zukunftserwartungen. Ob Gott diese aber nur herstellen kann durch die Verhängung ewiger Strafen oder ob seine gnädige Aufnahme am Ende allen gilt? Ein Theologe hat diese Hoffnung einmal so formuliert, als er gefragt wurde, ob wir im Himmel auch „alle unsere Lieben“ wiedersehen werden: „Ja, aber die anderen auch.“
















