Hier finden Sie Fragen, die uns im Rahmen unseres „Ask Me Anything“ auf der Science Night 2026 erreicht haben. Forschende der Pädagogischen Hochschule Freiburg beantworten diese Fragen auf Grundlage ihrer wissenschaftlichen Expertise. Die Antworten werden nach und nach ergänzt.

Physik und Chemie

Jörg (68):
Physik habe ich mit einer Fünf abgewählt. Wie werde ich trotzdem Physikprofessor?
Antwort folgt
Farid:
Gibt es auf der Welt noch unerforschtes Leben – zum Beispiel Dinosaurier?
Antwort folgt
Lidya (8):
Warum geht Feuer aus, wenn Backpulver und Essig gemischt werden?
Antwort folgt
Leandro (12):
Können Schwarze Löcher sterben?
Antwort folgt
Josefine (7):
Was würde passieren, wenn ein Mensch die Sonne betreten würde?
Antwort folgt
Alan (8):
Wie ist die Milchstraße entstanden?
Antwort folgt

Biologie und Gesundheit

Noam (4):
Warum ist die Ameise so stark?
Antwort folgt
Niklas (8):
Wie alt werden Mäuse?
Antwort folgt
Maria (76):
Wie alt werden die Mädchen, die heute drei Jahre alt sind, und die Jungen, die heute sieben Jahre alt sind, einmal werden?
Antwort folgt
Josefine (7):
Wer ist der älteste Mensch und wie alt ist er?
Antwort folgt
Josefine (7):
Wer ist der größte Mensch?
Antwort folgt
Janka (12):
Wann werden die Menschen wegen des Klimawandels aussterben?
Antwort folgt

Mathematik

Professor für Mathematik und ihre Didaktik

Prof. Dr. Gerald Wittmann

Adresse/Raum
KG 4, 310
 
Telefon +49 761 682-526
E-Mail gerald.wittmann(at)ph-freiburg.de
Valentino (8):
Wie viel ist 52 geteilt durch 4?
Antwort von Prof. Dr. Gerald Wittmann:

52 : 4 = 13. Das kannst du zum Beispiel so rechnen: 40 : 4 = 10 und 12 : 4 = 3. Dann ist 52 : 4 = 13.

Mathilde (9):
Wer hat die Mathematik erfunden?
Antwort von Prof. Dr. Gerald Wittmann:

Die Mathematik wurde nicht von einer einzigen Person erfunden, sondern viele Leute habe über lange Zeit zur Entwicklung der Mathematik beigetragen.

Die Mathematik ist sehr alt. Heute noch gültige Erkenntnisse wurden vor über 4 000 Jahren aufgeschrieben, wie zum Beispiel Scherben von Tontafeln zeigen. Viele Völker haben unterschiedliche Methoden entwickelt, um Zahlen aufschreiben und damit rechnen zu können oder um geometrische Probleme lösen zu können. Wir wissen dies beispielsweise von den Babyloniern, Ägyptern, Inka, Maya oder auch Chinesen.

Vieles von unserem heutigen Wissen wurde vor mehr als 2 000 Jahren von den Griechen gefunden und bewiesen, zum Beispiel wie man Primzahlen finden kann und dass es unendlich viele Primzahlen gibt. Unsere heutige Darstellung von Zahlen und unsere Rechenverfahren wurden vor ungefähr 500 Jahren eingeführt. Am bekanntesten ist hier Adam Ries, der mehrere Rechenbücher geschrieben hat.

Die Entwicklung der Mathematik geht aber weiter. Auch heute werden immer noch neue Zusammenhänge entdeckt und in Fachzeitschriften veröffentlicht.

Niklas (8):
Wie viele Stunden hat ein Jahr?
Antwort von Prof. Dr. Gerald Wittmann:

1 Tag = 24 Stunden
1 Jahr = 365 Tage = 365 · 24 Stunden = 8 760 Stunden
Ein normales Jahr hat also 8 760 Stunden. 2026 ist ein normales Jahr.
Ein Schaltjahr hat 1 Tag oder 24 Stunden mehr, also 8 784 Stunden. Das nächste Schaltjahr ist 2028.
Wie viele Stunden ein Jahr hat, ist eine beliebte Aufgabe in Klasse 4. Vielleicht könnt ihr das auch im Unterricht ausrechnen, wenn du deine Lehrerin oder deinen Lehrer fragst?

Niklas (8):
Wie viele Sekunden hat ein Jahr?
Antwort von Prof. Dr. Gerald Wittmann:

1 Minute = 60 Sekunden
1 Stunde = 60 Minuten = 60 · 60 Sekunden = 3 600 Sekunden
1 Tag = 24 Stunden = 24 · 3 600 Sekunden = 86 400 Sekunden
1 Jahr = 365 Tage = 365 · 86 400 Sekunden = 31 536 000 Sekunden
Ein normales Jahr hat also 31 536 000 Sekunden. 2026 ist ein normales Jahr.
Ein Schaltjahr hat 1 Tag oder 86 400 Sekunden mehr, also 31 622 400 Sekunden. Das nächste Schaltjahr ist 2028.
Wie viele Sekunden ein Jahr hat, ist eine beliebte Aufgabe in Klasse 4. Vielleicht könnt ihr das auch im Unterricht ausrechnen, wenn du deine Lehrerin oder deinen Lehrer fragst?

Leonardo (9):
Wie berechnet man die Kreiszahl π (Pi)?
Antwort von Prof. Dr. Gerald Wittmann:

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, um die Kreiszahl π zu berechnen. Man kann sie aber immer nur näherungsweise berechnen, also möglichst viele Stellen von π angeben.

Eine recht einfache Möglichkeit sieht so aus: Ein Kreis wird in Tortenstücke zerschnitten, und diese werden dann aneinandergelegt. Wenn man das mit immer mehr Tortenstücken macht, erhält man eine Figur, die fast ein Rechteck ist. Der Flächeninhalt des Rechtecks ist gleich dem Flächeninhalt des Kreises. Daraus kann man dann π näherungsweise berechnen.

Kreis in Tortenstücke zerschnitten und aneinandergelegt

Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Kreis zwischen zwei 6-Ecken einzusperren. Das innere 6-Eck hat einen etwas kleineren Umfang und Flächeninhalt als der Kreis, das äußere 6-Eck hat einen etwas größeren Umfang und Flächeninhalt als der Kreis. Daraus kann man näherungs π berechnen: Man erhält einen Wert, der etwas kleiner ist, und einen Wert, der etwas größer ist. Wenn man im nächsten Schritt 12-Ecke statt 6-Ecken verwenden, dann erhält man etwas genauere Näherungswerte für π. Im wieder nächsten Schritt verwendet man dann 24-Ecke statt der 12-Ecke, und so weiter. Die eckigen Figuren kommen immer näher an den Kreis heran, und damit werden ihr Umfang und ihr Flächeninhalt immer besser Annäherungen für den Umfang und den Flächeninhalt des Kreises.

Kreis zwischen zwei Sechsecken eingesperrt
Lieselotte (10):
Warum fällt einem Mathe schwerer als andere Fächer?
Antwort von Prof. Dr. Gerald Wittmann:

Es kann verschiedene Ursachen dafür geben, dass Mathematik manchen Menschen schwerer fällt als andere Fächer.

  • Mathematische Zusammenhänge sind manchmal wirklich nicht einfach zu verstehen. Und: Grundlage der Mathematik sind Zahlen. Zahlen sind abstrakte Objekte, man kann sie nicht anfassen wie andere Dinge. Es gibt verschiedene Rechenverfahren, die unterschiedlich funktionieren. Zum Beispiel beginnt man beim schriftlichen Dividieren links, beim schriftlichen Addieren, Subtrahieren und Multiplizieren aber rechts. Um dies zu verstehen, muss man viel über Zahlen und ihre Eigenschaften wissen.
  • Das Wissen im Mathematikunterricht baut aufeinander auf. Wenn jemand die Eigenschaften von Zahlen und das Rechnen mit Zahlen bis 20 in der ersten Klasse nicht richtig verstanden hat, wird er in den folgenden Klassen Schwierigkeiten bekommen. Dies ist in anderen Fächern manchmal einfacher.
  • Manchmal geht auch der Mathematikunterricht in der Schule zu wenig auf Kinder ein, die Schwierigkeiten beim Mathematiklernen haben und die dabei mehr Hilfen benötigen würden. Manche Kinder bräuchten auch einen Förderunterricht in Mathematik. Wenn Sie mehr Unterstützung hätten, wären sie auch besser in Mathematik. Aber: Viele Kinder haben auch große Freude an Mathematik und sind sehr gut in Mathematik.

Wirtschaft

Prorektorin Transfer, Fortbildung und Digitalisierung, Professorin für Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik

Prof. Dr. Franziska Birke

Akademische Mitarbeiterin

Dr. Jana Franke

Akademischer Mitarbeiter

Dr. Bernd Remmele

Sekretariat Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik |Akademischer Mitarbeiter

Jens Alber

Adresse/Raum
Bibliotheksgebäude, 310
 
Telefon +49 761 682-908
E-Mail jens.alber(at)[ph-freiburg.de](http://ph-freiburg.de)

Doktorand

M. Sc. Jonathan Heitzler

Akademische Mitarbeiterin

Dipl.-Volksw. Annette Kern

Camiehl (12):
Wie wird man reich?
Antwort von Prof. Dr. Franziska Birke, Dr. Jana Franke, Dr. Bernd Remmele, Jens Alber, Jonathan Heitzler, Annette Kern:

Man kann auf verschiedene Wege reich werden. Generell gilt: Wer über längere Zeit mehr Geld einnimmt als ausgibt und den Überschuss klug nutzt, kann Vermögen aufbauen. Manche Menschen haben auch schon zu Beginn einen großen Vorteil, weil sie Vermögen von ihrer Familie erben – zum Beispiel Geld, Häuser oder Unternehmen. Andere bauen ihr Vermögen selbst auf, etwa durch ihre Arbeit, eine erfolgreiche Erfindung oder kluge Investitionen.

Wie kann man aber möglichst viel Geld einnehmen? Eine Möglichkeit ist die eigene Arbeit. Besonders hohe Einkommen erzielen Menschen, die über sehr besondere Fähigkeiten verfügen, eine lange und anspruchsvolle Ausbildung haben oder eine große Verantwortung tragen – und für deren Leistungen andere Menschen oder Unternehmen bereit sind, viel Geld zu bezahlen. Spitzenfußballer wie Lionel Messi oder Popstars wie Taylor Swift gehören dazu, aber auch Flugkapitäne, Chefärztinnen oder Führungskräfte großer Unternehmen können sehr hohe Einkommen erzielen.

Ein anderer Weg ist, eine gute Idee oder Erfindung zu entwickeln und daraus ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Dafür braucht man neben Wissen und Erfindergeist oft auch Geduld, Mut, Durchhaltevermögen – und Glück. Ein Beispiel dafür sind Uğur Şahin und Özlem Türeci. Sie forschten viele Jahre an der mRNA-Technologie, einer neuen Methode, mit der Impfstoffe und andere Medikamente entwickelt werden können. Als daraus gemeinsam mit vielen anderen Forschenden ein sehr erfolgreicher Impfstoff gegen das Coronavirus entstand, der weltweit eingesetzt wurde, wurde auch ihre Firma sehr wertvoll. Weil ihnen ein großer Teil dieser Firma gehörte, wurden sie sehr reich.

Was beim Reichwerden besonders hilft, ist, bereits vorhandenes Geld so einzusetzen, dass es sich vermehren kann. Das nennt man investieren. Man kann zum Beispiel Anteile an Unternehmen kaufen (Aktien) und davon profitieren, wenn das Unternehmen erfolgreicher wird und Gewinne erzielt. Man kann auch Häuser oder Wohnungen kaufen und diese vermieten – durch die Mieteinnahmen wächst das Vermögen weiter. Oder man kauft Dinge wie Gold und hofft, dass sie in Zukunft mehr wert sind. Dabei gibt es aber immer auch ein Risiko: Investitionen können im Wert steigen, aber auch an Wert verlieren. Man sagt deshalb manchmal: „Reiche Menschen lassen ihr Geld für sich arbeiten.“ Gemeint ist damit, dass sie ihr Geld nicht nur ausgeben, sondern es nutzen, um neues Geld zu verdienen.

Joshua (41):
Die Jahre 1870 bis 1970 waren von starkem wirtschaftlichem Wachstum und großen technologischen Durchbrüchen geprägt – deutlich mehr als die Epochen davor und die Jahrzehnte danach. Warum endete diese Entwicklung? Haben wir alle guten Ideen ausgeschöpft?
Antwort von Prof. Dr. Franziska Birke, Dr. Jana Franke, Dr. Bernd Remmele, Jens Alber, Jonathan Heitzler, Annette Kern:

Zwischen etwa 1870 und 1970 wuchs die Wirtschaft außergewöhnlich stark. Dies war nicht auf eine plötzliche Zunahme von Erfindungen zurückzuführen, sondern darauf, dass mehrere grundlegende Technologien – wie Elektrizität, der Verbrennungsmotor, die moderne Chemie und die Fernkommunikation – gleichzeitig Produktionsweisen, Betriebsstrukturen und die Produktivität großer Teile der arbeitenden Bevölkerung tiefgreifend veränderten. Dies führte zu breiten Lohnsteigerungen und einer vergleichsweise gleichmäßigen Wohlstandsverteilung.

Die Verlangsamung seit den 1970er Jahren ist nicht auf einen Mangel an Ideen zurückzuführen, sondern darauf, dass viele neuere Technologien vor allem einzelne Tätigkeiten deutlich produktiver machen, jedoch nicht die durchschnittliche Produktivität aller Beschäftigten gleichermaßen erhöhen. Hinzu kommen das Ende der starken Aufholphase nach dem Zweiten Weltkrieg, demografische Veränderungen und der Wandel zu einer Dienstleistungsgesellschaft.

Auch die üblichen Messgrößen unterschätzen oft den Beitrag moderner Innovationen, da sie Qualitätsverbesserungen, kostenlose digitale Dienste und organisatorische Fortschritte nur unvollständig erfassen. Außerdem stehen der breiten Wirksamkeit neuer Technologien praktische Hindernisse im Weg, zum Beispiel mangelnde Verbreitung, fehlende Investitionen in Ausbildung und Fähigkeiten, unzureichende organisatorische Anpassungen und ungenügende Infrastruktur, die Konzentration von Markt und Kapital sowie ökologische Grenzen.

Entscheidend ist daher nicht nur das Vorhandensein guter Ideen, sondern auch, ob künftige Technologien wie Künstliche Intelligenz, Biotechnologie oder neue Energielösungen gemeinsam mit passenden Institutionen, gezielten Investitionen in Verbreitung und Weiterbildung sowie sinnvoller Regulierung eine spürbare Produktivitätssteigerung für viele Beschäftigte ermöglichen.

Tymur (13):
Wie findet man einen Job?
Antwort von Prof. Dr. Franziska Birke, Dr. Jana Franke, Dr. Bernd Remmele, Jens Alber, Jonathan Heitzler, Annette Kern:

Bei der Suche nach einem Job sollte es nicht nur darum gehen, viel Geld zu verdienen. Wichtig ist auch, dass der Job zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt. Dabei kann man in vier Schritten vorgehen:

1. Eigene Interessen und Stärken erkennen: Zuerst überlegt man, was man gerne macht und worin man gut ist. Man kann sich zum Beispiel fragen, ob man gerne mit Menschen arbeitet, Dinge repariert oder am Computer tätig ist.

2. Informationen über Berufe sammeln: Danach informiert man sich über verschiedene Berufe. Informationen findet man zum Beispiel im Internet oder auf Berufsmessen. Außerdem kann man Betriebe in der Nähe ansprechen oder Eltern, Lehrkräfte und die Berufsberatung um Hilfe bitten.

3. Berufe praktisch ausprobieren: Wenn es möglich ist, sollte man einen Beruf praktisch kennenlernen, beispielsweise durch ein Praktikum. Dabei erlebt man den Arbeitsalltag und findet heraus, ob die Aufgaben wirklich zu einem passen.

4. Sich auf eine passende Stelle bewerben: Hat man einen interessanten Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle gefunden, schickt man eine Bewerbung. Diese besteht meistens aus einem Lebenslauf, einem Anschreiben und (digitalen) Kopien ausgewählter Zeugnisse und Nachweise über weitere Qualifikationen (z. B. Sprachkenntnisse oder Weiterbildungen). Wenn die Bewerbung überzeugt, wird man häufig zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dort stellt man sich vor und lernt gleichzeitig den Betrieb und die Stelle genauer kennen. Dabei noch wichtig zu wissen: Eine Absage bedeutet nicht zwingend, dass man für den Beruf grundsätzlich ungeeignet ist. Die Jobsuche ist auch ein Lernprozess, bei dem man mit jeder Bewerbung neue Erfahrungen sammelt.

Weitere Informationen zum Vorgehen bei der Jobsuche findet man zum Beispiel im Jugendportal „meinBERUF“ der Bundesagentur für Arbeit .

Musik

Porträt von Prof. Dr. Silke Schmid

Professur für Musik und ihre Didaktik, Institutsleiterin

Prof. Dr. Silke Schmid

Adresse/Raum
KG 6, M 005
 
Telefon+49 761 682-378
E-Mailsilke.schmid(at)ph-freiburg.de
Daniel (11):
Warum ist Musik so kompliziert? Warum hat Musik ihre eigene Sprache?
Antwort von Prof. Dr. Silke Schmid:

Musik kann kompliziert sein – aber auch ganz einfach. Sie fängt oft klein an: mit in die Hände klatschen oder leise vor sich hin summen. Schon diese Mini-Musik kann unsere Stimmung verändern. Wenn man gemeinsam mit anderen Musik machen will, fühlt sie sich manchmal wie eine eigene Sprache an, die man nach und nach lernt – durch Zuhören und Nachmachen.

Musik hat keine Wörter, aber einen eigenen „Bauplan“ für Klänge: Tonhöhe, Rhythmus und Lautstärke. Damit kann man Klänge immer wieder verändern. Das wirkt kompliziert, weil jede Musik ihre eigenen Spielregeln hat, je nachdem, wer sie macht, für wen und womit. Eigentlich kann man mit fast allem Musik machen – mit einem Stück Holz auf dem Tisch trommeln oder indem du dir die Ohren zuhältst und sie rhythmisch auf und zu machst. Musik ist oft einfach ein Spiel mit Klängen.

Wenn du ein Instrument lernst, lernst du die Spielregeln dafür und übst Bewegungen, damit du die Klänge spielen kannst, die du im Kopf hast. Es gibt auch Musik, die spontan entsteht – Musik wird immer wieder „neu“ erfunden. Die „Musiksprache“ hat sich über Jahrtausende entwickelt, weil sie etwas Besonderes kann: Sie kann ausdrücken, was Menschen fühlen. Wenn du traurig bist, kann eine Melodie sich so anhören, wie du dich fühlst.

Musik wirkt auch deshalb kompliziert, weil wir viele Arten von Musik in verschiedenen „Codes“ festhalten und weitergeben. Sobald du einen Code kennst, kannst du entschlüsseln, was sich jemand an Klängen ausgedacht hat – und Dinge ausdrücken, für die es in keiner anderen Sprache Worte gibt. Du kannst deinen eigenen Musik-Code erfinden – deine Musik, deine Regeln! Wenn jemand mitspielen soll, musst du deine Regeln erklären. So ist die Notenschrift entstanden: Damit andere auf einen Blick erkennen können, welche Klänge sich jemand ausgedacht hat.

Musik wird weniger kompliziert, wenn du mit kleinen Bausteinen anfängst (mit oder ohne Noten), mit ihnen spielst, bis dir gefällt, was du hörst, und nach und nach den „Klangsprachcode“ entschlüsselst. Und vergiss nicht: Das kann immer auch etwas sein, das du dir selbst ausdenkst.

Julia (34):
Wann gibt es wieder neue, innovative Musikrichtungen statt immer neuer Versionen alter Hits?
Antwort von Prof. Dr. Silke Schmid:

Der Eindruck, es gäbe nur ‚Versionen alter Hits‘, entsteht durch zwei Faktoren: Erstens machen Algorithmen und Medien genau das, was du beobachtest – sie pushen das, was bereits funktioniert hat: Streaming-Plattformen belohnen Bekanntes, Wiedererkennbarkeit, vertraute Songlängen etc. Zweitens dauert es oft 10 bis 20 Jahre, bis eine neue Bewegung (wie damals Rock, Techno oder Hip-Hop) den Mainstream. Wir sehen bspw. gerade eine massive Vermischung von Genres, die früher getrennt waren (z. B. K-Pop mit westlichem Trap, elektronische Elemente in traditioneller Volksmusik). Innovation ist ein diffuser, globaler Prozess: Musikrichtungen entstehen aus vielen kleinen Experimenten von Musiker:innen, Communities und Technologien.

Genau da passiert gerade sehr viel:

  • Wenn Afrobeats oder Amapiano mit Pop verschmelzen, verändern sich Grooves im Mainstream.
  • Hyperpop mischt Pop, EDM, Trap, Noise und Gaming-Ästhetik so, dass es erstmal „zu viel“ erscheint – und gerade darin liegt eine neue Ästhetik.
  • In Clubs, auf Soundcloud, Bandcamp und in Online-Communities entstehen ständig mikroskopische Genres, oft noch ohne Namen, aber mit sehr eigenständigen Klangwelten.

Innovation ist also häufig schon da – nur nicht in den Top-Playlists. Wenn du Neues suchst, hilft es, die Algorithmen bewusst zu umgehen: jenseits von Spotify & Co abseits empfohlener Tracks stöbern, auf kleine Clubkonzerte gehen, lokale Szenen suchen, Plattenläden besuchen (in Freiburg z.B. „Der Plattenladen“) und dich beraten lassen. Dort hörst du Musik, die noch in keine Schublade passt – und dein Alltag bekommt neue Sounds. Es wird spannend sein, zu sehen, wie „menschengemachte“ (vs KI-generierte oder von KI gepushte) Musik in Zukunft präsent sein wird – das hängt auch von uns ab.

Als Musikpädagogin geht es mir darum, Räume zu öffnen für Hören jenseits des Gewohnten, für Experimentieren mit Klängen, Technik und Stilen – und für Kontakte zu den Communities, in denen hybride und innovative Formen entstehen. Deine Frage lässt sich deshalb auch so beantworten: Neue Musikrichtungen gibt es bereits – sie warten darauf, dass wir sie entdecken und ihnen zuhören.

Lernpotenziale von interaktiven Medien wie Games, VR-Technologie und KI

Porträt von PD Dr. Lisa König

Direktorin des Zentrums für didaktische Computerspielforschung | Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Literatur- und Mediendidaktik

PD Dr. Lisa König

Porträt von Prof. Dr. Jan M. Boelmann

Professur für Literatur- und Mediendidaktik | Direktor des Zentrums für didaktische Computerspielforschung ([www.zfdc.de](http://www.zfdc.de))

Prof. Dr. Jan M. Boelmann

Moritz (10):
Welcher ist der stärkste Gegner in Minecraft?
Antwort von PD Dr. Lisa König und Prof. Dr. Jan M. Boelmann:

Viele denken zuerst an den Enderdrachen, weil er der große Endgegner am Ende des Spiels ist. Tatsächlich finden aber viele Spieler:innen den Warden deutlich stärker, weil er extrem viel Schaden macht und man ihn kaum besiegen kann – manchmal ist Schleichen und Verstecken die klügere Lösung.

Gleichzeitig gibt es für Warden (hoch bauen und runterschießen) und Enderdrachen (viiiiele Explosionen) Tricks, wie man sie gut besiegen kann. Beim Wither hingegen kann man bei der Beschwörung ein wenig mogeln, aber wenn er frei rumläuft, ist er vermutlich die härteste Nuss.

Aber nicht vergessen: Nicht jeder Konflikt muss durch Kämpfen gelöst werden. 🙂

Julia (34):
Wann endet die Übersexualisierung weiblicher Figuren in Computerspielen?
Antwort von PD Dr. Lisa König und Prof. Dr. Jan M. Boelmann:

Wir hoffen: Je mehr unterschiedliche Menschen Spiele entwickeln und je vielfältiger die Spielenden werden, desto schneller sollte es gehen. In den letzten Jahren hat sich bereits viel verändert – viele aktuelle Spiele zeigen Frauen als komplexe, glaubwürdige und selbstbestimmte Figuren statt als reine Blickfänger, auch wenn gerade der Diskurs rund um das neue God of War zeigt, dass wir da von einer tatsächlichen Anerkennung noch ein wenig entfernt sind.

Gleichzeitig gibt es nach wie vor Titel, die auf stark sexualisierte Darstellungen setzen. Die Übersexualisierung wird deshalb vermutlich nicht an einem bestimmten Tag „enden“. Aber sie verliert zunehmend ihre Selbstverständlichkeit – auch weil Spieler:innen, Entwickler:innen und Forschende dieses Thema immer stärker diskutieren.

Das ist aus unserer Sicht eine gute Entwicklung. Wenn du das Thema weiterverfolgen möchtest, findest du spannende Impulse bei Womenize! Games & Tech, einer Initiative für mehr Diversität und Sichtbarkeit in der Gamesbranche, sowie bei GAME:IN, einer Community, die sich für Geschlechtergerechtigkeit und gegen Sexismus in der deutschen Gamesbranche engagiert. Beide zeigen, wie viel sich bereits bewegt – und wo noch Handlungsbedarf besteht.

Nael (24):
Wann bekommen wir endlich wieder einen richtig guten AAA-Titel? Oder können Sie welche empfehlen?
Antwort von PD Dr. Lisa König und Prof. Dr. Jan M. Boelmann:

Wir erleben gerade eine spannende Zeit für AAA-Spiele – sie sehen heute nur anders aus als noch vor zehn Jahren. Statt immer größer und lauter zu werden, setzen viele Studios wieder stärker auf gute Geschichten, glaubwürdige Figuren und innovative Spielmechaniken.

Wenn wir aktuelle Empfehlungen geben müssten, wären das naheliegenderweise Baldur’s Gate III für seinen Umfang und spielerischen Tiefgang, Clair Obscur: Expedition 33 für seine außergewöhnliche Erzählweise, Kingdom Come: Deliverance II für seine dichte Spielwelt und Blue Prince als Beispiel dafür, dass auch ungewöhnliche Spielideen begeistern können.

Und wenn GTA VI hält, was es verspricht, könnte auch das ein neuer Meilenstein werden. Am Ende gilt aber wie bei Büchern oder Filmen: Das beste Spiel ist immer das, das zu den eigenen Interessen passt.

Michael (11):
Welches Spiel würden Sie einem zwölfjährigen Kind empfehlen?
Antwort von PD Dr. Lisa König und Prof. Dr. Jan M. Boelmann:

Das hängt ganz davon ab, was dir Spaß macht – und natürlich auch davon, welche Altersfreigabe ein Spiel hat. Wenn du gerne kreativ bist, ist Minecraft ein echter Klassiker. Für spannende Abenteuer mit einer tollen Geschichte können wir The Legend of Zelda: Echoes of Wisdom oder The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom empfehlen.

Magst du Rätsel und Knobeleien, sind Portal 2 oder Blue Prince spannende Spiele – Letzteres würden wir allerdings eher gemeinsam mit Erwachsenen oder älteren Jugendlichen spielen, weil es ziemlich anspruchsvoll ist. Unser wichtigster Tipp ist aber: Spiele das, was dir Freude macht, und entdecke ruhig auch einmal ein Genre, das du bisher noch nicht ausprobiert hast. Oft warten dort die größten Überraschungen.

Wenn du oder deine Eltern nach weiteren Empfehlungen sucht, lohnt sich ein Blick auf die Spieleempfehlungen des Zentrums für didaktische Computerspielforschung (ZfdC). Eine tolle Orientierung bietet außerdem der Spieleratgeber NRW: Dort werden Spiele gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen getestet und zusätzlich pädagogisch bewertet – inklusive Empfehlungen, für welches Alter ein Spiel besonders gut geeignet ist.

Monika (64):
Wo führt das hin mit der Künstlichen Intelligenz?
Antwort von PD Dr. Lisa König und Prof. Dr. Jan M. Boelmann:

Wir stehen mit Künstlicher Intelligenz an einem ähnlichen Wendepunkt wie einst mit dem Internet. KI wird viele Bereiche unseres Lebens verändern – von der Medizin über die Arbeitswelt bis hin zu Bildung, Wissenschaft und Kultur. Sie wird uns zahlreiche Aufgaben erleichtern, gleichzeitig aber auch neue Fragen aufwerfen: Wie können wir Informationen noch verlässlich einordnen? Welche Rolle spielt menschliche Kreativität? Und wie stellen wir sicher, dass technologische Entwicklungen unseren gesellschaftlichen Werten dienen?

Deshalb sollten wir weniger fragen, wohin KI führt, sondern wie wir diesen Wandel gestalten. Technologie ist nie nur ein technischer Fortschritt – sie verändert auch unser Zusammenleben. Umso wichtiger ist es, KI verantwortungsvoll einzusetzen, ihre Möglichkeiten zu nutzen und ihre Grenzen zu kennen.

Wenn uns das gelingt, kann KI eine große Bereicherung sein – nicht als Ersatz für den Menschen, sondern als Werkzeug, das unsere Fähigkeiten erweitert und uns in vielen Bereichen unterstützt.

Schule

Akademischer Mitarbeiter, Projekt "Sozius"

Dr. Jan Henning-Kahmann

akad. Direktor, Leiter des ZELF, Abteilungsleiter Bildungsforschung und Schulpädagogik

Dr. Patrick Blumschein

Adresse/Raum
Mensazwischendeck, Raum 13
 
Telefon +49 761 682-692
E-Mail patrick.blumschein(at)[ph-freiburg.de](http://ph-freiburg.de)
Mila (9):
Wer hatte die Idee mit der Schule?
Antwort von Dr. Patrick Blumschein:

Die Idee, die Kinder in die Schule zu schicken, ist so alt wie die Menschheit. Durch die letzten 4000 Jahre wurde die Schule von verschiedenen Völkern immer wieder mal neu erfunden. Eine Schule gründet eine Gesellschaft immer dann, wenn sie Wissen braucht, das man als Kind nicht einfach Zuhause lernt und das für die Sicherheit und die Verbesserung der Lebensbedingungen enorm wichtig ist. Es wird oft gesagt, dass die Schule in Mesopotamien erfunden wurde. Hier haben die Menschen die erste Schrift erfunden, die Keilschrift. Jetzt konnten sie alles aufschreiben was wichtig war. Gesetze, Regeln, Warenmengen, Preise, Beschreibungen und vieles mehr. Die Menschen haben dann die Schule erfunden, weil sie einen Raum brauchten, in dem man geschützt Lesen, Schreiben und Rechnen lernen konnte. Die Gelehrten hatten also die Idee von der Schule.

Auch in den Gesellschaften der alten Griechen wurde die Schule erfunden. Das war so ca. vor 2500 Jahren. Damals gingen nur Jungen von reichen Menschen in die Schule. Platon der Philosoph hat um 400 vor Christus eine Philosophenschule gegründet. Damals wurde auch das Wort Schule erfunden, das hieß damals so viel wie Freizeit und faulenzen. Dahinter steckte die Idee, dass der Mensch Ruhe und Zeit braucht, um auf gute Gedanken zu kommen. Die Römer hatten also die Idee von der Schule um philosophieren zu können.

In der Neuzeit, also fast 2500 Jahre später hat Amos Comenius, ein tschechischer Gelehrter die Schule nochmal neu erfunden. Er hat 1657 ein großes Buch geschrieben wo alles drin stand, was man als gläubiger und moralischer Mensch wissen muss: Die große Didaktik. Bisher fand Lernen nur für reiche Menschen satt. Schule war meist Einzelunterricht im Kloster. Comenius fand das nicht gut, weil der Mensch sich nur durch Bildung entwickeln kann. Er wollte, dass alle Kinder Lesen und Schreiben lernen – egal ob arm oder reich, ob Mädchen oder Junge. In den Klassenzimmern ging es als sehr chaotisch zu. Lehrer waren oft Pfarrer und Handwerker aus dem Dorf. Comenius hat die Schule ordentlich und jahrgangssortiert gestaltet. Die Idee von Schule kam also vom Humanisten, der den lernenden Menschen im Blick hatte.

Mit der Industrialisierung ab ca. 1800 wurden gut ausgebildete Arbeiter und Ingenieure gebraucht. Daher hat man die Schule erfunden, die für Handwerker den Volksschulabschluss vorsah, für Ingenieure einen mittleren Abschluss und für Mediziner und Gelehrte das Gymnasium. Man dachte damals, dass die Schule auf den zukünftigen Beruf vorbereiten muss. Das Prinzip hat die ersten 100 Jahre ganz gut funktioniert.

Heute ist das ganz anders. Wir haben die Schule noch einmal neu erfunden. Die nennen wir das Haus des Lernens. Sie stellt Lernumgebungen zur Verfügung, die problemorientiert sind, in denen die Kinder angeregt und herausgefordert werden. Die aber auch jedes Kind bestmöglich individuell fördert. Vielleicht erfinden die Menschen demnächst schon wieder eine neue Schule. Vielleicht lernen wir in der Zukunft in virtuellen Räumen oder in alten Schulgebäuden mit virtueller Unterstützung.

Was wir jetzt tun, ist die Schule jeden Tag aufs Neue erfinden und besser machen.

Zum weiter schauen:
srf kids Schweizer Rundfunk https://www.youtube.com/watch?v=PCAXsS1v8e4
https://www.wissenschaftsjahr.de/2022/fragen/antworten/detailansicht/wer-hat-die-schule-erfunden.html

Dorothee (53):
Gibt es statistisch belegbare Forschungsergebnisse, die die subjektive Wahrnehmung bestätigen, dass das Verhalten von Schülerinnen und Schülern immer herausfordernder wird – unter anderem durch exzessive Handynutzung oder aus anderen Gründen?
Antwort von Dr. Jan Henning-Kahmann:

Ja, es gibt empirische Befunde, die zeigen, dass das Verhalten von Schülerinnen und Schülern von Lehrkräften als zunehmend herausfordernder wahrgenommen wird. Aktuelle Daten hierzu liefert etwa das Deutsche Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung, bei dem insgesamt 1.547 Lehrkräften (inklusive Schulleitungen) an allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland durch das Meinungsforschungsinstitut forsa befragt wurden. Bei der offenen Frage, was für sie die größten Herausforderungen seien, gab knapp die Hälfte aller Lehrkräfte das schwierige Verhalten der Schülerinnen und Schüler an, das damit die größte (wahrgenommene) berufliche Belastung darstellt – noch vor der Heterogenität der Schülerschaft (34%) an zweiter Stelle. Da das Deutsche Schulbarometer seit 2019 jährlich verschiedene Daten im Bildungssystem erfasst, lässt sich zudem ein Trend erkennen, wie Sie ihn in Ihrer Frage andeuten: So zeigen die Daten, dass der Anteil der Lehrkräfte, die diesen Punkt als ihre größte Herausforderung wahrnehmen, in den letzten Jahren von 35% in 2024 über 42% in 2025 auf inzwischen 46% stetig zugenommen hat.

Als Gründe ist eine „exzessive Handynutzung“ der Schülerinnen und Schüler – zumindest in diesen Daten – nicht explizit auszumachen. Vielmehr gaben die Lehrkräfte an, dass sich die häufigsten Verhaltensprobleme im Sozialverhalten und in mangelnder Motivation zeigten. Dies legt die Frage nahe, wodurch problematisches Sozialverhalten und eine mangelnde Motivation bedingt bzw. verstärkt werden und inwiefern der Medienkonsum hier eine Rolle spielt. Diese nicht nur in der Bildungsforschung viel diskutierte Frage geht jedoch über das hinaus, was die Daten des Deutschen Schulbarometers zu beantworten vermögen.

Recht und Gesellschaft

Valentina (22):
Sollte eine Altersgrenze eingeführt werden, damit schuldunfähige ältere Straftäterinnen und Straftäter angemessen zur Verantwortung gezogen werden können?
Antwort folgt
Josef (53):
Warum werden Emotionen im Rechtssystem als strafmildernd berücksichtigt?
Antwort folgt
Melanie (34):
Wann lösen sich patriarchale Strukturen auf?
Antwort folgt

Religion

Professur für Katholische Theologie/Religionspädagogik (Schwerpunkt: Dogmatik und ihre Didaktik)

Prof. Dr. Sabine Pemsel-Maier

Professur für Evangelische Theologie/Religionspädagogik (Biblische Theologie und ihre Didaktik)

Prof. Dr. Axel Wiemer

Iliana (22):
Wohin geht die Seele nach dem Tod?
Antwort von Prof. Dr. Sabine Pemsel-Maier und Prof. Dr. Axel Wiemer:

Die Frage setzt schon voraus, dass es eine Seele gibt und dass diese nicht stirbt. Darüber lässt sich streiten; diese Vorstellung ist aber weit verbreitet. Sie entsteht in der antiken griechischen Philosophie und begegnet dann zum Beispiel auch in einigen biblischen Aussagen.

Wer von der „Seele“ eines Menschen spricht, meint damit so etwas wie dessen Persönlichkeit oder inneren Menschen. Die Seele ist damit in unserem heutigen Verständnis auch der Sitz von Erinnerungen und Emotionen; sie ist verletzlich, zugleich aber auch eine Quelle von Resilienz. Und die Seele ist wertvoll: Keineswegs wäre es erstrebenswert, „seelenlos“ zu sein.

So erklärt sich auch, dass angesichts der Sterblichkeit des Menschen die Hoffnung entsteht, dass diese Seele aufgehoben oder geborgen ist, auch nach dem Tod des Menschen. Dafür gibt es viele Bilder, oder anders gesagt: Die Religionen und die Philosophie geben unterschiedliche Antworten auf diese Frage bzw. gelangen zu unterschiedlichen Deutungen.

So hat die griechische Philosophie in der Antike den Gedanken der Seelenwanderung stark gemacht. Für Platon ist die Seele unsterblich und wandert durch verschiedene Leiber, bis sie schließlich durch philosophische Erkenntnis gereinigt zum Göttlichen kommt. Die Hoffnung war, dass die Seele vom Gefängnis des Körpers frei wird und in das Reich der Ideen zurückkehrt.

Die christliche Theologie setzt sich davon ab. Für sie ist auch nicht das Weiterleben nur der Seele zentral, sondern der Gedanke der Auferstehung: Nach dem Tod, so die christliche Hoffnung, werden die Menschen auferstehen und neues und ewiges Leben bei Gott finden. Diese Hoffnung wurde lange mit Hilfe des Leib-Seele-Modells formuliert, das aus dem griechischen Denken übernommen wurde. Demnach trennt sich im Tod die Seele vom Leib. Die Seele, so der Glaube, kommt zu Gott. Der Leib hingegen zerfällt und wird am Jüngsten Tag auferstehen; dann wird er mit der Seele vereinigt.

In der heutigen Theologie wird deutlicher gesehen, dass dieses Modell zahlreiche Schwächen hat. Aus diesem Grund favorisieren viele Theologinnen und Theologen das Modell einer Auferstehung des ganzen Menschen. Der Begriff „Seele“ wird weiterhin verwendet als Inbegriff menschlicher Identität.

Sicher wissen wir das aber alles nicht: Wir sind Menschen auf dieser Erde. Wohl auch deshalb gibt es verschiedene Bilder und Vorstellungen von dem, was nach dem Tod ist. Wenn wir annehmen, dass die Seele sich im Tod vom Körper trennt und an einen anderen Ort „geht“, dann ist das wohl auf jeden Fall ein „Ort“, der für uns, solange wir leben, nicht erreichbar ist.

Meist nehmen die Vorstellungen für diesen Ort die Hoffnung auf Geborgenheit auf und glauben etwa, dass die Seelen im „Himmel“ oder im „Paradies“ sind. Andere Vorstellungen wollen die Unsterblichkeit der Seele mit der Auferstehung des ganzen Menschen verbinden; hier gibt es zum Beispiel die Annahme, dass die Seelen bis dahin „schlafen“. Schließlich gibt es auch die Idee, dass die Seelen mancher Menschen – bzw. nach der Auferstehung auch diese Menschen – nicht in eine Geborgenheit bei Gott eintreten, sondern eine Art ewige Strafe erleiden müssen.

Diese Vorstellung ist Ausdruck der Erfahrung erlittenen Unrechts und der Sehnsucht nach einer Wiederherstellung der Gerechtigkeit. Die Hoffnung auf Gerechtigkeit gehört in Religionen mit einer Jenseitsvorstellung zu den Zukunftserwartungen. Ob Gott diese aber nur herstellen kann durch die Verhängung ewiger Strafen oder ob seine gnädige Aufnahme am Ende allen gilt? Ein Theologe hat diese Hoffnung einmal so formuliert, als er gefragt wurde, ob wir im Himmel auch „alle unsere Lieben“ wiedersehen werden: „Ja, aber die anderen auch.“